Spendenaufruf für unser Projekt:
„Ernährungswende braucht regenerative Landwirtschaft“

Spendenaufruf für unser Projekt:
„Ernährungswende braucht regenerative Landwirtschaft“

Liebe Freund*innen des IWE,

dank vieler Spender*innen und Unterstützer*innen konnte das Institut für Welternährung in den letzten 10 Jahren den dringend notwendigen ökologischen Wandel unserer Ernährungslandschaft vorantreiben. Dieser Einsatz für eine gesunde Ernährung trägt mittlerweile Früchte. Die Ernährungswende ist dort angekommen, wo die Mehrheit der Menschen lebt. In mehr als 60 Städten in der Bundesrepublik sind ökologisch nachhaltige und regionale Ernährungskreisläufe im Aufbau, bei allen steht gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen im Fokus. 

Das ist ein Anfang. Doch die klimaverträgliche Transformation tut sich schwer, besonders die der Landwirtschaft. Hier fehlt es an Vorbildern, an Brücken, die aus dem fossilen Wirtschaftsmodell in eine klimaverträgliche Zukunft führen, die Bodenleben, Wasserreserven und Vielfalt nicht nur erhalten, sondern wieder aufbauen. 

Doch es gibt Vorreiter, die heute schon diese Form der regenerativen Landwirtschaft betreiben. Wir wollen die Beispiele, die heute schon unterwegs sind, in einem Projekt 2024 recherchieren, auf ihren Erfolg hin prüfen, die Erfahrungen zusammentragen und für die öffentliche Diskussion aufbereiten. Und dann die zusammenführen, die der Idee zum praktischen und politischen Durchbruch verhelfen können. 

Diese Agrarwende wollen wir beschleunigen, indem wir neue Kräfte mobilisieren, die den Wandel über die Märkte vorantreiben. Zum einen die Großen im Handel, die ein wirtschaftliches Interesse haben und ihr Image nicht durch Glyphosat und andere Pestizide beschädigen wollen. Es gilt, die Aldis, Lidls und REWEs zu motivieren, Glyphosat und andere Pestizide aus ihren Angeboten zu verbannen. Freiheit von Glyphosat und anderen Pestiziden soll auch die Messlatte der Kantinen des Bundes, insbesondere des Landwirtschaft- und Umweltministeriums werden. Sie sind Vorbild für die öffentliche Kantinenwirtschaft besonders in Kitas und Schulen. Die Macht des Marktes bringt eine ökologische regenerative Landwirtshaft vielleicht schneller voran als eine Politik, die sich gegen die übermächtige Lobby der Agrarkonzerne nicht durchsetzen kann.

Dies ist unser Projekt für 2024: „Ernährungswende braucht regenerative Landwirtschaft“. Damit wir es umsetzen können, benötigen wir Finanzen. Unsere Mitgliedsbeiträge reichen dafür leider nicht. Ohne zusätzliche Spenden werden wir das Projekt, das rund 35.000 Euro kosten wird, nicht stemmen können. Mit Eurer/Ihrer Spende wäre es aber machbar. Deshalb wende ich mich an Euch/Sie mit der Bitte um weitere Unterstützung und Förderung. Und so geht’s:

Überweisung an:
Institut für Welternährung
GLS Bank
IBAN DE54 4306 0967 1138 5065 00
BIC GENODEM1GLS
Stichwort: „Ernährungswende braucht regenerative Landwirtschaft“

Selbstverständlich nehmen wir – wenn gewünscht – Namen und/oder Logo des Unternehmens auf unserer Website als Unterstützer*innen auf. 

In der Hoffnung, dass unser Projekt „Ernährungswende braucht regenerative Landwirtschaft“ auf Euer/Ihr Wohlwollen und Zustimmung stößt, wünsche ich im Namen des gesamten Vorstandes ein erfolgreiches und hoffentlich friedvolleres neues Jahr. 

