Über Saatgut und Macht

Über Saatgut und Macht

DLF-Buchbesprechung "Saatgut" von Anja Banzhaf

Mit einer Buchbesprechung rekonstruiert der Deutschlandfunk den Kontext von Anja Banzhafs Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen. Das im Oekom-Verlag erschienene Buch gibt einen verständlichen und gründlichen Einblick, wie die Agrarindustrie versucht weltweit die Kontrolle über die Saat zu übernehmen. Gerade vor dem Hintergund von Kaufverhandlungen zwischen Monsanto und Bayer sowie der Glyphosat-Zulassungsdebatte bekommt das Buch neue Brisanz.

„Konzerne kaufen sich in verschiedene Bereiche entlang der Saatgut-Wertschöpfungskette ein. Insbesondere die Verquickung zwischen Chemie- und Saatgutkonzernen hat sich für diese als äußerst fruchtbar erwiesen: Fünf der sechs größten Pestizidhersteller gehören heute zugleich zu den zehn größten Saatgutkonzernen.“ so Banzhaf in ihrem Buch.

„Die globale Vereinheitlichung in der Landwirtschaft hat aus komplexen Anbausystemen Monokulturen gemacht. Hierbei gingen nicht nur verschiedenste bäuerliche Anbaumethoden und kleinteilige Strukturen verloren, sondern auch die Sorten, die in diesen Systemen genutzt wurden. Schätzungen zufolge sind in den letzten 100 Jahren etwa 75 Prozent der Kulturpflanzenvielfalt (…) vernichtet worden.“

Britta Fecke, Deutschlandfunk, urteilt: „Diese wissenschaftlichen Exkurse sind allgemeinverständlich und dennoch präzise formuliert. Gelingt viel zu selten, hier aber sehr gut. Und was noch schöner ist: wer keine Zeit für einen Fachexkurs hat, versteht das nächste Kapitel trotzdem.“

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Klimaschutz: Geht es den Deutschen ans Fleisch?

Klimaschutz: Geht es den Deutschen ans Fleisch?

Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 empfiehlt Halbierung des Fleischkonsums

Der Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 sorgt für Irritationen: Der Kohleausstieg ist auf eine hülsenhafte Andeutung reduziert. Immerhin wird indirekt eine Halbierung des Fleischkonsums vorgeschlagen (S. 50). Auch das stößt auf wenig Gegenliebe.

1,1 kg Fleisch pro Woche essen die Deutschen im Durchschnitt. Im Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 wurde nun die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DEG) als Richtlinie eingefügt: Demnach sollten nicht mehr als 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche gegessen werden – auch aus gesundheitlichen Gründen. Wie dies umgesetzt werden würde, bleibt unklar – von einer Fleischsteuer ist im Entwurf jedenfalls nicht die Rede.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt lehnt die Pläne ab und kontert mit einer Milchjungenrechnung: „Die Landwirtschaft mag zwar acht Prozent der Emissionen erzeugen, sie ernährt aber auch 100 Prozent der Bevölkerung.“ Vielleicht sollte Schmidt den einzigen verfügbaren Planeten, die Temperaturdifferenz von 1,5°C und die zukünftig 10 Milliarden zu ernährenden Menschen in seine Berechnungen einbeziehen. Weitere relevante Zahlen zu Emissionen durch Landwirtschaft bzw- Nutztierhaltung: Methan ist 25-fach, Lachgas 298-fach klimaschädlicher als Kohlendioxid, so das Umweltbundesamt.

Das Ziel des Klimaschutzplans 2050 des BMUB ist es, mit konkreten Maßnahmen an die international vereinbarten Ziele der Klimakonferenz 2015 in Paris anzuknüpfen, darunter in erster Linie die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 °C v. a. durch die Reduktion von Treibhausgasen, die zu einem gewichtigen Teil auch durch Nutztierhaltung entstehen.

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Growing Imbalance Will Cause Higher Food Prices

Growing Imbalance Will Cause Higher Food Prices

Report: How food prices link environmental constraints to sovereign credit risk

The UNEP-Global Footprint Network report, entitled ERISC Phase II: How food prices link environmental constraints to sovereign credit risk, features a table that ranks countries according to how badly they will be affected if global food commodity prices double.

