Vegan ist machbar: Potential einer umwelt- und klimafreundlichen Ernährung am Beispiel von Hochschulkantinen

Vegan ist machbar: Potential einer umwelt- und klimafreundlichen Ernährung am Beispiel von Hochschulkantinen

Zusammenfassung der Studienergebnisse

Unter dem Dachverband Deutsches Studierendenwerk (DSW) betreiben 57 Studierendenwerke ca. 400 Mensen an deutschen Hochschulen, was sie zu Deutschlands größten Gemeinschaftsverpflegern macht. Die Mehrheit der 2,9 Millionen Studierenden besuchen „ihre“ Mensa im Durchschnitt drei Mal pro Woche, insbesondere zum Mittagessen. Die Menüplanung kann sich auch auf das private Einkaufs- und Essverhalten auswirken. Mensen haben damit eine Vorreiterrolle für den Wandel des Ernährungssystems.  

Für ein ausschließlich fleischfreies Konzept haben sich bisher jedoch nur ein Zehntel der Studierendenwerke entschieden. Dies, obwohl mehr als ein Drittel (35,1%) der Studierenden Interesse an vegetarischer oder veganer Ernährung bekunden. Woran liegt dieser zögerliche Umbau der Kantinenlandschaft in Richtung pflanzlicher Ernährung? Und was könnte ihn befördern?

Mit diesen Fragen setzt sich die Masterarbeit von Luise Seiffert auseinander, die sie unter dem Titel: „Potential einer umwelt- und klimafreundlichen Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung als Maßnahme der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie am Beispiel von Hochschulkantinen“ veröffentlichte und im Masterstudiengang der Hochschule Bochum „Angewandte Nachhaltigkeit“ sowie auf Anregung des Instituts für Welternährung 2023 fertigstellte. Die Arbeit stützt sich auf die Erkenntnisse des Fachpersonals derjenigen Studierendenwerke mit mindestens einer rein veganen oder vegan-vegetarischen Mensa.

Eine Vorreiterrolle in der deutschen Mensenlandschaft nimmt das Studierendenwerk Berlin ein. Es betreibt drei der bisher neun fleischlosen Mensen in Deutschland. Warum die Berliner sich dazu entschlossen haben, zumindest ein Teil ihrer Mensen auf pflanzliche Kost umzustellen, lag nicht an politischen Beschlüssen des Senats oder der Berliner Hochschulverwaltung, sondern den Studienergebnissen zu Folge am Bedarf der Studierenden: „Unsere Klientel hat es sich gewünscht“. Die Berliner nehmen, ebenso wie die anderen Studierendenwerke mit einer fleischfreien Mensa, eine Vorreiterstellung in der deutschen Mensenlandschaft ein, in der eine klimafreundliche und damit pflanzenbetonte Kost bisher noch die Ausnahme ist.

Auch wenn längst anerkannt ist, dass unser Essen das Klima entscheidend prägt und damit über Hitzewellen, Stürme, Überflutungen und die Zukunft kommender Generationen entscheidet, und die industrielle Fleischproduktion als Hauptverantwortlicher für Klimagase im Ernährungssektor längst dingfest gemacht wurde, sind die Reaktionen darauf eher bescheiden. Mensen und andere Orte der Gemeinschaftsverpflegung könnten auf dem Weg zu einer klimaverträglichen Ernährung den Takt angeben und ihr Fleischangebot deutlich reduzieren. Die Hochschulen mit ihrem kritischen und umweltbewussten Klientel könnten dabei vorangehen und die Studierendenwerke sich an die Spitze der Bewegung stellen. Doch in der Praxis scheitert diese Option größtenteils an der Fleischtradition der Großküchen. Nicht nur beim Fachpersonal an den Töpfen und Pfannen, sondern auch bei den Studierenden.

Dass es dennoch zu drei fleischlosen Mensen in Berlin kam, lag laut den Erkenntnissen an den günstigen Bedingungen und dem spezifischen Potential bei den Studierenden, wie die Beobachtung des Küchenpersonals zeigt: „Das hat einiges damit zu tun, was an der Uni gelehrt wird“. Aber auch am Geschlecht der Studierenden: „Ich hätte es nicht zugeben wollen, aber […] ich glaube, […] Frauen [sind] dann doch eher geneigt, sich doch häufiger vegetarisch zu ernähren“. Zum anderen lag es aber auch an der der Motivation der Mensateams, die sich zur Umstellung bereitgefunden hatten: „Es braucht halt Leute, die es wollen“. Die Lust auf Neues, auf die Welt der veganen Küche, entscheidet beim Küchenpersonal über den Erfolg der Umstellung. Und was ebenfalls zählt, ist Engagement und Pioniergeist, den Mehraufwand der veganen Kost auf sich zu nehmen: „es ist halt einfach schwierig […] vegane Produkte in einer guten Qualität, in einer großen Menge herzustellen“. „[…] das haben wir […] gemerkt, der Speiseplan […] ist aufwändiger und das Kochen, die Produktion ist aufwändiger als in anderen Mensen“.