Wilfried Bommert
Sprecher des Vorstandes

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Kino-Tipp: Der Dokumentarfilm „Holy Shit“ von Rubén Abruña

Kino-Tipp: Der Dokumentarfilm „Holy Shit“ von Rubén Abruña

Was geschieht mit der Nahrung, die wir verdauen, nachdem sie unseren Körper verlassen hat? Ist es Abfall, der weggeworfen wird, oder eine Ressource, die wiederverwendet werden kann? Auf der Suche nach Antworten begibt sich der Regisseur Rubén Abruña in seinem Dokumentarfilm „Holy Shit“ auf eine investigative und unterhaltsame Suche durch 16 Städte auf 4 Kontinenten. Er folgt der Fäkalienspur von den langen Pariser Abwasserkanälen bis zu einer riesigen Kläranlage in Chicago. Die vermeintliche, weltweit angewandte Lösung, die halbfesten Überreste der Kläranlage als Dünger zu verwenden, erweist sich als wahrer Albtraum, denn sie enthalten Schwermetalle und giftige PFAS-Chemikalien.

Können Ausscheidungen für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden und die drohende Düngerknappheit lindern? Rubén Abruña trifft die Poop Pirates aus Uganda, die mit ihrer Arbeit und ihren Liedern den Menschen beibringen, wie sie Fäkalien in sicheren Dünger verwandeln können. Im ländlichen Schweden zeigt ihm ein Ingenieur eine Trockentoilette, die aus Urin Dünger herstellt. In Hamburg und Genf entdeckt er Wohnkomplexe mit dezentralen Kläranlagen, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und aus menschlichen Exkrementen Strom und Dünger erzeugen.
Am Ende findet der Regisseur Lösungen für die Wiederverwendung menschlicher Ausscheidungen, die die globale Ernährungssicherheit, den Umweltschutz und die Hygiene verbessern und den Klimawandel eindämmen.

Mit seinem Dokumentarfilm „Holy Shit“, der am 30. November bundesweit in den Kinos gestartet ist und durch den Christoph Maria Herbst als Sprecher führt, bringt Regisseur Rubén Abruña ein großes Tabu auf die Kino-Leinwand – und widmet sich einem wichtigen Thema, das die Menschheit vor immer größere Herausforderungen stellen wird. Kläranlagen sind überfordert und in die Natur gelangen immer öfter giftige Rückstände.

Können wir menschliche Fäkalien sinnvoll recyceln – und damit die Welt nachhaltig verbessern? Abruña macht sich auf die spannende Suche nach Antworten, wie dabei sowohl die Ernährungssicherheit als auch der Umweltschutz verbessert werden können und zeigt, dass etwas passieren muss. Denn so wie bisher kann und darf es nicht weitergehen.

Filmstill: Luftaufnahme der Kläranlage „Stickney Water Reclamation Plant“ in Chicago/USA, (c) Thurn Film

IWEKino-Tipp: Der Dokumentarfilm „Holy Shit“ von Rubén Abruña
Freiheit von Glyphosat

Freiheit von Glyphosat

Kommentar von IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert

10 Jahre Freiheit für Glyphosat. Es darf weiter auf die Äcker Europas gespritzt werden. Ein großer Tag für die Agrarindustrie. Sie hat bewiesen, dass ihre Netzwerke immer noch bestens funken, bis in die höchsten Kreise europäischer Politik. Für alle, die glaubten, dass jetzt mit dieser Allroundkeule der Chemie Schluss sein sollte, ist dies ein schwarzer Tag. Nicht nur, weil sie im Verdacht steht Krebs auszulösen, sondern weil Glyphosat keines unserer existenziellen Probleme löst, im Gegenteil!

Der Stoff heizt, als zentrale Stütze der industriellen Landwirtschaft, das Treibhaus Erde weiter auf. Glyphosat fördert den Einsatz von synthetischem Stickstoff und damit den Ausstoß von Klimagasen inklusive dem höchst aggressiven Lachgas. Es verbilligt das Mastfutter, begünstigt die Fleischfabriken und damit die Hauptquelle der Klimagase aus der Landwirtschaft. Glyphosat als Allroundkiller lässt nichts übrig von der Artenvielfalt auf den Äckern.

