Einladung: IWE-Sommerakademie

Einladung: IWE-Sommerakademie

Einladung zur Sommerakademie 2020 via Zoom
am Samstag, den 04. Juli 2020, 10:00 – ca. 14.30 Uhr
 

Liebe Freund*innen des Instituts für Welternährung, 

Bio oder Bioreaktor, Meer oder Land, Fabrik oder Feld, wie wird sich die Welt in Zukunft ernähren? Coronapandemie und Klimakrise setzen unser Ernährungssystem unter Stress, und wir erkennen klarer denn je, dass es diesem Stress nicht gewachsen ist. Wir als IWE haben uns in unserer Streitschrift festgelegt: „Nur eine ökologische Landwirtschaft kann 10 Milliarden Menschen ernähren“. 

Mittlerweile betreten immer neue Akteure die Bühne und preisen neue Rohstoffquellen für unsere Ernährung: Algen, Bakterien, Pilze, Insekten, Zellkulturen, der Ersatz von Tieren durch Bioreaktoren. Wo geht die Reise hin, wie kann die Weltbevölkerung in Zukunft satt werden? Diesem Thema ist unsere Sommerakademie gewidmet. Leider kann sie in Coronazeiten nicht wie geplant in Schloss Türnich stattfinden. Wir haben sie ins Netz verlegen und leider auch verkürzen müssen.

Unsere Sommerakademie 2020 findet als Zoom- Konferenz statt. Sie beginnt am Samstag, den 04. Juli 2020 um 10:00 mit einer Einführung auch zur „Technik“ und der Vorstellung der Teilnehmer*innen. 

Ab 11:00 wird uns Professor Prof. Dr. Thomas A. Vilgis vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz in die zukünftigen Welten der Ernährung einführen .  

Ab 13:00 wollen wir uns fragen, welche Postion wir als Institut für Welternährung zu den sich ankündigenden Trends zwischen Bio-Landwirtschaft und Bioreaktoren einnehmen und wie wir den Prozess der Transformation unseres Ernährungssystems weiter begleiten wollen.  Die Sommerakademie endet voraussichtlich gegen 14:30. 

Wir freuen uns auf Eure Teilnahme an diesem Experiment. Bitte meldet Euch bis zum 30. Juni an bei Julia Schererjulia.scherer@institut-fuer-welternaehrung.org. Das genaue Programm und die Zoom-Einladung schicken wir euch am 2. Juli.  

IWEEinladung: IWE-Sommerakademie
Auswirkungen von Covid-19 auf US-Ernährungssystem

Auswirkungen von Covid-19 auf US-Ernährungssystem

Wie hier in Washington unterstützt die Nationalgarde bundesweit die Tafeln, Photo: U.S. National Guard, Joseph Siemandel

Das Center for Strategic & International Studies (CSIS) hat in einem Q&A die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das US-amerikanische Ernährungssystem beschrieben. Demnach leiden besonders junge Kinder in einem Maße unter Ernährungsunsicherheit, das für die moderne Zeit beispiellos ist. In Folge stieg die Nachfrage bei den städtischen Essensausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent, bei einigen Tafeln sogar um 200 Prozent. Knapp 40 Prozent der Befragten gaben an, bis dato noch nie das Angebot der Tafeln in Anspruch genommen zu haben. Gleichzeitig steigen die Preise für Lebensmittel durch die hohen Krankenstände u.a. in der fleischverarbeitenden Industrie. Die Schließungen von Schlachthöfen und Restaurants führen wiederum zu stark gestiegener Lebensmittelverschwendung.

Das ausführliche Q&A in englischer Sprache können Sie hier nachlesen.  

IWEAuswirkungen von Covid-19 auf US-Ernährungssystem
Rheinisches Revier: Agrar-Modelle von gestern für die Welt von morgen?

Rheinisches Revier: Agrar-Modelle von gestern für die Welt von morgen?

