Essen in Zeiten von Corona: 7 Empfehlungen, die das Immunsystem stärken

Essen in Zeiten von Corona: 7 Empfehlungen, die das Immunsystem stärken

Es geht um unsere Abwehrkräfte. Wenn das Virus angreift, müssen wir fit sein. Wir können unsere körpereigene Abwehr stärken und zugleich das Klima schonen. Wie, das hat das IWE Vorstandsmitglied Agnes Streber zusammengefasst, sie leitet das Ernährungsinstitut Kinderleicht in München. 

1.    Viel frisches Gemüse und Obst essen
So bunt und saisonal wie es im März nur geht. Obst und Gemüse sind wertvolle Lieferanten der Vitamine A, C und E, enthalten Antioxidantien und Bitterstoffe, die die Abwehrkräfte stärken und aktivieren. Vor allem Gemüse und Salatsorten, die viele Bitterstoffe enthalten, sind stärkend für die Abwehr. Beispiele dafür sind Radicchio, Endiviensalat, Chicorée, Rucola und jegliche Kohlsorten wie Grünkohl, Rosenkohl, Brokkoli und Blumenkohl. Aber auch Klassiker wie Karotten, rote Bete, Spinat und Fenchel sind genussreiche Unterstützer, um gesund zu bleiben.

2.    Auf Vollkornprodukte zurückgreifen
Vollkornmehl enthält viele Ballaststoffe, die für einen gesunden Darm, eine gute Verdauung und lange Sättigung sorgen. Darüber hinaus liefern sie wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. Vor allem Zink, Eisen und Selen sind im Zusammenhang mit dem Immunsystem besonders wichtig. Diese sogenannten Spurenelemente finden sich vor allem in Hafer(-flocken), Hirse, Paranüssen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen sowie Weizenkeimlingen. 
Tipp: Sprossen und Keimlinge (Anleitungen bei YouTube) können ganz leicht selbst gezogen werden und machen sich hervorragend im selbst gebackenen Brot!

3.    Mit Gewürzen und Kräutern kochen
Wärmende Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Zimt, Chili, Curry, Muskat und Kreuzkümmel sind reich an ätherischen Ölen, können gut gegen Viren wirken und machen das Essen gleichzeitig noch schmackhafter. Frische Kräuter haben ebenso eine positive Wirkung auf das Immunsystem und sollten vielseitig beim Kochen eingesetzt werden. Gleichzeitig kann der Verzehr von Salz so verringert werden. 
Tipp: Kresse selber ziehen und in der Küche griffbereit mit Brettchen und Messer hinstellen!

4.    Viel trinken
Ideal sind täglich 1,5-2 L Wasser und besonders zur Erkältungszeit werden die Schleimhäute somit vor dem Austrocknen geschützt. Wasser kann mit Zitronen- und Orangenscheiben und Ingwerstückchen aufgepeppt werden und liefert somit noch mehr Gutes für’s Immunsystem. Wärmende Kräutertees sind ebenfalls sehr empfehlenswert und bringen noch mehr Geschmack. 

5.    Wenig Zucker und keinen Alkohol
Zuckerreiche Lebensmittel liefern viele Kalorien aber keine gesunden Nährstoffe. Der Körper arbeitet, um die Süßigkeiten zu verdauen, bekommt aber nichts Gutes dafür. Auch auf Alkohol sollte lieber verzichtet werden. Süße gesündere Leckereien wie z.B. Energiekugeln, Popcorn, Haferriegel mit Schokolade, Puddings und Müslibällchen können leicht selbst zubereitet werden.

6.    Fleisch und Wurstwaren
Wir empfehlen, nach Möglichkeit auf Fleisch zu verzichten. Für Fleischliebhaber*innen gilt die Empfehlung, nicht mehr als 2-3 Mal pro Woche Fleisch zu verzehren und dies unbedingt aus biologischer Haltung zu kaufen. 

