Zucker – die süße Verführung der Konservativen

Zucker – die süße Verführung der Konservativen

Den Schaden haben die Menschen in unserer Gesellschaft
Ein Kommentar von Peter Wogenstein

Wir wissen es, und die Wissenschaft belegt es immer wieder: zu viel Zucker schadet unserer Gesundheit. So sind zuckergesüßte Getränke einer der größten Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen, Leberkrebs und Gicht. Auswirkungen sind im Alltag nicht zu übersehen: mehr übergewichtige Kinder und Erwachsene. Erschreckend die deutliche Zunahme von Diabetes 2 bei Kindern wie Erwachsenen. Erhebliche Zahnschäden schon bei Kindern und Jugendlichen durch zuckergesüßte Getränke kommen noch hinzu.
 
Wir schätzen die Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland auf rund 9 Millionen. Etwa jeder vierte Erwachsene ist übergewichtig. Die Folgekosten für unser Gesundheitssystem und damit unsere der Gesellschaft allein bei Adipositas liegen laut Nationaler Akademie der Wissenschaften Leopoldina jährlich bei ca. 113 Milliarden EUR (1).
 
Und wie geht aktuell die Regierungspartei CDU auf ihrem Bundesparteitag mit der Gesundheitsschädigung durch Zucker und den Folgekosten um? Augen zu und durch. Die Begründung – so auch die der Liberalen (2): Wir lassen uns nicht „bevormunden“. Wir pochen auf die bewusste und selbstbestimmte Entscheidung des Individuums. Die Konsument*innen – egal welchen Alters – entscheiden allein. Basta. Ob bei Zucker oder Alkohol, von Sucht oder Suchtpotential ist dabei nicht annähernd die Rede.
 
Was sie auch nicht sehen: die schädlichen Auswirkungen ungesunder Ernährung, insbesondere von zuckergesüßten Getränken und damit von zu viel Zucker schadet am meisten dem ungeborenen Leben, Kindern in den ersten drei Jahren ihrer Entwicklung und den Ärmeren in unserer Gesellschaft. Es sind diejenigen, die sich am wenigsten wehren können gegen die Flut von allgegenwärtiger Werbung auf allen Kanälen, vor „preiswerten“ überzuckerten Angeboten der Getränkeindustrie, und die bei der Entschlüsselung der Herstellerangaben bei „Lebensmitteln“ aller Art kapitulieren. Die meisten haben keinen Nutri Score, eine leicht verständliche „Ampel“, denn der ist für die Hersteller „freiwillig“. Dass dann aber auch noch den Kindern und Jugendlichen, den Konsument*innen die Schuld für ihre Erkrankung und Sucht in die Schuhe geschoben wird, verschlägt nicht nur den Betroffenen die Sprache (3).
 
Hätten wir als Gesellschaft nicht die Pflicht, gerade diese Gruppen in unserer Gesellschaft zu schützen?! Gegen die Interessen der Zuckerproduzenten und der Lebensmittelindustrie, die doch unser Leben nur „versüßen wollen“ und Menschen damit „abhängig“ machen (4).
 
„Warum geben wir so viel Geld aus, um Krankheiten zu behandeln, und so wenig, um Krankheiten vorzubeugen?“, fragt der Arzt und Fachjournalist Ekkehard von Hirschhausen (5). Steuern sollen „steuern“. Andere Länder machen uns vor, wie es auch erfolgreich mit weniger Zucker geht – zum Schutz der Konsument*innen. So sorgen sie u.a. dafür, dass der Zuckergehalt in Getränken durch die Hersteller deutlich reduziert wird – mit positiven Folgen für alle und für das Gesundheitssystem, das Milliarden an „Gesundheitskosten“ spart (5).
 
Mehr Mut wünschen wir uns – gemeinsam mit einer Allianz, die von der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) bis Foodwatch reicht –, mehr Mut von der Politik für den Schutz derjenigen, die sich nicht oder kaum gegen die „süße Flut“ wehren können. Gehen wir an die Wurzeln, nicht nur an die Symptome.
 