Haloorange, CC BY-SA 3.0

Agrar-Modelle von gestern für die Welt von morgen?
Zivilgesellschaft protestiert: NRW verpasst Chancen für grüne Innovationen
 
Nach dem Ende der Braunkohle hätte NRW eine große Chance: sich als Vorreiter für eine sichere, gesunde und bürgernahe Ernährung zu profilieren. Doch diese Chance scheint das Land zu verspielen. In seinem Wirtschafts- und Strukturprogramm für das Rheinische Revier wird die Intensivlandwirtschaft von gestern als Modell für morgen herausgestellt. Gegen diese rückwärtsgewandte Politik richtet sich der Protest eines breiten Bündnisses zivilgesellschaftlicher Organisationen, Bürger und Bauern. In einem offenen Brief an die Landesregierung fordern sie stattdessen das Modell einer nachhaltigen, ökologischen Landwirtschaft, die die nahen Metropolen sicher mit gesunden Lebensmitteln versorgt und lebenswerte Landschaften sichert. Dies sollte als Schwerpunkt in das Wirtschafts- und Strukturprogramm für das Rheinische Revier aufgenommen werden.
 
Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung, unterstützt die gemeinsame Stellungnahme der Zivilgesellschaft und betont: „Die Corona-Pandemie und der Klimawandel zeigen uns die Grenzen der Globalisierung auf. Systemrelevante Lebensbereiche, und dazu zählt unsere Ernährung, müssen in Zukunft wieder mehr in die Region zurückgeholt und widerstandsfähig organsiert werden. Ökologisch, regional, saisonal und fair“, so Bommert, „sind die Grundsteine für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem. Es geht um Innovativen und es wäre fatal, wenn das Land NRW diesen Bereich links liegen ließe. NRW sollte die Chance im Rheinische Revier nutzen und ein grünes Vorbild für das 21. Jahrhundert entwickeln.“

Die gemeinsame Stellungnahme zum Wirtschafts- und Strukturprogramm für das Rheinische Zukunftsrevier 1.0 können Sie hier als PDF herunterladen.

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Corona: Mehr Verbraucher kaufen bei Wochenmärkten & Hofläden

Corona: Mehr Verbraucher kaufen bei Wochenmärkten & Hofläden

Die Corona-Pandemie hat das Einkaufsverhalten für Lebensmittel in Deutschland verändert. Eine Bitkom-Umfrage ergab, dass der Anteil der Verbraucher*innen, die ihre Lebensmittel auf Wochenmärkten kaufen, von 37 auf 43 Prozent gestiegen ist. Auch Hofläden profitieren, hier stieg der Anteil von 23 auf 27 Prozent. Die Zuwächse sind einerseits darin begründet, dass 65 Prozent der Verbraucherinnen angaben, sich in dieser Zeit beim Einkauf im Supermarkt unwohl zu fühlen und Angst vor einer Ansteckung haben. Das zeigt auch die starke Zunahme von Online-Lebensmittelkäufen.

Andererseits stellte Bauernpräsident Joachim Rukwied jüngst in einem Interview mit dem Tagesspiegel fest, dass auch die Wertschätzung der Bevölkerung für regionale und hochwertige Lebensmittel durch Corona insgesamt gestiegen ist. In Krisenzeiten greifen Verbraucher*innen generell vermehrt zu Bio-Lebensmitteln – die Atomkatastrophe in Tschernobyl löste etwa 1986 den ersten Bio-Boom aus.

Die gestiegene Wertschätzung für regionale Lebensmittel könnte aber auch eine Reaktion auf den Anblick leerer Supermarktregale am Beginn der Pandemie sein – vielleicht hat die Angst vor dem Zusammenbruch globaler Lieferketten vielen Verbraucher*innen vor Augen geführt, wie existenziell wichtig Landwirtschaft für uns alle ist. Bleibt zu hoffen, dass diese Wertschätzung über die Krise hinaus Bestand hat.