Im Gegenteil, es macht Monokulturen erst profitabel und forciert das Ende immer weiterer Arten. Es fördert den intensiven Ackerbau auch dort, wo der Regen mangelt, und sorgt so dafür, dass die Grundwasser- und damit die Trinkwasservorräte der Welt weiter schrumpfen. Die Monokulturen vernichten die Bodenfruchtbarkeit weltweit. Und der Hunger der Welt, er ist durch seinen Einsatz nicht verschwunden, im Gegenteil. Er spitzt sich zu durch die ökologischen Folgen, die Glyphosat für Weltklima, Artenvielfalt, Boden- und Wasservorräte hat.

Warum soll es also weitere 10 Jahre in Europa sein Unwesen treiben können? Wenn die politischen Schaltstellen in Brüssel und Berlin von der Industrie gekapert sind, bleibt immer noch der Markt. Will es der Markt? Wollen es die Kunden? Wohl kaum, die Mehrheit der Verbraucher jedenfalls lehnt Glyphosat ab. Wenn offizielle Schweizer Studien feststellen, dass ungefähr 40 Prozent der Lebensmittel tiefe, aber messbare Spuren von Glyphosat enthalten, warum sollte es bei uns anders sein?

Warum ignorieren die Aldis, die Lidls und Pennys, die EDEKAs und REWEs die Abneigung der Kundschaft? Weil bisher noch keiner dort die Frage ans Management gestellt hat, warum das Sortiment nicht längst frei von Glyphosat ist? Und warum geht der Bundeslandwirtschaftsminister, der in Brüssel nichts ausrichten konnte, nicht voran und sagt seiner Hauskantine, dass sie ihren Einkauf gefälligst auf Glyphosat freie Rohstoffe umzustellen habe? Das hätte mit Sicherheit Wirkung auf den Markt und auf den Gebrauch des Stoffes, den keiner auf dem Teller haben möchte. Was in Brüssel und Berlin am Widerstand der Lobbyisten scheiterte, das Ende von Glyphosat, könnte der Markt zu Stande bringen. Freiheit von Glyphosat! Ich wette, dafür braucht er nicht einmal 10 Jahre.

IWEFreiheit von Glyphosat
Hidden costs of global agrifood systems worth at least $10 trillion

Hidden costs of global agrifood systems worth at least $10 trillion

Our current agrifood systems impose huge hidden costs on our health, the environment and society, equivalent to at least $10 trillion a year, according to an analysis by the Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), covering 154 countries. This represents almost 10 percent of global GDP.

According to the 2023 edition of The State of Food and Agriculture (SOFA), the biggest hidden costs (more than 70 percent) are driven by unhealthy diets, high in ultra-processed foods, fats and sugars, leading to obesity and non-communicable diseases, and causing labour productivity losses. Such losses are particularly high in high- and upper-middle-income countries.

One fifth of the total costs are environment-related, from greenhouse gas and nitrogen emissions, land-use change and water use. This is a problem that affects all countries, and the scale is probably underestimated due to data limitations.

Low-income countries are proportionately the hardest hit by hidden costs of agrifood systems, which represent more than a quarter of their GDP, as opposed to less than 12 percent in middle-income countries and less than 8 percent in high-income countries. In low-income countries, hidden costs associated with poverty and undernourishment are the most significant.

The report makes the case for more regular and detailed analysis by governments and the private sector of the hidden or ‘true’ costs of agrifood systems via true cost accounting, followed by actions to mitigate these harms.

There have been other attempts at measuring the hidden costs of agrifood systems, producing similar estimates as FAO. The new FAO report, however, is the first to disaggregate these costs down to the national level and ensure they are comparable across cost categories and between countries.

For the first time ever, FAO will dedicate two consecutive editions of The State of Food and Agriculture to the same theme. This year’s report presents initial estimates, while next year’s will focus on in-depth targeted assessments to identify the best ways to mitigate them. Governments can pull different levers to adjust agrifood systems and drive better outcomes overall. Taxes, subsidies, legislation and regulation are among them.

“In the face of escalating global challenges: food availability, food accessibility and food affordability; climate crisis; biodiversity loss; economic slowdowns and downturns; worsening poverty; and other overlapping crises, the future of our agrifood systems hinges on our willingness to appreciate all food producers, big or small, to acknowledge these true costs, and understand how we all contribute to them, and what actions we need to take. I hope that this report will serve as a call to action for all partners – from policymakers and private-sector actors to researchers and consumers – and inspire a collective commitment to transform our agrifood systems for the betterment of all,” said FAO Director-General QU Dongyu.

