Es geht voran – gemeinsam stark!

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Bericht über die Veranstaltung "München auf dem Weg zur Ernährungswende"

v.l.: Maurice Attenberger (Regionalleiter GLS Bank München), Valentin Thurn (Ernährungsrat Köln), Anja Salewski (Moderation), Jürgen Müller (Kartoffelkombinat e.V.), Michael Böhm (Ecozept), Angela Hartmann (Kinderleicht e.V.), Agnes Streber (Projektleitun

„Wo steht München auf dem Weg zur Ernährungswende? Darüber diskutierten rund 80 Teilnehmer/innen, darunter Vertreter/innen von über 20 lokalen Umwelt- und Ernährungsinitiativen bei der Veranstaltung „Lokal statt  global- gutes Essen als lokale Politik“, zu der das Institut für Welternährung (IWE) am Donnerstag (30.03.2017) in München in die Räume der GLS-Bank geladen hatte.

Vorräte für maximal drei Tage
Dass eine Ernährungswende unumgänglich sei, daran ließ der Sprecher des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert keinen Zweifel. Großstädte wie München besitzen kaum Ernährungssicherheit, ihre Vorräte reichen für maximal drei Tage. Hinzu kommt der Klimawandel, die Vernichtung von Boden, das Schrumpfen der Grundwasservorräte durch industrielle Landwirtschaft und weite Transporte der globalen Nahrungskette. Sein Fazit: „Unsere Ernährung ist nicht mehr sicher. Neue Ernährungskonzepte müssen her. Die Ernährung wird sich in Zukunft aus der Region speisen, bio und fair.“

München aus der Region ernähren – das wäre möglich
Dem stimmte auch der Michael Böhm von Ecozept zu. Der Agrarmarktforscher hat schon mal berechnet, wie viel Fläche es bedarf, um die Bevölkerung von München aus der Region zu ernähren: genau 342.600 Hektar, das entspräche der 12fachen Fläche des Münchener Stadtgebiets. Zur Zeit gehen allerdings durch Bebauung ca. 13 ha pro Tag verloren.  Dies müsse sich ändern. Die Voraussetzungen für ein regionales Ernährungskonzept stünden in München gar nicht so schlecht, befand Jürgen Müller vom Münchener Verein Kartoffelkombinat e.V. Schließlich habe die „Biostadt“ München schon einiges auf den Weg gebracht, etwa die weitgehende Umstellung  auf Bio in Kitas und städtischen Kantinen. Doch die bisherigen Bemühungen der Verwaltung allein reichen nicht aus. Erforderlich sei eine „Weitung der Perspektive“. Voraussetzung dafür sei ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis.

Einfluss auf lokale Politik verstärken
Tatsächlich gibt es in München bereits eine Vielzahl von Initiativen und Bündnissen in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit. Dies zeigte auch der Blick auf die Teilnehmer der Konferenz. Die Liste reichte von Uschi Glas mit ihrer Initiative brotZeit e.V. über Tollwood, Veranstalter des Tollwoodfestivals und Slowfood München bis zu Green City e.V. und der Schweisfurth Stiftung. Die Stärke dieser Bewegung ist ihre Vielfalt, ihre Schwäche allerdings der Mangel an gemeinschaftlicher Organisation. Doch genau darum gehe es, erklärte Jürgen Müller. Für ihn ist klar: Zur Bündelung der Kräfte braucht München einen „kommunalen Ernährungsrat“.

„Transmissionsriemen zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft“
Wie das konkret aussehen kann, erläuterte der Filmemacher Valentin Thurn, Mitbegründer des Kölner Ernährungsrates, der zeitgleich mit Berlin im Frühjahr 2016 als erster Ernährungsrat bundesweit ins Leben gerufen wurde. Nach dem Vorbild der amerikanischen Food Policy Councils setzen sich darin engagierte Bürger, Verwaltung und Politik zusammen, um gemeinsam ein „regionales Ernährungskonzept“ auf die Beine zu stellen.

Viele Stellschrauben in der lokalen Politik
Stellschrauben dafür gibt viele – auch in München, wie die anschließende Diskussion zeigte:  Das beginnt bei der Ernährung in Kitas, Schulen und öffentlichen Kantinen, geht weiter über Ernährungsbildung und Stadtplanung, z.B. die Ausweisung landwirtschaftlicher Flächen zugunsten eines ökologischen Anbaus und artgerechter Tierhaltung, bis hin zum Aufbau und Förderung von Stadt-Landpartnerschaften und regionalen Vermarktungsinitiativen.