Hinzu kommt, dass die vegane Küche nicht von vornherein mit Zustimmung rechnen kann, auch nicht in Berlin, wie eine frühere Umfrage unter der Kundschaft zeigte: „Da gab es damals Gegenwind“. Das vermeintliche Grundrecht auf Fleisch wollte man sich nicht nehmen lassen. Auch innerhalb des Studierendenwerkes nicht: „Wir haben eben halt einen Versorgungsauftrag für alle Studierenden“. Und dieser Auftrag, so die vorherrschende Meinung in den Vorstandsetagen, schließe die Rücksicht auf die Traditionen des fleischliebenden Publikums mit ein. Alles andere hätte als Bevormundung wahrgenommen werden können, was dem Selbstverständnis der Studierendenwerke widersprochen hätte. Eine Grundüberzeugung, die wenig Spielraum lässt, wenn es um die Gründung neuer rein veganer Mensa geht. Doch in Städten wie Berlin wog dieser Vorbehalt nicht so schwer, denn es gab genügend Mensen mit fleischhaltigen Alternativen: „Wir sind hier in der bequemen Lage, dass wir sagen können, wenn du Fleisch essen willst, dann geh nach gegenüber“, was den Wandel zur fleischfreien Mensa begünstigt.

Dennoch, auch dort, wo heute noch Currywurst und Schnitzel zu den kulinarischen Highlights des Speiseplans gehören, wird sich in Zukunft etwas ändern müssen, so die Einschätzung des Fachpersonals: „Man muss […] nicht jeden Tag ein Kilo Fleisch essen“. Die Expertinnen und Experten halten Fleisch einmal die Woche oder Fleisch nur als Toppping des Gemüse- oder Salattellers, für eine gangbare Alternative als Zwischenschritt auf dem Weg zum klimaverträglichen Menü.

Was die vegane Mensa nach vorne bringt? Der Preis jedenfalls wird es nicht sein, so zeigt die Küchenpraxis: „Es sei ein Trugschluss zu meinen, vegan ist billiges Essen“. „Gute vegane Produkte kosten mindestens genauso viel in der Beschaffung wie gleichwertige artgerechte Fleischprodukte“. Was den Durchbruch brachte, war zielgerichtete Überzeugungsarbeit. Die Berliner haben mit den Studierenden und deren Vertretung die vegane Welle gepuscht und damit ihre Kundschaft für das rein vegane Mensenkonzept gewonnen. Die Erfahrung zeigt, dass diese Richtungsentscheidung richtig war. Denn letztlich komme es auf die Glaubwürdigkeit an: „Also, wenn dann sollte man das auch wirklich konsequent machen. […] man kann sich drauf verlassen, das, was dasteht, ist vegan, da kannst du zugreifen. Diese Verlässlichkeit zieht“. Eine vegane Mensa, die an Ausnahmetagen Fleisch anbietet, könnte diese Zugkraft nicht entfalten, eher das Gegenteil.

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Offener Brief an die Kirchenpräsidentin zum Erntedankfest

Offener Brief an die Kirchenpräsidentin zum Erntedankfest

Erntedank ist der Tag, an dem Christinnen und Christen in unseren Breiten für die gute Ernte danken, die von den Feldern eingefahren werden konnte. Doch das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Der Klimawandel, das Artensterben stellen dies mehr und mehr in Frage. Um diese wachsenden Risiken abfedern zu können, müsste Landwirtschaft auf den Äckern und Feldern wieder vielfältig und vielseitig werden. Doch das Bild der Vielfalt scheint leider noch nicht im Bewusstsein der Kirchenoberen angekommen zu sein. Zeit zur Besinnung, fordert Peter Wogenstein, Vorstand des IWE, in seinem offenen Brief an die Präsidentin.

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Offener Brief an EU-Präsidentin: 160 Organisationen fordern nachhaltige Ernährungspolitik

Offener Brief an EU-Präsidentin: 160 Organisationen fordern nachhaltige Ernährungspolitik

Über 160 Organisationen wenden sich heute in einem offenen Brief an die EU Präsidentin, Ursula von der Leyen, mit der dringenden Bitte: „Lassen Sie sich nicht vom Weg einer grünen nachhaltigen Politik abbringen.“ So fordert das Institut für Welternährung Frau von der Leyen auf: „Bleiben Sie bei Ihren Forderungen eines Green Deal. Halten Sie fest an dem sicherlich ambitionierten Vorschlag für einen EU weiten, gesetzlichen Rahmen für ein nachhaltiges Ernährungssystem in Europa (Framework for Sustainable Food Systems (FSFS)).“

Der Widerstand ist groß seitens der Agrarlobby. Die anstehenden Wahlen in Europa verstärken diesen Widerstand. Wird das Vorhaben, das „Flaggschiff“ der Farm to Fork Strategie, nicht auf den Weg gebracht, werden auch die Klima-, Umwelt- und Gesundheitsziele der EU verfehlt. „Vorausschauendes Handeln für eine nachhaltige und gesündere Ernährung im Rahmen der planetaren Grenzen ist dringend notwendig. So wie bisher und weiter so können wir nicht verantworten“, macht Peter Wogenstein, Vorstandmitglied des Institut für Welternährung e.V., deutlich.

Den offenen Brief an Ursula von der Leyen können Sie hier lesen.

