IWE-Wahlprüfstein zur Landtagswahl NRW

IWE-Wahlprüfstein zur Landtagswahl NRW

Ungeachtet vom üppigen Lebensmittelangebot in den Supermärkten, verschlechtert sich die Ernährungslage der Bevölkerung in Deutschland zunehmend – die Ernährungskompetenz nimmt ab und mittlerweile sind 7,1 Millionen Menschen hierzulande übergewichtig, Tendenz steigend.

Abgesehen von den gesundheitlichen Schäden wird sowohl unser Gesundheitssystem als auch unsere Volkswirtschaft massiv mit den Behandlungskosten ernährungsbedingter Krankheiten belastet. Eine schnelle Gegensteuerung ist unbedingt erforderlich. Fehlernährung und Übergewicht sind schon bei Kindern ein im wahrsten Sinne des Wortes „zunehmendes“ Problem.

Fachleute sehen in einer nachhaltigen und gesunden Kita- und Schulverpflegung einen wichtigen Hebel, um die Lage dauerhaft zu verbessern. Denn Ernährungsgewohnheiten werden in der Kindheit geprägt. Die Politik ist aufgefordert, hier Räume zu eröffnen. Unsere IWE-Studie „On the Way to a Sustainable Future“ hat allerdings ergeben, dass selbst Kantinen der Bundesregierung weit hinter den Standards für ökologische und gesunde Ernährung zurückbleiben.

Zur bevorstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat das Institut für Welternährung deshalb einen Wahlprüfstein zur Förderung nachhaltiger und gesunder Ernährung in der nächsten Legislaturperiode an alle Fraktionsvorsitzenden des NRW-Landtags verschickt. Das Ergebnis unserer Anfrage werden wir als Pressemitteilung und hier auf der Website veröffentlichen.

IWE-Wahlprüfstein: Fragen zur Förderung nachhaltiger gesunder Ernährung in der nächsten Legislaturperiode

  • Welche konkreten Maßnahmen und Ziele zur Förderung einer klimafreundlichen und gesunden Ernährung in der Schul- und Kitaverpflegung und in den öffentlich geförderten Kantinen des Landes werden von Ihrer Partei in einer künftigen Regierungsarbeit angestrebt?
  • Welche verbindlichen Qualitätsstandards (Prozentualer Anteil von Bio, Regional und Fair) plant Ihre Partei z. B. für Mensen und Kantinen, insbesondere für die Schulverpflegung bis 2026 umzusetzen?
  • Welche Rolle sollen dabei Kantinen und Mensen spielen, die von Kommunen und Bundesland betrieben werden?
  • Gibt es Pläne für kostenlose Mahlzeiten in Schulmensen bis 2026?
  • Wie wollen sie dazu beitragen, die Akzeptanz von weniger fleischlastigen Gerichten zu steigern?
  • Falls es diese Pläne nicht gibt, erläutern Sie bitte die Gründe.
  • Wie soll die Vermittlung von Wissen über eine nachhaltige gesunde Ernährung in der schulischen, außerschulischen und beruflichen Bildungsarbeit verankert und gestärkt werden?
  • Welche Maßnahmen wird Ihre Partei zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung in Erzeugung, Verarbeitung und Handel von Lebensmitteln ergreifen?
  • Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, um die Direktvermarktung von Produkten von Landwirten in NRW zu fördern?
  • Wie möchte Ihre Partei die Solidarische Landwirtschaft stärken?
  • Wie wollen Sie die zivilgesellschaftlichen Ernährungsräte, die in immer mehr Städten gegründet werden, fördern?
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Podcast „Plan C“: Krieg in der Ukraine – Wer bekommt jetzt noch was zu essen?

Podcast „Plan C“: Krieg in der Ukraine – Wer bekommt jetzt noch was zu essen?

IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert war zu Gast beim Podcast „Plan C – weil Plan B hat eh nicht funktioniert“ von Severin von Hoensbroech und Valentin Thurn zum Thema „Krieg in der Ukraine – Wer bekommt jetzt noch was zu essen?“.