Alle unter einen Hut
Alle Einzelinteressen zu bündeln ist nicht einfach, aber machbar, wie die Beispiele von Köln und Berlin zeigen. Auch die Münchener machen sich nun auf den Weg.  Auf der Agenda steht als nächstes die Gründung einer Lenkungsgruppe, die weitere Schritte in Richtung Ernährungsrat und Ernährungswende für München planen soll.

Weitere Presseinformationen, darunter ein Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München zur Frage, warum die Biostadt München einen Ernährungsrat braucht, finden Sie in der unten stehenden Pressemitteilung „München auf dem Weg zur Ernährungswende: Lokal statt Global – Gutes Essen als lokale Politik!“

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

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München auf dem Weg zur Ernährungswende

München auf dem Weg zur Ernährungswende

Veranstaltung am 30. März 2017, 15 - 18 Uhr, GLS Bank Filiale München

Veranstaltung: München auf dem Weg zur Ernährungswende: Lokal statt Global – Gutes Essen als lokale Politik!
Wann: Donnerstag, 30.03.2017, 15 Uhr bis 18 Uhr
Wo: GLS Bank Filiale München, Bruderstr. 5a, 80538 München

Wer bestimmt eigentlich, was auf unsere Teller kommt? Bislang werden die Weichen dafür in Berlin, Brüssel oder anderswo gestellt. Unter den Argusaugen globaler Konzerne und im Spannungsfeld der internationalen Agrarpolitik. Das soll sich in Zukunft ändern. Der Trend zu Regional, Bio und Fair ist unübersehbar, vor allem in der “Biostadt“ München. Auch in der Bürgergesellschaft gibt es schon viele Initiativen, die sich eine nachhaltige Versorgung auf die Fahnen geschrieben haben. Doch eine gemeinsame Plattform gibt es noch nicht.

Die Vielfalt dieser Initiativen sichtbar zu machen und regionale Netzwerke zu fördern, damit diese ihren Einfluss auf die lokale Politik verstärken können, das ist das Ziel des Projekts Ernährungswende, das vom Berliner Institut für Welternährung (IWE) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt auf den Weg gebracht wurde.

– Was bedeutet für München eine Ernährungswende?
– Wer engagiert sich bereits für gutes Essen aus der Region?
– Wie kann ein zukunftsfähiges Ernährungskonzept für München aussehen?
– Wie lassen sich Brücken zwischen Bürgern und Politik schlagen?
– Braucht die „Biostadt“ München überhaupt einen Ernährungsrat?
– Wie kann ich mich persönlich einbringen?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieser öffentlichen Veranstaltung, zu der Vertreter/innen von Verbänden, Handel, Landwirtschaft, Gastronomie, Politik und Forschung sowie alle an einer Ernährungswende Interessierten eingeladen sind.

Zu den Gästen zählt u.a. der Dokumentarfilmer („Taste the Waste“ und „10 Milliarden“) und Mitinitiator des Kölner Ernährungsrates Valentin Thurn, der über seine Erfahrungen berichten wird.

Informationen zum genauen Programmablauf sowie das Anmeldeformular finden Sie nachstehend zum Download:

Weitere Presse-Informationen – ein Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München, Hintergrundinformationen zum Projekt Ernährungswende sowie das IWE Metropolenprojekt Dossier – finden Sie nachstehend zum Download:

Die Teilnahme an der Veranstaltung „München auf dem Weg zur Ernährungswende“ ist kostenfrei. Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung per Email an: ernaehrungswende@institut-fuer-welternaehung.org

Kontakt:
Agnes Streber
Email: agnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org
Telefon: 089716775030, Fax: 089716775031

Dieses Projekt wird gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

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Handreichung: Wie Suffizienzpolitiken gelingen

Handreichung: Wie Suffizienzpolitiken gelingen

Eine Handreichung von Manfred Linz, Wuppertal Institut

In seiner Handreichung „Wie Suffizienzpolitiken gelingen“, die sich sowohl an politische EntscheiderInnen wie an aktive BürgerInnen richtet, geht Manfred Linz der Frage nach, auf welche Weise staatliche Maßnahmen dieser Art mit ihren Anreizen, aber eben auch mit ihren Grenzsetzungen und Verboten in der Wahlbevölkerung annehmbar werden können. Dafür untersucht Manfred Linz acht Politiken – unter anderem den Veggie Day der Grünen und die Lebensmittelampel-, um aus ihnen Merkmale für die Akzeptanz von Suffizienzpolitiken zu gewinnen.

