Tiefenblick: Landwirtschaft und die Folgen

Tiefenblick: Landwirtschaft und die Folgen

Radio-Feature-Reihe von Tanja Busse

Thomas Kohler/Flickr

Am Sonntag, den 23.4. startet die vierteilige Radio-Feature-Reihe „Tiefenblick: Landwirtschaft und die Folgen“ von Tanja Busse bei WDR5. Sie untersucht, wie konventionelle Landwirtschaft die Ressourcen gefährdet, die Grundlage unserer Nahrung sind und welche Spielräume Landwirte haben, die entgegen des Marktdrucks Ressourcen schonend produzieren wollen.

Jede Folge widmet sich einem thematischen Schwerpunkt – von „Von der Trübung des Wassers“, das die Reihe eröffnet, über „Vom Sterben des Bodens“ bis zu „Vom Schwinden der Arten“ und „Von der Schärfe der Luft“. Die jeweils 30-minütige Feature-Reihe wird an vier aufeinanderfolgenden Sonntagen morgens um 8.05 Uhr gesendet und abends um 22.30 Uhr wiederholt.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

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Mit Abwasser gezogenes Gemüse soll Ernährung sichern

Mit Abwasser gezogenes Gemüse soll Ernährung sichern

Angela Schmid für Süddeutsche Zeitung

W***/Flickr

In Ihrem Beitrag „Mit Abwasser gezogenes Gemüse soll Ernährung sichern“ für die Süddeutsche Zeitung schreibt Angela Schmid über die Vorteile der Hydroponik: Das Verfahren spare Wasser, Dünger und Pestizide und steigere die Erträge. 70 Prozent des globalen Trinkwassers werden in der Landwirtschaft verbraucht.

Wissenschaftler des Projekts HypoWave in der Nähe von Wolfsburg untersuchen nun, ob sich Gemüse statt in Trinkwasser auch in gereinigtem Abwasser ziehen ließe. Dies würde die Effizienz der Hydroponik noch einmal steigern und vor allem die weltweit zunehmend knappe Ressource Wasser schonen.

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Lebensmittelverschwendung: Falsche Zahlen

Lebensmittelverschwendung: Falsche Zahlen

Ernährungsminister Christian Schmidt schiebt Verbrauchern schwarzen Peter zu

Foodsharing unterstützt den Vorstoß der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Bundesrat, und fordert die Bundesregierung auf, ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung auf den Weg zu bringen. Das haben bereits die EU-Länder Frankreich, Italien und Finnland erfolgreich getan.

87 % aller Deutschen wollen solch ein Gesetz, wie eine Umfrage von Abgeordnetenwatch zeigt. In diesem Sinne hat Foodsharing mit der Aktion “Leere Tonne” 50.000 Unterschriften gesammelt und dem Ernährungsministerium in Berlin übergeben.

Doch das will nichts tun und schiebt jetzt mit gezinkten Zahlen den schwarzen Peter dem Verbraucher zu: „Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen“, sagte Bundesernährungsminister Christian Schmidt der „Saarbrücker Zeitung“. Sein Ministerium verweist darauf, dass eine Studie der Universität Stuttgart herausgefunden habe, der Müll stamme zu 61 Prozent vom Verbraucher.

Doch diese Zahl ist irreführend. Das Ministerium hatte diese Studie 2012 in Auftrag gegeben, mit der Auflage, dass die Forscher die Landwirtschaft nicht untersuchen sollten. “Wenn ein solch großer Bereich ausgeklammert wird, ist eine Prozentzahl unzulässig”, kritisiert Foodsharing-Vorstandsmitglied Valentin Thurn. “Jeder, der die Zahl liest, geht doch davon aus, dass der Anteil vom Gesamt-Müllberg gemeint ist.”

Der WWF geht in seiner Studie “Das große Wegschmeissen” von einem Verbraucher-Anteil von 39 % aus, Studien aus Nachbarländern liegen um 40 – 42 %. Valentin Thurn: “Immer noch viel, aber das heißt auch, dass der Anteil von Handel und Industrie vom Bundesernährungsminister bewusst kleingerechnet wird.” Unter dem Einfluss der Lobby sollen keine gesetzlichen Maßnahmen unternommen werden.

Das ist besonders schlimm, weil Gegenmaßnahmen hier besonders wirksam wären: Laut WWF-Studie sind bei Handel und Industrie 90 % der Abfälle vermeidbar. Beim Verbraucher hingegen liegt der vermeidbare Anteil bei vergleichsweise niedrigen 70%. Ein Gesetz sollte deshalb zuvorderst in der Wirtschaft ansetzen, sonst kann die Regierung in Berlin ihr Ziel, den Lebensmittelmüll bis 2030 zu halbieren, nie erreichen.

Mehr dazu hier.