Die Folge könnt ihr hier nachhören:

IWEPodcast „Plan C“: Krieg in der Ukraine – Wer bekommt jetzt noch was zu essen?
Ausstellung: „GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity“, Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) Potsdam

Ausstellung: „GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity“, Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) Potsdam

(c) Sabrina Radeck

GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity

Vernissage im CIRCLE des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie Potsdam (ATB)
Montag, 14. März, 16 bis 18 Uhr

Studierende und Alumni der Neuen Schule für Fotografie Berlin zeigen in ihrer Ausstellung „GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity“ im CIRCLE des ATB vom 14. März bis 8. April 2022 neue und überraschende Blickwinkel auf den Themenkomplex.

Teilnehmende Fotograf:innen: Eun Sun Cho, Johann Karl, Linda Kerstein, Caro Lenhart, Thilo Mokros, Sabrina Radeck, soso, Jakob Wierzba 

Eröffnung: Montag, 14. März von 16 bis 18 Uhr
Grußworte: Prof. Dr. Barbara Sturm und Dr. Annette Prochnow (Direktion ATB)
Eva Bertram und Ines Meier (Projektleitung Neue Schule für Fotografie)
Führung mit den Künstler:innen um 16.30 Uhr

Geöffnet:14. März bis 8. April, Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr
CIRCLE des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie Potsdam (ATB),
Max-Eyth-Allee 100, 14469 Potsdam
Corona-Hinweis: Es gilt die 3G-Regel

„Gift“ meinte althochdeutsch ursprünglich „das Gegebene“ oder „die Gabe“, bevor sich die Bedeutung hin zur „tödlichen Gabe“ veränderte. Der Titel der Ausstellung, die sich künstlerisch und dokumentarisch mit dem Themenkomplex Landwirtschaft und Biodiversität auseinandersetzt, verweist auf biologische Vielfalt als Geschenk, das von Generation zu Generation vererbt wird – und gleichzeitig auch auf die akute Gefährdung unserer Lebensgrundlage.

(c) Johann Karl

Der Mensch ist im Zeitalter der Anthropozäns zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden. Doch die Vielzahl der weltweit durch Medien transportierten Bilder, die die Themen Landwirtschaft und Biodiversität vermitteln sollen, kreisen um wenige einfache und naheliegende Motive, die in Varianten kreislaufartig wiederholt werden und inzwischen klischeehaft und abgenutzt erscheinen. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des im Frühjahr 2020 begonnenen Ausstellungsprojekts „GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity“, diesen Bildkreislauf durch eine intensive inhaltliche und visuelle Auseinandersetzung mit dem Thema zu durchbrechen und neue, überraschende Blickwinkel zu zeigen.

Die Wanderausstellung der Neuen Schule für Fotografie wird unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Institut für WelternährungGrün BerlinGLS Treuhand und Hahnemühle.

Nächste Ausstellungsstation: 15. Umweltfotofestival „horizonte zingst“, 20.-29. Mai 2022

Pressekontakt: 
Ines Meier, Projektkoordination NSFB
Tel.: 01573 49 59 851
E-Mail: ines.meier@neue-schule-fotografie.berlin

Wir freuen uns auf Ihren und Euren Besuch!

IWEAusstellung: „GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity“, Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) Potsdam
Die Grüne Front macht mobil: Zeitenwende rückwärts?

Die Grüne Front macht mobil: Zeitenwende rückwärts?

Ein Kommentar von Wilfried Bommert

Russlands Krieg gegen die Ukraine bringt uns in eine Zeitenwende. Die Sicherheit, in der wir uns bisher gewiegt haben, ist vorbei. Was bei uns als Bedrohung ankommt, verstehen der Deutsche Bauernverband und die alte Garde der Agrarpolitik offensichtlich anders: Als Ermutigung, die alte Politik zurückzufordern. Schließlich herrsche Krieg und die Preise steigen. Da müssten alle Reserven mobilisiert, Produktionsschlachten geschlagen werden. Pestizide, Stickstoffdünger, Massentierhaltung, das ganze Programm der Agrarindustrie muss aufgefahren werden. „Green Deal“ und „Farm to Fork“, die grünen Brüsseler Ideen weg von der Agrarpolitischen Tagesordnung und weg mit der Ökologisierung, wie sie die Ampel in Berlin umsetzen will. 

