Interview: Open Source Lizenzen für die Bienenvielfalt

Interview: Open Source Lizenzen für die Bienenvielfalt

Walter Haefeker ist Berufsimker und spricht im Interview mit Ines Meier über das Bienensterben, die Intensivierung der Landwirtschaft und die Chancen, die Open Source Lizenzen, Samenbanken und Bienenstrom für das Überleben der Bienen bieten.

Walter Haefeker war ursprünglich IT-Manager und viele Jahre im Silicon Valley tätig. Bei seiner Rückkehr nach Europa stieß er durch sein Interesse an alten landwirtschaftlichen Geräten auf sogenannte Kanitzkörbe für Bienen. Seine Kinder waren von Anfang an begeistert. Sein jüngster Sohn nahm sich eine Sonnenblume aus der Vase und ging damit zum Bienenkorb, um die Bienen zu füttern. Walter Haefeker ist inzwischen seit 15 Jahren Berufsimker und engagiert sich als Vorstand im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerverbund, als Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes sowie als Leiter der Arbeitsgruppe Gentechnik im Weltimkerverband Apimondia.

Um auf das Bienensterben aufmerksam zu machen, hat vor kurzem ein Supermarkt nahe Hannover ohne Ankündigung über Nacht alle Produkte weggeräumt, die es ohne Bienen nicht geben würde. Das Angebot verkleinerte sich um 60%. Wie würde unsere Welt ohne Bienen aussehen?

Ich war in diese Geheimaktion involviert, sie hat sehr eindrücklich gezeigt, was auf dem Spiel steht. Eine Vielfalt von Obst und Gemüse ist von der Bestäubung durch Honigbienen und ihre Verwandten abhängig. Ohne Bienen würden wir uns hauptsächlich von Haferschleim oder ähnlichem ernähren, unser Nahrungsangebot wäre stark verarmt.

Eine Welt, die Bienen existenzgefährdend unter Druck setzt, wäre darüber hinaus in vielen anderen Aspekten lebensfeindlich. Die Auswirkungen sehen wir heute schon in der Vogelwelt. Auch uns würde es physisch und emotional schlecht gehen.

In China müssen Menschen mittlerweile ganze Obstplantagen per Hand bestäuben. Der Einzelhandelsriese Walmart hat in den USA gerade Patente für mehrere autonome Roboter-Bienen angemeldet, die Blüten bestäuben, Schädlinge überwachen und Pestizide spritzen sollen. Warum sterben Bienen weltweit?

Wir haben die Rahmenbedingungen für Bienen an vielen Stellschrauben verschlechtert. Wir haben ausgeräumte Agrarlandschaften mit einem minderwertigen Blütenangebot. Dabei ist vor allem die Vielfalt des Pollens sehr wichtig für die Bienen. Wir setzen Pestizide ein, um die Agrarlandschaft maschinengerecht zu machen. Wir haben Mähtechnik, die mit hoher Geschwindigkeiten blühende Wiesen mäht, dabei kommen jede Menge Bienen zu Schaden. Wir haben bei der Honigbiene eingeschleppte Bienenkrankheiten. Wir haben keine Nistmöglichkeiten für Wildbienen. Es gibt viele Ursachen für das Bienensterben, hinter denen aber jeweils die Intensivierung der Landwirtschaft steht.

Wie unterscheiden sich Wild- von Nutztiervölkern?

Das ist regional verschieden. In Europa haben wir noch eine große genetische Vielfalt bei den Bienen. Die Honigbiene ist hier heimisch, aber durch die eingeschleppte Varroamilbe ohne Unterstützung der Imker nicht überlebensfähig. Dieser Parasit ernährt sich von der sogenannten Hämolymphe, der nährstoffhaltigen Körperflüssigkeit der Honigbienen, und ist ihr gefährlichster Feind. Abgesehen von der notwendigen Behandlung der Varroamilbe wären aber die Bienenvölker, mit denen wir als Imker arbeiten, auch wild lebensfähig. Bienenhaltung ist also nicht vergleichbar mit Schweinemast oder Geflügelhaltung.

Wie werden Bienen gezüchtet und was sind die Zuchtziele?

Ein Bienenvolk vermehrt sich durch Teilung, normalerweise über den Schwarm. Diese Teilung kann der Imker auch selbst vornehmen. Bevor ein Bienenvolk schwärmt, zieht es sich eine oder mehrere neue Königinnen. Die Vermehrung der Königinnen kann der Imker lenken. Es gibt verschiedene Verfahren, um sowohl bei der Königin als auch bei den sogenannten Drohnenvölkern, die die männlichen Bienen liefern, bestimmte Eigenschaften zu selektieren oder zu stärken.