Die Handreichung „Wie Suffizienzpolitiken gelingen – eine Handreichung“, Autor: Manfred Linz, Wuppertal Spezial Nr. 52, Wuppertal Institut gibt es hier als PDF zum Download.

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Berlin nachhaltig und regional ernähren

Berlin nachhaltig und regional ernähren

Ernährungsrat Berlin trifft rot-rot-grünen Senat

Im August Bebel Haus im Berliner Wedding traf sich Ende Januar 2017 die Berliner Zivilbevölkerung mit dem rot-rot-grünen Senat. Auf der Tagesordnung stand die Zukunft der Stadternährung: Wie und woher wird sich Berlin im 21. Jahrhundert ernähren?

Wortführer auf der Bürgerseite war der Berliner Ernährungsrat mit Udo Tremmel. Ihm gegenüber Margit Gottstein, die frisch gebackene Staatssekretärin für Verbraucherschutz im neuen Senat, auch Sachverwalterin für Ernährung und Landwirtschaft. Sie hielt nicht lange damit hinter dem Berg, dass sie die Initiative der Zivilbevölkerung für eine nachhaltige Ernährung Berlins mit Sympathie begleitet.

Als Arbeiterkind mit Lebenserfahrung im Kleinbauernmilieu liegt ihr vor allem eins am Herzen: Dass beim Umbau des Berliner Ernährungssystems gerade für die „kleinen Leute“, besseres, gesünderes und vor allem preiswertes Essen herausspringt. Und, dass die mehr als 75 Prozent der Berliner, die sich nach den Erhebungen des Demoskopen aus der Region ernähren möchten, nicht enttäuscht werden.

Aber sie machte auch keinen Hehl daraus, dass bis dahin ein steiniger Weg vor ihr liegt. Der dickste Brocken ist der Nachbar Brandenburg. Das Land schwebt weiter auf der Wolke industrieller und globalisierter Landwirtschaft, Großmastanlagen und Export, auch wenn die Bevölkerung sich im Vorjahr mit 100.000 Unterschriften gegen diesen Weg ausgesprochen hat. Mit diesem Nachbarn über die Ernährung der Berliner Bevölkerung zu sprechen, über regionale Kreisläufe, über Bio und Fair, wird kein Spaziergang für die Neue im Amt und für die Zivilbevölkerung eine Abenteuertour.

Aber sie will das Projekt angehen, noch vor der Mitte der Legislatur soll das Eis zwischen Berlin und Potsdam gebrochen sein. In der zweiten Hälfte ihrer Regierung will Margit Gottstein dann Ergebnisse präsentieren. Das will sie nicht im Alleingang meistern  sondern mit der Zivilgesellschaft Berlins, mit dem Ernährungsrat. Denn der hat es schließlich, auch zu ihrer Überraschung, politisch schon weit gebracht – bis in den Koalitionsvertrag von Rot-Rot-Grün. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie die Ernährungslandschaft Berlins mit den Bürgern auf ein neues Fundament stellen will: Regional, transparent, wahlfrei, bio. Und sie sagt es ohne zu zögern: Die Vision des Berliner Ernährungsrates, die Stadt wieder aus der Region zu ernähren, wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Zukunft des Essens der Berliner scheint nach diesem Treffen eine feste Ansprechpartnerin im neuen Senat gefunden zuhaben. Der Ernährungsrat Berlin ist zum Partner einer neuen Ernährungspolitik geworden. Gelungene Anbahnung einer politischen Ehe. Die Stimmung im August Bebel Haus im Berliner Wedding versprach am Abend des 26. Januars viel. Wie sich die Hoffnungen nun in regionale Politik ummünzen lassen, muss der Alltag zeigen. Vorschusslorbeeren gab es schon, aber mit Berliner Understatement. „Hätte schlechter kommen können“, so das Resümee einer Teilnehmerin.

Sabine Jacobs

IWEBerlin nachhaltig und regional ernähren
Übergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung

Übergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die von der Bundesregierung Anfang Januar 2017 beschlossen wurde, läuft ins Leere, wenn sie keine solide Basis in der deutschen Forschungslandschaft erhält. Dies stellt das „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ fest, das heute von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen der Bundesregierung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft übergeben wird.