In the future, the world will likely suffer from higher and more volatile food prices as a result of a growing imbalance between the supply and demand of food, the report notes. Rising populations and incomes will intensify the demand for food while climate change and resource scarcity will disrupt food production.

The report, which was published in collaboration with Cambridge Econometrics and several leading financial institutions, models the impact of a global food price shock on 110 countries to assess which countries face the greatest economic risk from this growing imbalance.

In terms of the highest percentage loss to GDP, the five countries that will be worst hit if food commodity prices double are all in Africa – Benin, Nigeria, Cote d’Ivoire, Senegal and Ghana. But China will see the most amount of money wiped from its GDP of any country – $161 billion, equivalent to the total GDP of New Zealand. India will see the second highest loss to GDP – $49 billion, equivalent to the total GDP of Croatia.

Among the report’s other key findings are:

  • Overall, Egypt, Morocco and Philippines could suffer the most from a doubling of food prices in terms of the combined impact on GDP, current account balance and inflation.
  • 17 out of the 20 countries most at risk from a food price shock are in Africa.
  • Paraguay, Uruguay, Brazil, Australia, Canada and the US would benefit the most from a sharp increase in food commodity prices.
  • Globally, negative effects of a food price shock massively outweigh positive effects in absolute terms. While China could see an absolute reduction in GDP of $161 billion, the highest absolute positive effect on GDP, seen in the United States, is only $3 billion –50 times smaller than the impact on China.
  • In 23 countries, a doubling in food prices leads to a 10 per cent (or more) rise in the consumer price index.
  • Countries with higher sovereign credit ratings tend to be less exposed to risks resulting from a food price spike.
  • Countries whose populations have the highest consumption of natural resources and services, and are therefore most responsible for the environmental constraints that make future food prices higher and more volatile, tend to face the lowest risk exposure.

The report builds on the first Environment Risk Integration in Sovereign Credit (ERISC) report published in 2012 by UNEP FI and GFN.

The overall objective of the ERISC project is to assesses how environmental risks such as deforestation, climate change and water scarcity affect economies, given that GDP, inflation and current account balances underpin some of the criteria that determine a country’s sovereign credit rating and the cost of borrowing on international capital markets.

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Conflictfood: Lebensmittel aus Konfliktregionen

Conflictfood: Lebensmittel aus Konfliktregionen

Gewinner des Next Organic Start-Up Awards 2016

Essen ist in vielerlei Hinsicht politisch. Salem El-Mogaddedi hat dieser Idee einen weiteren wesentlichen Aspekt hinzugefügt, als er 2015 gemeinsam mit Gernot Würtenberger Conflictfood gründete.

Sie reisen persönlich in Krisen- und Konfliktregionen, um vor Ort landestypische Agrarprodukte zu finden und einen fairen direkten Handel mit Kleinbauern und -bäuerinnen zu betreiben. So wird den Menschen vor Ort langfristig eine Perspektive geschaffen, lokale Strukturen gestärkt und Fluchtursachen an der Wurzel bekämpft.

Kleinen Kooperativen kaufen sie Gewürze, Öle und Trockenfrüchte direkt ab und bingen sie nach Berlin, so zum Beispiel aufwendig gewonnenen Safran. In Berlin werden die Produkte in einer Werkstatt von Menschen mit Behinderung abgefüllt und für den Versand und Verkauf vorbereitet. Informationen über Länder und Konflikte liegen den Produkten in Form eines Booklets bei. Beim Kauf jedes Produktes geht 1€ an eine Bildungseinrichtung des Herkunftslandes. Die Bildungseinrichtungen werden besucht und der Geldfluss transparent dokumentiert.

Die Geschichten rund um die Produkte, ihre Herkunft und die Menschen dahinter werden auf einem Blog eindrücklich dokumentiert, so zum Beispiel die Geschichte der Frauen-Vereinigung in Shakiban.