(1) Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften: https://www.dgkj.de/aktuelles/news/detail/post/leopoldina-policy-paper-adipositas
(2) Deutschlandfunk: „Delegierte lehnen Zuckersteuer ab und fordern Abschaffung der telefonischen Krankschreibung“, 21.02.2026. ARD Hart aber fair, 23.02.2026
(3) ARD Hart aber fair, 23.02.2026
(4) Bommert, Wilfried / Christina Sartori, Stille Killer. Wie Big Food unsere Gesundheit gefährdet. Stuttgart 2022
(5) Journal of Epidemiology & Community Health: „Effect of the UK soft drinks industry levy on obesity“, 2011-2019

Foto: Jan Homann, Gemeinfrei

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Konzernatlas: Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie

Konzernatlas: Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie

Wie konnte es passieren, dass der Acker zur Fabrik wurde und dass hierzulande verbotene Pestizide per Bumerang-Prinzip dennoch auf unseren Tellern landen? Seit wann gibt es ein Copyright auf Saatgut und wird Wasser als Ressource privatisiert? Wie können wir Preisschocks im Zuge von Krisen abmildern und Ernährungsdemokratie für Viele realisieren?  

Diesen und weiteren Fragen geht der neue Konzernatlas nach, der von Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und dem Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre herausgegeben wird. Er zeigt, wie sehr unser Ernährungssystem von mächtigen Konzernen dominiert wird. Wenige Konzerne setzen Preise durch – von Saatgut und Pestiziden bis zum Lebensmitteleinzelhandel – und beeinflussen massiv politische Entscheidungen. 

Auf 19 thematischen Doppelseiten von Agrarmarkt über China und Dekarbonisierung bis zu Nature Credits und Zucker fächert der Atlas mit Daten, Fakten und vielen erhellenden Infografiken ein Thema auf, das uns alle täglich betrifft. Gleichzeitig präsentiert der Atlas politische Instrumente, die die Markt- und Lobbymacht der Konzerne eindämmen können.

Die Publikation „Konzernatlas 2026 – Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie“ können Sie hier kostenlos bestellen oder untenstehend als PDF herunterladen.




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Niedersachsen stellt Ernährungsarmut in den Fokus – Ein Hoffnungsschimmer, aber reicht es?

Niedersachsen stellt Ernährungsarmut in den Fokus – Ein Hoffnungsschimmer, aber reicht es?

Kommentar von Peter Wogenstein, Vorstandssprecher des Instituts für Welternährung (IWE) und Gründer des „Netzwerks der Ernährungsräte Niedersachsens“

Hannover, der 12. Dezember 2025

Niedersachsen stellt jetzt Ernährungsarmut in den Fokus. Ein Schritt, der überfällig ist, ist doch jede/r Sechste in unserer Gesellschaft armutsgefährdet. Viel zu viele leiden an Ernährungsarmut. Besonders hart trifft es dann Kinder und Jugendliche in armen und armutsgefährdeten Familien. Eine eingeschränkte körperliche und geistige Entwicklung sind die Folge, soziale und psychische Belastung kommen hinzu, und Kinder in dieser Situation erfinden dann „Geschichten“ – wie gestern berichtet wurde –, um mit der erlebten Scham klar zu kommen. Dazu kommen durch mangelnde und schlechte Ernährung gesundheitliche Folgen wie Adipositas und Diabetes 2. So folgt der Armut die Scham, oft verbunden mit Krankheit und Wohnungslosigkeit.

Gründe genug, zu handeln. Und so stellte Miriam Staudte, Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gleich 13 Handlungsfelder vor, die der Ernährungsarmut und ihren Folgen begegnen sollen. Sie reichen von „Die ersten tausend Tage in den Blick nehmen“ über „beitragsfreie und qualitativ hochwertige Kita- und Schulverpflegung“ bis zu „Kosten einer gesundheitsfördernden Ernährung“ in der „staatlichen Grundsicherungsleistung adäquat berücksichtigen“. Dies legt insbesondere den Fokus auf die Altersgruppe der Neugeborenen, der Kinder und Jugendlichen, für deren Entwicklung und weiteren Lebensweg gesunde Ernährung besonders wichtig ist. Die Gruppe der Erwachsenen und alten, oft alleinstehenden Menschen sind in den Handlungsfeldern mit eingeschlossen bis zur Förderung der Tafeln in unserem Land. Ernährungsarmut zieht sich durch alle Altersgruppen, und dafür muss, wie Miriam Staudte ausführt, auch Geld in die Hand genommen werden.