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IWE fordert gemeinsam mit 60 Organisationen FDP-Parteichef Lindner auf, Weg für Kinderschutz-Gesetz frei zu machen

IWE fordert gemeinsam mit 60 Organisationen FDP-Parteichef Lindner auf, Weg für Kinderschutz-Gesetz frei zu machen

60 Organisationen appellieren an FDP-Parteichef Christian Lindner, die von Bundesernährungsminister Cem Özdemir geplanten Werbeschranken für Lebensmittel mit einem hohen Zucker-, Fett- oder Salzgehalt zu unterstützen. Mit „großer Sorge“ blicke man auf die ablehnenden Äußerungen aus der FDP. In einem offenen Brief an die Parteispitze fordern medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften, Kinderrechtsorganisationen, Eltern- und Pädagogikverbände, Verbraucherschutz- und Ernährungsorganisationen sowie Ärzteverbände und Krankenkassen umfassende Werbeschranken für unausgewogene Lebensmittel.

„Deren Konsum“, so der Sprecher des Instituts für Welternährung Dr. Wilfried Bommert, „fördert nicht nur massives Übergewicht bei Kindern und untergräbt ihre Gesundheit. Wachsende Krankheitskosten drohen eine Milliarden Last für unser Gesundheitssystem zu werden. Frühzeitige Arbeitsunfähigkeit werde die Leistungskraft der gesamten Volkswirtschaft auf Dauer einschränken. Eine solche Entwicklung beschneidet die Freiheitsgrade künftiger Generationen und sollte von keiner Gesellschaft toleriert werden.“ Deutschland müsse auf dem Weg einer gesunden Ernährung vorausgehen. Dies besonders mit Blick auf die Länder des globalen Südens, wo die Junkfoodindustrie ihre Wachstumsmärkte gerade erst ausbaut, betont der Sprecher des Instituts für Welternährung anlässlich der Übergabe es offen Briefes an die FDP-Spitze.

Hier können Sie den offenen Brief an die FDP-Parteispitze „Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung unterstützen“ als PDF herunterladen.

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Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert: Vollwertiges, ökologisches Essen für alle – Ernährungsarmut beenden!

Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert: Vollwertiges, ökologisches Essen für alle – Ernährungsarmut beenden!

Seit die Preise für Lebensmittel steigen, steigt auch die Ernährungsarmut. Immer mehr Menschen können sich gesundes Essen nicht mehr leisten. „Billiges Fastfood“, so der Sprecher der Instituts für Welternährung Wilfried Bommert, „hat wieder Konjunktur. Die Gesundheit insbesondere der Kinder rutscht aus dem Blickfeld. Die des Planeten auch.“

Es ist höchste Zeit, dass die Agrar- und Ernährungspolitik hier Flagge zeigt. „Es geht darum“, so Bommert, „eine warme Mahlzeit pro Tag aus ökologisch erzeugten, gesunden Nahrungsmitteln für alle zu ermöglichen und dies für Kinder kostenfrei.“ Gesunde Ernährung müsse als öffentliche Aufgabe ernst genommen werden. Ökologisch, erschwinglich und verläßlich.

Das fordert das Institut für Welternährung gemeinsam mit 32 Organisationen der Zivilgesellschaft. Das Bündnis dringt darauf, das diese Prinzipien in der Ernährungssstrategie des Bundes fest verankert werden.

Wir fordern:

  1. Eine warme Mahlzeit pro Tag aus ökologisch erzeugten, gesunden Nahrungsmitteln allen Menschen zugänglich machen!
    Viele Menschen in Deutschland können sich eine warme Mahlzeit am Tag nicht regelmäßig leisten. Sie haben keinen Zugang zu gesunden, ökologisch hergestellten Lebensmitteln. Deshalb muss der Staat dafür Sorge tragen, dass es sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum Orte gibt, an denen täglich und für alle mindestens eine warme Mahlzeit im Sinne der „Planetary Health Diet“ angeboten wird. Dazu gehört auch, dass die Kita- und Schulverpflegung für alle Kinder beitragsfrei ist.
  2. Eine Grundsicherung, die eine gesunde, ökologische Ernährung ermöglicht
    Im Regelsatz sind derzeit nur 5,74 Euro pro Tag für drei Mahlzeiten inklusive Getränke vorgesehen. Für Kinder und Jugendliche ist der Betrag noch geringer. Das gefährdet die Entwicklung junger Menschen und verhindert soziale Teilhabe. Der Regelsatz muss soweit angehoben werden, dass eine gesunde, ökologische Ernährung im Sinne der “Planetary Health Diet” möglich ist. Umgehend muss außerdem eine Kindergrundsicherung eingeführt werden und so gestaltet sein, dass alle Kinder ausreichend versorgt werden können.
  3. Vollwertiges Essen aus ökologisch erzeugten, gesunden Nahrungsmitteln in allen öffentlich finanzierten Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung
    Die Politik muss auf allen Ebenen die Beschaffungs- und Vergaberichtlinien für Träger von öffentlich finanzierten Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung anpassen und Nachhaltigkeitskriterien verankern. Ziel sollte es sein, die Verwendung eines zunehmenden Anteils von Bio-Produkten verbindlich festzulegen und die Umstellung auf eine pflanzenbetonte, vollwertige Kost zu begleiten und zu überprüfen. Dabei muss die staatliche Refinanzierung der Träger und Einrichtungen die zusätzlichen Kosten für ökologischere und regionale Lebensmittel abdecken.
  4. Gesunde, ökologische Ernährung erlebbar machen
    Einrichtungen der öffentlichen Hand haben Vorbildfunktion und müssen ihrer Verantwortung für eine gesunde, nachhaltige Ernährung im Umgang mit Lebensmitteln und der Ernährungsbildung gerecht werden. Dazu sollen Kinder und Jugendliche in die Zubereitung der Mahlzeiten einbezogen und Ernährungskunde in den Lehrplan der Schulen aufgenommen werden. Es gilt, Schulküchen, Schulgärten und andere relevante Infrastruktur auf- bzw. auszubauen und das Fachpersonal in den Küchen und Lehrerzimmern, sowie Eltern und Erzieher:innen zu schulen und weiterzubilden. Als Vorbild beim Aufbau eines
    flächendeckenden Weiterbildungs- und Beratungsangebots können Projekte wie die “Kantine Zukunft”, Acker e.V. und viele weitere Initiativen dienen.
  5. Steuerfreiheit für pflanzliche Lebensmittel dient dem Klimaschutz
    Die Bundesregierung sollte die Mehrwertsteuer von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf 0 Prozent absenken. Mit der neuen EU-Mehrwertsteuerrichtlinie ist der Rahmen dafür geschaffen. Eine Steuerbefreiung schafft Anreize, mehr klimaverträgliche Nahrungsmittel zu erzeugen und zu essen und trägt damit dazu bei, die Klimaziele zu erreichen – denn das kann nur mit deutlich geringerem Konsum von Fleisch- und Milchprodukten gelingen. Und sie entlastet Verbraucher:innen, die unter den stark gestiegenen Lebensmittelpreisen leiden.