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Dänemark berät über Einführung einer Fleischsteuer

Dänemark berät über Einführung einer Fleischsteuer

Die dänische Ethikkommission empfiehlt Steuer auf rotes Fleisch

In Dänemark empfahl die Ethik-Kommission Ende April die Einführung einer Steuer auf rotes Fleisch. Dies könne die Treibhausgasemissionen um 20 bis 35% reduzieren. Die Erwägung der Steuer ist damit auch eine Konsequenz der Klimakonferenz von Paris COP 21 Ende vergangenen Jahres. Die Einführung einer solchen Steuer zielt auf die Reduktion des Fleischkonsums ab ähnlich wie Tabak- und Alkoholsteuer.

Dass reduzierter Fleischverzehr erhebliche positive Effekte haben würde, ist seit Längerem bekannt und Gegenstand vieler Studien und Projekte, so zum Beispiel Was, wenn wir alle Vegetarier wären? und Less Meat Less Heat. Dennoch wird weltweit mehr Fleisch verzehrt als je zuvor. Fleisch auf der Speisekarte ist für viele Länder ein Wohlstandsindikator. Auch in Deutschland, wo gern beim Kauf von Lebensmitteln gespart wird, gehört die tägliche Portion Fleisch zum Standard.

In Deutschland engagiert sich Peta seit 2011 für die Einführung der heftig umstrittenen Steuer, ringt bisher jedoch vergeblich um eine gesetzesfähige Akzeptanz. In Zeiten der erschütterten Agrarindustrie exportiert Deutschland lieber Fleisch als die Produktion zu reduzieren. Die artgerechte Haltung weniger Tiere findet nur langsam wachsenden Zuspruch. Wie die Huffington Post berichtet, sind selbst SPD und Grüne nicht überzeugt von der Fleischsteuer, da sie eine ungebührliche Belastung für die LandwirtInnen bedeuten würde. Statt dessen sollten Bio-Richtlinien Standard werden, was die Preise auf natürlichem Wege anheben würde.

Dänemark möchte zunächst mit der Besteuerung von Rindfleisch beginnen, um sie anschließend auch auf anderes rotes Fleisch auszuweiten. Nicht ganz unerheblich könnte sein, dass die dänischen Inseln von den früheren Auswirkungen des Klimawandels bedroht sind.

Schweden hatte bereits 2013 eine europaweite Klimasteuer auf Lebensmittel vorgeschlagen (TAZ, 26.01.2013), weil der Fleischkonsum pro Kopf innerhalb der EU etwa doppelt so hoch sei wie in der restlichen Welt.

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Selbstversorgung mit Lebensmitteln für 50.000 Einwohner

Selbstversorgung mit Lebensmitteln für 50.000 Einwohner

Das südfranzösische Albi möchte sich 2020 nur noch regional und bio ernähren

In einer kleinen hübschen Stadt in Südfrankreich werden große Pläne geschmiedet: Bis 2020 möchte die Stadtverwaltung von Albi mit Bürgermeisterin Stéphanie Guiraud-Chaumeil die Selbstversorgung mit Lebensmitteln für den gesamten Ort umsetzen. Die 50.000 EinwohnerInnen des Département Tarn sollen mit Hilfe von urbaner Landwirtschaft im Umkreis von bis zu 60km, Gemeinschaftsgärten und kurzen Lieferwegen selbstsuffizient ernährt werden.

Jean-Michel Bouat, stellvertretender Bürgermeister betont aber, dass es ihm nicht um den Verbot von Lebensmittellieferungen aus größerer Entfernung geht, „aber die CO2-Bilanz muss uns alle angehen.“

Hintergrund ist auch ein Bestreben nach Ernährungssouveränität, bei der LandwirtInnen und VerbraucherInnen unmittelbar in Kontakt treten und gemeinsam Verantwortung für eine ausreichende und verantwortungsvolle Versorgung übernehmen.

Wie Le Figaro berichtet, steht im Umland eine nicht bebaubare Fläche von 73 Hektar zur Verfügung, die in einer Viertelstunde mit dem Rad vom Stadtzentrum entfernt ist. Diese Flächen bietet die Gemeinde Freiwilligen an, die sich mit mehr oder weniger Erfahrung dem Anbau von Gemüse widmen möchten. Alles soll ökologisch und nach den Regeln der Permakultur angebaut werden.