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Webinar: Droht die nächste Welternährungskrise durch Corona?

Webinar: Droht die nächste Welternährungskrise durch Corona?

Kostenloses Webinar mit Valentin Thurn zum Thema „Droht die nächste Welternährungskrise durch Corona?“ am Dienstag, 7. April um 19 Uhr. Zur Anmeldung geht es hier.

Die Pandemie hat uns einmal mehr verdeutlicht, wie krisenanfällig die internationalen Lieferketten sind: Vietnam hat den Export von Reis gestoppt, um in diesen unsicheren Zeiten zunächst die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu sichern. Werden weitere Länder folgen? Jetzt zeigt sich, dass es hoch riskant ist, dass wir uns immer mehr auf den Weltmarkt verlassen, und immer weniger regionale Lebensmittel essen.

Weniger als 10 Prozent der Angebote im Einzelhandel kommen noch aus der Region, über 90 Prozent hängen von der „Just in Time“ Logistik der Großhändler und Importeure ab. Die Unsicherheit kommt aber auch durch die zerstörerischen Anbaumethoden, die Biodiversität und Klima in Gefahr bringen. Dabei haben wir eine große Herausforderung vor der Nase: Die Zahl der Menschen auf unserer Welt wird bald auf 10 Milliarden steigen. Die Agrarkonzerne wollen uns glauben machen, dass nur mehr Chemie und Kunstdünger die Misere lösen können.

Warum das Gegenteil der Fall ist, erzählt Filmemacher Valentin Thurn, der auf der Suche nach Lösungen rund um die Welt gereist ist. Und der anschließend eine Bewegung für die Ernährungswende gegründet hat: dabei wird auf der lokalen Ebene angepackt, bei den Kommunen, weil diese sehr viel bewirken können, wenn wir unsere Lebensmittel wieder umweltfreundlicher erzeugen möchten.

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Essen in Zeiten von Corona: 7 Empfehlungen, die das Immunsystem stärken

Essen in Zeiten von Corona: 7 Empfehlungen, die das Immunsystem stärken

Es geht um unsere Abwehrkräfte. Wenn das Virus angreift, müssen wir fit sein. Wir können unsere körpereigene Abwehr stärken und zugleich das Klima schonen. Wie, das hat das IWE Vorstandsmitglied Agnes Streber zusammengefasst, sie leitet das Ernährungsinstitut Kinderleicht in München. 

1.    Viel frisches Gemüse und Obst essen
So bunt und saisonal wie es im März nur geht. Obst und Gemüse sind wertvolle Lieferanten der Vitamine A, C und E, enthalten Antioxidantien und Bitterstoffe, die die Abwehrkräfte stärken und aktivieren. Vor allem Gemüse und Salatsorten, die viele Bitterstoffe enthalten, sind stärkend für die Abwehr. Beispiele dafür sind Radicchio, Endiviensalat, Chicorée, Rucola und jegliche Kohlsorten wie Grünkohl, Rosenkohl, Brokkoli und Blumenkohl. Aber auch Klassiker wie Karotten, rote Bete, Spinat und Fenchel sind genussreiche Unterstützer, um gesund zu bleiben.

2.    Auf Vollkornprodukte zurückgreifen
Vollkornmehl enthält viele Ballaststoffe, die für einen gesunden Darm, eine gute Verdauung und lange Sättigung sorgen. Darüber hinaus liefern sie wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. Vor allem Zink, Eisen und Selen sind im Zusammenhang mit dem Immunsystem besonders wichtig. Diese sogenannten Spurenelemente finden sich vor allem in Hafer(-flocken), Hirse, Paranüssen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen sowie Weizenkeimlingen. 
Tipp: Sprossen und Keimlinge (Anleitungen bei YouTube) können ganz leicht selbst gezogen werden und machen sich hervorragend im selbst gebackenen Brot!