7.    Sonnenlicht und Bewegung an der frischen Luft
Jeden Tag ein großer Spaziergang von mindestens 1-2 Stunden, möglichst zur Mittagszeit und in der Sonne, hilft unserem Körper, das immunstärkende Vitamin D zu produzieren. Draußen an der frischen Luft ist es außerdem möglich, die Empfehlung von 2 Meter Abstand gut einzuhalten und so dem Ansteckungsrisiko aus dem Weg zu gehen. Nutzen Sie doch die Zeit für ausgiebige Spaziergänge oder Fahrradtouren und bewegen Sie sich täglich an der frischen Luft. 

Agnes Streber steht als Ernährungsexpertin für Interviews und als Gesprächspartnerin zur Verfügung unter:
Tel: 089/716 77 50 30
Mail: info@kinderleichtmuenchen.deagnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org

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Ökologische Landwirtschaft und SDGs: Bio ist Teil der Lösung

Ökologische Landwirtschaft und SDGs: Bio ist Teil der Lösung

Da die Weltbevölkerung bis 2050 voraussichtlich auf 9,7 Milliarden steigen wird, wird die Deckung des künftigen Nahrungsmittelbedarfs als große globale Herausforderung angesehen. Um zu verhindern, dass Nahrungsmittel für eine wachsende Bevölkerung knapp werden, müssen sowohl der Klimawandel als auch der weltweite Konsum angepackt werden – hier sind vor allem Maßnahmen zur Erhöhung des weltweiten Angebots und der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln gefragt. Nach Angaben der FAO müssen diese Maßnahmen darauf abzielen, „mehr mit weniger zu produzieren, den Schwerpunkt auf Qualität und Vielfalt zu legen, Produktivität mit Nachhaltigkeit zu verbinden und auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen“.

Am 1. Januar 2016 haben die Vereinten Nationen und all ihre Mitgliedstaaten die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet, ein auf 17 Nachhaltigkeitszielen basierender Aktionsplan zur Bewältigung der wichtigsten globalen Herausforderungen der kommenden 15 Jahre. Die Lösung dieser komplexen Herausforderungen und das Erreichen der SDGs erfordern einen ganzheitlichen sowie transformativen Ansatz, der auf den Grundsätzen der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit aufbaut.

Der Bericht „Ökologische Landwirtschaft und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung“ befasst sich eingehender mit der vorhandenen Literatur, wie eine nachhaltige Landwirtschaft zur Erreichung mehrerer Nachhaltigkeitsziele beitragen kann – genauer gesagt: wie der ökologische Landbau die Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung unterstützen kann. Darüber hinaus wird sich auch Bezug auf die negativen Auswirkungen von Agrochemikalien auf die SDGs genommen.

IWEÖkologische Landwirtschaft und SDGs: Bio ist Teil der Lösung
Podiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?

Podiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?

Einladung zur Podiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?

Wie Kirchen und Kommunen als Landverpächter zu einer naturverträglichen Bewirtschaftung ihrer Böden beitragen können

Wann: 13. Februar 2020, 16:00 – 16:45 Uhr
Wo: Biofach, Messezentrum 1, 90471 Nürnberg, NCC Ost, Raum Kopenhagen


Landwirtschaftlicher Boden ist ein kostbares Gut – darüber sind sich alle einig. Aber er ist auch gefährdet. Wo er von Agrargiften geschädigt und durch Verdichtung „platt gemacht“ oder durch Überdüngung und den Anbau von Monokulturen ausgelaugt wird, drohen Nahrungsmittelknappheit und der Verlust der Artenvielfalt. Landeigentümer können darauf Einfluss nehmen – durch eine naturverträgliche Verpachtung ihrer Flächen. 

Mit rund 500.000 Hektar Land gehören die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland zu den größten Landeigentümern. Auch die öffentliche Hand besitzt beträchtliche Flächen. Auch für sie gilt „Eigentum verpflichtet“. Doch konkrete Vorgaben für Pachtbeziehungen sind bislang noch die Ausnahmen. 

Warum eigentlich? Welche Verantwortung übernehmen die großen Landeigentümer für den Boden, den sie verpachten? Wie gehen sie damit um? Gibt es verbindliche Kriterien für die Vergabepraxis? Und welche Rolle spielt dabei die ökologische Bewirtschaftung? 