Aber genau das ist das Problem. Hier fehlt es an Geld. Denn der eigentliche Skandal bei der Lektüre der Handlungsfelder gegen Ernährungsarmut ist, wie sehr die Armen unter uns in dieser doch reichen Gesellschaft im Stich gelassen werden. Viele Initiativen sind unterwegs vom Schulfrühstück über Obst in Schulen, Kochen im Viertel bis zur Tafel. Das Grundproblem wird jedoch nicht angegangen durch uns als Gesellschaft und unsere Vertreterinnen und Vertreter des Landes- und des Bundesparlaments.

Wissenschaftliche Studien belegen die Notwendigkeit von möglichst nahrhafter Gesundheit. Skandinavien macht uns schon lange vor, dass kostenfreie gesunde Verpflegung in Schulen machbar ist und belegt auch wissenschaftlich die positiven Auswirkungen für die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder.

Bei uns tut sich grundsätzlich und strukturell… wenig. Kein Engagement in der Politik für kostenfreie Kita- und Schulverpflegung, kein Interesse, das komplexe Bündel der Sozialleistungen, das sich über Kommune, Land und Bund zieht, aufzudröseln und zu verschlanken und dafür zu sorgen, dass das Geld dahin kommt, wo es für gesunde Ernährung am meisten gebraucht wir: für die Neugeborenen in den ersten tausend Tagen, für die Kinder und Jugendlichen, für Kranke und alte Menschen. Das wäre auch ein „gesunder“ Schritt Richtung weniger Bürokratie.

Warum hört Politik nicht auf den vom Bundestag eingesetzten Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ und seine Empfehlungen: gut begründet, gerechnet und mit großem Nachdruck dem Bundestag nahegebracht?

Warum ist das so? In einer Studie (November 2024) finden sich die vier wichtigsten Gründe, warum Politik für gesunde Ernährung scheitert:

1. Versuche, Einfluss auf das Ernährungsverhalten in der Gesellschaft zu nehmen, werden in der öffentlichen Diskussion vehement als „Bevormundung“ abgetan.

2. Die massive Lobbyarbeit der Lebensmittelindustrie und die Furcht vor negativen Auswirkungen in der Wirtschaft hindern, Einsichten und Wissen in Gesetze umzusetzen.

3. Das Thema Ernährung hat es noch nie in die Liste der Topthemen der Politik geschafft.

4. Die Verantwortung für gesunde Ernährung ist über zahlreiche Ministerien verstreut. Da Ernährung und das Ernährungssystem eine komplexe und weitläufige Angelegenheit sind, wird jeder Gestaltungsversuch zu einem politischen Such- und Verwirrspiel. Die Briten nennen es: „Whack-the-Mole“ – Fang den Maulwurf.

So bleibt das „Problem“ „Gesunde Ernährung für alle“ und „Ernährungsarmut“ da hängen, wo es alle hinschieben: beim Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Das bemüht sich sehr. Doch es braucht mehr. So auch eine laute zivilgesellschaftliche Stimme, die die Politik vor Ort, im Land und im Bund auf den Missstand immer wieder hinweist.

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Gesunde Ernährung für unsere Kinder und Bürgerbeteiligung: Das endgültige Aus durch CDU/CSU

Gesunde Ernährung für unsere Kinder und Bürgerbeteiligung: Das endgültige Aus durch CDU/CSU

Ein Kommentar von Peter Wogenstein

Nun ist so weit. Die Bürgerbeteiligung auf Bundesebene stirbt und damit auch die Empfehlungen des Bürgerrats „Ernährung im Wandel“. War vor Einsetzung des Bürgerrats der Widerstand der CDU/CSU Fraktion schon deutlich zu spüren, so wird jetzt das Ausrufezeichen gesetzt. Die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) löst die Stabsstelle für Bürgerbeteiligung auf. Ein Schlag ins Gesicht engagierter Bürgerinnen und Bürger.

Man fürchte – so heißt es nicht nur hinter den Kulissen – eine ´Untergrabung der Souveränität` der gewählten Bundestagsabgeordneten. Das sind von uns allen gewählte Abgeordnete, die die Anliegen der Menschen in Deutschland vertreten sollen. Nur, sie sind und können nicht Expertinnen und Experten auf allen Gebieten sein. Aber sie sollten – wenn wir schon einmal gefragt werden – ein „Ohr“ für uns alle haben: Was ist der Bevölkerung wichtig in Sachen Ernährung? 

