Freiheit von Glyphosat

Freiheit von Glyphosat

Kommentar von IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert

10 Jahre Freiheit für Glyphosat. Es darf weiter auf die Äcker Europas gespritzt werden. Ein großer Tag für die Agrarindustrie. Sie hat bewiesen, dass ihre Netzwerke immer noch bestens funken, bis in die höchsten Kreise europäischer Politik. Für alle, die glaubten, dass jetzt mit dieser Allroundkeule der Chemie Schluss sein sollte, ist dies ein schwarzer Tag. Nicht nur, weil sie im Verdacht steht Krebs auszulösen, sondern weil Glyphosat keines unserer existenziellen Probleme löst, im Gegenteil!

Der Stoff heizt, als zentrale Stütze der industriellen Landwirtschaft, das Treibhaus Erde weiter auf. Glyphosat fördert den Einsatz von synthetischem Stickstoff und damit den Ausstoß von Klimagasen inklusive dem höchst aggressiven Lachgas. Es verbilligt das Mastfutter, begünstigt die Fleischfabriken und damit die Hauptquelle der Klimagase aus der Landwirtschaft. Glyphosat als Allroundkiller lässt nichts übrig von der Artenvielfalt auf den Äckern.

Im Gegenteil, es macht Monokulturen erst profitabel und forciert das Ende immer weiterer Arten. Es fördert den intensiven Ackerbau auch dort, wo der Regen mangelt, und sorgt so dafür, dass die Grundwasser- und damit die Trinkwasservorräte der Welt weiter schrumpfen. Die Monokulturen vernichten die Bodenfruchtbarkeit weltweit. Und der Hunger der Welt, er ist durch seinen Einsatz nicht verschwunden, im Gegenteil. Er spitzt sich zu durch die ökologischen Folgen, die Glyphosat für Weltklima, Artenvielfalt, Boden- und Wasservorräte hat.

Warum soll es also weitere 10 Jahre in Europa sein Unwesen treiben können? Wenn die politischen Schaltstellen in Brüssel und Berlin von der Industrie gekapert sind, bleibt immer noch der Markt. Will es der Markt? Wollen es die Kunden? Wohl kaum, die Mehrheit der Verbraucher jedenfalls lehnt Glyphosat ab. Wenn offizielle Schweizer Studien feststellen, dass ungefähr 40 Prozent der Lebensmittel tiefe, aber messbare Spuren von Glyphosat enthalten, warum sollte es bei uns anders sein?

Warum ignorieren die Aldis, die Lidls und Pennys, die EDEKAs und REWEs die Abneigung der Kundschaft? Weil bisher noch keiner dort die Frage ans Management gestellt hat, warum das Sortiment nicht längst frei von Glyphosat ist? Und warum geht der Bundeslandwirtschaftsminister, der in Brüssel nichts ausrichten konnte, nicht voran und sagt seiner Hauskantine, dass sie ihren Einkauf gefälligst auf Glyphosat freie Rohstoffe umzustellen habe? Das hätte mit Sicherheit Wirkung auf den Markt und auf den Gebrauch des Stoffes, den keiner auf dem Teller haben möchte. Was in Brüssel und Berlin am Widerstand der Lobbyisten scheiterte, das Ende von Glyphosat, könnte der Markt zu Stande bringen. Freiheit von Glyphosat! Ich wette, dafür braucht er nicht einmal 10 Jahre.

IWEFreiheit von Glyphosat
Offener Brief an EU-Präsidentin: 160 Organisationen fordern nachhaltige Ernährungspolitik

Offener Brief an EU-Präsidentin: 160 Organisationen fordern nachhaltige Ernährungspolitik

Über 160 Organisationen wenden sich heute in einem offenen Brief an die EU Präsidentin, Ursula von der Leyen, mit der dringenden Bitte: „Lassen Sie sich nicht vom Weg einer grünen nachhaltigen Politik abbringen.“ So fordert das Institut für Welternährung Frau von der Leyen auf: „Bleiben Sie bei Ihren Forderungen eines Green Deal. Halten Sie fest an dem sicherlich ambitionierten Vorschlag für einen EU weiten, gesetzlichen Rahmen für ein nachhaltiges Ernährungssystem in Europa (Framework for Sustainable Food Systems (FSFS)).“

Der Widerstand ist groß seitens der Agrarlobby. Die anstehenden Wahlen in Europa verstärken diesen Widerstand. Wird das Vorhaben, das „Flaggschiff“ der Farm to Fork Strategie, nicht auf den Weg gebracht, werden auch die Klima-, Umwelt- und Gesundheitsziele der EU verfehlt. „Vorausschauendes Handeln für eine nachhaltige und gesündere Ernährung im Rahmen der planetaren Grenzen ist dringend notwendig. So wie bisher und weiter so können wir nicht verantworten“, macht Peter Wogenstein, Vorstandmitglied des Institut für Welternährung e.V., deutlich.