Da wir in Europa eine hohe Bevölkerungsdichte haben, ist es wichtig, dass die Bienen sanftmütig sind. Wenn einem Imker auffällt, dass ein Volk besonders aggressiv oder stechlustig ist, wird auf dieser Basis nicht weiter gezüchtet. Eine große Rolle bei der Züchtung spielen natürlich auch die Resistenz gegen Bienenkrankheiten und der Honigertrag.

Wem gehören die Bienen? Gibt es wie im Saatgutbereich auch hier eine zunehmende Marktkonzentration?

Wir sind glücklicherweise in der Situation, in der die Bauern waren, bevor Konzerne in den Bereich eingestiegen sind. Die Bienenzucht ist extrem vielfältig, hier wird kooperativ Zuchtmaterial getauscht. Züchter, die für die Selektion und Vermehrung ein besonderes Händchen haben, beliefern Imkerkollegen, die sich auf die Honigproduktion konzentrieren, mit Königinnen. Diese Königinnen sind frei von Lizenzen und Rechten des Züchters, so dass jeder Imker uneingeschränkt mit diesem Zuchtmaterial arbeiten kann.

Spielen Patente in der Bienenzucht überhaupt eine Rolle?

Gott sei Dank spielen Patente hier noch keine Rolle. Das ist unsere Chance: Wir müssen jetzt dafür einstehen, dass das auch so bleibt. Wir sind Teil der Bewegung, die dafür gesorgt hat, dass Europa weitgehend gentechnikfrei ist. Und wir haben uns natürlich sehr genau angeschaut, was den Bauern mit ihrem Saatgut passiert ist. Da war es plötzlich nicht mehr der Nachbar, der besonders gut züchten konnte. Stattdessen waren es Firmen, die Lizenzen auf Hybrid-Saatgut erhoben haben. Die Einführung des Sortenschutzrechts hat das, was Landwirte machen und verbreiten können, eingeschränkt. Auch das gibt es im Bereich der Imkerei nicht.

Als erster Verband überhaupt arbeitet der Verband Bayerischer Carnicazüchter inzwischen mit einer Open Source Lizenz. Welche Vorteile versprechen diese öffentlichen Lizenzen?

Der Carnicazuchtverband in Bayern war der erste Verband, der diesen Schritt gemacht hat. Aber inzwischen tut sich auch in Nachbarländern wie Holland und Frankreich etwas, auch bei anderen Bienenrassen. Zunächst geht es darum, die gemeinsame Zuchtarbeit, die in einem Verband geleistet wird, vor dem Zugriff durch Dritte zu schützen. Wir wollen sicherstellen, dass wir als Imker auch in Zukunft kooperativ zusammenarbeiten und diese Art der Bienenzucht fortführen können.

Der Weltimkerverband Apimondia hat vor zwei Jahren angekündigt, weltweit ein Open Source System für Bienenhalter einführen zu wollen. Wie wird dieses Vorhaben aufgenommen und wie ist der aktuelle Stand der Entwicklungen?

Ich bin beim Weltimkerverband für das Thema Gentechnik zuständig. Als ich dem Verbandsvorstand diese Strategie vorgeschlagen habe, wurde sie mit großer Begeisterung aufgenommen. Bei einer Open Source Lizenz ist eine juristische Person als Lizenzinhaber formal sehr wichtig. Gegenüber anderen Bereichen der Landwirtschaft sind wir in der glücklichen Lage, dass wir einen Weltverband haben, der diese Rolle übernommen hat. Wenn man einer juristischen Person diese Lizenzrechte einräumt, muss man sicherstellen, dass sie nicht gekauft oder anderweitig beeinflusst werden kann. Diesen großen, breit aufgestellten und neutralen Boden haben wir mit Apimondia. Aktuell erklären wir den einzelnen Imkerverbänden, wie das Open Source System funktioniert und wie man es umsetzen kann.

Auch die Landwirte in der Nutztierzucht haben beobachtet, was im Saatgutbereich passiert ist. Trotzdem gibt es keine vergleichbare strategische Selbstorganisation.

In der Bienenhaltung haben wir eine glückliche Verkettung von Umständen. Ich war in den 80er Jahren als Vertreter für Siemens in der Open Source Foundation, ich kenne also die Open Source Bewegung im IT-Bereich von Anfang an. In diesem Bereich waren die gesamte Computersoftware und vor allem die Betriebssysteme durch Firmen lizensiert und patentiert. Dadurch hatten die Universitäten Schwierigkeiten, Informatik zu lehren.

Bei Open Source im Bienenbereich geht es also nicht nur um die Sicherung der Rechte von Imkern, sondern auch um die Sicherung der Forschungsmöglichkeit für die Bienenwissenschaft. Wir haben in der Imkerei Quereinsteiger, die das Prinzip verstehen und wissen, wofür man es nutzen kann. Als deutlich wurde, dass es Versuche gibt, Bienen gentechnisch zu verändern, war klar, dass wir dieser Entwicklung mit einer Open Source Lizenz einen Riegel vorschieben müssen.