Die Regierung fordere in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zwar den Ausbau der Ökologischen Landwirtschaft und eines gesunden Ernährungssystems. Bisher jedoch fließt der weitaus größte Teil der Forschungsförderung in Deutschland noch immer in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie.

„Die ist eine Fehlallokation von Steuergeldern und trägt nicht dazu bei, die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Sie werden vielmehr gefährdet“, erklärt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V., Berlin.

Hier müssen die Weichen der Forschungsförderung neu gestellt werden, fordert das Memorandum, das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Naturfreunde Deutschland, Slow Food Deutschland und dem Institut für Welternährung – World Food Institute e.V. (IWE) getragen wird. Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen sei nur durch eine grundlegende Wende des Agrar- und Ernährungssystems und seiner Wissenschaften zu gewährleisten.

„Wenn die Bundesregierung ernsthaft Hunger und Fluchtursachen bekämpfen will“, betont der Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V., „dann muss sie eine Neuverteilung der öffentlichen Fördermittel zur Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung auf den Weg bringen.“

Das Memorandum wird neben der Bundesregierung auch der Deutschen Forschungsgemeinschaft und an die Bundesländer übergeben.

Memorandum-122016.pdf
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IWEÜbergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung
Ernährungswende: Berlin, Köln, München und Hamburg gehen voran

Ernährungswende: Berlin, Köln, München und Hamburg gehen voran

Institut für Welternährung fordert kommunalen Masterplan für nachhaltige Ernährung
Umweltbundesamt fördert das außergewöhnliche bundesweite Projekt

Wer bestimmt eigentlich, was auf unsere Teller kommt? Bislang werden die Weichen dafür in Brüssel gestellt. Unter den Argusaugen globaler Konzerne und im Spannungsfeld der internationalen Agrarpolitik. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Die Frage, wie wir uns ernähren, woher unser Essen kommt und wie es erzeugt wird, soll künftig Bestandteil kommunaler Politik werden. Regionale Ernährungskreisläufe sollen den ökologischen Rucksack unserer Ernährung verringern und helfen, die Last an Klimagasen, die von Land- und Ernährungswirtschaft ausgehen, zu reduzieren. Das ist das Ziel des „Projektes Ernährungswende“, das das Berliner Institut für Welternährung (IWE) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt jetzt auf den Weg gebracht hat.

Bislang sind Lokalpolitiker hierzulande noch weit davon entfernt, sich Gedanken über die Ernährung ihrer Bürger zu machen. Es gibt regionale Bebauungspläne, Sozialpläne, Finanzpläne – regionale Ernährungspläne gibt es bislang noch nicht.

Dabei ist der Trend zu Regional, Bio und Fair unübersehbar. Immer mehr Menschen möchten wissen, woher ihr Essen kommt. Verbraucher beginnen, sich selbst zu organisieren. In den vergangenen Jahren sind so viele Initiativen entstanden. Urban-Gardening-Projekte zählen dazu, ebenso wie Lebensmittelretter, Erzeuger-Verbraucher-Zusammenschlüsse, die Solidarische Landwirtschaft oder die Grünen Kisten.

„Die Stärke dieser Bewegung ist ihre Vielfalt, die Schwäche ihre Unübersichtlichkeit und der Mangel an gemeinschaftlicher Organisation“, sagt Wilfried Bommert, Sprecher des IWE.

Doch genau das ist wichtig, wenn die Bewegung politische Durchschlagskraft entfalten soll. Ziel des Projektes ist es deshalb, „die Vielfalt der Initiativen sichtbar zu machen und regionale Netzwerke zu fördern, damit diese ihren Einfluss auf die lokale Politik verstärken können“.

Wie das aussehen kann, haben die Städte Köln und Berlin schon vorgemacht. Hier gibt es seit Frühjahr 2016 die ersten „Kommunalen Ernährungsräte“ bundesweit.

Nach dem Vorbild der amerikanischen Food Policy Councils haben sich darin Vertreter aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik zusammengetan, um gemeinsam ein regionales Ernährungskonzept auf die Beine zu stellen. Ein solcher „Kommunaler Masterplan“ sichert nicht nur die urbane Ernährung, sondern trägt darüber hinaus auch zur Klimaentlastung bei.