The report urges governments to use true cost accounting to transform agrifood systems to address the climate crisis, poverty, inequality and food security. It notes that innovations in research and data, as well as investments in data collection and capacity building, will be needed to scale the application of true cost accounting, so it can inform decision-making in a transparent and consistent way.

Read the press release by FAO here.

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Wir trauern um Marie-Luise Dörffel

Wir trauern um Marie-Luise Dörffel

Marie-Luise Dörffel starb nach schwerer Krankheit im September 2023. Sie hat den Vorstand des Instituts für Welternährung mit ihren Ideen bereichert, mit ihrer Heiterkeit ermuntert und mit ihrer Unverzagtheit ermutigt auf dem Weg der Ernährungswende voranzugehen.

Ihr war wichtig, so schrieb sie selbst 2021 bei ihrem Antritt als Vorständin im IWE, dass unsere Ernährung gesünder wird – für den Menschen und die Umwelt, dass regionale Strukturen wieder entstehen können oder erhalten bleiben, dass Nähe, Gemeinsamkeit und gegenseitige Verantwortung kleine Betriebe stärken. Dass mehr (soziale) Gerechtigkeit, der Schutz der Lebewesen und des Klimas die Agrarwende bestimmen.

Marie Luises war es ein Anliegen, hierfür eine leichte Sprache zu finden. Denn „nur wenn viele Menschen verstehen, dass es um unser aller Zukunft geht, können wir viel bewegen.“ Das war für sie Passion und bleibt für uns Verpflichtung, auch über den Tod hinaus. Wir trauern um eine engagierte Mitstreiterin und liebe Kollegin. Wir trauern um Marie-Luise Dörffel.

Der Vorstand des Instituts für Welternährung

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VI. Öko-Marketingtage auf Schloss Kirchberg/Jagst: „Zeitenwende in der Bio-Branche – Neue Märkte, neue Strategien“

VI. Öko-Marketingtage auf Schloss Kirchberg/Jagst: „Zeitenwende in der Bio-Branche – Neue Märkte, neue Strategien“

Geschäftsführer:innen, Head of Marketing, Abteilungsleiter:innen von Bio-Produzenten, Handelsunternehmen und Bio-Fachverbänden sowie weitere Bio-Expert:innen – sie alle treffen sich am 8. und 9. November 2023 bei den VI. Öko-Marketingtagen auf Schloss Kirchberg/Jagst. Die hochrangigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren miteinander Themen wie den schrumpfenden Bio-Markt und den Einstieg der Discounter. In den Referaten kommen beispielsweise das Nutzungsverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten, neue Märkte und Strategien oder die erfolgreiche Vermittlung von Mehrwerten der Bio-Produkte zur Sprache. Gespräche am Rande der führenden Veranstaltung der nationalen Bio-Branche werden für das Networking und den Strategiedialog genutzt.

Zusätzlich zum Programm der eigentlichen Tagung am 8. und 9. November 2023 besteht die Möglichkeit, am 7. November an einem Vorprogramm zur Zukunft der Fleischerzeugung mit Blick auf biokonforme Haltung, ökologisch-tierschutzgerechte Schlachtung und klimafreundlicher Fleischerzeugung teilzunehmen. Abends ist die Akademie Schloss Kirchberg gemeinsam mit jungeAöL, BNN und iniciato Gastgeber des 1. Bio-FuN-Events „Failure & Success“.
 
Weitere Informationen zum Programm und Anmeldungen über:
www.akademie.schloss-kirchberg-jagst.de

Rückblick auf die V. Öko-Marketingtage 2022

IWEVI. Öko-Marketingtage auf Schloss Kirchberg/Jagst: „Zeitenwende in der Bio-Branche – Neue Märkte, neue Strategien“
Vegan ist machbar: Potential einer umwelt- und klimafreundlichen Ernährung am Beispiel von Hochschulkantinen

Vegan ist machbar: Potential einer umwelt- und klimafreundlichen Ernährung am Beispiel von Hochschulkantinen

Zusammenfassung der Studienergebnisse

Unter dem Dachverband Deutsches Studierendenwerk (DSW) betreiben 57 Studierendenwerke ca. 400 Mensen an deutschen Hochschulen, was sie zu Deutschlands größten Gemeinschaftsverpflegern macht. Die Mehrheit der 2,9 Millionen Studierenden besuchen „ihre“ Mensa im Durchschnitt drei Mal pro Woche, insbesondere zum Mittagessen. Die Menüplanung kann sich auch auf das private Einkaufs- und Essverhalten auswirken. Mensen haben damit eine Vorreiterrolle für den Wandel des Ernährungssystems.  