Den offenen Brief an Ursula von der Leyen können Sie hier lesen.

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IWE fordert gemeinsam mit 60 Organisationen FDP-Parteichef Lindner auf, Weg für Kinderschutz-Gesetz frei zu machen

IWE fordert gemeinsam mit 60 Organisationen FDP-Parteichef Lindner auf, Weg für Kinderschutz-Gesetz frei zu machen

60 Organisationen appellieren an FDP-Parteichef Christian Lindner, die von Bundesernährungsminister Cem Özdemir geplanten Werbeschranken für Lebensmittel mit einem hohen Zucker-, Fett- oder Salzgehalt zu unterstützen. Mit „großer Sorge“ blicke man auf die ablehnenden Äußerungen aus der FDP. In einem offenen Brief an die Parteispitze fordern medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften, Kinderrechtsorganisationen, Eltern- und Pädagogikverbände, Verbraucherschutz- und Ernährungsorganisationen sowie Ärzteverbände und Krankenkassen umfassende Werbeschranken für unausgewogene Lebensmittel.

„Deren Konsum“, so der Sprecher des Instituts für Welternährung Dr. Wilfried Bommert, „fördert nicht nur massives Übergewicht bei Kindern und untergräbt ihre Gesundheit. Wachsende Krankheitskosten drohen eine Milliarden Last für unser Gesundheitssystem zu werden. Frühzeitige Arbeitsunfähigkeit werde die Leistungskraft der gesamten Volkswirtschaft auf Dauer einschränken. Eine solche Entwicklung beschneidet die Freiheitsgrade künftiger Generationen und sollte von keiner Gesellschaft toleriert werden.“ Deutschland müsse auf dem Weg einer gesunden Ernährung vorausgehen. Dies besonders mit Blick auf die Länder des globalen Südens, wo die Junkfoodindustrie ihre Wachstumsmärkte gerade erst ausbaut, betont der Sprecher des Instituts für Welternährung anlässlich der Übergabe es offen Briefes an die FDP-Spitze.

Hier können Sie den offenen Brief an die FDP-Parteispitze „Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung unterstützen“ als PDF herunterladen.

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Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert: Vollwertiges, ökologisches Essen für alle – Ernährungsarmut beenden!

Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert: Vollwertiges, ökologisches Essen für alle – Ernährungsarmut beenden!

Seit die Preise für Lebensmittel steigen, steigt auch die Ernährungsarmut. Immer mehr Menschen können sich gesundes Essen nicht mehr leisten. „Billiges Fastfood“, so der Sprecher der Instituts für Welternährung Wilfried Bommert, „hat wieder Konjunktur. Die Gesundheit insbesondere der Kinder rutscht aus dem Blickfeld. Die des Planeten auch.“

Es ist höchste Zeit, dass die Agrar- und Ernährungspolitik hier Flagge zeigt. „Es geht darum“, so Bommert, „eine warme Mahlzeit pro Tag aus ökologisch erzeugten, gesunden Nahrungsmitteln für alle zu ermöglichen und dies für Kinder kostenfrei.“ Gesunde Ernährung müsse als öffentliche Aufgabe ernst genommen werden. Ökologisch, erschwinglich und verläßlich.

Das fordert das Institut für Welternährung gemeinsam mit 32 Organisationen der Zivilgesellschaft. Das Bündnis dringt darauf, das diese Prinzipien in der Ernährungssstrategie des Bundes fest verankert werden.