Wir erinnern uns an den Auftrag des Bundestags

Am 10. Mai 2023 beauftragt der Deutsche Bundestag einen Bürgerrat „Ernährung im Wandel“, Empfehlungen zur Ernährungspolitik zu erarbeiten. 160 ausgeloste Bürgerinnen und Bürger, ein Querschnitt unserer Bevölkerung, alle Altersgruppen und Lebenslagen, Stadt und Land, Immobilienmakler und Hausfrau, verschiedenste Perspektiven in Sachen Ernährung treffen aufeinander.

Sie setzen sich über lange Zeit mit den Fragen von gesunder Ernährung von Zucker bis Mehrwertsteuer auseinander, studieren wissenschaftliche Ergebnisse und lassen sich von Wissenschaftlern beraten. Harte engagierte Arbeit zu einem Thema, zu dem sich die wenigsten unserer Abgeordneten tiefgreifend äußern können. Im Februar 2024 legen sie ihre Empfehlungen vor: mit überwiegender Mehrheit, auf den Punkt formuliert, begründet und mit Fakten und Zahlen hinterlegt. 

So zum Beispiel: gesundes, kostenfreies Mittagessen für Kinder, eine Altersgrenze für Energiedrinks, mehr Transparenz über Tierhaltung und Herkunft der Produkte oder die Erlaubnis zur Weitergabe genießbarer aber unverkaufter Lebensmittel im Einzelhandel.
Daraus wurden insgesamt neun erarbeitete Empfehlungen für die Abgeordneten des Bundestags.

Und was ist daraus geworden?

Nichts. Bis auf wenige Anhörungen. Und nun das endgültige Ende. Bürgerräte können das „Vertrauen in die Politik stärken“ und „neue Impulse geben“, so einst Wolfgang Schäuble (CDU).  Aber das haben seine Partei und ihre Abgeordneten vergessen. Und die begründete, wissenschaftlich unterlegte Empfehlung „Kostenfreies Mittagessen für alle Kinder“ müssen wir „begraben“. 

Und noch schlimmer: Für den Erhalt unserer Demokratie bedarf es einer politischen Kultur des Gemeinsinns, für die Bürgerinnen und Bürger eine Mitverantwortung tragen. Die Mitglieder des Bürgerrats „Ernährung im Wandel“ haben ihre Verantwortung ernst genommen. Nicht nur sie sind bitter enttäuscht.

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Wir trauern um unseren Ehrenvorsitzenden Dr. Manfred Linz

Wir trauern um unseren Ehrenvorsitzenden Dr. Manfred Linz

Am 7. August 2025 ist Dr. Manfred Linz im Alter von 98 Jahren verstorben. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen großen Denker, sondern auch einen zutiefst menschlichen, bescheidenen und zugewandten Vorstandskollegen und Wegbegleiter, der das Institut seit seiner Gründung geprägt hat.

Dr. Manfred Linz war evangelischer Theologe und Sozialwissenschaftler. Über 30 Jahre lang arbeitete er als Rundfunkredakteur beim Westdeutschen Rundfunk, Köln und NDR, Hannover, zuletzt als Leiter der Programmgruppe „Familie und Gesellschaft“. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wuppertal Institut in Berlin prägte Dr. Manfred Linz über Jahre hinweg maßgeblich die Suffizienz-Debatte. Er trug entscheidend dazu bei, dieses Thema wissenschaftlich zu fundieren und gesellschaftlich sichtbar zu machen. Sein Wirken war dabei nie bloß theoretisch – er lebte vor, was er forderte: ein genügsamer, nachhaltiger Lebensstil, getragen von innerer Überzeugung, Klarheit im Denken und einem tiefen ethischen Verantwortungsbewusstsein.

Im Institut für Welternährung war Dr. Manfred Linz seit der Gründung 2011 aktiv, gestaltete die Arbeit mit und war zuletzt Ehrenvorsitzender. Sein unermüdliches Engagement für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungspolitik bleibt uns Verpflichtung und Ansporn zugleich.

Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen:

  • Weder Mangel noch Übermaß (oekom verlag, 2012)
  • Suffizienz – unentbehrlich für Nachhaltigkeit (Jahrbuch Ökologie, 2014)
  • Landwirtschaft am Scheideweg (Streitschrift, 2015)
  • Eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung (Memorandum, 2016)
  • Wie Suffizienzpolitiken gelingen (2016)
  • Zerstört die Landwirtschaft das Klima? (Dossier, 2016)
  • Ernährungswende – Was Landwirtschaft und Ernährung erneuert (Dossier, 2022)

Seine Klarheit, sein intellektueller Scharfsinn, sein unermüdlicher Einsatz und seine zutiefst menschliche Haltung – all das wird fehlen. Die von ihm angestoßenen Ideen und Projekte wirken weiter.