Für ein ausschließlich fleischfreies Konzept haben sich bisher jedoch nur ein Zehntel der Studierendenwerke entschieden. Dies, obwohl mehr als ein Drittel (35,1%) der Studierenden Interesse an vegetarischer oder veganer Ernährung bekunden. Woran liegt dieser zögerliche Umbau der Kantinenlandschaft in Richtung pflanzlicher Ernährung? Und was könnte ihn befördern?

Mit diesen Fragen setzt sich die Masterarbeit von Luise Seiffert auseinander, die sie unter dem Titel: „Potential einer umwelt- und klimafreundlichen Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung als Maßnahme der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie am Beispiel von Hochschulkantinen“ veröffentlichte und im Masterstudiengang der Hochschule Bochum „Angewandte Nachhaltigkeit“ sowie auf Anregung des Instituts für Welternährung 2023 fertigstellte. Die Arbeit stützt sich auf die Erkenntnisse des Fachpersonals derjenigen Studierendenwerke mit mindestens einer rein veganen oder vegan-vegetarischen Mensa.

Eine Vorreiterrolle in der deutschen Mensenlandschaft nimmt das Studierendenwerk Berlin ein. Es betreibt drei der bisher neun fleischlosen Mensen in Deutschland. Warum die Berliner sich dazu entschlossen haben, zumindest ein Teil ihrer Mensen auf pflanzliche Kost umzustellen, lag nicht an politischen Beschlüssen des Senats oder der Berliner Hochschulverwaltung, sondern den Studienergebnissen zu Folge am Bedarf der Studierenden: „Unsere Klientel hat es sich gewünscht“. Die Berliner nehmen, ebenso wie die anderen Studierendenwerke mit einer fleischfreien Mensa, eine Vorreiterstellung in der deutschen Mensenlandschaft ein, in der eine klimafreundliche und damit pflanzenbetonte Kost bisher noch die Ausnahme ist.

Auch wenn längst anerkannt ist, dass unser Essen das Klima entscheidend prägt und damit über Hitzewellen, Stürme, Überflutungen und die Zukunft kommender Generationen entscheidet, und die industrielle Fleischproduktion als Hauptverantwortlicher für Klimagase im Ernährungssektor längst dingfest gemacht wurde, sind die Reaktionen darauf eher bescheiden. Mensen und andere Orte der Gemeinschaftsverpflegung könnten auf dem Weg zu einer klimaverträglichen Ernährung den Takt angeben und ihr Fleischangebot deutlich reduzieren. Die Hochschulen mit ihrem kritischen und umweltbewussten Klientel könnten dabei vorangehen und die Studierendenwerke sich an die Spitze der Bewegung stellen. Doch in der Praxis scheitert diese Option größtenteils an der Fleischtradition der Großküchen. Nicht nur beim Fachpersonal an den Töpfen und Pfannen, sondern auch bei den Studierenden.

Dass es dennoch zu drei fleischlosen Mensen in Berlin kam, lag laut den Erkenntnissen an den günstigen Bedingungen und dem spezifischen Potential bei den Studierenden, wie die Beobachtung des Küchenpersonals zeigt: „Das hat einiges damit zu tun, was an der Uni gelehrt wird“. Aber auch am Geschlecht der Studierenden: „Ich hätte es nicht zugeben wollen, aber […] ich glaube, […] Frauen [sind] dann doch eher geneigt, sich doch häufiger vegetarisch zu ernähren“. Zum anderen lag es aber auch an der der Motivation der Mensateams, die sich zur Umstellung bereitgefunden hatten: „Es braucht halt Leute, die es wollen“. Die Lust auf Neues, auf die Welt der veganen Küche, entscheidet beim Küchenpersonal über den Erfolg der Umstellung. Und was ebenfalls zählt, ist Engagement und Pioniergeist, den Mehraufwand der veganen Kost auf sich zu nehmen: „es ist halt einfach schwierig […] vegane Produkte in einer guten Qualität, in einer großen Menge herzustellen“. „[…] das haben wir […] gemerkt, der Speiseplan […] ist aufwändiger und das Kochen, die Produktion ist aufwändiger als in anderen Mensen“.