3.    Mit Gewürzen und Kräutern kochen
Wärmende Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Zimt, Chili, Curry, Muskat und Kreuzkümmel sind reich an ätherischen Ölen, können gut gegen Viren wirken und machen das Essen gleichzeitig noch schmackhafter. Frische Kräuter haben ebenso eine positive Wirkung auf das Immunsystem und sollten vielseitig beim Kochen eingesetzt werden. Gleichzeitig kann der Verzehr von Salz so verringert werden. 
Tipp: Kresse selber ziehen und in der Küche griffbereit mit Brettchen und Messer hinstellen!

4.    Viel trinken
Ideal sind täglich 1,5-2 L Wasser und besonders zur Erkältungszeit werden die Schleimhäute somit vor dem Austrocknen geschützt. Wasser kann mit Zitronen- und Orangenscheiben und Ingwerstückchen aufgepeppt werden und liefert somit noch mehr Gutes für’s Immunsystem. Wärmende Kräutertees sind ebenfalls sehr empfehlenswert und bringen noch mehr Geschmack. 

5.    Wenig Zucker und keinen Alkohol
Zuckerreiche Lebensmittel liefern viele Kalorien aber keine gesunden Nährstoffe. Der Körper arbeitet, um die Süßigkeiten zu verdauen, bekommt aber nichts Gutes dafür. Auch auf Alkohol sollte lieber verzichtet werden. Süße gesündere Leckereien wie z.B. Energiekugeln, Popcorn, Haferriegel mit Schokolade, Puddings und Müslibällchen können leicht selbst zubereitet werden.

6.    Fleisch und Wurstwaren
Wir empfehlen, nach Möglichkeit auf Fleisch zu verzichten. Für Fleischliebhaber*innen gilt die Empfehlung, nicht mehr als 2-3 Mal pro Woche Fleisch zu verzehren und dies unbedingt aus biologischer Haltung zu kaufen. 

7.    Sonnenlicht und Bewegung an der frischen Luft
Jeden Tag ein großer Spaziergang von mindestens 1-2 Stunden, möglichst zur Mittagszeit und in der Sonne, hilft unserem Körper, das immunstärkende Vitamin D zu produzieren. Draußen an der frischen Luft ist es außerdem möglich, die Empfehlung von 2 Meter Abstand gut einzuhalten und so dem Ansteckungsrisiko aus dem Weg zu gehen. Nutzen Sie doch die Zeit für ausgiebige Spaziergänge oder Fahrradtouren und bewegen Sie sich täglich an der frischen Luft. 

Agnes Streber steht als Ernährungsexpertin für Interviews und als Gesprächspartnerin zur Verfügung unter:
Tel: 089/716 77 50 30
Mail: info@kinderleichtmuenchen.deagnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org

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Podiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?

Podiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?

Einladung zur Podiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?

Wie Kirchen und Kommunen als Landverpächter zu einer naturverträglichen Bewirtschaftung ihrer Böden beitragen können

Wann: 13. Februar 2020, 16:00 – 16:45 Uhr
Wo: Biofach, Messezentrum 1, 90471 Nürnberg, NCC Ost, Raum Kopenhagen


Landwirtschaftlicher Boden ist ein kostbares Gut – darüber sind sich alle einig. Aber er ist auch gefährdet. Wo er von Agrargiften geschädigt und durch Verdichtung „platt gemacht“ oder durch Überdüngung und den Anbau von Monokulturen ausgelaugt wird, drohen Nahrungsmittelknappheit und der Verlust der Artenvielfalt. Landeigentümer können darauf Einfluss nehmen – durch eine naturverträgliche Verpachtung ihrer Flächen. 

Mit rund 500.000 Hektar Land gehören die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland zu den größten Landeigentümern. Auch die öffentliche Hand besitzt beträchtliche Flächen. Auch für sie gilt „Eigentum verpflichtet“. Doch konkrete Vorgaben für Pachtbeziehungen sind bislang noch die Ausnahmen. 