Tatsächlich gibt es viele kommunale Stellschrauben, wie eine nachhaltige Ernährung vor Ort gefördert werden kann. Das beginnt bei der Ernährung in Kitas und Schulen, geht über die Großküchen von Verwaltungen, Heimen, Krankenhäusern und Hochschulen, bis hin zum Abschluss von Lieferverträgen mit regionalen Landwirten. Dabei geht es auch um politisch höchst brisante Themen wie die Ausweisung von neuen Standorten für lokales Ernährungsgewerbe oder die kommunale Flächenplanung, in der in Zukunft neben lukrativen Wohn-  und Gewerbeimmobilien auch neue Anbauflächen für das Obst, Gemüse und Getreide ihren Platz finden sollen.

Im Rahmen des „Projektes Ernährungswende“ fördert und dokumentiert das Institut für Welternährung solche Bestrebungen in insgesamt vier Städten. Neben Köln und Berlin stehen Hamburg und München auf der Agenda. Für Projektleiterin Agnes Streber, Ernährungsinstitut KinderLeicht, haben diese Städte aufgrund ihrer Größe eine besondere Vorreiterfunktion. „Was hier auf die Beine gestellt wird, soll ausstrahlen auf andere Städte und Gemeinden. Nachhaltige Ernährung mithilfe regionaler Ernährungskonzepte in der lokalen Politik verankern, das ist unser erklärtes Ziel!“

Vorgestellt werden die Ergebnisse dann im Oktober 2017 anlässlich des Welternährungstages im Rahmen einer nationalen Tagung, auf der alle Stakeholder Gelegenheit haben werden, über ihre Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen.

Das Projekt wird vom Umweltbundesamt gefördert und läuft bis Dezember 2017.

Kontakt:
Agnes Streber, Projektleitung
Ernährungsinstitut KinderLeicht
Pasinger Bahnhofsplatz 3
81241 München
Tel. 089 / 716 77 50 – 30
Email: agnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org

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Bayer und Monsanto: Eine Ehe, zum Scheitern verurteilt

Bayer und Monsanto: Eine Ehe, zum Scheitern verurteilt

Kommentar von Wilfried Bommert

Stephen Melkisethian/Flickr

Sie haben es also doch geschafft. Bayer heiratet Monsanto. Kosten: 66 Milliarden. Das Geld will verdient sein. Die Frage ist nur, wie. Denn das Geschäftsmodell, das dem Brautkauf zu Grunde liegt, ist brüchig.

Die industrielle Landwirtschaft mit Gentech-Hochleistungspflanzen und Pestiziden von Bayer und Monsanto könnte schon bald an ihre Grenzen kommen.

Nicht weil die Welt aufhört zu essen. Nein, die Weltbevölkerung wird wachsen und sie wird auch jeden Tag satt werden wollen. Sondern weil der Treibstoff dieser Form der Landwirtschaft, der synthetische Stickstoffdünger, ein massives Problem hat, ein Treibhausgasproblem.

Synthetischer Stickstoff ist einer der größten Treiber im Treibhaus Erde. Und wer die Welt vor dem Klimakollaps retten will, kommt nicht daran vorbei hier Grenzen zu setzen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird der Klimagasausstoß gegen Null gehen müssen, sonst ist das Klimaziel der Weltgemeinschaft von 2 Grad nicht zu halten. Und das wäre das Ende des synthetischen Stickstoffs.

Wenn aber der synthetische Stickstoff aus Klimagründen aus dem Verkehr gezogen werden muss, dann können sich auch die Gentech-Hochleistungspflanzen nicht mehr halten, denn sie sind auf ihn angewiesen. Was dann die Welt ernähren wird, ist eine Landwirtschaft, die ohne synthetischen Stickstoff auskommen muss. Es wird eine Ökologische sein. Und die verträgt sich überhaupt nicht mit dem zweiten Geschäftsfeld dieser Ehe, den Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden.

Was dann? Dann ist die Ehe gescheitert. Und die 66 Milliarden, die sie gekostet hat, in den Wind gesetzt? Auch wenn der Jubel über die Eheschließung laut ist, er wird nicht von Dauer sein.