Das Institut für Welternährung e.V. trauert um einen Weggefährten, Freund und Visionär. Unsere Gedanken sind bei seiner Ehefrau Susanne Ebner, der Familie und allen, die ihm nahestanden.

Wir werden sein Vermächtnis in seinem Sinne weitertragen – laut, klar und unbeirrbar.
Lieber Manfred, du wirst uns fehlen, und wir werden dich in unserem Herzen behalten.

Der Vorstand des Instituts für Welternährung e.V.

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Dossier Agroforst: Neue Wege für eine klimafreundliche Landwirtschaft

Dossier Agroforst: Neue Wege für eine klimafreundliche Landwirtschaft

Neue Wege für eine klimafreundliche Landwirtschaft: Dossier „Agroforst 2025“ veröffentlicht

Gefördert von der Dr. Jürgen Rembold Stiftung zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements

Hannover, November 2025 – Das Institut für Welternährung stellt das Dossier „Agroforst 2025“ vor, das einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand und die Perspektiven der Agroforstwirtschaft in Deutschland bietet. Die von Susanne Salzgeber, Berlin, verfasste Analyse zeigt, wie Agroforst Brücken zwischen Landwirtschaft, Klimaschutz und Naturschutz bauen kann.

Agroforst – Schlüssel für Klimaanpassung und Biodiversität
Angesichts zunehmender Dürreperioden und der fortschreitenden Klimakrise ist Agroforst als Kombination von Bäumen und Sträuchern mit Ackerbau oder Weidewirtschaft eine zentrale Lösung für widerstandsfähige, biodiversitätsfördernde Agrarsysteme. „Der Schutz der Böden, die Erhöhung der Wasserspeicherkapazität und die Förderung von Artenvielfalt sind entscheidend, um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen“, betont Wilhelm Wallefeld, Mitglied des Vorstands.

Hemmnisse abbauen, Potenziale nutzen
Obwohl der wissenschaftliche Nutzen von Agroforst unbestritten ist, bleibt die Umsetzung in Deutschland bisher hinter dem Potenzial zurück. Hauptgründe sind bürokratische Hürden, komplizierte Förderstrukturen und ein noch zu geringes Wissen in Verwaltung und Praxis. Positiv stimmt jedoch die Erhöhung der Förderung von bisher 200 auf 600 Euro pro Hektar ab 2026 sowie die vereinfachten Antragsbedingungen, die mehr Betrieben den Einstieg in Agroforst erleichtern sollen.

Best-Practice-Beispiele und Stimmen aus der Praxis
Das Dossier beleuchtet konkrete Praxisbeispiele von Betrieben wie Gut & Bösel oder dem Bauckhof, die bereits erfolgreich Agroforstsysteme etabliert haben und zeigen, wie die Kombination von Landwirtschaft und Gehölzen sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll sein kann. Stimmen aus der Praxis verdeutlichen jedoch auch, dass langfristige Planungssicherheit, gezielte Förderungen und ein gesellschaftlicher Wandel notwendig sind, um Agroforst in die Breite zu bringen.

Ein Vermächtnis für die Agrarwende
Das Dossier ist Dr. Wilfried Bommert gewidmet, dem Mitgründer des Instituts für Welternährung, der sich sein Leben lang für eine Agrar- und Ernährungswende eingesetzt hat. Sein Engagement für eine nachhaltige Landwirtschaft wird durch diese Veröffentlichung weitergeführt.

Download und Kontakt
Das Dossier „Agroforst 2025“ können Sie hier als PDF herunterladen.

Für Interviews und Rückfragen: Susanne Salzgeber

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Die Erarbeitung des Dossiers wurde möglich durch die Förderung der Dr. Jürgen Rembold Stiftung zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements.