Warum eigentlich? Welche Verantwortung übernehmen die großen Landeigentümer für den Boden, den sie verpachten? Wie gehen sie damit um? Gibt es verbindliche Kriterien für die Vergabepraxis? Und welche Rolle spielt dabei die ökologische Bewirtschaftung? 

Wie Naturschutzmaßnahmen in Pachtverträgen verankert werden können und welche Widerstände es gibt, darüber diskutieren:

  • Dirk Hillerkus, Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW 
  • Matthias Kiefer, Sprecher der AGU (Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten beider Kirchen), Umweltbeauftragter des Erzbistums München und Freising/München
  • Jochen Goedecke, Fairpachten – Regionalberatung Süd 
  • Ralf Demmerle, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Mitteldeutschland 
  • Björn Pasemann, Aktionsbündnis „Unser Land schafft Wandel“ aus Greifswald, das es erstmals geschafft hat, eine gemeinwohlorientierte Vergabepraxis von kommunalen Flächen durchzusetzen 

Moderation: Dr. Wilfried Bommert, Institut für Welternährung


Bitte beachten Sie auch unser Dossier und folgende Interviews zum Thema:

IWEPodiumsdiskussion: Öffentliches und kirchliches Land in (Bio)-Bauernhand?
Schweigegeld schafft keinen Frieden

Schweigegeld schafft keinen Frieden

Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilfried Bommert zur „Bauernmilliarde“ .

Eine Milliarde Euro für die Deutschen Bauern, damit Schluss ist mit den Treckerdemos und Bauernaufläufen! Die Bundesregierung will Ruhe an der grünen Front! Den politischen Frieden erkauft sie sich jetzt mit viel Geld, mit Schweigegeld.

Doch dieses Schweigegeld heilt nicht die Wunden, die die Bauern auf die Straßen treiben. Sie protestieren wegen der fehlenden Wertschätzung für ihre Arbeit, die sich in den Preisen für Milch, Getreide und Fleisch ausdrückt, von denen sie nicht leben können. Sie wollen kein ‚Weiter so’ und auch kein ‚Wachsen oder Weichen’. Sie wollen eine solide Zukunft für ihre Höfe, auch für kommende Generationen. Aber die bekommen sie nicht. Stattdessen wird Geld auf die Höfe gepumpt, das dann wieder die anlockt, die schon immer an der Landwirtschaft gut verdient haben, die Dünger-, Agrarchemie-, die Landmaschinen- und Tierarzneimittelkonzerne.

Für die Zukunft wird da wenig blieben. Auch nicht für die große Transformation der Landwirtschaft im 21. Jahrhundert, für Anpassung an eine Welt ohne fossile Brennstoffe, in der der Boden und was darauf wächst Klimagase einfangen und in Form von Humus festlegen muss, in der die Wasserreserven geschont und die Vielfalt auf den Äckern wieder hergestellt werden muss, in der die Region wieder ihre Menschen ernährt und Bauern und Bürger gemeinsam über die Zukunft ihrer Ernährung sprechen wollen.

Was nötig wäre, wäre ein grüner New Deal, eine Ernährungswende für Deutschland und Europa. Doch die bleibt aus. Stattdessen politische Sprach- und Mutlosigkeit bei den Regierenden, das ist es, was die Bauer auf die Barrikaden treibt. Auch eine Milliarde Schweigegeld werden sie dort nicht herunterholen. Wer jetzt politische Befriedung will, muss Friedensverhandlungen anbieten, nicht im Hinterzimmer der Parteien und Verbände, sondern auf den Marktplätzen der Zivilgesellschaft zwischen Bürgern und Bauern über die Zukunft ihrer Ernährung. Doch davon sind wir weit entfernt, solange das Geld regiert.