Bei meinen Recherchen zur Entwicklung einer solchen Lizenz für die Imkerei stieß ich auf die Open Source Initiative beim Saatgut. Das war ein weiterer glücklicher Umstand. Es gibt in der Landwirtschaft keinen anderen Bereich, in dem die Voraussetzungen für die Umsetzung von Open Source so gut sind wie bei den Bienen. Beim Thema Saatgut ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, in der Nutztierzucht sieht es brandgefährlich aus. Bei den Bienen haben wir aber bisher keine Sortenschutzregeln, Lizenzen oder Patente. Und wir haben eine Weltorganisation, die das System global umsetzen kann.

Als eine Reaktion auf das weltweite Bienensterben gibt es internationale Bestrebungen zum Aufbau von „Bienen-Banken“. Was genau wird da konserviert und wer kann die Banken nutzen?

Wir konservieren das Sperma von Drohnen. Die Bienen-Genbanken sind vergleichbar mit Saatgutbanken. Diese Initiative wird ebenfalls innerhalb des Weltimkerverbandes koordiniert und läuft parallel zu unserer Open Source Lizenz. Auch hier versuchen wir aus den Fehlern zu lernen, die wir beim Saatgut beobachtet haben. Die Landwirte haben brav ihre gesamte Vielfalt bei Saatgutbanken abgeliefert. Wie man beispielsweise in Gatersleben sieht, hat der Staat dann ein Biotech-Zentrum direkt auf diesen Standort gebaut und das Ganze in einen Selbstbedienungsladen für Konzerne verwandelt. Das wollen wir bei den Bienen verhindern. Deswegen kommt in unsere Genbanken nur Material, das unter der Open Source Lizenz steht.

In Städten wie Berlin gibt es inzwischen sehr viele Bienenhalter_innen, während etwa in Brandenburg großer Mangel herrscht.

Wir erleben einen großen Boom der Imkerei in den Städten. Viele Menschen wollen sich für die Bienen engagieren, das finden wir sehr gut. Allerdings hat beispielsweise die Honigbiene einen relativ hohen Betreuungsaufwand, weil sie gegen die Varroamilbe behandelt werden muss. Man sollte also entsprechende Kurse für Bienenhaltung absolvieren und sich überlegen, ob man die Betreuung von einem oder mehreren Bienenvölkern zeitlich leisten kann. Bienen warten nicht, bis man von einer Geschäftsreise zurückkommt, sie schwärmen beispielsweise, wann sie wollen.

Wir müssen verstärkt daran arbeiten, dass wir Menschen, die sich für Bienen interessieren, die ganze Welt der Bienen nahebringen. Für diejenigen, die Bienen halten wollen, aber wenig Zeit haben und auch keinen Honig produzieren möchten, gibt es andere Möglichkeiten. In Deutschland haben wir neben der Honigbiene hunderte weitere Bienenarten. Hummeln und Solitärbienen brauchen genauso Unterstützung wie die Honigbiene. Es gibt für jeden Menschen die passende Biene. Ein Boom der Imkerei in den Städten nutzt der Landwirtschaft allerdings erst einmal nichts.

Noch einmal zurück zur Aktion des Supermarktes in Hannover. Der Rewe-Vorstand resümierte da angesichts der immerhin noch gut bestückten Auswahl an Alkoholika lakonisch: „Besaufen können wir uns in Zukunft noch, aber sonst wird’s eng“. Was muss die Politik tun, um die Bienen zu schützen?

Ein wichtiger Schritt der europäischen Politik war das Verbot bienengefährlicher Neonicotinoide im Freiland, das nächstes Jahr wirksam wird. Wir brauchen auf der politischen Ebene ein Umsteuern hin zu einer bienenfreundlichen Agrarpolitik. Davon würden die Landwirte profitieren. Die Bestäubung durch Honigbienen und andere Bestäuber steigert die Erträge und die Qualität der Produkte und ist den Mitteln der Agrarindustrie häufig überlegen. Open Source ist dabei ein wichtiges Feld, nicht nur bei den Bienen oder beim Saatgut.

Der chemische Pflanzenschutz hat seinen Zenit überschritten, das ist eine gute Nachricht für die Bienen. Es wird immer schwieriger, chemischen Pflanzenschutz zur Zulassung zu bringen. Wenn sich herausstellt, dass das Produkt gefährlicher ist als angenommen – was meist der Fall ist – werden die Produkte wieder verboten. Stark im Kommen ist gerade der digitale Pflanzenschutz, der mit leichten Agrarrobotern und Bilderkennung arbeitet. In der Auseinandersetzung zwischen Zivilgesellschaft und Konzerninteressen wird es darum gehen, wem die Daten gehören. Werden unsere Landwirte nicht nur beim Saatgut, sondern auch bei den digitalen Daten, die sie für die neuen Anbaumethoden brauchen, von großen Konzernen abhängig?