Wie Naturschutzmaßnahmen in Pachtverträgen verankert werden können und welche Widerstände es gibt, darüber diskutieren:

  • Dirk Hillerkus, Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW 
  • Matthias Kiefer, Sprecher der AGU (Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten beider Kirchen), Umweltbeauftragter des Erzbistums München und Freising/München
  • Jochen Goedecke, Fairpachten – Regionalberatung Süd 
  • Ralf Demmerle, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Mitteldeutschland 
  • Björn Pasemann, Aktionsbündnis „Unser Land schafft Wandel“ aus Greifswald, das es erstmals geschafft hat, eine gemeinwohlorientierte Vergabepraxis von kommunalen Flächen durchzusetzen 

Moderation: Dr. Wilfried Bommert, Institut für Welternährung


Bitte beachten Sie auch unser Dossier und folgende Interviews zum Thema:

IWEPodiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?
Schweigegeld schafft keinen Frieden

Schweigegeld schafft keinen Frieden

Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilfried Bommert zur „Bauernmilliarde“ .

Eine Milliarde Euro für die Deutschen Bauern, damit Schluss ist mit den Treckerdemos und Bauernaufläufen! Die Bundesregierung will Ruhe an der grünen Front! Den politischen Frieden erkauft sie sich jetzt mit viel Geld, mit Schweigegeld.

Doch dieses Schweigegeld heilt nicht die Wunden, die die Bauern auf die Straßen treiben. Sie protestieren wegen der fehlenden Wertschätzung für ihre Arbeit, die sich in den Preisen für Milch, Getreide und Fleisch ausdrückt, von denen sie nicht leben können. Sie wollen kein ‚Weiter so’ und auch kein ‚Wachsen oder Weichen’. Sie wollen eine solide Zukunft für ihre Höfe, auch für kommende Generationen. Aber die bekommen sie nicht. Stattdessen wird Geld auf die Höfe gepumpt, das dann wieder die anlockt, die schon immer an der Landwirtschaft gut verdient haben, die Dünger-, Agrarchemie-, die Landmaschinen- und Tierarzneimittelkonzerne.

Für die Zukunft wird da wenig blieben. Auch nicht für die große Transformation der Landwirtschaft im 21. Jahrhundert, für Anpassung an eine Welt ohne fossile Brennstoffe, in der der Boden und was darauf wächst Klimagase einfangen und in Form von Humus festlegen muss, in der die Wasserreserven geschont und die Vielfalt auf den Äckern wieder hergestellt werden muss, in der die Region wieder ihre Menschen ernährt und Bauern und Bürger gemeinsam über die Zukunft ihrer Ernährung sprechen wollen.

Was nötig wäre, wäre ein grüner New Deal, eine Ernährungswende für Deutschland und Europa. Doch die bleibt aus. Stattdessen politische Sprach- und Mutlosigkeit bei den Regierenden, das ist es, was die Bauer auf die Barrikaden treibt. Auch eine Milliarde Schweigegeld werden sie dort nicht herunterholen. Wer jetzt politische Befriedung will, muss Friedensverhandlungen anbieten, nicht im Hinterzimmer der Parteien und Verbände, sondern auf den Marktplätzen der Zivilgesellschaft zwischen Bürgern und Bauern über die Zukunft ihrer Ernährung. Doch davon sind wir weit entfernt, solange das Geld regiert.

IWESchweigegeld schafft keinen Frieden
Es grünt so grün

Es grünt so grün

Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilfried Bommert.

So grün war es noch nie zur Grünen Woche in Berlin. Selbst die industriefreundliche Bundeslandwirtschaftsministerin überschlägt sich mit ökologischen Bekenntnissen. Weniger Pestizide, weniger Antibiotika, weniger Fastfood, weniger Nitrat, weniger Fleisch, weniger Klimagase. Dafür mehr Bienen und Insekten in der Feldflur, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr Tierwohl im Maststall, mehr Lebensmittel aus der Region, mehr Selbstgekochtes auf den Tischen in Kitas, Schulen und Universitäten. Ja, das wollen wir. Zumindest ist es schön gesagt und wohlfeil applaudiert. Die Politik hat verstanden: Ab jetzt zählt grün, grüner, am grünsten. Wirklich?