Zunächst nur als Frage getarnt oder als Zweifel kaschiert, die Grüne Front macht mobil und versucht, aus dem Krieg Russlands politischen Gewinn zu ziehen. Aus der Krise, in die der Krieg die Welt schickt, politisches Kapital zu schlagen. Auf wessen Kosten? Um es klar zu sagen: Auf Kosten einer neuen Welternährungskrise.

Die Preisexplosionen, die es in den letzten Monaten bei Getreide und Raps gegeben hat, sind nicht durch einen Mangel in Deutschland entstanden; hier sind die Lager voll und die Produktion liegt bei Getreide, Fleisch und Milch deutlich über dem Verbrauch. Was die Preise treibt, ist der Weltmarkt und dort Missernten durch Frost, Hitze, Dürre, Überschwemmungen. Der Vierklang der Klimakatastrophe. Der jüngste Bericht des Weltklimarates lässt keinen Zweifel: Solange wir die Klimagase nicht in den Griff bekommen, sind es Knappheiten, die die Preise immer weiter in den Himmel schießen lassen. Die Lage ist vorprogrammiert. 

Und jetzt noch der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Er hat die Energiepreise nach oben getrieben. Und damit auch den Treibstoff der Industrielandwirtschaft, den synthetischen Stickstoff, der in großen Mengen mit russischem Erdgas aus der Luft gewonnen wird. Der lässt jetzt die Kosten der Intensivlandwirtschaft aus dem Ruder laufen. Und befürchten, dass die Ernten schrumpfen, auch bei uns.

In dieser Situation zu fordern, dass noch mehr Öl und Gas in die Maschinerie der Industrielandwirtschaft fließen und Kunstdünger und Pestizide nicht reduziert werden, wie es der „Green Deal“ und die „Farm to Fork“ Strategie der Brüsseler Kommission fordern, zeugt von massivem Realitätsverlust. Dabei ist klar: Um den Energiekosten zu begegnen, das Klima in den Griff zu bekommen und dem Krieg ein Ende zu bereiten, ist der Abschied aus der energiefressenden, fossilen Landwirtschaft zwingend. Schnell und ohne Kompromisse.

Wir kennen den Weg. Er beginnt auf dem Acker und legt dort Treibhausgase auf Dauer fest. Setzt sich fort in den Mastställen, wo die Produktion zurückgefahren wird. Erreicht unsere Teller, wo Fleisch, wenn überhaupt, als Sonntagsbraten und in Bioqualität auf dem Tisch steht. Geht über zu unseren Mülleimern, in denen keine Lebensmittel mehr als Abfall landen. Und er macht vor den Zapfsäulen nicht halt. Wo es zunächst darum geht, die Lüge von Bio-Sprit zu entlarven, der die Äcker, die eigentlich die Menschheit ernähren sollten, für die Ölindustrie besetzt hat. Und dann darum, die Wende zu Solarenergie umzusetzen.

Es geht also um die radikale Abkehr vom fossilen Weg und den zügigen Aufbau einer solaren Welt auch und besonders, wo es um unser tägliches Brot geht. Das ist es, was wir aus dem russischen Krieg gegen die Ukraine lernen müssen. Darin liegt die Zeitenwende, die wir brauchen, um der Klimakatastrophe und dem Krieg zu entkommen. Und nicht im Rollback, wie es der Deutsche Bauernverband und seine Protagonisten in diesen Tagen fordern.

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Der Irrsinn der Verhältnisse: Buchkritik zu „Die Neuerfindung des Unternehmertums“

Der Irrsinn der Verhältnisse: Buchkritik zu „Die Neuerfindung des Unternehmertums“

„Die Neuerfindung des Unternehmertums: Solidarische Ökonomie, radikale Demokratie und kulturelle Evolution“ von Reinhard Pfriem

Eine Buchkritik von Wilfried Bommert

 „Die Frage ist, ob wir da noch einmal rauskommen.“ Reinhard Pfriem, der Professor Emeritus für Unternehmensführung und betriebliche Umweltpolitik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, ist sich am Ende seines Opus Magnum nicht mehr sicher. Kriegen wir die Kurve noch einmal hin? Oder steuern wir sehenden Auges auf das Ende unserer Zivilisation zu, auf die thermische Vernichtung unserer Welt?