Alle großen Chemiehersteller haben inzwischen eine Digitalabteilung und träumen davon, dass die Landwirte ihre Daten in ihrer Cloud haben. Da müssen wir schnell handeln, denn die Konzerne haben dazu bereits entsprechende Überlegungen. Wenn Uni-Projekte, in denen Agrarroboter und die Erkennung von Unkräutern und Schädlingen erforscht werden, mit öffentlichen Geldern gefördert werden, müssen die Ergebnisse unter eine Open Source Lizenz gestellt werden. Das ist das Know-How, das die moderne Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts ausmachen wird. Die Unis dürfen ihre Forschungen nicht patentieren und die Patente an Konzerne verkaufen, um sich zu refinanzieren.

Was kann jede_r Einzelne gegen das Bienensterben tun?

In der Stadt und in den Siedlungsgebieten kann jeder Zierrasen und Zierpflanzen durch Bienenweidepflanzen ersetzen. Es ist schön, wenn der Garten nicht nur blüht, sondern auch summt. Man kann bienenfreundlich zertifizierte Produkte wie die unseres europäischen Siegels „Certified Bee Friendly“ kaufen und alternativ Bio-Produkte.

Unser ältestes Projekt ist beispielsweise die Sternenfair-Milch. Die Milchbauern haben kaputte Preise, weil sie mit sehr intensiven – und bienenschädlichen – Methoden zu viel Milch produzieren. Sie erinnern sich vielleicht an die große Milchkrise 2009, wo die Milchbauern im Streik vor das Kanzleramt gezogen sind. In dieser Zeit hat sich der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) vom Bauernverband abgespalten. Die Landwirte haben verstanden, dass der Bauernverband nicht die Interessen der Landwirte vertritt, sondern die Interessen derer, die an den Landwirten verdienen.

Die Milchbauern wollten eine faire Milch. Wir haben den Landwirten vorgeschlagen, die Kriterien für ein neues Milchprodukt gemeinsam zu erarbeiten. Ziel war ein rundum faires Produkt – fair für den Landwirt, den Verbraucher und die Bienen. Das war damals eine unideologische Diskussion. Wir haben den konventionellen Landwirten erklärt, wie sich ihre verschiedenen Produktionsmaßnahmen auf die Bienen auswirken. Sie sind mit uns über das Thema Bienen schon die halbe Strecke zu Bio gegangen. Die Sternenfair-Milch existiert bis heute und ist das erfolgreichste faire Milchprodukt überhaupt. Bei der letzten Milchkrise mussten sehr viele Betriebe hier in Bayern aufgeben. Bei keinem der Betriebe, die mit uns zusammenarbeiten, war das der Fall.

Die neueste Errungenschaft in dem Bereich ist der sogenannte Bienenstrom, dafür kooperieren wir mit den Stadtwerken Nürtingen. Je nach Menge des Ökostroms wird von Landwirten eine bestimmte Fläche in der Agrarlandschaft zum Blühen gebracht. Jemand, der selbst nur einen Balkon hat, kann durch den Wechsel des Stromanbieters dafür sorgen, dass es mehr Blüten in der Landschaft gibt. Wir kooperieren dafür auch mit dem Fachverband Biogas, um mittels einer ausreichenden Zahl an Stromkunden vermehrt Blühpflanzen statt Mais in die Biogas-Produktion zu bringen.

Foto: Durch Spritzmittel vergiftete verendete Biene vor dem Flugloch – Urheber/in: Global 2000 / (CC) BY-NC-ND

Das Interview wurde ursprünglich im Rahmen der Aktion „Vielfalt statt Macht“ auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung www.boell.de veröffentlicht.

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Monsanto ist Bayer – und nun? Kommentar von Wilfried Bommert

Monsanto ist Bayer – und nun? Kommentar von Wilfried Bommert

Monsanto ist nun Bayer – und damit alles gut? Die Ratingagenturen haben erst einmal abgestuft. Eine Warnung. Die Rechnung mit Saatgut und Agrarchemie könnte nicht aufgehen. Die fundamentalen Daten sprechen gegen das Geschäftsmodell. Hochleistungspflanzen besitzen kaum Klimatoleranz. Dürren, Trockenperioden und Hitzewellen sind sie schutzlos ausgeliefert. Und auch die Prognose für Pestizide ist düster.