IWEDossier Agroforst: Neue Wege für eine klimafreundliche Landwirtschaft
Einladung: Workshop regenerative Landwirtschaft 12.-13. September

Einladung: Workshop regenerative Landwirtschaft 12.-13. September

Einladung zum Workshop des Instituts für Welternährung e.V. (IWE)
am 12.-13. September in Hannover

Liebe Freund*innen des IWE, liebe Interessierte,

wir laden sehr herzlich zu Vorabendtreffen (12.09.) und Workshop des IWE 
am 13. September 2025 in Hannover, VHS der Stadt Hannover, Burgstraße 14 (Innenstadt) ein. Das haben wir geplant:

12. September 2025, 19 Uhr Vorabendtreffen*
Gemeinsames Essen mit bereits eingetroffenen Mitgliedern und interessierten Teilnehmer*innen (Nähe der VHS wird nach Anmeldung bekanntgegeben)

13. September 2025, 9.30 Uhr, VHS, Burgstraße 14 (Innenstadt)
Ab 9.30 Uhr beginnt der öffentliche Workshop mit zwei Schwerpunkten:
„Regenerative Landwirtschaft aus bäuerlicher Sicht – Best Practice.
Was wir warum wollen – Unsere Prinzipien für die Praxis“
Input: Simon Krämer, Executive Director EARA (European Alliance for Regenerative Agriculture)
Einführung und Moderation: Frederik Schulze-Hamann
„Was folgt daraus für die Arbeit des IWE?“

12.30 – 13.30 Uhr Mittagspause
Anna Leine – Kräftiger Eintopf und Wasser / Saft

13.30 – 14.30 Uhr Mitgliederversammlung

Transfer (Großraum Taxis)
14.30 – ca. 17.30 Uhr Praxis-Besuch. Permakultur Kirchhorst 

Wir bitten um Anmeldung möglichst zeitnah und bis spätestens zum 15. August 2025 um gut planen zu können. Das Anmeldeformular finden Sie unten stehend zum Download.


Mit herzlichen Grüßen

Der Vorstand

*Übernachtung: es gibt zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadtmitte, so das gar nicht so teure Central-Hotel Kaiserhof, Ernst-August-Platz 4, 30159 Hannover, gegenüber dem Bahnhof.
5 U-Bahn Stationen entfernt vom Hauptbahnhof liegt die sehr empfehlenswerte Pelikan Residenz, Pelikanstr. 11, 30177 Hannover. 

Foto: Jens Brehl CC BY-NC-Sa 4.0

IWEEinladung: Workshop regenerative Landwirtschaft 12.-13. September
Online-Veranstaltung „Wie geht es mir mit dem Thema Ernährung?“ am 30. Juni

Online-Veranstaltung „Wie geht es mir mit dem Thema Ernährung?“ am 30. Juni

Einladung zum Online-Abend
„Sprechen & Zuhören“ 


Thema: „Wie geht es mir mit dem Thema Ernährung?“ 

30. Juni 2025 um 19:30 Uhr via Zoom

Liebe Interessierte,

wir laden Euch herzlich ein zu einem besonderen Online-Abend im Format Sprechen & Zuhören, den wir als Institut für Welternährung gemeinsam mit dem Ernährungsrat Bergisches Land e.V. organisieren. In einem geschützten, wertschätzenden Rahmen möchten wir Raum schaffen für eine persönliche Auseinandersetzung mit der Frage: „Wie geht es mir mit dem Thema Ernährung?“ Was bedeutet Ernährung für Dich? Welche Gedanken, Gefühle oder Sorgen verbindest Du damit – gerade auch im Hinblick auf unseren Planeten?

Dieses von Mehr Demokratie e.V. entwickelte Format fördert durch echtes Zuhören und persönliches Erzählen eine demokratische Gesprächskultur. Es lebt von unterschiedlichen Perspektiven – Deine Geschichte zählt.

Moderation: Mechthild Nagel-Dürscheid (Institut für Welternährung e.V.) 
Anmeldung bis zum 29. Juni 2025 an: 
ines.meier@institut-fuer-welternaehrung.org 
Nach Anmeldung erhältst Du den Zoom-Link.

Die Teilnahme ist kostenfrei – Spenden sind willkommen. Gerne darf die Einladung weitergeleitet werden.

Wir freuen uns auf einen inspirierenden Abend mit Euch!

Mit freundlichen Grüßen,
Barbara Steinrück (Ernährungsrat Bergisches Land e.V.) und Mechthild Nagel-Dürscheid (Institut für Welternährung e.V.)