Dabei sollten wir wissen, so Pfriem, wo das rettende Ufer liegt. In einer solidarischen Gesellschaft, in einer solidarischen Ökonomie, in einer Transformation des Unternehmertums. Weg von der Idee, dass die Märkte die Misere schon wieder bereinigen werden, die sie angerichtet haben, weg von dem alles beherrschenden Prinzip der Gewinnmaximierung.

Für Reinhard Pfriem müssen die Unternehmer:innen der Zukunft weder Schlips noch Kragen tragen, dafür aber ein gerütteltes Maß an Verantwortung gegenüber der Welt, in der sie wirtschaften. Ist dies im Kapitalismus machbar? Oder wird hier Unmögliches gefordert? Ohne die Hoffnung, dass die Grenzen des Systems zu überwinden sind, geht es für Pfriem nicht. Auch nicht ohne radikale Demokratie, in der Teilhabe wichtiger ist als Repräsentation, in der die Ökonomie wieder das Pferd wird, dass den Karren zieht und nicht der Kutscher, der den Weg bestimmt. Dazu muss sich auch die Wissenschaft anders aufstellen. Weg von einer Wissenschaft, die ohne Ansehen der gesellschaftlichen Probleme in ihrem Elfenbeinturm forscht, hin zu einer, die die Kräfte des gesellschaftlichen Wandels unterstützt und sich selbst als Möglichkeitswissenschaft versteht.

Utopien? Ja, für Reinhard Pfriem gilt es das Unmögliche zu fordern, damit das Undenkbare abgewendet werden kann. Zum Ausgang seines Werkes bringt er das ins Spiel, was dringend zu tun und deshalb zu fordern ist. Er benennt die Bausteine einer besseren Zukunft. Wenn es uns gelingt, die Klimakatastrophe und damit die thermische Vernichtung unserer Zivilisation auszubremsen, indem wir unsere Mobilität und unsere Energiesysteme solar organisieren, unseren Fleischkonsum drosseln, eine Ernährungswende mit einer ökologischen Landbewirtschaftung auf den Weg bringen, wäre ein Anfang gemacht.

Aber damit ist die Welt für den politischen Ökonomen Reinhard Pfriem noch keineswegs auf zukunftsfähigen Kurs. Ohne eine solidarische Weltpolitik, die sich Vertreibung und Flucht ernsthaft annimmt, ohne eine Friedenspolitik, die vor Verteidigungspolitik rangiert, ohne eine Wirtschaftspolitik, die globale Gerechtigkeit vor nationale Bereicherung stellt und ohne ein Europa, dass sich der Solidarität verschreibt, anstatt die Schwächeren auszugrenzen, ohne all dies wird es nicht getan sein. Es ist eine Frage der Vernunft, der Selbsterhaltung, des wohlverstanden Eigennutzes.

Wenn Reinhard Pfriem sein letztes Kapitel mit dem Zitat einleitet „Immer mehr Affen bezweifeln, dass der Mensch von ihnen abstammt“, dann leuchtet noch einmal der Irrsinn der Verhältnisse auf, in die wir uns in den letzten 100 Jahren gebracht haben und auch ein Hauch von Resignation, dass die Affen am Ende recht haben könnten. Und „die Frage ist, ob wir da noch einmal rauskommen“.

Reinhard Pfriem führt uns in seinem Buch mit klarem politischen Blick vor Augen, wie weit wir vom enkeltauglichen Weg abgekommen sind. Aber er zeigt uns auch die politischen Möglichkeiten auf, die wir haben, um unser Schicksal doch noch zu wenden. Ein engagiertes, lesenswertes und tiefgründiges Werk, empfehlenswert.
 
Pfriem, R. (2021) Die Neuerfindung des Unternehmertums: Solidarische Ökonomie, radikale Demokratie und kulturelle Evolution, Theorie der Unternehmung, Bd. 73, Metropolis Verlag. 