Deren Wirkung auf die Insekten ist verheerend. Der Verdacht steht im Raum, dass sie den Bestand um drei Viertel geschrumpft haben. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert eine grundsätzliche Neubewertung ihrer Risiken. Europa hat die ersten Verbote ausgesprochen. Weitere sind zu erwarten. Das große Geschäft mit der Zukunft der Welternährung droht zu platzen. 12 Milliarden Menschen lassen sich nicht mit einem Agrarsystem ernähren, das sein Fundament – Klima, Bodenfruchtbarkeit, Wasserreserven und Artenvielfalt – zerstört.

Die Produkte von Bayer und Monsanto genügen nicht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts. Se beruhen auf Konzepten von gestern. Landwirtschaft gegen die Natur zu betreiben und gegen die Grenzen des Planten, taugt für eine Welt von morgen nicht. Sie haben sich überholt. Die Ratingagenturen richten über die Bonität eines Unternehmens, und wenn die erst in Frage steht, steht alles auf dem Spiel. Monsanto ist nun Bayer – und nichts ist gut.

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Urban policy for food sovereignty

Urban policy for food sovereignty

The third issue „Urban policy for food sovereignty“ of the „Think Piece Series Food for Thought“ comes out exploring what booming cities and urban processes mean for the future of food systems. After looking into the potential of public policies, this issue analyzes how urban policy processes might be leveraged to contribute to the realization of food sovereignty, understood as “the right of peoples to define their own food and agricultural systems”.

More particularly, it elaborates how rights-based social movements and community-based organizations have negotiated space, within urban policy processes in European cities, and what lessons might be drawn for social movements and activists working on food and agriculture-related issues.

“Think Piece Series Food for Thought” comes under the initiative of Transnational Institute, FIAN International, Hands on the Land and Terra Nuova.

Download „Urban policy for food sovereignty“ here.

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Deutschland befindet sich bereits mitten im Klimawandel

Deutschland befindet sich bereits mitten im Klimawandel

Quelle: Herr Olsen/Flickr (CC BY-NC 2.0)

Quelle: Herr Olsen/Flickr (CC BY-NC 2.0)

Derzeit lastet eine Hitzewelle auf Deutschland, die in einigen Regionen bereits zu heftigen Unwettern geführt hat. „Mit einer Temperaturzunahme von im Jahresmittel einem Grad Celsius befindet sich Deutschland mitten im Klimawandel“, kommentiert Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Einzelereignisse können statistisch gesehen zwar keinen Trend bestätigen, aber was wir derzeit an Unwettern und langanhaltender Hitze beobachten, bestätigt die Annahmen der Klimaforscher zu den Folgen der globalen Erwärmung.

Ganz unabhängig von der derzeitigen Hitzewelle in der Region: Die Verdunstungsraten und der Wassergehalt der Luft sind in einem wärmeren Klima angestiegen, was folgerichtig zu schwereren Gewittern und Starkregen führen kann. Andererseits steigt der Wasserstress der Pflanzen durch die höheren Temperaturen, und die gestiegenen Verdunstungsraten im Sommer führen zu einer stärkeren Austrocknung der Böden. Dieser Trend wird sich fortsetzen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen unvermindert anhält.“

Weblinks:
KlimafolgenOnline
Klimawandel in Deutschland, open access E-Book
Blogpost von Stefan Rahmstorf
Nature-Beitrag von Jeff Tollefson

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Politisches Sommerpicknick: Aufstand am Tellerrand

Politisches Sommerpicknick: Aufstand am Tellerrand

+++ English version below +++

Das politische Sommerpicknick „Aufstand am Tellerrand“ der Rosa Luxemburg Stiftung widmet sich am 15. Juni der Frage nach den Produktionsbedingungen und Lieferketten unserer Lebensmittel, informiert über Handlungsnotwendigkeiten und diskutiert Lösungsansätze aus dem In- und Ausland.

In gemütlich-sommerlicher Atmosphäre werden Konsument*innen mit internationalen Expert*innen und Aktivist*innen zusammengebracht. Gemeinsam tauschen wir uns über alternative Konzepte wie Ernährungssouveränität und genossenschaftlichen Handel aus und diskutieren die Möglichkeiten der Einflussnahme als Konsument*innen. Dabei werden politische Wege für mehr Gerechtigkeit in globalen Agrarlieferketten aufgezeigt und mit konkreten Formen der Solidarisierung und gewerkschaftlicher Organisierung zusammengedacht.

Neben Fachgesprächen in Werkstätten gibt es Buchvorstellungen, Interviews mit Aktivist*innen, die Möglichkeiten lokale Initiativen kennenzulernen sowie eine Lecture Performance. Drumherum bieten wir ein buntes Rahmenprogramm mit Kinderbetreuung, Führungen durch den Gemeinschaftsgarten, Filmen und vielem mehr.