Die Pressemitteilung „Vollwertiges, ökologisches Essen für alle – Ernährungsarmut beenden!“ können Sie hier als PDF herunterladen.

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Bundestag beschließt Bürgerrat – Gesundes Essen für einen gesunden Planeten

Bundestag beschließt Bürgerrat – Gesundes Essen für einen gesunden Planeten

Der Bundestagsbeschluss vom 10. Mai für einen Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ könnte frischen Wind in die Debatte um die Zukunft unserer Ernährung bringen, wenn dem Rat genügend Mitsprache und Entscheidungsfreiheit im Prozess seiner Beratungen eröffnet wird. Hieran mangelt es nach Ansicht des Instituts für Welternährung (IWE) noch im Beschluss des Bundestages. Hier muss nachgebessert werden, um dem Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ den Raum für ein freies und unabhängiges Urteil zu geben, erklärt Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V. Berlin.

Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass unsere Art der Ernährung und Landwirtschaft global massive Konsequenzen hat. Sie verschärft die Klimakrise, schädigt die Artenvielfalt, wie auch die Wasservorräte der Erde. Sie treibt die Preise bei Nahrungsmitteln und forciert Hunger und Unterernährung vor allem im globalen Süden. Der beschlossene Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“, so Bommert, müsse Maßstäbe setzen für gesundes Essen auf einem gesunden Planeten – bei uns und überall.  

Gemeinsam mit dem Netzwerk der Ernährungsräte Deutschland begrüßt das Institut für Welternährung (IWE) den Beschluss, einen Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ ins Leben zu rufen als wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Ernährungsdemokratie. Das in Deutschland noch recht neue Beteiligungsformat Bürgerrat könne dazu beitragen, neues Vertrauen in die Kraft der Demokratie zu begründen. Es stelle durch die direkte Bürgerbeteiligung eine basisdemokratische Ergänzung der repräsentativen Parteiendemokratie dar. 

Valentin Thurn, Netzwerkvorstand, erwartet vom ersten Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“, dass die Teilnehmenden am Bürgerrat den nötigen Freiraum erhalten und nutzen werden, insbesondere wenn es um die Marktmacht von Handelsketten und großen Lebensmittelkonzernen gehe, und Wege zu einem am Gemeinwohl orientierten Agrar- und Ernährungssystem finden werden. Bürgerräte könnten die gesellschaftliche Debatte über die großen Fragen unserer Zeit wie den nachhaltigen Wandel unseres Landwirtschafts- und Ernährungssystems bei uns und auf globaler Ebene voranbringen. 

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Hunger nach Taten

Hunger nach Taten

Kommentar von Wilfried Bommert 

Sind wir noch entsetzt, wenn wir hören, dass eine viertel Milliarde Menschen nicht weiß, was sie heute oder morgen essen wird? Dass mehr als 800 Millionen Menschen hungrig aufstehen? Mehr sterben als leben? Und dass sich das alles in den kommenden Monaten und Jahren noch verschärfen wird? Der Generalsekretär der Vereinten Nationen spricht bei der Vorlage dieses Drehbuchs des Grauens und der Unbarmherzigkeit von „menschlichem Versagen“. Wer hier versagt? Wir ahnen es, aber wir möchten es doch nicht wissen. Weil wir es sind!

Tragen wir Verantwortung am Schicksal der Menschen in Somalia, Kenia, der Kinder im Sudan, im Jemen, in Eritrea, der Frauen in Afghanistan? Sind wir es, die die Kriege ermöglichen, die Dürren, Hitzewellen am Horn von Afrika, die Überschwemmungen in Pakistan mit verschulden? Die zusehen, wie die Preise für Getreide und Brot um 60 Prozent steigen und uns achselzuckend abwenden? Haben wir nicht selbst hinreichende Probleme mit unseren Heizkosten, den Lebensmittelpreisen – und Corona ist auch noch nicht so recht ausgestanden? Kann die Welt, der Hunger, das Klima da warten? 