IWEDer Irrsinn der Verhältnisse: Buchkritik zu „Die Neuerfindung des Unternehmertums“
Online-Lesung: Tanja Busse „Fleischkonsum“ 

Online-Lesung: Tanja Busse „Fleischkonsum“ 

Liebe Mitglieder und Freund:innen des IWE,

hiermit möchten wir euch ganz herzlich zur Online-Lesung mit Tanja Busse aus ihrem aktuellen Buch „Fleischkonsum – 33 Fragen und Antworten“ einladen.

Die Lesung findet am Mittwoch, den 23. Februar 2022 von 20.00 – 21.30 Uhr statt, im Anschluss gibt es Gelegenheit zum Austausch. 

Dr. Tanja Busse ist Moderatorin, Autorin und Journalistin. Sie schreibt über Ökonomie, Ökologie, Umwelt, Nachhaltigkeit, Ernährung, Landwirtschaft, Konsum & Politik.

Ihr könnt euch bis zum Nachmittag des 23. Februar anmelden unter info@kinderleicht-ev.de oder 089/716 77 50 40 und erhaltet anschließend den Zugangslink für die Zoom-Veranstaltung.

Die Lesung findet im Rahmen des Projekts „Cooking for future“ statt, das das Ernährungsinstitut KinderLeicht von IWE-Vorständin Agnes Streber durchführt. 

Wir freuen uns, euch dort zu sehen!
Herzliche Grüße im Namen des Vorstands,
Wilfried Bommert 

IWEOnline-Lesung: Tanja Busse „Fleischkonsum“ 
Werkstattgespräch: Nachhaltige und faire Bodennutzung in der EU am 14. Januar 2022

Werkstattgespräch: Nachhaltige und faire Bodennutzung in der EU am 14. Januar 2022

Slow Food Deutschland und das Institut für Welternährung laden Sie und Euch herzlich zu unserem gemeinsamen digitalen Werkstattgespräch zur Zukunft der Ernährung am 14. Januar 2022 von 10-12 Uhr ein. Unser Thema: Nachhaltige und faire Bodennutzung in der EU

Nach Schätzungen der EU-Kommission sind 60 bis 70 Prozent der europäischen Böden in keinem guten Zustand. Diese Bodenverschlechterung verursacht in der EU jährlich Kosten in Höhe von 50 Milliarden Euro und schlimmer noch: die Degradierung gefährdet die Ernährungssicherheit zukünftiger Generationen. Zweifellos: Europa braucht eine zukunftsfähige Bodenpolitik!

Die im November 2021 erschienene Europäische Bodenstrategie nimmt den verbindlichen Schutz der Bodengesundheit, nachhaltigere landwirtschaftliche Praktiken und eine Begrenzung der Flächeninanspruchnahme in den Blick und schlägt einen „Boden-Pakt für Europa“ vor. Zudem unterstreicht sie die Notwendigkeit eines rechtsverbindlichen Rahmens für ein nachhaltiges Ernährungssystem in der EU. 

Slow Food Deutschland und das Institut für Welternährung möchten im Rahmen der Berliner Werkstattgespräche zur Zukunft der Ernährunggemeinsammit Boden-Expert*innen aus Wissenschaft, EU-Kommission, Europäischem Parlament und zivilgesellschaftlichen Organisationen die Chancen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Bodens in der EU ausloten.

Nach Impulsvorträgen von Dr. Andrea Beste, Büro für Bodenschutz & Ökologische Agrarkultur und Mirco Barbero, EU-Kommission, DG ENV-Referent für Bodenschutz und nachhaltige Landnutzung und Damiano di Simine, Legambiente & Soil4Life folgt eine Diskussion mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments:

  • Martin Häusling, Grüne / Freie Europäische Allianz
  • Marlene Mortler, Europäische Volkspartei
  • Maria Noichl, Progressive Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament

Moderation: Tanja Busse, Journalistin und Autorin

Unser Werkstattgespräch über die nachhaltige und faire Bodennutzung in der EU wird im Rahmen des Soil4Life Projekts gefördert und findet mit englischer Verdolmetschung statt. 

