Dossier: Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

Dossier: Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

IWE-Dossier: 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt

Das Weltklima wird ohne eine drastische Veränderung der Landwirtschaft nicht zu retten sein. Das ist das Ergebnis des Dossiers: „Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt“, das das Institut für Welternährung – World Food Institute e.V., Berlin, IWE, anlässlich der Klimakonferenz in Marrakesch vorlegt.

Die Landwirtschaft trägt global zu einem Viertel zur Klimabelastung bei. Zu den stärksten Treibern im System der modernen Agrarwirtschaft zählt der synthetische Stickstoffdünger. „Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung wird sein Gebrauch in Zukunft weiter massiv steigen,“stellt der Sprecher des IWE Dr. Wilfried Bommert fest. Bisher gebe es für diesen Bereich jedoch weder klare Reduktionsziele noch eine wirksame Begrenzungsstrategie. Auch in ihrem Klimaschutzplan für Marrakesch habe sich die Bundesregierung nicht dazu durchringen können, den synthetischen Stickstoff als Klimaproblem anzusprechen.

„Es ist zwingend notwendig, die synthetische Düngung grundlegend zu überdenken und an ihre Stelle organische Quellen der Stickstoffversorgung zu setzen,“ erklärt Bommert, der auch Mitautor des Dossiers ist. „Aus Klimasicht empfiehlt sich bis 2050 eine Doppelstrategie: Zum einen Ausstieg aus der mineralischen Stickstoffdüngung und zum anderen der zügige Einstieg in eine flächendeckende agrarökologische Bewirtschaftung.“

Wenn die Landwirtschaft nicht stärker in die Bemühungen zur Verringerung der Treibhausgase einbezogen wird, sieht das Institut für Welternährung die Ziele der Bundesregierung bei Klimaschutz und Welternährung in Gefahr, In einem Brief an die Bundeskanzlerin fordert das IWE von der Bundesregierung, den gegenwärtig favorisierten Weg einer vom synthetischen Stickstoff getriebenen Landwirtschaft zu verlassen und durch Gesetzgebung wie auch durch Forschungsförderung die Agrarökologie ins Zentrum ihrer Bemühungen zu rücken.

„Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt“, Recherche: Anne Preger, Redaktion: Wilfried Bommert und Manfred Linz. Veröffentlicht 15.11.2016

IWEDossier: Zerstört die Landwirtschaft das Klima?
Studie: Unter falscher Flagge? Entwicklungspolitik der New Alliance for Food Security and Nutrition

Studie: Unter falscher Flagge? Entwicklungspolitik der New Alliance for Food Security and Nutrition

Entwicklungspolitik der New Alliance for Food Security and Nutrition

Die Entwicklungspolitik der G7, die unter der „New Alliance for Food Security and Nutrition“ firmiert, droht die Flüchtlingsströme aus Afrika massiv zu verstärken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V.

2012 schlossen sich die damaligen G7-Staaten plus Russland unter dem Namen „New Alliance for Food Security and Nutrition“ mit führenden Weltkonzernen zusammen, um Hunger und Armut in Afrika zu bekämpfen. Doch bei genauerer Betrachtung könnte sie das genaue Gegenteil bewirken. Nach Schätzungen des Instituts läuft die G7 Politik darauf hinaus, in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Kleinbauern in Afrika zu entwurzelt und in die Slums der großen Städte abzudrängen.

„Das Programm der New Alliance kann sich auf mittlere Sicht als Brandbeschleuniger für die Flüchtlingsströme nach Europa erweisen und nicht als Hilfe gegen Hunger und Armut in Afrika“, warnt der Sprecher des Instituts für Welternährung Dr. Wilfried Bommert.

Anja Humburg, Wilfried Bommert: UNTER FALSCHER FLAGGE? Entwicklungspolitik der New Alliance for Food Security and Nutrition, 20.06.2015:

IWEStudie: Unter falscher Flagge? Entwicklungspolitik der New Alliance for Food Security and Nutrition
Landgrabbing: Wie der Hunger nach Boden die Welternährung bedroht

Landgrabbing: Wie der Hunger nach Boden die Welternährung bedroht

Beitrag von Wilfried Bommert im Dossier "Migration und Entwicklung" der bpb

Tropical forest deforestation for oil palm plantations in Costa Rica/ Wikipedia Commons

Der Beitrag „Landgrabbing: Wie der Hunger nach Boden die Welternährung bedroht“ von IWE-Sprecher Wilfried Bommert erschien im Dossier „Migration und Entwicklung“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Private Investoren und staatliche Akteure aus Industrie- und Schwellenländern sichern sich durch Direktinvestitionen, Kaufverträge oder langfristige Pachtverträge große Agrarflächen in Entwicklungsländern – eine Praxis, die auch als Landgrabbing bzw. Landnahme bezeichnet wird. In seinem Beitrag untersucht Wilfried Bommert die Fragen, wer die Drahtzieher hinter diesen Geschäften sind, was sie antreibt und welche Konsequenzen die Landnahme für die Welternährung hat.