Der 56-jährige Neubauer André Morlat hat bereits 2014 begonnen, bei dem Projekt mitzumachen und sich so einen alten Traum erfüllt. Er bietet Nussöl, Apfelsaft und verschiedene Gemüse an und kann dank der Nachfrage aus Albi sogar davon leben. Der Absatz sei so gut, er schmeiße nie etwas weg, erzählt er stolz.

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„Can’t Beat ‘Em, Eat ‘Em“

„Can’t Beat ‘Em, Eat ‘Em“

Is eating invasive species the solution?

[Foodtank] „In the United States alone, there are more than 50,000 species of invasive plants and animals that can cause harm to the environment, the economy, agriculture, and human health. A study from the University of Cornell estimates that these species cost the U.S. more than US$120 billion per year in damages and expenses associated with control and management. But they may also be a tasty source of food.

Eating invasive species is one way to control populations, raise awareness about the issue, and provide sustainable sources of food.

Matthew Barnes, an ecologist at Texas Tech University and the editor of Invasivore.org, believes that eating invasive species can raise awareness about the issue, which could have a broader effect than just reducing these species by eating them. In an interview with Smithsonian.com, he explains that the real value of eating invasive species is a public education and awareness tool. ‚If people are aware of what invasive species are and what kind of impacts they have on the environment, that might prevent them from introducing the next invasive species,‘ he said.“

Foodtank introduces six initiatives that are encouraging eaters to consume invasive species in the U.S.

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Greenpeace veröffentlicht TTIP-Leaks

Greenpeace veröffentlicht TTIP-Leaks

Bisherige Befürchtungen erweisen sich als berechtigt

Seit gestern ist vom großen #TTIPleak die Rede: Greenpeace übergab am 01. Mai Abschriften der bisher verhandelten 13 Vertragskapitel der Süddeutschen Zeitung, dem NDR und WDR. Dies entspricht rund der Hälfte des gesamten Abkommens. Darin finden sich u. a. Forderungen der USA nach erheblichen Zugeständnissen beim Agrarexport (Stichwort: Genfood). Außerdem möchten die USA das europäische Vorsorgeprinzip zugunsten des sogenannten Wissenschaftsprinzips schwächen. (Schon jetzt ein wesentliches Argument der Glyphosat-Debatte.) Das Wissenschaftprinzip „besagt, dass ein Produkt so lange als sicher gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist. Europa dagegen orientiert sich am Vorsorgeprinzip. Es kann schon ein Risikoverdacht reichen, um Verbote auszusprechen.“ (SZ, 01.05.2015.)

Am 02. Mai, 11 Uhr werden Greenpeace und die re:publica die Dokumente der Öffentlichkeit vollständig zugänglich machen. Schon jetzt zeichnet es sich ab, dass die schlimmsten Befürchtungen der VerbraucherInnen und TTIP-GegnerInnen berechtigt sind.

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EU verklagt Deutschland wegen Gewässerverunreinigung

EU verklagt Deutschland wegen Gewässerverunreinigung

Grünen-Sprecher Häusling begrüßt das Vorgehen

Die Europäische Kommission verklagt Deutschland vor dem Gerichtshof der EU, weil die Bundesregierung es versäumt hat, strengere Maßnahmen gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat zu ergreifen. Die überhöhten Mengen führen seit Längerem zu starken Wasserverunreinigungen – mit entsprechenden Folgen für die menschliche Gesundheit, die Wirtschaft und die Umwelt.

Die von Deutschland zuletzt im Jahr 2012 übermittelten Zahlen sowie mehrere Berichte deutscher Behörden aus jüngster Zeit zeigen eine wachsende Nitratverunreinigung des Grundwassers und der Oberflächengewässer, einschließlich der Ostsee.

Trotz dieser Entwicklungen hat Deutschland keine hinreichenden Zusatzmaßnahmen getroffen, um die Nitratverunreinigung wirksam zu bekämpfen und seine einschlägigen Rechtsvorschriften entsprechend den für Nitrat geltenden EU-Vorschriften zu überarbeiten.