Mit Sue Longley, Generalsekretärin IUF – Kathrin Hartmann, Buchautorin Die grüne Lüge – Jan Ur- hahn, Inkota Netzwerk – Leonida Odongo, FAHAMU (Kenia) – Federico Pacheco, SOC-SAT (Spanien) – Debjeet Sarangi, Living Farms (Indien) – Trevor Christians, CSAAWU (Südafrika) – Jeffery López, DITSÖ (Costa Rica) u.a.

Wann? 15. Juni 2018 11-22h
Wo? TAK Theater im Aufbau Haus Kreuzberg & Prinzessinnengärten Berlin-Kreuzberg

Weitere Infos & Programm: Facebook Aufstand am Tellerrand & www.rosalux.de/sommerpicknick
Eintritt: Frei
Sprachen: Deutsch und Englisch
Experimentelle, regionale Verpflegung & Waste-Catering


The political summer picnic „Fields of Resistance“, organized by Rosa Luxemburg Stiftung addresses questions concerning the conditions, un- der which our food is produced and supplied, informs about the need for action and discusses solutions from at home and abroad.

In the comfortable summer weather, our picnic will connect consumers with international experts and activists. Together, we will exchange views on alternative concepts like food sovereignty and cooperative trade and discuss how much influence consumers potentially have over this process. Political strategies to achieve more justice in agricultural supply chains will be explained and linked to concrete forms of solidarity and trade union organizing.

Alongside expert talks conducted in workshops, there will be book presentations, interviews with activists, opportunities to meet local initiatives, and a lecture performance. In addition we offer activ- ities for children, guided tours of the community garden, films and much more.

With Sue Longley, General Secretary IUF – Kathrin Hartmann, Author of Die grüne Lüge – Jan Urhahn, Inkota Network – Leonida Odongo, FAHAMU (Kenya) – Federico Pacheco, SOC-SAT (Spain) – Debjeet Sarangi, Living Farms (India) – Trevor Christians, CSAAWU (South Africa) – Jeffery López, DITSÖ (Costa Rica), and many more.

When? 15th June 2018 11am – 10 pm
Where? TAK Theater im Aufbau Haus Kreuzberg & Prinzessinnengärten Berlin-Kreuzberg

More information & programme: Facebook Aufstand am Tellerrand & www.rosalux.de/sommerpicknick
Admission: free
Languages: English and German

Experimental, local food & zero-waste catering

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Draft: London Food Strategy

Draft: London Food Strategy

The draft London Food Strategy launched for consultation. It sets out the Mayor of London’s vision to improve the city’s food system as a key part of his social fairness and economic equality agenda and contains a raft of ambitious proposals including a proposal to ban all unhealthy food and drink advertising on the Transport for London (TfL) network i.e. including London Underground trains and stations, London Overground and the capital’s buses and bus shelters.

The draft Strategy sets out this proposal and others developed in partnership with the London Food Board under six priority areas:

• Good food at home;
• Good food shopping and eating out;
• Good food in public institutions and community settings;
• Good food for maternity, early years, education and health;
• Good food growing, community gardens and urban farming; and
• Good food for the environment

The consultation period will last for eight weeks and will end on 5th July. Feedback from Food for Cities members is very much appreciated. Please respond via the online survey at www.london.gov.uk/draft-food-strategy or email any comments to londonfood@london.gov.uk. You can download the PDF version of the draft London Food strategy here.

Photo Credit: Pug Girl/Flickr (CC BY 2.0)

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Diskussionsveranstaltung: Ein ernährungspolitisches Bochum?

Diskussionsveranstaltung: Ein ernährungspolitisches Bochum?

Zu der Diskussionsveranstaltung „Ein ernährungspolitisches Bochum?“ zur Förderung nachhaltiger regionaler Ernährungssysteme in Bochum und Umgebung sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Wo: Griesenbruchstr. 9, „botopis – raum 9“

Wann: 6. Juni 2018, 19.30 Uhr bis 20.45 Uhr

Anmeldung: alessa.heuser@posteo.de

Im Zentrum der Veranstaltung stehen die Fragen:

  • Was brauchen wir, um die Ernährungs- und Agrarwende in der Region voranzutreiben?
  • Welche Akteure engagieren sich bereits für ein nachhaltiges Ernährungssystem in der Region oder sind interessiert, es zukünftig (politisch) mitzugestalten?
  • Was ist regionale Ernährungspolitik und ist ein Ernährungsrat in Bochum denkbar?

Moderation

  • Martin Krämer, Bochumer Initiativen-Netzwerk Botopia

Referentinnen

  • Anne Siebert, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE), Ruhr Universität Bochum
  • Alessa Heuser, Sozialwissenschaftlerin und Engagierte in der Bewegung für Ernährungssouveränität Nyéléni
  • Anna Wißmann, Vertreterin des Ernährungsrats Köln und Umgebung

Veranstalter

Nyéléni und das IEE zu Gast bei Botopia

Hintergrund

In Deutschland und weltweit machen sich Ernährungs- und Landwirtschaftsinitiativen auf den Weg, einen sozial-ökologischen Wandel im Bereich von Landwirtschaft und Ernährung herbeizuführen. Sie erkennen: Die fortschreitende Globalisierung und Industrialisierung des Welternährungssystems führt in eine Sackgasse.