Den Artikel „Landgrabbing: Wie der Hunger nach Boden die Welternährung bedroht“ finden Sie hier.

Das Dossier „Migration und Entwicklung“ der bpb hier.

IWELandgrabbing: Wie der Hunger nach Boden die Welternährung bedroht
Verbrannte Mandeln: Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht

Verbrannte Mandeln: Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht

von Wilfried Bommert und Marianne Landzettel

Klimawandel ist die Sache der anderen? Falsch: Er wird uns schneller erreichen, als uns lieb ist und er trifft uns in unserer Komfortzone. Bei Kaffee, beim Rotwein, auf der Grillplatte, beim Spargelessen, bei den Oliven. Er greift nach der süßen Seite unseres Lebens, nach Kakao und Schokolade. Selbst Austern und Miesmuscheln sind in Gefahr. Orangensaft adé. Mandeln verbrannt! Was tun?

Selbst Tee trinken hilft nicht mehr weiter. Die Monokulturen halten den Stress von Hitze und Dürre nicht aus. Die Saatgut-Monopole der Welt-Landwirtschaft haben auf die falschen Pflanzen gesetzt. Ihre Hochleistung lässt sich nicht durchhalten. Der Klimawandel zeigt der industriellen Landwirtschaft ihre Grenzen auf. Zu viel oder zu wenig Regen, zu hohe oder zu niedrige Temperaturen bringen die Ernten ebenso in Gefahr wie neue Schädlinge. Die Kosten steigen, Anbaugebiete müssen aufgegeben werden. Unser Teller wird sich leeren, wenn die Weltlandwirtschaft nicht neu aufgestellt wird, und zwar vielfältig und ökologisch, robust gegenüber Wetterextremen.

Zwei ausgewiesene Experten zeigen anhand von zehn beliebten Nahrungsmitteln die Folgen des Klimawandels und beantworten die Frage, wie wir den veränderten Bedingungen begegnen können: Die Agrarwende steht an, nur Nachhaltigkeit kann unsere Ernährung sichern.

Über die Autoren:

Wilfried Bommert, promovierter Agrarwissenschaftler, war Begründer und Leiter der Umweltredaktion des WDR und ist Mitbegründer des Instituts für Welternährung, Berlin.

Marianne Landzettel ist Journalistin, sie arbeitete für SDR/SWR, Zeitfunk und Landfunk, war zehn Jahre bei BBC World Service tätig. Seit 2013 arbeitet sie als freie Journalistin (Schwerpunkt Nahrungsmittel und Landwirtschaft). Schreibt für Medien in Deutschland und den USA, in Großbritannien regelmäßiger Blog für die Soil Association. Sie lebt in London.

Mehr Informationen zum Buch sowie eine Leseprobe finden Sie hier.

IWEVerbrannte Mandeln: Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht
Handreichung: Wie Suffizienzpolitiken gelingen

Handreichung: Wie Suffizienzpolitiken gelingen

Eine Handreichung von Manfred Linz, Wuppertal Institut

In seiner Handreichung „Wie Suffizienzpolitiken gelingen“, die sich sowohl an politische EntscheiderInnen wie an aktive BürgerInnen richtet, geht Manfred Linz der Frage nach, auf welche Weise staatliche Maßnahmen dieser Art mit ihren Anreizen, aber eben auch mit ihren Grenzsetzungen und Verboten in der Wahlbevölkerung annehmbar werden können. Dafür untersucht Manfred Linz acht Politiken – unter anderem den Veggie Day der Grünen und die Lebensmittelampel-, um aus ihnen Merkmale für die Akzeptanz von Suffizienzpolitiken zu gewinnen.

Die Handreichung „Wie Suffizienzpolitiken gelingen – eine Handreichung“, Autor: Manfred Linz, Wuppertal Spezial Nr. 52, Wuppertal Institut gibt es hier als PDF zum Download.

IWEHandreichung: Wie Suffizienzpolitiken gelingen
Wer ernährt uns eigentlich?

Wer ernährt uns eigentlich?

Beitrag von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) widmet sich aktuell mit einem Dossier dem Thema Welternährung. Der Themenschwerpunkt startete mit einem Beitrag von IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert unter dem Titel „Wer ernährt uns eigentlich?“. Derzeit leben sieben Milliarden Menschen auf der Welt, im Jahr 2050 könnten es bereits 10 Milliarden sein. In seinem Beitrag gibt Wilfried Bommert einen Überblick darüber, woher unsere Nahrungsmittel kommen, wie sie gehandelt werden und wer die Regeln macht.