Martin Häusling, der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA und Mitglied im Umweltausschuss im Europäischen Parlament dazu: „Ich begrüße es, dass die EU-Kommission endlich das unsägliche, allein auf Verzögern und Hinhalten angelegte Spiel der Bundesregierung bei der Novellierung der Düngeverordnung unterbindet. Mit der Klage gegen Deutschland macht die Kommission unmissverständlich klar, dass die Bundesregierung viel zu wenig tut, um die Verunreinigung der Gewässer, z.B. durch Überdüngung aus der Massentierhaltung, endlich zu stoppen. Nun drohen saftige Strafzahlungen, weil Deutschland dieses akute Umweltproblem ignoriert.“

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Der wahre Preis von Lebensmitteln

Der wahre Preis von Lebensmitteln

Anna Behrend über Trucost und einen möglichen Geldwert der Natur

Foto: Brandon King

Deutsche Supermärkte sind prall gefüllt mit einer großen Auswahl an heimischen und exotischen Produkten und das alles zu Preisen, von denen andere Länder träumen. Doch das Schlaraffenland funktioniert nur vor einer Kulisse, einer Art Potemkinsches Dorf, hinter denen nicht nur Lebensmittelverschwendung und Massentierhaltung gedeihen, sondern auch die weniger offensichtliche Erschöpfung essentieller Ressourcen.

Bio-Erdbeeren aus Spanien im April für 1,99 Euro. Angereifte Avocados für 89 Cent das Stück – eingeflogen aus Peru, Kenia, Chile, Mexiko. Aldi wirbt mit dauerhaft reduzierten Milchprodukten, während es die Milchkrise deutscher und europäischer Betriebe kaum auf Seite 2 der Tageszeitungen schafft.

„Was die Banane, das Steak oder der Brotlaib kosten, bestimmen vor allem Angebot und Nachfrage, manchmal auch Subventionen, Quoten oder Spekulationen. Was nicht im Preis steckt, sind Leistungen, die der Natur bei der Herstellung abgerungen werden. Das kann zum Beispiel die Entnahme von sauberem Wasser sein oder die Nutzung von fruchtbarem Ackerland. Auch für den Ausstoß von schädlichen Chemikalien, Gasen oder luftverschmutzenden Partikeln bei der Produktion zahlen in der Regel weder der Produzent noch der Verbraucher.“ schreibt Anna Behrend im Spiegel-Artikel Massenkonsum: Der wahre Preis von Lebensmitteln, der zahlreiche Modellrechnungen visualisiert.

Ökologische und gesundheitliche Langzeitfolgen, die durch Emissionen, Bodenerosion und Wasserverbrauch entstehen, stecken in den Lebensmittelpreisen kaum oder gar nicht drin. Während in Ländern des globalen Südens bis zu 80 % des Haushaltsbudgets für Nahrungsmittel ausgegeben werden, liegt Deutschland mit 12,8 % selbst in Europa weit unterm Durchschnitt (22,6 %).1

Die Firma Trucost (UK) hilft Unternehmen, Berechnungen und mathematische Modelle zu erstellen, die die Kosten für Umweltzerstörung einbeziehen. „Wir sorgen dafür, dass der Wert von natürlichen Systemen anerkannt wird“, sagt Firmenchef Richard Mattison. Wirtschaftliche und ökologische Anforderungen sollen so besser aufeinander abgestimmt werden.

George Monbiot, Guardian-Kolumnist, Umweltaktivist und Autor des soeben erschienenen Buches How Did We Get into This Mess? Politics, Equality, Nature (London: Verso, 2016) hält dies jedoch für den falschen Weg: „Auf diese Weise wird man die Natur nicht vor den Verwüstungen der Wirtschaft schützen“, kritisiert er den Ansatz. Es handele sich dabei nur eine abgewandelte Variante, Ressourcen und Umwelt weiterhin der Wirtschaft zu unterwerfen. Konsequenter wäre es seiner Meinung nach, die Natur nicht wirtschaftlich messen zu wollen: „Die Idee des natürlichen Kapitals stärke lediglich die Macht jener, die Geld haben.“2

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