Kontakt & Infos: 
🌐 www.ernaehrungsrat-bergisches-land.org
📧 post@ernaehrungsrat-bergisches-land.org
💶 Spendenkonto: DE32 4306 0967 1286 3671 00 (GLS Bank)

Institut für Welternährung e.V.
🌐 institut-fuer-welternaehrung.org
✉️ info@institut-fuer-welternaehrung.org
💶 Spendenkonto: DE54 4306 0967 1138 5065 00 (GLS Bank)

Foto: Leopictures from Pixabay

IWEOnline-Veranstaltung „Wie geht es mir mit dem Thema Ernährung?“ am 30. Juni
VIII. World Organic Forum

VIII. World Organic Forum

VIII. World Organic Forum
Von Revolten zu Rechten: Der Kampf um Gerechtigkeit für Bäuerinnen und Bauern früher und heute 
Die UN Erklärung zu den Rechten der Bauern (UNDROP) – Bewertung der Umsetzung und wie sie lokal verankert werden kann
Montag, 30. Juni – Dienstag, 1. Juli 2025, Schloss Kirchberg/Jagst

Vor 500 Jahren kämpften Bäuerinnen und Bauern in Mitteleuropa für ihre grundlegenden Menschenrechte. Vor sieben Jahren verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Erklärung zu den heutigen Rechten von Landwirtinnen weltweit. Die Stiftung Haus der Bauern setzte sich beim UN-Menschenrechtsrat für diese Erklärung ein.

Das diesjährige World Organic Forum nimmt ihre Auswirkungen unter die Lupe: Haben Bäuerinnen Organisationen weltweit tatsächlich von diesen UN-garantierten Rechten Gebrauch gemacht? Oder ist die Erklärung vor allem für postkoloniale Gesellschaften relevant, in denen viele Landwirtinnen weiterhin am Rande der Gesellschaft leben? Und wie steht es um Formen der Unterdrückung von Bäuerinnen und Bauern in Europa?

Das 8. World Organic Forum nimmt erneut eine neue Richtung ein und diskutiert, ob die Erklärung in den letzten sechs Jahren umgesetzt wurde und welche Bedeutung sie heute für die Landwirtschaft hat. Sicherlich gehören Landrechte und geistige Eigentumsrechte in Bezug auf Saatgut und seltene Arten zu den kritischsten Aspekten der Erklärung. In ganz Europa arbeiten verschiedene Akteurinnen aktiv an der Umsetzung von UNDROP auf europäischer wie nationaler Ebene, mit dem Ziel, die Rechte von Bäuerinnen zu stärken und widerstandsfähige, nachhaltige Ernährungssysteme auf Basis von Ernährungssouveränität und dem Recht auf Nahrung für alle zu fördern.

Das World Organic Forum 2025 bringt Expertinnen und Akteur*innen zusammen, die sich unermüdlich für die Umsetzung und Durchsetzung der Rechte von Bäuerinnen und Bauern in Europa und darüber hinaus einsetzen und diskutiert Chancen und Hindernisse im heutigen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Kontext.

Mehr Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

Foto: Jean-Martin Fortier, Nora Taleb, Laura Santucci, Anne-Sophie Christmann, André Antunes, Moderation durch Josefine Herz beim VII. World Organic Forum, (c) Akademie Schloss Kirchberg

IWEVIII. World Organic Forum
Gesunde Ernährung für unsere Kinder spielt im Koalitionsvertrag keine Rolle

Gesunde Ernährung für unsere Kinder spielt im Koalitionsvertrag keine Rolle

Der Koalitionsvertrag – Eine Enttäuschung
Ein Kommentar von Peter Wogenstein

Gesunde Ernährung ist im vorliegenden Koalitionsvertrag kein Thema. Hatte die CDU / CSU sich schon vor der Bundestagswahl gegen Maßnahmen für eine gesündere Ernährungsumgebung ausgesprochen, so ist vom Engagement der SPD für die Empfehlungen des Bürgerrats „Ernährung im Wandel“ wenig zu spüren. Wir erinnern uns: die Abgeordneten des Bundestages hatten 2023 den Bürgerrat einberufen und beauftragt, Empfehlungen für die Abgeordneten zu erarbeiten. Diese Empfehlungen liegen sehr ausführlich begründet seit Februar 2024 vor. Nichts davon findet sich im Koalitionsvertrag. Schlimmer noch: Dem Prozess der Bürgerbeteiligung wird eine Absage erteilt, Engagement aus der Zivilgesellschaft erhält eine Abfuhr.