Auch in Bochum tut sich etwas in Sachen Ernährungssouveränität: Eine solidarische Landwirtschaft, urbane Gärten, Foodsharing-Gruppen und weitere Initiativen machen vor, wie Ernährungssysteme auf die regionale Ebene zurückgeholt und demokratisch, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht gestaltet werden können. Dazu gehören kurze Transportwege der Nahrungsmittel, eine agrarökologische Landwirtschaft, und aufgeklärte Bürger*innen, die über ihr Essen „mitbestimmen“. Für eine entsprechende Ernährungspolitik ist auch das Engagement der Bochumer Kommunalpolitiker*innen gefragt. Es ist Zeit, dass verschiedene Akteure gemeinsam anpacken!

Fotocredit: x1klima/Flickr (CC BY-ND 2.0)

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Ausstellung: Food Revolution 5.0 im Kunstgewerbemuseum Berlin

Ausstellung: Food Revolution 5.0 im Kunstgewerbemuseum Berlin

Wie werden wir zukünftig essen, von was werden wir uns ernähren in unserer durch schwindende Ressourcen geprägten Wachstumsgesellschaft? Jeder von uns gestaltet mit seinem Essverhalten den Globus mit. Essen ist längst keine Privatsache mehr, sondern ein hochgradig politischer Akt. Das Kunstgewerbemuseum Berlin verwandelt sich mit der Sonderausstellung Food Revolution 5.0 vom 18. Mai bis 30. September 2018 in ein künstlerisch-wissenschaftlich-spekulatives Laboratorium für neue Denk- und Praxismodelle zur Zukunft des Essens und Wohnens. Für die Ausstellung präsentieren 30 internationale Designerinnen und Designer – darunter Werner Aisslinger, Hanan Alkouh, Martí Guixe, Jinhyun Jeon, Ton Matton, Maurizio Montalti, Chloé Rutzerveld, Andrea Staudacher, Johanna Schmeer, Carolin Schulze, Austin Stewart und Marije Vogelzang – ihre Entwürfe, Ideen und Visionen zur Gestaltung der Transformation unseres Ernährungssystems.

Klaus Pichler, Erdbeeren, aus der Fotoserie „One third“, 2010-2012, © Klaus Pichler

Klaus Pichler, Erdbeeren, aus der Fotoserie „One third“, 2010-2012, © Klaus Pichler

Unsere Gesellschaft wird durch Essen in all seinen Facetten von der Ressource bis hin zum Konsum sozial gestaltet und konditioniert. Essen ist dabei nichts anderes als in Form gebrachtes, „designtes“ Material – somit gehört „Food Design“ zu den frühesten Gestaltungsaufgaben überhaupt; auch die Küche funktioniert als zentraler Ort von Gesellschaftsdesign. Die von Claudia Banz kuratierte Sonderausstellung wurde 2017 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg gezeigt und wird für Berlin mit neuen Projekten aktualisiert und vom Architekturbüro Kooperative für Darstellungspolitik gestaltet. Sie ist in vier Themenräume gegliedert: Farm, Markt, Küche und Tisch. Angesichts schwindender Ressourcen plädiert die Ausstellung für Postwachstum und alternative Formen des „farmings“ auf dem Land, in der Stadt und der eigenen Wohnung. Die vorgestellten Projekte reichen von der urbanen Streuobstwiese und einem essbaren Garten über eine Indoor-Farm bis hin zur Insektenfarm und dem Mini-Kompostierer für das Stadt-Apartment.

Quelle: Büro für kulinarische Maßnahmen

Quelle: Büro für kulinarische Maßnahmen

Die Ausstellung wird begleitet vom Sommer Food Markt am Kulturforum. Vom 21.-24. Juni und vom 23.-26. August soll der Markt erfahrbar machen, wie die Zukunft des Essens schmecken kann: nachhaltig, innovativ, gesund, bewusst, klimagerecht, fair, experimentierfreudig. Ein wechselndes gastronomisches Angebot, Marktstände, Workshops und Marktgespräche laden zum Probieren, Genießen, Einkaufen, Informieren und Mitmachen ein. Lebensmittel aus urbaner und bäuerlicher Landwirtschaft, aus Manufakturen, Gerichte mit frisch geerntetem Gemüse aus der Region, nachhaltigem Fisch und Fleisch, aber auch Produkte mit Insekten, Algen, Leguminosen sollen ihren Platz finden auf dem Markt. Eine temporäre Streuobstwiese und ein Garten voll essbarer Pflanzen sowie eine Lange Tafel laden ein zum Verweilen, Diskutieren und Genießen. Mehr Informationen zum Sommer Food Markt finden Sie hier.