Nein, sie dreht sich einfach weiter. Und wir, wir fahren immer tiefer in die Krisen. Dabei wissen wir sehr gut, was hier und jetzt zu tun wäre, um die Wende einzuleiten. Den Kriegen die Mittel entziehen und sie nicht länger mit unserem Durst nach Öl anfeuern. Den Viren wie Corona keine Chance mehr geben, aus der Wildnis zu uns überzuspringen. Von Urwäldern und Rückzugsgebieten der Natur die Finger lassen. Den Klimakillern und dabei vor allem dem industriellen Mastfleisch den Kampf ansagen. Unsere Landwirtschaft vom Tropf der Fossilen abkoppeln. Bei Wind- und Sonnenenergie Tempo zulegen. Regenerative Landwirtschaft auf die Wiesen und Felder bringen. Energiewende, Ernährungswende, Agrarwende: Wir wissen, wo und wie die Zukunft entschieden wird. Und dass daran nicht nur unser Wohl hängt, sondern das aller Menschen. 

Wir hier entscheiden, ob sich die Teller der Welt füllen oder leer bleiben. Der Kampf gegen den Hunger beginnt bei uns, das macht ihn nicht leichter, aber erfolgreicher, wenn wir ihn denn ernst nehmen. Der unerträgliche Hunger, den die Vereinigten Nationen so vehement beklagen, verlangt nach Taten, nach unseren!

Den „Global Report on Food Crises 2023“ können Sie hier lesen. 

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Politik muss Schulverpflegung zur Chefsache machen: Interview mit Ernährungswissenschaftler Prof. Volker Peinelt

Politik muss Schulverpflegung zur Chefsache machen: Interview mit Ernährungswissenschaftler Prof. Volker Peinelt

Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen. An Kitas und Schulen kümmert das offensichtlich kaum. Das Essen unserer Kinder spielt im Lehrplan keine Rolle. Auch wenn es von Experten mangelhaft und ungenügend bewertet wird, kann es sich weiter halten, Hauptsache der Preis stimmt. Satt und billig ist die Devise, mit der die Esskultur kommender Generationen vergeigt wird. Ein gesunder Geist braucht einen gesunden Körper und der eine gesunde Ernährung. Der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Volker Peinelt fordert seit Jahren eine bessere Verpflegung an deutschen Schulen, und zwar kostenfrei. Das würde gerade mal 10% der Subventionen ausmachen, die bei uns von Staat für klimaschädliche Dienstwagen spendiert werden. Karin Vorländer fragte ihn, was sich in deutschen Schulmensen ändern muss.

Herr Professor Dr. Peinelt, Sie machen sich als Ernährungswissenschaftler seit vielen Jahren für Verpflegung an Schulen stark. Warum ist Ihnen das Thema Schulverpflegung so wichtig?

Hierfür gibt es mehrere Gründe. In der Jugend wird der Grundstein für eine gesunde Ernährung gelegt. Bis zu 20% der Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig und viele werden ihr Übergewicht als Erwachsener beibehalten. Damit sind meist zahlreiche Erkrankungen verbunden, wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus[1]. Ein hochwertiges und schmackhaftes Mensaessen in Verbindung mit Ernährungsunterricht kann somit einen maßgeblichen Beitrag für die Volksgesundheit leisten.

Außerdem sollten auch praktische Fertigkeiten für die Zubereitung von Speisen erworben werden. Nur wenn Schüler über Jahre Unterricht in Theorie und Praxis der Ernährung erhalten, können bessere Ernährungsgewohnheiten dauer­haft geprägt werden.

Ein weiterer Grund ist der Einfluss, der durch staatliche Maßnahmen und vorgegebene Qualitäts-Standards auf die Schulverpflegung ausgeübt werden kann. Allerdings reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus. An der Hochschule Niederrhein wurde ein Konzept für die Schulverpflegung entwickelt, mit dem sie auf ein hohes Niveau gebracht werden könnte.

Welche positiven Effekte für Klimaschutz und Umwelt könnten mit einer guten Schulverpflegung einhergehen?

Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf das Klima und die Umwelt. Im Vordergrund steht der zu hohe Fleischkonsum. Dieser müsste drastisch reduziert werden, um die CO2-Emissionen zu mindern. Die Verringerung des Fleischverzehrs kann in der Schule durch geeignete Rezepte kennengelernt werden. Der aktuelle Trend zur veganen Ernährung ist hilfreich. Des Weiteren müsste der Anteil an Bio-Lebensmitteln erhöht werden.

Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Maßnahmen notwendig, um den Carbon-Footprint in der Schulverpflegung zu verringern, z.B. die Reduzierung der Speisenabfälle oder der Einsatz energiesparender Geräte. In den Q-Standards werden einige Vorgaben gemacht, die allerdings nicht verbindlich sind und noch ausgeweitet werden müssten.

Wo hapert es in Deutschland bei der gegenwärtigen Schulverpflegung? Worin sehen Sie die Gründe für die Mängel und Defizite?