IWESchweigegeld schafft keinen Frieden
Klimabelastung verschiedener Ernährungsformen

Klimabelastung verschiedener Ernährungsformen

Das Statistik-Portal Statista hat mit Hilfe des CO₂-Rechners des Umweltbundesamts eine Info-Grafik zur Klimabelastung verschiedener Ernährungsformen erstellt. Fleischesser belasten demnach das Klima mit einem durchschnittlichen CO₂-Ausstoß von 1.730 Kilogramm pro Jahr am stärksten. Eine vegetarische Ernährung verursacht 1.280 Kilogramm CO₂ pro Jahr. Eine vegane Ernährung schont das Klima am meisten, hier entstehen pro Jahr nur 1.040 Kilogramm CO₂.

Der Berechnung zugrunde liegt eine männliche Person im Alter von 30 bis 59 Jahren. Es wurde weiterhin angenommen, dass alle drei Ernährungsformen zum Teil auf regionalen, saisonalen und biologisch erzeugten Produkten basieren sowie auf gelegentlichen Tiefkühl-Produkten.

IWEKlimabelastung verschiedener Ernährungsformen
Es grünt so grün

Es grünt so grün

Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilfried Bommert.

So grün war es noch nie zur Grünen Woche in Berlin. Selbst die industriefreundliche Bundeslandwirtschaftsministerin überschlägt sich mit ökologischen Bekenntnissen. Weniger Pestizide, weniger Antibiotika, weniger Fastfood, weniger Nitrat, weniger Fleisch, weniger Klimagase. Dafür mehr Bienen und Insekten in der Feldflur, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr Tierwohl im Maststall, mehr Lebensmittel aus der Region, mehr Selbstgekochtes auf den Tischen in Kitas, Schulen und Universitäten. Ja, das wollen wir. Zumindest ist es schön gesagt und wohlfeil applaudiert. Die Politik hat verstanden: Ab jetzt zählt grün, grüner, am grünsten. Wirklich?

Oder sind es nur verbale Nebelkanonen, die in Berlin in Stellung gebracht werden, um die unangenehme Wirklichkeit der Agrarwirtschaft zu verdecken? Nebelkanonen, die verschleiern sollen, dass die deutsche Landwirtschaft 20 Milliarden Wertschöpfung erbringt, dafür aber Umwelt- und andere Kosten in Höhe von 100 Milliarden produziert. Ökologische Kosten, die für ausgeräumte Landschaften, verlorene Bodenfruchtbarkeit und schrumpfende Wasserreserven, sterbende Bienenvölker und eine ausgezehrte Vogel- und Tierwelt hier und auf den Mastfuttersteppen in Südamerika anfallen. Kosten, die wir und unsere Enkel werden zahlen müssen. Wenn wir die Schwüre, die unter dem Funkturm Berlins geleistet werden, ernst nehmen sollen, dann muss genau diese Rechnung auf den Tisch. Und auf den Tisch muss auch, was wir für eine enkeltaugliche Landwirtschaft tun können. Anstelle von Schönrederei – harte Fakten, klare Ziele, konsequente Umsetzung. Dafür haben wir unsere Politiker gewählt.

Mein Vorschlag: Pro Jahr 5 Prozent verringern bei allem, was nicht mehr ökologisch zu verantworten ist: 5 Prozent pro Jahr weniger bei Pestiziden, Antibiotika, Nitrat, Futtermitteln aus Übersee, Billigfleisch und Klimagasen. Und 5 Prozent pro Jahr mehr von dem, was dringend notwendig ist: Glückliche Tiere, mehr Bienen, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr sauberes Grundwasser und gesunder Boden, mehr Bauern und Bäuerinnen, die mit Stolz und Anerkennung ihre Felder bestellen. In 20 Jahren wären das 100 Prozent, also die komplette ökologische Wende auf den Äckern und auf den Tellern bis 2040.

Eine grüne 5-Prozent Diät für die nächsten 20 Jahre – das wäre mal eine konkrete Ansage. Und sie würde das umsetzen, was uns die Regierung bis 2050 versprochen hat, ein klima- und umweltverträgliches Land. 

IWEEs grünt so grün