Im Rahmen der Ausstellung Food Revolution 5.0 finden außerdem mehrere Veranstaltungen statt. Dazu gehört eine Tischgesprächsrunde zum Thema „Essbare Stadt“ am 24. Mai, die von IWE-Vorstand Wilfried Bommert moderiert wird.

Ausstellung Food Revolution 5.0, bis  Kunstgewerbemuseum Berlin. Öffentliche Vernissage: 17. Mai um 19 Uhr. 

Credit Header Foto: Hanan Alkouh, Sea-Meat Seeweed, 2016, © Tom Mannion

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Praxisleitfaden Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung

Praxisleitfaden Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung

Ab sofort ist der Praxisleitfaden „Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung: Biodiversität als Element neuer Produktions- und Vermarktungskonzepte“ beim Bundesverband der Regionalbewegung erhältlich. Der Leitfaden bietet auf 28 Seiten eine erste Orientierung und praktische Anleitung für Regionalvermarktungsinitiativen, die Biodiversität in ihrer Zielsetzung verankern möchten. Neben der anschaulichen Vermittlung von Hintergrundwissen werden in Praxisbeispielen Initiativen vorgestellt, die sich bereits erfolgreich in diesem Themenbereich bewegen. Im Fokus stehen dabei die Aufstellung von Kriterien mit einem unmittelbaren Bezug zu Naturschutzleistungen sowie die Weitergabe der praktischen Erfahrungen, die die Akteure in der Umsetzung gemacht haben.

Inhalt:

  • Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung
  • Auszeichnung REGIONAL PLUS – nachhaltige Regionalvermarktung fördern
  • Lernen aus der Praxis
  • Naturschutzleistungen kommunizieren – wie ein Zitronenfalter zur Herzensangelegenheit wird
  • Handlungsempfehlungen für die Praxis
  • Tipps zum Weiterlesen

Hier erhalten Sie eine Leseprobe

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Die Regionalbewegung setzt sich für eine Förderung glaubwürdiger Regionalvermarktung ein. Sie unterstützt dabei insbesondere den Aufbau und die Entwicklung von Regionalvermarktungsinitiativen, die gentechnikfrei, natur-, umwelt- und klimabewusst produzieren und somit einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten.

Der Leitfaden bildet ein Ergänzungsmodul zum Handbuch Regionalvermarktung, das einen Überblick über alle wichtigen Themen der Regionalvermarktung mit praktischem Bezug gibt. Er ist im Rahmen des Projektes REGIONAL PLUS mit Unterstützung der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW entstanden.

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Streitgespräch Grüne vs. Bayer: Wie ernähren wir zehn Milliarden Menschen?

Streitgespräch Grüne vs. Bayer: Wie ernähren wir zehn Milliarden Menschen?

Anlässlich der Übernahme von Monsanto durch Bayer lud Capital den Bayer-Vorstand Liam Condon und den Grünen-Chef Robert Habeck zu einem Streitgespräch zum Thema: Wie ernähren wir zehn Milliarden Menschen?

Auszug:

Herr Condon, Sie stehen gerade im Zentrum einer der größten Übernahmen weltweit, von Monsanto durch Bayer. Die halbe Welt hat den Eindruck, dass Bayer gerade Darth Vader übernimmt. Ist das nicht doppelt anstrengend?

Liam Condon: (lacht) Es stimmt ja: Monsanto hat ein schlechtes Image, vor allem in Deutschland. Deshalb haben wir von Anfang an betont, dass wir das kombinierte Unternehmen nach Bayer-Werten führen werden. Die Logik des Deals ist klar: Bayer ist stark im Pflanzenschutz, Monsanto führend im Saatgut mit der Kernkompetenz Biotechnologie. Gemeinsam können wir innovativer sein und ganzheitlichere Lösungen anbieten.

Herr Habeck, verstehen Sie zumindest die Logik dieses Deals?

Robert Habeck: Ich verstehe natürlich die interne Logik von Bayer und Monsanto. Sie wollen noch größere Marktmacht. Politisch aber spricht alles gegen diese Fusion. Ganzheitlich heißt doch: größer, neu kombiniert und auf dem Weg zum Oligopol. Das ist der falsche Weg. Das ist ja auch keine Imagefrage, sondern eine materielle: Welche Landwirtschaft wollen wir künftig haben? Eine, die noch stärker Pestizide mit Gentechnik verzahnt und das Ganze noch schön digitalisiert? Das ist die falsche Antwort.“

Das komplette Streitgespräch lesen Sie hier

IWEStreitgespräch Grüne vs. Bayer: Wie ernähren wir zehn Milliarden Menschen?