Oder sind es nur verbale Nebelkanonen, die in Berlin in Stellung gebracht werden, um die unangenehme Wirklichkeit der Agrarwirtschaft zu verdecken? Nebelkanonen, die verschleiern sollen, dass die deutsche Landwirtschaft 20 Milliarden Wertschöpfung erbringt, dafür aber Umwelt- und andere Kosten in Höhe von 100 Milliarden produziert. Ökologische Kosten, die für ausgeräumte Landschaften, verlorene Bodenfruchtbarkeit und schrumpfende Wasserreserven, sterbende Bienenvölker und eine ausgezehrte Vogel- und Tierwelt hier und auf den Mastfuttersteppen in Südamerika anfallen. Kosten, die wir und unsere Enkel werden zahlen müssen. Wenn wir die Schwüre, die unter dem Funkturm Berlins geleistet werden, ernst nehmen sollen, dann muss genau diese Rechnung auf den Tisch. Und auf den Tisch muss auch, was wir für eine enkeltaugliche Landwirtschaft tun können. Anstelle von Schönrederei – harte Fakten, klare Ziele, konsequente Umsetzung. Dafür haben wir unsere Politiker gewählt.

Mein Vorschlag: Pro Jahr 5 Prozent verringern bei allem, was nicht mehr ökologisch zu verantworten ist: 5 Prozent pro Jahr weniger bei Pestiziden, Antibiotika, Nitrat, Futtermitteln aus Übersee, Billigfleisch und Klimagasen. Und 5 Prozent pro Jahr mehr von dem, was dringend notwendig ist: Glückliche Tiere, mehr Bienen, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr sauberes Grundwasser und gesunder Boden, mehr Bauern und Bäuerinnen, die mit Stolz und Anerkennung ihre Felder bestellen. In 20 Jahren wären das 100 Prozent, also die komplette ökologische Wende auf den Äckern und auf den Tellern bis 2040.

Eine grüne 5-Prozent Diät für die nächsten 20 Jahre – das wäre mal eine konkrete Ansage. Und sie würde das umsetzen, was uns die Regierung bis 2050 versprochen hat, ein klima- und umweltverträgliches Land. 

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Bauernprotest: Gerechte Wut – Ein Kommentar von Wilfried Bommert

Bauernprotest: Gerechte Wut – Ein Kommentar von Wilfried Bommert

Die Schlange der Traktoren wollte kein Ende nehmen. Doch es ist keine Machtdemonstration, die sich da in Bonn und anderswo abspielte. Es war der Zug der Verzweifelten, von denen viele keine Zukunft mehr sehen. Der einst sichere Boden, auf dem sie wirtschafteten, schwankt. Die Hypotheken, die sie für größere Viehherden, größere Ställe, größere Maschinen aufgenommen haben, lasten schwer.

Sie spüren die Grenzen ihres Wirtschaftens immer deutlicher. Nitrat im Grundwasser, ein Drittel überbelastet. Artensterben in der Feldflur, drei Viertel aller Insekten verschwunden. Der dramatische Abwärtstrend bei Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche sendet ein Signal. Monotonie auf den Äckern, 95 Prozent der Pflanzenvielfalt abgeschrieben. Der Boden unter ihren Füssen, die Hälfte davon die Fruchtbarkeit verloren. Die Wasserreserven im Untergrund, zu mehr als 50 Prozent ausgepumpt. Und die Klimagase, die unsere Atmosphäre und die unserer Kindeskinder zerstören, ein Viertel kommt aus der Landwirtschaft, vor allem aus der Tiermast. Klimagase, die sie selbst spätestens seit dem Sommer 2018 zu spüren bekommen mit Hitze, Dürre, Überflutungen und Missernten. Ist es Bauernbashing, wenn offen ausgesprochen, was  wissenschaftliche Gutachten nicht erst seit gestern dem gängigen System der Intensivlandwirtschaft ins Stammbuch schreiben?