Im Koalitionsvertrag findet sich nichts von dem, was nachweislich unseren Kindern hilft:

  • kein beitragsfreies, gesundes Mittagessen für alle Kinder in Kitas und Schulen
  • keine Werbebeschränkung von ungesunden Produkten für Kinder
  • keine Steuer auf Zucker und zuckerhaltige Getränke
  • keine verpflichtende, für die Verbrauer:innen leicht zu verstehende Kennzeichnung auf hoch verarbeiteten Produkten der Lebensmittelindustrie

Die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen findet in der neuen Regierung keinen Anwalt.

Damit werden auch vorliegende Studien der Wissenschaft weiter ignoriert. So u.a. das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeslandwirtschaftsministerium aus dem Jahr 2020 und die vielen wissenschaftlichen Studien zu den Auswirkungen ungesunder Ernährung. Dass die gesundheitlichen Folgen ungesunder Ernährung auf ca. 60 Mrd. pro Jahr geschätzt werden – so Gesundheitsverbände -, scheint in der neuen Koalition immer noch nicht angekommen zu sein.

„Wir fördern verstärkt Bewegung und gesunde Ernährung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen“, lesen wir im Koalitionsvertrag, aber nichts Konkretes. Eigentlich bleibt es wie bisher: die Verantwortung für Ernährung wird den Konsument:innen, Jung und Alt zugeschoben. Statt an Produkten und Werbung etwas zu verändern, notwenige Rahmenbedingungen für eine gesunde Ernährung zu setzen, trifft jegliche „Schuld“, jegliche Auswirkung ungesunder Ernährung die „mündigen“ Konsument:innen.

Warum ist das so?

Der Widerstand gegenüber einer Veränderung in unserem Ernährungssystem ist groß. Wir wissen das eigentlich. Aber es ist notwendig, sich die Hintergründe nochmals bewusst zu machen.

In einer aktuellen Studie aus Großbritannien wurden alle ehemaligen politischen Entscheider, Prime Minister und Minister persönlich befragt, warum sie trotz ihres Wissens über die negativen Auswirkungen ungesunder Ernährung nichts oder nur wenig aktiv getan haben. Dabei legten sie die in ihren Augen vier wichtigsten Gründe offen, warum Politik für gesunde Ernährung scheitert:

1. Versuche der politischen Entscheider, Einfluss auf das Ernährungsverhalten in der Gesellschaft zu nehmen, werden in der öffentlichen Diskussion vehement als „Bevormundung“ abgetan. Man empört sich über den Eingriff in die „persönliche Entscheidungsfreiheit“.

2. Die Entscheider sind sich der negativen Auswirkungen hochverarbeiteter Lebensmittel bewusst. Zucker macht süchtig. „Wollen wir uns zu Tode essen?“, fragt jüngst selbst die eher konservative FAZ am Sonntag. Aber die massive Lobbyarbeit der Lebensmittelindustrie und die Furcht vor negativen Auswirkungen in der Wirtschaft hindert Entscheider daran, Einsichten und Wissen in Gesetzen und Verordnungen umzusetzen.

3. Das Thema Ernährung und Einsicht in den Zusammenhang von hochverarbeiteten Lebensmitteln und Erkrankungen hat es noch nie in die Liste der Top Themen der Politik geschafft.

4. Da Ernährung und das Ernährungssystem eine komplexe, vielschichtige und weitläufige Angelegenheit ist, wird jeder Gestaltungsversuch zu einem politischen Such- und Verwirrspiel (die Briten nennen es: „Whack-the-Mole“- Triff den Maulwurf). Die Verantwortung für gesunde Ernährung ist über zahlreiche Ministerien verstreut. Eine übergreifende Zusammenarbeit gelingt nicht oder nur schwer.

Verwundert sind wir also nicht über den Inhalt des Koalitionsvertrags zur Frage, wie konkret besonders Kinder und Jugendliche gesund ernährt werden können, auch nichts zum Abbau von Ernährungsarmut. Aber alle, die wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen des Bürgerrats ernst nehmen, sind verärgert.

Fazit: Die Lebensmittelindustrie hat weiterhin ihren Fuß in der Tür. Und das verheißt nichts Gutes. Protest ist dringend notwendig. Diese Koalition wird von allein keine Wende unseres Ernährungssystems bringen.

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