Nachfolgend werden einige wichtige Punkte genannt:

  • In Deutschland fehlt ein bundesweiter Masterplan, der alle wesentlichen Aspekte der Schulverpflegung verbindlich regelt. Wegen der Zuständigkeit der Bundesländer für die Schulverpflegung könnte dieser aber nur dann realisiert werden, wenn das Grundgesetz geändert wird. Das sind hohe Hürden.
  • Hierzulande werden überwiegend die falschen Verpflegungssysteme eingesetzt, nämlich die Warmverpflegung und die Frischkost. Die Warmverpflegung liefert meist wegen langer Heißhaltezeiten eine schlechte Qualität (oft ≥4 Std). Da dieses System aber am billigsten ist und geringe Anforderungen stellt, wird es häufig gewählt. In Deutschland ist der Preis wichtiger als die Qualität. Würde man die Warmverpflegung so optimieren, dass sie akzeptabel wäre, müssten viele Änderungen vorgenommen werden, wodurch der Preis deutlich steigen würde. Andererseits sind für die Frischkost zahlreiche Voraussetzungen meist nicht erfüllt und in Deutschland auch nicht erfüllbar. Es fehlen insbesondere Küchenfachkräfte, die für dieses System sehr gut qualifiziert sein müssen. Die Zahl der Koch-Lehrlinge geht aber seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück und die Abbrecherquote ist sehr hoch (60 %)[2]. Woher sollen also die nötigen Küchenfachkräfte kommen? Außerdem ist der Investitions- und Raumbedarf bei dieser Kostform am höchsten. Die nötigen Finanzmittel, vom Staat subventioniert, fehlen ebenfalls und müssten über die Essenspreis reingeholt werden, was wegen der starken Preissensibilität nicht gelingen kann. Obwohl die fehlenden Voraussetzungen bekannt sind, wird an diesen Systemen festgehalten.
  • Eine wesentliche Anforderung an jede Verpflegung ist ein umfassendes Hygiene-Konzept. Wie z.B. in einer Umfrage an Gymnasien in NRW ermittelt werden konnte, hatte etwa die Hälfte kein solches Konzept vorzuweisen. Die Mensen in diesen Schulen müssten daher geschlossen werden, was aber nicht geschah.
  • Der Staat müsste schlechte Systeme der Schulverpflegung durch gute ersetzen. Das geht nur mit einem geeigneten Q-Standard sowie einer darauf basierenden Zertifizierung, wobei alle wesentlichen Aspekte der Schulverpflegung jährlich überprüft werden müssten. Es gibt zwar offizielle Q-Standards für die Schulverpflegung[3], doch deren Einhaltung ist freiwillig! Außerdem reicht der Umfang dieser Q-Standards nicht aus, der im Übrigen diverse Schwächen aufweist. Der Staat lässt also seit Jahrzehnten eine insuffiziente Schulverpflegung gewähren, obwohl diese mit einer verpflichtenden Zertifizierung schon längst hätte beseitigt werden können.
  • Hinzu kommt, dass es in deutschen Schulen keine Verzehrspflicht gibt, weshalb in den weiterführenden Schulen oft nur 10 % und weniger der Schüler am Essen teilnehmen. Diese niedrige Beteiligung erhöht die Vollkosten für ein Essen bis auf 10 €[4]. Welche Eltern können sich das leisten? Bei einer Verzehrspflicht mit hoher Essensteilnahme könnten die Preise durch niedrige Fixkosten hingegen stark reduziert werden.

Was müsste aus Ihrer Sicht dringend geschehen, damit flächendeckend eine gesunde und nachhaltige Schulverpflegung zu erschwinglichen Kosten angeboten werden kann?

Die notwendigen Maßnahmen, um die gravierendsten Mängel in der Schulverpflegung zu beheben, sind zwar sehr herausfordernd, wären aber mit unserem Konzept[5] mittelfristig umsetzbar.

Zunächst müsste die Zertifizierungspflicht mit einem hinreichenden Prüfkatalog eingeführt werden. Eine solche Zertifizierung mit jährlichen Folgeprüfungen könnte ein dauerhaft hohes Niveau der Schulverpflegung sicherstellen. Dies schließt v.a. die gesundheitlichen und ökologischen Aspekte ein. Hierbei würde aber auch die sensorische Qualität des Essens geprüft. Die Hochschule Niederrhein hat ein solches Konzept schon vor 20 Jahren entwickelt. Es wird aktuell vom TÜV Rheinland umgesetzt[6] und könnte in relativ kurzer Zeit in ganz Deutschland eingeführt werden, wobei pro Essen nur ein Cent (!) Mehrkosten anfielen. Weder an der Finanzierung noch an den Prüfkapazitäten würde die Zertifizierung scheitern.

Dann müssten alle Anstrengungen auf die Einführung der für Deutschland am besten geeigneten Verpflegungssysteme gelegt werden. Das sind die temperaturentkoppelten Systeme. „Cook & Chill“ oder „Cook & Freeze“ sind solche Verfahren, bei denen das Essen zentral zubereitet und dann schockgekühlt wird. An der Schule braucht das Essen nur noch erwärmt zu werden. Die Qualität dieser Gerichte ist in jeder Hinsicht mit der Frischkost vergleichbar. Die Nachteile der Frischkost entfallen hier allerdings. Um diese Einführung zu erreichen, müssten alle Kräfte gebündelt werden, wozu z.B. auch die Vernetzungsstellen gehören.