Nein, Bäuerinnen und Bauern, die in Bonn und anderswo auf die Straße gegangen sind, die zornig, verzweifelt, hoffnungslos und betroffen sind, sollten erkennen, dass sie die Opfer eines aus den Fugen geratenen Systems sind. Des Systems der industriellen Landwirtschaft, das seine Grenzen erreicht und die Grenzen unseres Planten schon vielfach überschritten hat. Es ist dieses System, dem die Empörten bisher vertrauen, und das sie an den Rand des Erträglichen gebracht hat.

„Weiter so“ ist keine Option mehr. Was not tut, ist ein grundlegender Wandel, eine neue Vision. Bäuerinnen und Bauern, die wieder für ihre Mitmenschen pflügen, säen und ernten. Die fair zu ihren Tieren sind. Die Vielfalt zum Geschäftsmodell machen, auf ihren Äckern und in ihren Ställen. Die den Boden wertschätzen, die Wasserreserven schonen, Klima und Artenvielfalt erhalten. Und die wieder Anerkennung genießen von ihren Mitmenschen für das, was sie auf ihren Höfen tun.

Das Gefühl sagt uns: Ja, das wäre die Vision für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, eine Ernährungswende! Der Verstand sagt uns, dass es dazu keine Alternative gibt!

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Arglistige Täuschung: Das Klimaschutzprogramm der Landwirtschaftsministerin

Arglistige Täuschung: Das Klimaschutzprogramm der Landwirtschaftsministerin

Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilfried Bommert

Die Enttäuschung könnte nicht größer sein. Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung hat von der Wissenschaft die Note „mangelhaft – ungenügend“ bekommen. Den Klimaaktivisten ist der Frust ins Gesicht geschrieben, sie hatten schon wenig von ihrer Regierung erwartet und nun ist es noch weniger als das. Mit diesem Weniger ist die Kanzlerin nun nach New York zum Klimagipfel der Vereinigten Nationen gefahren und hat es als Erfolg verkauft. Politischer Minimalismus.

Alf Ribeiro / Shutterstock.com

Als ambitionierteste Künstlerin in politischer Untätigkeit sticht Julia Klöckner, die Landwirtschaftsministerin, hervor. Sie hatte schon im letzten Jahr ein 10-Punkte-Programm für besseres Klima vorgelegt, das sie nun zum Klimaschutzprogramm erklärt. Minimaler kann politischer Aufwand nicht sein. Man könnte dies als wenig ambitioniert bezeichnen, tatsächlich aber ist es ein Dokument der Täuschung.

Ob arglos, listig oder arglistig, hängt von Auge des Betrachters ab, zumindest geht es an der zentralen Frage, wie unsere Ernährung den Klimawandel bremsen könnte, meilenweit vorbei. Wer die Zahlen kennt, weiß, wo die größten Klimasünder im Bereich von Landwirtschaft und Ernährung liegen: in der industriellen Fleischproduktion und beim synthetischen Stickstoffdünger. Auf das Konto von Steak und Kottelet gehen nicht nur die Brände in Amazonien, sondern auch der höchst wirksame Klimakiller Methan. Das Düngen mit Synthesestickstoff hinterlässt in großen Mengen Lachgas, das kritischste, weil aggressivste Klimagas überhaupt. Von beidem kein Wort in Klöckners Klimaschutzprogramm.

Dafür aber umso mehr alt Bekanntes: Grünland, Moore, Mischwälder und Humus bewahren, Lebensmittelabfälle und Überdüngung vermeiden und mehr Biogas fördern. Und 20 Prozent Biolandbau bis 2030. Das alles steht schon teils seit Jahren auf der Agenda der Regierung. Heute sind es politische Ladenhüter, die wenig ändern und keinem weh tun. Kein Wunder also, dass der Bauernverband höchst zufrieden ist mit dem klimapolitischen Stillstand seiner Ministerin. Auch wenn seine Mitglieder die sein werden, die als erste unter den Klimafolgen leiden müssen.