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Studie: Viele Pestizide sind überflüssig

Studie: Viele Pestizide sind überflüssig

Kathrin Zinkant, Süddeutsche Zeitung

eLKayPics/Flickr

„Mehr als 46 000 Tonnen Ackergift wurden in Deutschland im Jahr 2014 abgesetzt, gut 10 000 Tonnen mehr als 2006. Schon lange fordern Umweltverbände und grüne Politiker, die Entwicklung umzukehren. Im Fokus stand zuletzt der Unkrautvernichter Glyphosat. Aber auch andere Herbizide sowie Insektengifte und Antipilzmittel werden kritisiert, weil sie sehr häufig auch Nützlinge töten und das ökologische Gleichgewicht zerstören. Flüchten konnte sich die Agrarwirtschaft da eigentlich nur noch in die Behauptung, ohne Pestizide ließen sich die Erträge nicht halten.

Bloß, ist das wirklich so? Aus der Wissenschaft ist jetzt ein ganz anderer Befund zu vernehmen. Wie französische Agrarökologen im Fachblatt Nature Plants schreiben, hat ein teilweiser Verzicht auf Unkraut-, Pilz- und Insektenvernichter nur selten negative Folgen für die Ernte.

Das Team um Nicolas Munier-Jolain vom Institut Nationale de la Recherche Agronomique (INRA) in Dijon hatte Daten aus den Jahren 2009 bis 2011 analysiert. Fast 1000 französische Bauernhöfe wurden berücksichtigt. Das Fazit: Knapp 60 Prozent der Betriebe könnten ihren Pestizidverbrauch um durchschnittlich 42 Prozent senken – ohne Abstriche im Ertrag. Es ist die erste Analyse dieser Art. Und die erste, die in solcher Deutlichkeit dafür spricht, den Einsatz von Ackergiften drastisch zu reduzieren.“

Zum vollständigen Artikel der Süddeutschen Zeitung geht es hier.

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Übergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung

Übergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die von der Bundesregierung Anfang Januar 2017 beschlossen wurde, läuft ins Leere, wenn sie keine solide Basis in der deutschen Forschungslandschaft erhält. Dies stellt das „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ fest, das heute von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen der Bundesregierung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft übergeben wird.

Die Regierung fordere in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zwar den Ausbau der Ökologischen Landwirtschaft und eines gesunden Ernährungssystems. Bisher jedoch fließt der weitaus größte Teil der Forschungsförderung in Deutschland noch immer in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie.

„Die ist eine Fehlallokation von Steuergeldern und trägt nicht dazu bei, die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Sie werden vielmehr gefährdet“, erklärt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V., Berlin.

Hier müssen die Weichen der Forschungsförderung neu gestellt werden, fordert das Memorandum, das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Naturfreunde Deutschland, Slow Food Deutschland und dem Institut für Welternährung – World Food Institute e.V. (IWE) getragen wird. Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen sei nur durch eine grundlegende Wende des Agrar- und Ernährungssystems und seiner Wissenschaften zu gewährleisten.

„Wenn die Bundesregierung ernsthaft Hunger und Fluchtursachen bekämpfen will“, betont der Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V., „dann muss sie eine Neuverteilung der öffentlichen Fördermittel zur Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung auf den Weg bringen.“

Das Memorandum wird neben der Bundesregierung auch der Deutschen Forschungsgemeinschaft und an die Bundesländer übergeben.

Memorandum-122016.pdf
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Hamburg könnte sich regional und ökologisch ernähren

Hamburg könnte sich regional und ökologisch ernähren

Nicolai Kwasniewski, Der Spiegel

André Hofmeister/Flickr

„Wenn es um unsere Lebensmittelversorgung geht, sind wir durchglobalisiert: Brasilianisches Soja wird an Schweine in Deutschland verfüttert. Lkw kutschieren Tomaten von Sizilien nach Dänemark, ägyptische Kartoffeln landen in deutschen Supermärkten. Mit dem Idealbild kleinbäuerlicher Landwirtschaft hat das nichts mehr zu tun – dabei wächst die Sehnsucht der Verbraucher nach regionaler Versorgung. Aber geht das überhaupt?

Eine Studie der Hamburger HafenCity Universität (HCU) hat das am Beispiel der Hansestadt jetzt untersucht. Das Ergebnis: Bauern aus einem Umkreis von 100 Kilometern können die Bewohner Hamburgs und seines Umlands vollständig versorgen – allerdings nur unter einer ganzen Reihe optimistischer Annahmen.“

Lesen Sie den kompletten Artikel von Nicolai Kwasniewski für den Spiegel hier.

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„Bloß keinen Marshallplan für Afrika!“

„Bloß keinen Marshallplan für Afrika!“

Kölner Memorandum für eine andere Entwicklungspolitik

Andrea Moroni/Flickr

Über den Stand der deutschen Entwicklungspolitik und die daraus zu ziehenden Konsequenzen haben auf einer Tagung des „Bonner Aufrufs“ in Köln Wissenschaftler, Praktiker aus der Entwicklungszusammenarbeit, afrikaerfahrene Diplomaten und weitere Fachleute beraten.