Mit diesen beiden wichtigsten Maßnahmen kommt es automatisch im Laufe der Jahre zu einer Verbesserung der Schulverpflegung. Ein dauerhaft hohes Niveau ergibt sich aus den regelmäßigen Audits, die im Rahmen der Zertifizierung durchgeführt werden. Es bedarf also keiner Appelle seitens des Staates und keiner umfangreichen Aktivitäten durch die Schule selbst. Das System optimiert sich ständig selbst, ist extrem billig und absolut zuverlässig.

Gibt es Länder, in denen die Situation deutlich besser ist und die sozusagen als Modell dienen könnten?

Es gibt viele Länder, die ein besseres Konzept als Deutschland entwickelt haben und praktizieren. Zu nennen ist insbesondere Japan, das bereits nach dem Zweiten Weltkrieg damit begonnen hat, ein fast lückenloses Frischkostsystem landesweit aufzubauen. Dies nachzuahmen würde in Deutschland sehr lange dauern. Daher bietet sich für Deutschland ein temperaturentkoppeltes System an, das zu ähnlich guten Ergebnissen führen würde und schneller umsetzbar wäre.

Sie plädieren für eine Verzehrspflicht. Wäre das Schulessen dann Teil des Stundenplans?

Eine Verzehrspflicht sollte erst dann eingeführt werden, wenn die Zentralküche und die Schule zertifiziert wurden. Somit wäre auch eine gute sensorische Qualität sichergestellt. In Japan gibt es die Verzehrspflicht schon seit langem, ohne dass sich jemand daran stört. Im Rahmen des Ernährungsunterrichts nehmen die Schüler am Essen teil. Das heißt aber nicht, dass die Schüler zum Essen gezwungen werden, wenn es ihnen nicht schmeckt. In Japan wird erfolgreich eine Salamitaktik angewandt, bei der ein Schüler wenigstens etwas von Speisen probieren muss, die ihm nicht schmecken. Im Laufe der Zeit erweitert sich so das Akzeptanzspektrum, was eine vielfältigere und somit auch gesündere Ernährungsweise bedeutet.

Gibt es Berechnungen, wie teuer eine kostenlose Schulverpflegung für alle wäre?

Ja, die gibt es. Die sog. Vollkosten hängen von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von der Teilnehmerzahl. Zusammengefasst kann man heute von Vollkosten (inkl. eines Gewinns) von ca. 6 € pro Essen ausgehen. Bei 3,2 Mio Schülern[7] und einer Essensteilnahme von i.D. 30 % entstünden in Deutschland Gesamtkosten von ca. 1-1,5 Mrd. Euro. Diese Gesamtkosten entsprechen nur ca. 10% der Subventionierung klimaschädlicher Dienstwagen in Deutschland[8]. Dies zeigt, wo die Schulverpflegung auf der Prioritätenliste deutscher Politik steht.

Was wäre zu tun?

Die Schulverpflegung darf nicht länger ein Mauerblümchen-Dasein in der Politik fristen, sondern müsste zur Chefsache gemacht werden. Dabei muss auch endlich die qualitätshemmende Preisfixierung zugunsten klar definierter und verbindlicher Qualitätskriterien aufgegeben werden. Nicht zuletzt sollte klar sein, dass Appelle zur Freiwilligkeit von Qualitätsmaßnahmen wertlos sind und daher durch eine Zertifizierungspflicht ersetzt werden müssten.


[1] (Hrsg.): 14. Warlich Druck, Meckenheim, 2020, 473 S., hier: Kap. 1.4, S. 78ff

[2] Peinelt, Gemüth (2016 bzw. 2020): Produktionssysteme in der GG. (S. 18). https://ewd-gastro.jimdo.com/speisenangebote/produktionssysteme/

[3] DGE: Qualitätsstandards für Kitas, Ganztagsschulen, Betriebe, Unternehmen, stationäre Einrichtungen, Essen auf Rädern und Rehabilitationskliniken, Bonn 2007-2015. https://www.dge.de/gv/dge-qualitaetsstandards/?L=0

[4] Peinelt (2015): Kosten der Verpflegungssysteme. https://ewd-gastro.jimdo.com/schulverpflegung/kosten-fuer-mittagessen/

[5] Peinelt (2023): 7-Punkte-Konzept für die Schulverpflegung. https://ewd-gastro.jimdo.com/schulverpflegung/7-punkte-konzept/

[6] Peinelt (2021): Offizielles Konzept „Ausgezeichnete Gemeinschaftsgastronomie“. https://ewd-gastro.jimdo.com/zertifizierung/ausgezeichnete-gg/

[7] NQZ (Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kitas und Schulen): Zahlen und Fakten zur Schulverpflegung. https://www.nqz.de/schule/zahlen-fakten/keyword=Zwischenmahlzeiten

[8] DUH: Deutsche Umwelthilfe fordert sofortigen Stopp der Subventionierung von klimaschädlichen Dienstwagen mit Verbrennungsmotor. 5.10.2020. https://www.presseportal.de/pm/22521/4725274

IWEPolitik muss Schulverpflegung zur Chefsache machen: Interview mit Ernährungswissenschaftler Prof. Volker Peinelt
Netzwerk der Ernährungsräte in Deutschland gegründet

Netzwerk der Ernährungsräte in Deutschland gegründet

Die Ernährungsräte in Deutschland haben sich auf Bundesebene im Netzwerk der Ernährungsräte zusammengeschlossen. „Das ist ein großer Fortschritt auf dem Weg zu einer Ernährungswende,“ kommentiert der Sprecher des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert die Neugründung. „Die Zivilgesellschaft hat damit eine Organisation geschaffen, die mit der Bundesregierung auf Augenhöhe diskutieren kann.“

Ein Schritt, der dringend notwendig sei, um die Weichen für eine deutsche Ernährungsstrategie zu stellen. Darin müssten die Ernährungsräte nicht nur einen Platz finden, betont Bommert, sondern auch eine Finanzierung. Die Zivilgesellschaft stelle nach Auffassung des Instituts für Welternährung eine zentrale Kraft bei der ökologischen Transformation unseres Ernährungssystems dar. Das müsse von der Regierung anerkannt und durch ein entsprechendes Förderungsprogramm für Regionale Ernährungskreisläufe gewürdigt werden. 