Diese Täuschung verdient eine starke Antwort. Von wem? Von uns, von den Betrogenen. Von unseren Kindern, denen die Zukunftschancen durch derartige Untätigkeit verbaut werden. „Wenn ihr nichts tut, werden wir euch niemals vergeben“. Der Fluch, den Greta Thunberg in New York vor den Vereinten Nationen tat, hallt nach. Aber bewirken wird er dort wohl nichts.  Wenn hier etwas geändert werden soll, dann sind wir selbst gefragt. Wir werden Fleisch und Synthesestickstoff zu unserem Thema machen müssen. Eine Klimawende verlangt eine Ernährungswende. In dieser Frage werden wir uns nicht täuschen lassen. Nicht arglos, nicht listig, und schon gar nicht arglistig. Die deutsche Zivilgesellschaft ist auf dem Weg. Sie macht Klima und Essen zum Thema ihrer Politik, egal mit wieviel Wenig die Kanzlerin vom UN Klimagipfel aus New York nach Hause kommt.

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Wir Brandstifter!

Wir Brandstifter!

Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilfried Bommert

Sojaplantage in der Gegend Alto Paraíso. Foto: Marcelo Camargo/Agência Brasil (Licença Creative Commons Atribuição 3.0 Brasil)

Der Amazonas brennt, das Feuer hat der brasilianische Präsident Bolsonaro angeheizt. Für seine Freunde, die Soja- und Rinderbarone Brasiliens, schafft er freies Feld. Das Ziel: mehr Rindfleisch und Viehfutter, auch für Europa, für die Mastfabriken an Weser, Ems, an Elbe und Havel. Dafür brennt der Amazonas, dafür wird die Lunge der Welt geopfert und der größte Klimagasspeicher, den wir auf unserem Planeten haben, der Tropenwald.

Vernichtet für unsere Rindersteaks, unsere Schweinekoteletts, unsere Putenbrust. Für das ganze Sortiment an Billigfleisch, mit dem deutsche Supermärkte ihren Preiskampf führen. Und wir, wie sehen wir Fleischesser dabei aus? Wir mögen uns drücken und winden. Das Urteil ist klar: Brandstifter oder Beihilfe zur Brandstiftung in einem besonders schweren Fall, mit Vorsatz, also ohne Berufung.

Wenn es also unser Fleischkonsum ist, der das Feuer in Amazonien mit anfacht, was wäre dann zu tun? Feuerwehr schicken, Löschflugzeuge, kampferprobte Truppen gegen die Feuerwalzen, wie die europäischen Regierungen jetzt fordern? Den Feuerteufel an der Spitze Brasiliens zurechtweisen? Mit Handelssanktionen drohen? Viel politischer Schaum, aber wenig Löschkraft.

Das einzige, was helfen würde, wäre ein Ende der Fleischorgie bei uns. Der Weltklimarat fordert eine radikale Wende vom Acker bis zum Teller. Schluss mit den Sojaimporten für Billigfleisch, Schluss mit den Steaks, an denen Urwaldasche klebt. Die Feuerbrunst in Amazonien verlöscht erst dann, wenn es keinen neuen Markt mehr für Soja gibt. Wenn unser Appetit auf Fleisch nicht mehr auf Importe setzt, sondern das wiederentdeckt, was auf den Bauernhöfen vor der Haustür wächst in Einklang mit der Natur. Löschen beginnt im eigenen Land, diese Wahrheit ist unangenehm. Und auch wenn sich die Kanzlerin dazu nicht äußern mag, alternativlos.

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Kehrtwende bei Lidl: Wieder billige Bananen im Angebot

Kehrtwende bei Lidl: Wieder billige Bananen im Angebot

Ein Beitrag von IWE-Mitglied Karin Vorländer

Nun also doch nicht! Nachdem Lidl im September 2018 angekündigt hatte, nur noch Fairtrade Bio Bananen zu verkaufen, jetzt die Kehrtwende. Ab Sommer gibt es wieder deutlich billigere Bananen im Sortiment. Auf Anfrage des Instituts für Welternährung (IWE) versichert Lidl, man bekenne sich nach wie vor zu Fairtrade und weite lediglich das Sortiment aus, indem neben der Bio-Fairtrade-Banane auch die konventionelle Fairtrade-Banane angeboten werde. Im Klartext ist das ein Rückzug vom zertifizierten Bio Standard bei Fairtrade, der den Erzeugern ein besseres Leben ermöglicht, die Umwelt schützt und gerechte Arbeitsbedingungen garantiert. Man wolle aber in den Filialen, so Lidl, Verbraucher auf den Mehrwert der zertifizierten Bio Fairtrade Bananen hinweisen. Man darf gespannt sein, wie das vor sich gehen soll!!