Sie können sich für die Diskussion bis zum 12.01.2022 auf dieser Seite anmelden. Sie bekommen die Zugangsdaten zur Veranstaltung am 13.01. per E-mail zugesendet.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und auf einen konstruktiven Austausch.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Nina Wolff
Amtierende Vorsitzende 
Slow Food Deutschland e. V.
nina.wolff@slowfood.de
+49-(0)170 81 27 346

Dr. Wilfried Bommert 
Sprecher des Vorstandes
Institut für Welternährung e. V.
wilfried.bommert@institut-fuer-welternaehrung.org
+49-(0)173-9552544
 

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The webinar is organised as part of the SOil4life project co-financed by the European Commission through the Life programme

IWEWerkstattgespräch: Nachhaltige und faire Bodennutzung in der EU am 14. Januar 2022
Manifest zur Regenerativen Landwirtschaft verabschiedet

Manifest zur Regenerativen Landwirtschaft verabschiedet

Pioniere der regenerativen Landwirtschaft aus 16 europäischen Ländern haben sich vom 9.-11. November 2021 beim 1st Climate Farming Congress auf Schloss Kirchberg/ Jagst (dem „Bauernschloss“) getroffen. Ergebnis ist ein Manifest, das die ökologischen und ökonomischen Mehrwerte sowie die Ziele regenerativ arbeitender Bäuerinnen und Bauern zusammenfasst und beschreibt, wie diese vielversprechende Form der Landwirtschaft skalierbar ist.

„Bäuerinnen und Bauern haben einen der größten Hebel im Kampf gegen den Klimawandel im Boden und in der Hand“, sagen Ivo Degn und Philippe Birker, die Gründer der Climate Farmers, „wir müssen uns nur zusammenschließen und der Welt zeigen, wie wir unser enormes Potenzial zur Co2-Bindung und zur Regeneration von Ökosystemen auf dem Weg in eine klimapositive Zukunft nutzen können.“

Regenerative Landwirtschaft zeigt nachhaltige Lösungsvorschläge zur Überwindung der großen Herausforderungen unserer Zeit auf – der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität und die Luftverschmutzung, die Lebensmittelerzeugung und die menschliche Gesundheit könnten mit regenerativ ausgerichteten Systemen viel besser angegangen und gestaltet werden. Wie jedoch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU und die spärlichen Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Glasgow belegen, bleiben die regenerativ arbeitenden Bäuerinnen und Bauern bisher zumeist ungehört und ihre Potenziale werden nicht genutzt.

Das Manifest beschreibt den regenerativen Ansatz als einen jeweils auf die lokalen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen der Landwirt:innen angepassten systemischen Umgang mit Böden, Pflanzen und Tieren. Die 80 Bäuerinnen und Bauern haben eine gemeinsame Vision: „Wir sehen eine Zukunft, in der Lebensmittel, Futterpflanzen und nachwachsende Rohstoffe zur Energiegewinnung auf eine Art und Weise erzeugt werden, wodurch sich die Natur selbst erholt, viel mehr Co2 als bisher gespeichert wird, starke soziale Gemeinschaften wachsen und profitable Wertschöpfung für bäuerliche Betriebe entsteht.“ Um die Transformation des landwirtschaftlichen Sektors regenerativ voranzutreiben, soll der intensive Austausch aufrechterhalten werden. Weitere Climate Farming Congresses werden folgen.

Das Manifest können Sie hier als PDF herunterladen.

IWEManifest zur Regenerativen Landwirtschaft verabschiedet
Nachhaltige Ernährungspolitik für Deutschland

Nachhaltige Ernährungspolitik für Deutschland

Deutschland zählt im europäischen und internationalen Vergleich in Sachen verantwortlicher Ernährungspolitik zu den „Nachzüglern“, stellen Slow Food Deutschland und das Institut für Welternährung in einem gemeinsamen Brief an die Mitglieder des Koalitionsausschusses fest.
 