Inzwischen arbeiten mehr als 60 Ernährungsräte allein in Deutschland. „Über unsere Ernährung bestimmen heute vor allem große Agrar- und Lebensmittelkonzerne, die auf den Weltmarkt ausgerichtet sind. Doch immer mehr Menschen wollen mitentscheiden, wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wird,“ so Valentin Thurn, Gründer des Kölner Ernährungsrats und Mitglied im neuen Netzwerkvorstand.

„Höchste Zeit also, dass das Netzwerk der Ernährungsräte lokale ernährungspolitische Impulse bündelt und dafür sorgt, dass die nachhaltige Transformation auch hierbei als dringliche „Chefsache“ behandelt wird!,“ sagt Gundula Oertel, die den Berliner Ernährungsrat mitgründete und jetzt ebenfalls Mitglied im neuen Netzwerkvorstand ist. Ophelia Nick, grüne Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft begrüßt die Initiative, „denn ohne Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft schaffen wir die Ernährungswende nicht.“ 

Neben Valentin Thurn und Gundula Oertel wurden fünf weiter Vorstandskolleg:innen gewählt: Anna Sophie Feigl (München), Judith Busch (Oldenburg), Julia Marx(Oberfranken), Anna Wissmann (Bonn) und Karen Schewina (Frankfurt a.M.).

IWENetzwerk der Ernährungsräte in Deutschland gegründet
Ausstellung: „GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität“ beim EMOP Berlin

Ausstellung: „GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität“ beim EMOP Berlin

(c) Sabrina Radeck

GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität

Vernissage im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography in der Heinrich-Böll-Stiftung

Dienstag, 7. März, 18 bis 20 Uhr

Studierende und Alumni der Neuen Schule für Fotografie Berlin zeigen in ihrer Ausstellung „GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität“ in der Heinrich-Böll-Stiftung vom 3. bis 31. März 2023 vielschichtige und überraschende Blickwinkel auf den Themenkomplex.

Teilnehmende Fotograf:innen: Eun Sun Cho, Johann Karl, Linda Kerstein, Caro Lenhart, Thilo Mokros, Sabrina Radeck, Jakob Wierzba 

Eröffnung: Dienstag, 7. März von 18 bis 20 Uhr
Begrüßung: Inka Dewitz (Referentin Internationale Ernährungspolitik, Heinrich-Böll-Stiftung), Eva Bertram (Künstlerische Betreuung, Neue Schule für Fotografie Berlin), Ines Meier (Projektleitung, Neue Schule für Fotografie Berlin)
Im Anschluss führen die Künstler*innen durch die Ausstellung.

Geöffnet: 3.-31. März, werktags von 10 bis 19 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin

„Gift“ meinte althochdeutsch ursprünglich „das Gegebene“ oder „die Gabe“, bevor sich die Bedeutung hin zur „tödlichen Gabe“ veränderte. Der Titel der Ausstellung, die sich künstlerisch und dokumentarisch mit dem Themenkomplex Landwirtschaft und Biodiversität auseinandersetzt, verweist auf biologische Vielfalt als Geschenk, das von Generation zu Generation vererbt wird – und gleichzeitig auch auf die akute Gefährdung unserer Lebensgrundlage.

(c) Johann Karl

Der Mensch ist im Zeitalter der Anthropozäns zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden. Doch die Vielzahl der weltweit durch Medien transportierten Bilder, die die Themen Landwirtschaft und Biodiversität vermitteln sollen, kreisen um wenige einfache und naheliegende Motive, die in Varianten wiederholt werden und inzwischen klischeehaft und abgenutzt erscheinen. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des im Frühjahr 2020 begonnenen Ausstellungsprojekts „GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity“, diesen Bildkreislauf durch eine intensive inhaltliche und visuelle Auseinandersetzung mit dem Thema zu durchbrechen und neue, überraschende Blickwinkel zu zeigen.

Die Wanderausstellung der Neuen Schule für Fotografie wird unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Institut für WelternährungGrün BerlinGLS Treuhand und Hahnemühle.

Nächste Ausstellungsstation: Umweltbundesamt Dessau, Mai-Juni 2023

Pressekontakt und Ausstellungsanfragen: 
Ines Meier, Projektkoordination NSFB
Tel.: 01573 49 59 851
E-Mail: ines.meier@neue-schule-fotografie.berlin

Wir freuen uns auf Ihren und Euren Besuch!

Die Ausstellung ist Teil des EMOP Berlin und findet in Kooperation mit Kulturprojekte Berlin statt.

IWEAusstellung: „GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität“ beim EMOP Berlin