„Zwischen Köln und Kapstadt, New York und New Delhi leben derzeit mehr als sieben Milliarden Menschen. Ihre Mehrzahl wird heute noch von Kleinbauern, genauer gesagt von Kleinbäuerinnen ernährt. Sie leben auf Höfen von weniger als zwei Hektar Größe (in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 60 Hektar), aber sie produzieren über 70 Prozent der Nahrung weltweit. Das meiste Farmland bewirtschaften jedoch große Betriebe mit mehr als 50 Hektar. Obwohl diese nur ein Prozent der Farmer ausmachen, bearbeiten sie 65 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Welt. Die industrielle Landwirtschaft, die das Agrarsystem in den Industrie- und Schwellenländern prägt, trägt bisher noch deutlich weniger zur Welternährung bei. Sie sorgt jedoch mit hohem Einsatz von Energie, Wasser, Dünger und Hochleistungspflanzen für Überschüsse, die exportiert werden können.“

Den vollständigen Artikel von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie hier, das bpb-Dossier „Welternährung“ hier.

Beitragsbild: Seaweed Farmer Jazaa in Zanzibar, Tanzania, Foto: Natalija Gormalova / Climate Visuals Countdown, CC BY-NC-ND 4.0

IWEWer ernährt uns eigentlich?
Studie: Mit Bioökonomie die Welt ernähren?

Studie: Mit Bioökonomie die Welt ernähren?

IWE-Studie: Welternährung kann nicht nachhaltig durch Bioökonomie gesichert werden

Anlässlich des „Global Bioeconomy Summit“, der vom 24. bis 26. November unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung in Berlin stattfindet, stellt das Institut für Welternährung – World Food Institute (IWE) die Versprechen und Folgen der Bioökonomie auf den Prüfstand. Die Studie, die mit Unterstützung der Schweisfurth-Stiftung erstellt wurde, trägt den Titel „Mit Bioökonomie die Welt ernähren?“. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss: Bioökonomie leistet keinen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Welternährung. Im Gegenteil, sie droht weltweit den Kampf um biologische Rohstoffe und Ackerflächen anzutreiben, die Lebensmittelpreise zu erhöhen, und damit das Risiko von Hunger, Armut und Flucht zu vergrößern.

Im Konzept der Bioökonomie wird die Natur, egal ob wild oder kultiviert, egal ob Getreide, Öl-, Eiweiß-, Faserpflanzen, Holz oder Zucker, zum Rohstofflager einer globalen Industrie erklärt. Biotechnologische Verfahren, von der Gentechnik bis zur synthetischen Biologie, mit deren Hilfe die Schöpfung neu programmiert werden soll, gehören zu ihren Werkzeugen. Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Mitautor der IWE Studie, sieht darin Hochrisikotechnologien ohne Rückfahrkarte. Und er stellt fest: „Die Wunderwaffen der Bioökonomie können nach hinten losgehen“.

Hinzu kommt: Bioökonomie setzt auf Großtechnik. Auf Bioraffinerien, die nur von kapitalkräftigen Unternehmen betrieben werden können. Mittel- und Kleinbetriebe haben in dieser Wirtschaftsform keine Chance. Dies auch, weil Bioökonomie nur großflächig funktioniert. Als Folge zeichnet sich eine wachsende Konkurrenz um Land ab, wie heute schon in Afrika und Asien zu beobachten ist. Landgrabbing, das Aneignen von Bauernland durch Großkonzerne, ist in vielen Ländern Afrikas und Asiens bereits zerstörerische Praxis. Kleinbauern und Bäuerinnen, die mehr als zwei Drittel der Arbeitsplätze in Afrika stellen, werden verdrängt. Nach Schätzungen des IWE läuft das Modell der Bioökonomie darauf hinaus, dass in den kommenden Jahren mehrere 100 Millionen Kleinbauern in Afrika und Asien entwurzelt und in die Slums der großen Städte abgedrängt werden.

Die Absicht, Bioökonomie weltweit zur industriellen Leitkultur zu machen, droht auch die Nahrungsmittelmärkte zu erfassen. Die Konkurrenz um Ackerland und damit die Konkurrenz zwischen Tank und Teller wird massive Preissteigerungen zur Folge haben. Zu fürchten ist, dass sich dieses Wirtschaftsmodell auf mittlere Sicht als Brandbeschleuniger für die Flüchtlingsströme nach Europa erweisen wird und nicht als Hilfe gegen Hunger und Armut, wie es selbst verspricht, warnt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung. Angesichts der Flucht von 100 Tausenden sei es höchste Zeit, die Versprechen der Bioökonomie und ihre Risiken erneut kritisch zu prüfen. Milliarden, die heute in die Förderung der Bioökonomie gesteckt werden, wären in der Entwicklung nachhaltiger Ernährungskonzepte besser angelegt, so die Studie, insbesondere, wenn es darum geht, Armut und Hunger als Fluchtursachen wirkungsvoll zu bekämpfen.

Die Studie „Mit Bioökonomie die Welt ernähren?“ von Franz-Theo Gottwald und Joachim Budde wurde mit Unterstützung der Schweisfurth- Stiftung erstellt.

Beitragsbild: Menschen bringen Feuerholz in das Flüchtlingscamp Kutupalong, Foto: European Union 2018, CC BY-NC-ND 2.0

IWEStudie: Mit Bioökonomie die Welt ernähren?