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Massentierhaltung: Eine Notbremse, die nicht ausreicht

Massentierhaltung: Eine Notbremse, die nicht ausreicht

Kommentar von Wilfried Bommert zum Gesetzesentwurf von Barbara Hendricks zur Massentierhaltung

Martin Abegglen/Flickr

Über den Umweg des Baurechts will die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Massentierhaltung in Deutschland eindämmen. Künftig sollen Kommunen selbst entscheiden können, ob sie den Bau von Megaställen zustimmen oder nicht. Zu den weiteren Plänen des Ministeriums gehört die Beseitigung eines Schlupflochs, das es Investoren ermöglicht, einen Megastall auf dem Papier in viele kleine Ställe aufzuteilen. Verschärft werden sollen für die Großbetriebe außerdem die Anforderungen an die Luftreinigung.

Eine Notbremse, die nicht ausreicht
Kommentar von Wilfried Bommert

„Barbara Hendricks will dem weiteren Ausbau der Massentierhaltung nicht mehr tatenlos zusehen. Die Bundesumweltministerin zieht die Notbremse. Das ehrt sie. Doch auf dem Weg in eine klimaverträgliche, nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft ist das nur ein erster Schritt. Eine Notbremse verhindert. In Zukunft aber geht es um Gestalten.

Es geht um ein neues Modell für eine Land- und Ernährungswirtschaft im 21. Jahrhundert, die wieder innerhalb der planetüren Grenzen operiert. Die weder den Klimawandel weiter anheizt, noch die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserreserven vernichtet. Die zur Stabilität der Welternährung durch Vielfalt und regionale Kreisläufe beiträgt. Die Bauern und Bäuerinnen wieder stolz sein lässt auf die Produkte ihrer Hände Arbeit. Die Anerkennung genießt, wegen ihrer Leistungen für das Wohl der Tiere und die Erhaltung unserer Landschaften.

Die Umweltministerin versucht mit ihrem Pfiff, die Politik ihres Kabinettskollegen publikumswirksam auszubremsen. Doch wenn sie die Landwirtschaft für das 21. Jahrhundert fit machen will, dann kommt sie an einer Agrar- und Ernährungswende nicht vorbei. Der Wahlkampf hat begonnen. Das wäre ein Thema, um das es sich zu kämpfen lohnte.“

Das Video-Statement von Barbara Hendricks zur Massentierhaltung und die „Informationspapiere zur Intensivtierhaltung“ des BMUB finden Sie hier.

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Wer ernährt uns eigentlich?

Wer ernährt uns eigentlich?

Beitrag von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) widmet sich aktuell mit einem Dossier dem Thema Welternährung. Der Themenschwerpunkt startete mit einem Beitrag von IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert unter dem Titel „Wer ernährt uns eigentlich?“. Derzeit leben sieben Milliarden Menschen auf der Welt, im Jahr 2050 könnten es bereits 10 Milliarden sein. In seinem Beitrag gibt Wilfried Bommert einen Überblick darüber, woher unsere Nahrungsmittel kommen, wie sie gehandelt werden und wer die Regeln macht.

„Zwischen Köln und Kapstadt, New York und New Delhi leben derzeit mehr als sieben Milliarden Menschen. Ihre Mehrzahl wird heute noch von Kleinbauern, genauer gesagt von Kleinbäuerinnen ernährt. Sie leben auf Höfen von weniger als zwei Hektar Größe (in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 60 Hektar), aber sie produzieren über 70 Prozent der Nahrung weltweit. Das meiste Farmland bewirtschaften jedoch große Betriebe mit mehr als 50 Hektar. Obwohl diese nur ein Prozent der Farmer ausmachen, bearbeiten sie 65 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Welt. Die industrielle Landwirtschaft, die das Agrarsystem in den Industrie- und Schwellenländern prägt, trägt bisher noch deutlich weniger zur Welternährung bei. Sie sorgt jedoch mit hohem Einsatz von Energie, Wasser, Dünger und Hochleistungspflanzen für Überschüsse, die exportiert werden können.“

Den vollständigen Artikel von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie hier, das bpb-Dossier „Welternährung“ hier.

Beitragsbild: Seaweed Farmer Jazaa in Zanzibar, Tanzania, Foto: Natalija Gormalova / Climate Visuals Countdown, CC BY-NC-ND 4.0

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Ernährungsrat Hamburg

Ernährungsrat Hamburg

Auch in Hamburg befindet sich ein Ernährungsrat mitten in den Vorbereitungen zur Gründung. So findet beispielsweise am 02. Mai 2016 ein Brainstorming-Treffen statt. Dort wird über die grundlegende Struktur und Ausrichtung eines Ernährungsrates für Hamburg gesprochen, u. a. über Organisation, Zielsetzung und mögliche Projekte. Mehr.

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