Sie haben ein „Kölner Memorandum“ beschlossen, das aus einem knappen Katalog von Feststellungen und Forderungen besteht (Memorandum) sowie aus ausführlicheren Erläuterungen.

Zu den Autoren des Memorandums gehören unter anderen: Prof. Dr. Hans F. Illy, Prof. Dr. Peter Molt, Prof. Dr. Franz Nuscheler, Prof. Dr. Rainer Tetzlaff, Dr. Karl Addicks, ehem. entwicklungspolit. Sprecher der FDP im Bundestag, Klaus Thüsing, ehem. SPD-MdB, 15 Jahre DED-Landesdirektor in Afrika, Volker Seitz, 17 Jahre Diplomat in Afrika, Autor („Afrika wird armregiert“), Kurt Gerhardt, Bonner Aufruf, sowie Dr. Wilfried Bommert (IWE).

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Cities increasingly seen as key to strong food systems

Cities increasingly seen as key to strong food systems

Gregory Scruggs, Citiscope

Christopher Porter/Flickr

„To paraphrase a famous saying by Napoleon Bonaparte, a city marches on its stomach. That, at least, is the thinking of the United Nations’ food specialists, who argue that urban development is the new locus of action to solve hunger and nutrition.

They made their case in the run-up to last month’s Habitat III summit on urbanization, where nation states adopted a 20-year sustainability strategy known as the New Urban Agenda. The once-in-a-generation event caused some rethinking of long-held orthodoxies in the food-security community — namely, a belief that to tackle hunger, one must go back to the land.“

Read full article here.

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Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

IWE-Dossier: 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt

Das Weltklima wird ohne eine drastische Veränderung der Landwirtschaft nicht zu retten sein. Das ist das Ergebnis des Dossiers: „Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt“, das das Institut für Welternährung – World Food Institute e.V., Berlin, IWE, anlässlich der Klimakonferenz in Marrakesch vorlegt.

Die Landwirtschaft trägt global zu einem Viertel zur Klimabelastung bei. Zu den stärksten Treibern im System der modernen Agrarwirtschaft zählt der synthetische Stickstoffdünger. „Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung wird sein Gebrauch in Zukunft weiter massiv steigen,“stellt der Sprecher des IWE Dr. Wilfried Bommert fest. Bisher gebe es für diesen Bereich jedoch weder klare Reduktionsziele noch eine wirksame Begrenzungsstrategie. Auch in ihrem Klimaschutzplan für Marrakesch habe sich die Bundesregierung nicht dazu durchringen können, den synthetischen Stickstoff als Klimaproblem anzusprechen.

Mehr Informationen sowie das Dossier „Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt“ zum Download finden Sie hier.

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Demokratisierung des Saatgutmarkts

Demokratisierung des Saatgutmarkts

Open Source Lizenzen

Public Domain/US Departement of Agriculture

Im Rahmen ihres Dossiers zum Thema Welternährung interviewte die Redaktion der Bundeszentrale für politische Bildung Lisa Minkmar zu dem Ansatz mehrerer Initiativen, den Saatgutmarkt mittels Open Source zu demokratisieren.

Über die Idee von „Open Source Saatgut“ sagte Lisa Minkmar der bpb: „Zum einen ist es die Vorstellung, dass Pflanzenzüchtung und das dazugehörige Saatgut Gemeingut sind und nicht mit Eigentumsrechten belegt sein sollten. Und es geht darum, die Pflanzenvielfalt zu erhalten. Vor allem in der Landwirtschaft ist diese schon stark zurückgegangen. Das hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger ist die Privatisierung der Züchtung durch geistige Eigentumsrechte. Um die Vielfalt zu erhalten, gibt es also jetzt die Überlegung, das Saatgut, zumindest teilweise, wieder von Eigentumsrechten zu befreien.

International könnte es kleinbäuerliche Strukturen schützen, wenn man die Bauern von den Rechteinhabern unabhängig macht. Denn der Zugang zu Saatgut und das, was man damit machen darf, sind oft durch strenge Eigentumsrechte geregelt. Wenn man diese rechtlichen Strukturen aufweicht, könnte man vielen Kleinbauern die Arbeit erheblich erleichtern. Zudem ließen sich so die genetischen Ressourcen indigener Gruppen z.B. in Süd- und Mittelamerika, wo die Biodiversität besonders hoch ist, anerkennen und schützen. Das Saatgut und das zugehörige Wissen könnte nicht mehr von Unternehmen übernommen, für kommerzielle Sorten verwendet und dann mit Schutzrechten belegt werden, wenn ein Open Source System ähnlich dem bei Software bestehen würde.“

Das vollständige Interview mit Lisa Minkmar finden Sie hier.
Zum bpb-Dossier zum Thema Welternährung geht es hier.

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