Offenbar hat Lidl auf das Preisdumping der Mitbewerber reagiert. Die zogen nicht etwa nach, sondern gingen mit den Preisen für konventionelle Bananen herunter. Und offenbar ist es so, dass die Mehrheit der Kunden eben doch zum Produkt mit dem scheinbar „günstigsten“ Preis greift, den sie seit Jahrzehnten gewohnt sind. Noch immer ist eine bis zu 11.000 km weit transportierte Banane billiger ist als ein Apfel aus Deutschland. Und immer noch nehmen die Kunden billigend in Kauf, dass die Erzeuger von ihrer Arbeit kaum leben können und Boden und Wasser und Gesundheit der Erzeuger bei herkömmlichem Anbau massiv Schaden nehmen. Dieser Haltung kommt Lidl jetzt mit seinem geräuschlos vollzogenen Rückzug entgegen, mit dem man dafür sorgen will „dass Kunden gemäß ihrer Wünsche und Lebensgewohnheiten einkaufen können“.

Wir erinnern uns: Lidl ist in allererster Lebensmittelhändler. Und zielt nun mal vor allem auf Gewinn und nicht auf Bewusstseinsbildung. Wenn der sich mit fairen Produkten erzielen oder gar steigern lässt, prima! Wenn nicht, dann gibt es eben einen Rückzug vom fairen Produkt. Oder müssen erst mehr Verbraucher ihr Bewusstsein und Kaufverhalten ändern, damit sich das Angebot dauerhaft ändert?

Auch Fairtrade Chef Dieter Overath zeigt sich von der Entwicklung herb enttäuscht. Denn der Kauf von Fairtrade Biobananen würde bei den durchschnittlich 12 Kilo Bananen, die in Deutschland pro Kopf und Jahr verzehrt werden, mit nur 2 Euro zu Buche schlagen. So rechnet Fairtrade vor. Aber dazu ist hierzulande – anders als in Nachbarländern – bislang nur eine Minderheit bereit.

Der eben vollzogene Rückzug in Sachen Fairtrade Bananen nährt aber auch die Zweifel an der Ankündigung, künftig nach strengen Bioland Kriterien erzeugtes Fleisch zu fairen Erzeugerpreisen ins Angebot aufzunehmen. Bei den Bananen waren die Verträge auf ein Jahr ausgelegt – und werden jetzt wohl nicht verlängert. Wie lang werden die Verträge für die Bioland Bauern gelten und erfüllt werden? Machen wir uns nichts vor: Auch hier geht es nicht vorrangig darum, „Bio in der Mitte der Gesellschaft zu verankern und in die Breite zu bringen“, wie Lidl beteuert, sondern darum, neue Kundenkreise zu erschließen. Handeln aus Überzeugung sieht jedenfalls anders aus.

IWEKehrtwende bei Lidl: Wieder billige Bananen im Angebot
Deutschlandfunk: Kein Brot für die Welt?

Deutschlandfunk: Kein Brot für die Welt?

Im Rahmen der Sendung „Der Tag“ war IWE-Vorstand Wilfried Bommert zu Gast bei Deutschlandfunk.

Aus der Ankündigung zur Sendung: „Mehr statt weniger Hunger: Zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der Menschen gestiegen, die zu wenig zu essen haben. Das steht im aktuellen Welternährungsbericht. Für Wilfried Bommert ist das alarmierend. Der Gründer des Instituts für Welternährung sieht keine Fortschritte im globalen Kampf gegen den Hunger. „Im Gegenteil. Was die Zahlen zeigen ist vielleicht die Spitze des Eisbergs.“ Der ehemalige Hörfunkjournalist ist Autor von Büchern wie „Kein Brot für die Welt“ und „Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht„. Er hofft auf eine große Initiative zur Welternährung – ähnlich wie der Bewegung „Fridays for Future“.“

Hier gibt’s die Sendung „Der Tag“ zum Nachhören:

Deutschlandfunk: Kein Brot für die Welt?
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