„Eine neue Regierung muss die Chance nutzen und dieses Defizit wettmachen“, betont Dr. Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung e.V. „Das Trilemma aus Klima-, Biodiversitäts- und Gesundheitskrise“, so Dr. Nina Wolff, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V., „erfordert einen entschiedenen Kurswechsel zu einer integrierten, ressortübergreifenden Ernährungsstrategie.“
 
Im Zentrum müsse die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen und Mensen stehen. Sie präge heute die Ernährungsstile von morgen. Öffentliche Kantinen sollten als Vorbilder Klima-, Gesundheits- und Nachhaltigkeitsstandards umsetzen. Um dies zu beschleunigen, sollte ein „Bundesprogramm Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung“ aufgelegt werden. Ein weiterer zentraler Aspekt liege in einer handlungsorientierten Ernährungsbildung für alle gesellschaftlichen Gruppen.
 
Insgesamt müsse das ernährungspolitische Augenmerk künftig auf fairen Ernährungsumgebungen liegen, die allen Bürgerinnen und Bürgern nachhaltige Essensentscheidungen ermöglichen.
 
Eine nachhaltige Ernährungspolitik sollte eine der Kernaufgaben der nächsten Legislatur werden. „Wir fordern mit Nachdruck, die Neuausrichtung der Ernährungspolitik als ganzheitliche Ernährungsstrategie in den Koalitionsverhandlungen voranzutreiben“, so Dr. Nina Wolff und Dr. Wilfried Bommert in ihrem Schreiben an die Mitglieder des Koalitionsausschusses.

IWENachhaltige Ernährungspolitik für Deutschland
„Cooking for Future“ erfolgreich gestartet

„Cooking for Future“ erfolgreich gestartet

„Cooking for Future“, Foto: Vuk Latinovic

„Cooking for Future“ heißt die Aktion, die vom IWE-Vorstandsmitglied Agnes Streber und ihrem Verein „Kinderleicht“ ins Leben gerufen wurde. Sie ging am 16. Oktober 2021 mit Unterstützung des Instituts für Welternährung in Gröbenzell bei München an den Start. Aushängeschild ist ein umgebautes Lastenfahrrad, auf dem eine mobile Küche installiert wurde. Die Freiluftküche ist mit Koch- und Arbeitsflächen und einer Platte für hauchdünne Pfannkuchen und Crêpes ausgestattet und funktioniert mit Kühlung, Spüle, Wasser und Abwasserbehältern fast vollkommen autark.

Das Cooking Mobil wird in der bayrischen Gemeinde Gröbenzell unterwegs sein. Als Köchinnen treten die Projektleiterinnen Nina Helleberg und Agnes Streber in die Pedalen. Ihre Devise: „Gutes Essen und gutes Klima sind kein Widerspruch. Kochen für eine gute Zukunft ist kinderleicht, wenn man weiß, wie es geht.“

v.l.: Nina Helleberg, Agnes Streber, Martin Schäfer, Foto: Vuk Latinovic

Wie notwendig eine Ernährungswende in Richtung Klima und Nachhaltigkeit ist, unterstrich der Vorstandssprecher des Instituts für Welternährung Dr. Wilfried Bommert, der zum Start der Aktion aus Berlin (mit der Bahn) angereist war. Mit dem Cooking Mobil setze Agnes Streber und ihr Verein „Kinderleicht“ ein Zeichen. Das Leuchtturmprojekt habe die Kraft, weit über die Region hinaus zu wirken.

Projektleiterin Agnes Streber und IWE-Sprecher Wilfried Bommert, Foto: Vuk Latinovic

Davon, dass die Küche funktioniert, überzeugte sich Martin Schäfer, Bürgermeister der Gemeinde Gröbenzell, persönlich. Er bereitete mit Schürze, Kochhaube und Kochlöffel bewaffnet eine Rote Beete Suppe zu. Und die habe ihn, obwohl er kein Freund der Roten Beete sei, nun doch überzeugt.

„Man muss die Menschen animieren, dann machen sie auch mit“, sagte der Bürgermeister und unterstrich damit, worum es den Projektleiterinnen Nina Helleberg und Agnes Streber bei der Aktion Cooking for Future geht: Vor allem Kindern und Jugendlichen Mut machen, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Projektleiterinnen Agnes Streber (links) und Nina Helleberg, Foto: Vuk Latinovic
IWE„Cooking for Future“ erfolgreich gestartet