Hinzu kommt, dass die vegane Küche nicht von vornherein mit Zustimmung rechnen kann, auch nicht in Berlin, wie eine frühere Umfrage unter der Kundschaft zeigte: „Da gab es damals Gegenwind“. Das vermeintliche Grundrecht auf Fleisch wollte man sich nicht nehmen lassen. Auch innerhalb des Studierendenwerkes nicht: „Wir haben eben halt einen Versorgungsauftrag für alle Studierenden“. Und dieser Auftrag, so die vorherrschende Meinung in den Vorstandsetagen, schließe die Rücksicht auf die Traditionen des fleischliebenden Publikums mit ein. Alles andere hätte als Bevormundung wahrgenommen werden können, was dem Selbstverständnis der Studierendenwerke widersprochen hätte. Eine Grundüberzeugung, die wenig Spielraum lässt, wenn es um die Gründung neuer rein veganer Mensa geht. Doch in Städten wie Berlin wog dieser Vorbehalt nicht so schwer, denn es gab genügend Mensen mit fleischhaltigen Alternativen: „Wir sind hier in der bequemen Lage, dass wir sagen können, wenn du Fleisch essen willst, dann geh nach gegenüber“, was den Wandel zur fleischfreien Mensa begünstigt.

Dennoch, auch dort, wo heute noch Currywurst und Schnitzel zu den kulinarischen Highlights des Speiseplans gehören, wird sich in Zukunft etwas ändern müssen, so die Einschätzung des Fachpersonals: „Man muss […] nicht jeden Tag ein Kilo Fleisch essen“. Die Expertinnen und Experten halten Fleisch einmal die Woche oder Fleisch nur als Toppping des Gemüse- oder Salattellers, für eine gangbare Alternative als Zwischenschritt auf dem Weg zum klimaverträglichen Menü.

Was die vegane Mensa nach vorne bringt? Der Preis jedenfalls wird es nicht sein, so zeigt die Küchenpraxis: „Es sei ein Trugschluss zu meinen, vegan ist billiges Essen“. „Gute vegane Produkte kosten mindestens genauso viel in der Beschaffung wie gleichwertige artgerechte Fleischprodukte“. Was den Durchbruch brachte, war zielgerichtete Überzeugungsarbeit. Die Berliner haben mit den Studierenden und deren Vertretung die vegane Welle gepuscht und damit ihre Kundschaft für das rein vegane Mensenkonzept gewonnen. Die Erfahrung zeigt, dass diese Richtungsentscheidung richtig war. Denn letztlich komme es auf die Glaubwürdigkeit an: „Also, wenn dann sollte man das auch wirklich konsequent machen. […] man kann sich drauf verlassen, das, was dasteht, ist vegan, da kannst du zugreifen. Diese Verlässlichkeit zieht“. Eine vegane Mensa, die an Ausnahmetagen Fleisch anbietet, könnte diese Zugkraft nicht entfalten, eher das Gegenteil.

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VI. World Organic Forum „Localizing SDGs. Climate Resilience and Global Equity“

VI. World Organic Forum „Localizing SDGs. Climate Resilience and Global Equity“

VI. World Organic Forum „Localizing SDGs. Climate Resilience and Global Equity“
26.-30. Juni, Schloss Kirchberg, Kirchberg/Jagst

Das World Organic Forum ist eine mehrtägige entwicklungspolitische Konferenz auf Schloss Kirchberg in Kirchberg an Jagst/ Deutschland. Die Akademie Schloss Kirchberg verfolgt unter dem claim „Localizing SDGs“ kontinuierlich das Ziel, die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit PartnerInnen aus allen Teilen der Welt praxisorientiert lokal zu verankern. Hierbei entsteht langfristig ein globales Netzwerk an SDG-Regionen, in denen die 17 SDGs in einem Bottom-Up-Prozess Stück für Stück erreicht werden. Die VertreterInnen der beteiligten Regionen und Initiativen treffen sich jährlich im Sommer auf Schloss Kirchberg, um den Lern- und Erfahrungstausch zur Schaffung einer zukunftsfähigen Welt im Rahmen der SDGs voranzubringen. Somit ist das Forum impulsgebender Ausgangsort, um die 17 Nachhaltigkeitsziele weltweit regional zu erreichen und mit Leben zu füllen – im Norden wie im Süden, im Westen wie Osten.

Beim VI. World Organic Forum 2023 werden in Verknüpfung mit den 17 Zielen die Themen Klimaresilienz sowie neue, auf Ressourcenschutz, Biodiversität und ganzheitlichen wirtschaftlichen Wohlstand für Bäuerinnen und Bauern ausgelegte Modelle regionaler Wertschöpfung und Fragen globaler Gerechtigkeit eine besondere Rolle spielen. Wir werden begleitet von renommierten ExpertInnen und ProtagonistInnen des Wandels aus der globalen Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik, AktvistInnen sowie Bäuerinnen und Bauern aus den Regionen der Welt. Gemeinsam wollen wir Best-Practice-Beispiele kennenlernen, neue Lösungsansätze entwickeln und uns gegenseitig für ein neues Bewusstsein inspirieren, um die notwendigen lokalen Transformationen für eine nachhaltige Welt von Morgen kraftvoll voranzubringen! Das Forum bietet ein Spektrum verschiedener Formate wie Key Note Speeches, Podiumsgespräche, Workshops und Exkursionen. Das Programm wird von professionellen DolmetscherInnen übersetzt und kann auch digital über einen Online-Livestream verfolgt werden.

Das Konferenzprogramm des VI. World Organic Forum können Sie hier herunterladen. Zur Anmeldung geht es hier.

Foto: Seine Majestät Osagyefuo Nana Amoatia Ofori Panin Okyenhene mit seiner Reisegruppe auf dem Sonnenhof von Cristina und Rudolf Bühler © Akademie Schloss Kirchberg

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Bundestag beschließt Bürgerrat – Gesundes Essen für einen gesunden Planeten

Bundestag beschließt Bürgerrat – Gesundes Essen für einen gesunden Planeten

Der Bundestagsbeschluss vom 10. Mai für einen Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ könnte frischen Wind in die Debatte um die Zukunft unserer Ernährung bringen, wenn dem Rat genügend Mitsprache und Entscheidungsfreiheit im Prozess seiner Beratungen eröffnet wird. Hieran mangelt es nach Ansicht des Instituts für Welternährung (IWE) noch im Beschluss des Bundestages. Hier muss nachgebessert werden, um dem Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ den Raum für ein freies und unabhängiges Urteil zu geben, erklärt Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V. Berlin.

Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass unsere Art der Ernährung und Landwirtschaft global massive Konsequenzen hat. Sie verschärft die Klimakrise, schädigt die Artenvielfalt, wie auch die Wasservorräte der Erde. Sie treibt die Preise bei Nahrungsmitteln und forciert Hunger und Unterernährung vor allem im globalen Süden. Der beschlossene Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“, so Bommert, müsse Maßstäbe setzen für gesundes Essen auf einem gesunden Planeten – bei uns und überall.  

Gemeinsam mit dem Netzwerk der Ernährungsräte Deutschland begrüßt das Institut für Welternährung (IWE) den Beschluss, einen Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ ins Leben zu rufen als wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Ernährungsdemokratie. Das in Deutschland noch recht neue Beteiligungsformat Bürgerrat könne dazu beitragen, neues Vertrauen in die Kraft der Demokratie zu begründen. Es stelle durch die direkte Bürgerbeteiligung eine basisdemokratische Ergänzung der repräsentativen Parteiendemokratie dar. 

Valentin Thurn, Netzwerkvorstand, erwartet vom ersten Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“, dass die Teilnehmenden am Bürgerrat den nötigen Freiraum erhalten und nutzen werden, insbesondere wenn es um die Marktmacht von Handelsketten und großen Lebensmittelkonzernen gehe, und Wege zu einem am Gemeinwohl orientierten Agrar- und Ernährungssystem finden werden. Bürgerräte könnten die gesellschaftliche Debatte über die großen Fragen unserer Zeit wie den nachhaltigen Wandel unseres Landwirtschafts- und Ernährungssystems bei uns und auf globaler Ebene voranbringen. 

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Neues Bildungsprojekt von Slow Food: Green Spoons – Löffel für Löffel biologische Vielfalt stärken

Neues Bildungsprojekt von Slow Food: Green Spoons – Löffel für Löffel biologische Vielfalt stärken

Mit jeder Mahlzeit nehmen wir Einfluss auf die biologische Vielfalt. Viel Verantwortung, die den meisten Menschen gar nicht bewusst ist. Mit Green Spoons möchte Slow Food Deutschland (SFD) junge Erwachsene befähigen, kluge und nachhaltige Ernährungsentscheidungen zu treffen. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz (BfN)gefördert.

Für den Schutz der Biodiversität spielt die Art der landwirtschaftlichen Produktion eine entscheidende Rolle. Mit dem neuen Bildungsprojekt „Green Spoons – Löffel für Löffel biologische Vielfalt stärken“ vermittelt SFD Kindern und Jugendlichen die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Biodiversität.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke zum Projektstart: „Viele Tier- und Pflanzenarten der offenen Landschaften sind durch die Intensivierung der Landnutzung stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Doch wir können durch unsere Ernährung und durch bewusste Kaufentscheidungen, von beispielsweise regionalen Lebensmitteln, einiges beitragen zu mehr Arten- und Ressourcenschutz. So können wir eine echte Trendwende unterstützen – die Natur hat sie dringend nötig.“

Slow Food Deutschland möchte jungen Erwachsenen Lust machen, zu dieser Trendwende
beizutragen und positive ökologische Fußabdrücke zu hinterlassen, indem sie sich mit ihren Ernährungsgewohnheiten innerhalb der planetaren Grenzen bewegen und für Vielfalt auf Äckern und Weiden, in Gewässern und Gärten mitsorgen.

Gemeinsam mit wissenschaftlichen und pädagogischen Fachleuten werden für Lehrkräfte Module zu Ernährung in Bezug zu Boden (2023), Wasser (2024) sowie Klima (2025) entwickelt und bundesweit an fünf Pilotschulen erprobt. Als Blended-Learning-Konzept verbinden die Module digitales und analoges Lernen auf innovative Weise und sind leicht in den Stundenplan zu integrieren. Sie lassen sich sowohl im Klassenzimmer als auch im außerschulischen Kontext anwenden. Auf der interaktiven Homepage greenspoons.slowfood.de sind die Bildungsmodule sukzessive und frei zugänglich.

Den Anfang macht ab sofort der Boden. Zum Bildungsangebot gehören u. a. Rätsel, Videos, Podcasts und Anleitungen, die die Jugendlichen und ihr familiäres Umfeld in den Lernprozess einbeziehen und zum selbstständigen Erforschen und Lernen animieren. Es wird außerdem Multiplikator*innen-Workshops und Broschüren geben.

Nina Wolff, SFD-Vorsitzende, fasst das Ziel des Projektes zusammen: „Bei Green Spoons geht es uns nicht um eine reine Wissensvermittlung. Gerade wegen der Warnungen zum rasanten Biodiversitätsverlust seitens der Wissenschaft möchten wir es den Heranwachsenden schmackhaft machen, sich eigenverantwortlich einzubringen. Sei es durch das Probieren von mehr ökologisch erzeugten Grundnahrungsmitteln aus der Region sowie das Kennenlernen von Menschen aus Produktion und Handwerk, durch Vermeidung von Lebensmittelverschwendung oder einen reduzierten Konsum tierischer Erzeugnisse.“ Die Vermittlung von Handlungsoptionen und -spielräumen soll das Überdenken von Gewohnheiten bewirken und neue, der Biodiversität zuträgliche Verhaltens- und Ernährungsweisen unterstützen.

Das Projekt „Green Spoons“ wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

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