Wir fordern:

  1. Eine warme Mahlzeit pro Tag aus ökologisch erzeugten, gesunden Nahrungsmitteln allen Menschen zugänglich machen!
    Viele Menschen in Deutschland können sich eine warme Mahlzeit am Tag nicht regelmäßig leisten. Sie haben keinen Zugang zu gesunden, ökologisch hergestellten Lebensmitteln. Deshalb muss der Staat dafür Sorge tragen, dass es sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum Orte gibt, an denen täglich und für alle mindestens eine warme Mahlzeit im Sinne der „Planetary Health Diet“ angeboten wird. Dazu gehört auch, dass die Kita- und Schulverpflegung für alle Kinder beitragsfrei ist.
  2. Eine Grundsicherung, die eine gesunde, ökologische Ernährung ermöglicht
    Im Regelsatz sind derzeit nur 5,74 Euro pro Tag für drei Mahlzeiten inklusive Getränke vorgesehen. Für Kinder und Jugendliche ist der Betrag noch geringer. Das gefährdet die Entwicklung junger Menschen und verhindert soziale Teilhabe. Der Regelsatz muss soweit angehoben werden, dass eine gesunde, ökologische Ernährung im Sinne der “Planetary Health Diet” möglich ist. Umgehend muss außerdem eine Kindergrundsicherung eingeführt werden und so gestaltet sein, dass alle Kinder ausreichend versorgt werden können.
  3. Vollwertiges Essen aus ökologisch erzeugten, gesunden Nahrungsmitteln in allen öffentlich finanzierten Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung
    Die Politik muss auf allen Ebenen die Beschaffungs- und Vergaberichtlinien für Träger von öffentlich finanzierten Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung anpassen und Nachhaltigkeitskriterien verankern. Ziel sollte es sein, die Verwendung eines zunehmenden Anteils von Bio-Produkten verbindlich festzulegen und die Umstellung auf eine pflanzenbetonte, vollwertige Kost zu begleiten und zu überprüfen. Dabei muss die staatliche Refinanzierung der Träger und Einrichtungen die zusätzlichen Kosten für ökologischere und regionale Lebensmittel abdecken.
  4. Gesunde, ökologische Ernährung erlebbar machen
    Einrichtungen der öffentlichen Hand haben Vorbildfunktion und müssen ihrer Verantwortung für eine gesunde, nachhaltige Ernährung im Umgang mit Lebensmitteln und der Ernährungsbildung gerecht werden. Dazu sollen Kinder und Jugendliche in die Zubereitung der Mahlzeiten einbezogen und Ernährungskunde in den Lehrplan der Schulen aufgenommen werden. Es gilt, Schulküchen, Schulgärten und andere relevante Infrastruktur auf- bzw. auszubauen und das Fachpersonal in den Küchen und Lehrerzimmern, sowie Eltern und Erzieher:innen zu schulen und weiterzubilden. Als Vorbild beim Aufbau eines
    flächendeckenden Weiterbildungs- und Beratungsangebots können Projekte wie die “Kantine Zukunft”, Acker e.V. und viele weitere Initiativen dienen.
  5. Steuerfreiheit für pflanzliche Lebensmittel dient dem Klimaschutz
    Die Bundesregierung sollte die Mehrwertsteuer von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf 0 Prozent absenken. Mit der neuen EU-Mehrwertsteuerrichtlinie ist der Rahmen dafür geschaffen. Eine Steuerbefreiung schafft Anreize, mehr klimaverträgliche Nahrungsmittel zu erzeugen und zu essen und trägt damit dazu bei, die Klimaziele zu erreichen – denn das kann nur mit deutlich geringerem Konsum von Fleisch- und Milchprodukten gelingen. Und sie entlastet Verbraucher:innen, die unter den stark gestiegenen Lebensmittelpreisen leiden.

Die Pressemitteilung „Vollwertiges, ökologisches Essen für alle – Ernährungsarmut beenden!“ können Sie hier als PDF herunterladen.

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VI. World Organic Forum „Localizing SDGs. Climate Resilience and Global Equity“

VI. World Organic Forum „Localizing SDGs. Climate Resilience and Global Equity“

VI. World Organic Forum „Localizing SDGs. Climate Resilience and Global Equity“
26.-30. Juni, Schloss Kirchberg, Kirchberg/Jagst

Das World Organic Forum ist eine mehrtägige entwicklungspolitische Konferenz auf Schloss Kirchberg in Kirchberg an Jagst/ Deutschland. Die Akademie Schloss Kirchberg verfolgt unter dem claim „Localizing SDGs“ kontinuierlich das Ziel, die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit PartnerInnen aus allen Teilen der Welt praxisorientiert lokal zu verankern. Hierbei entsteht langfristig ein globales Netzwerk an SDG-Regionen, in denen die 17 SDGs in einem Bottom-Up-Prozess Stück für Stück erreicht werden. Die VertreterInnen der beteiligten Regionen und Initiativen treffen sich jährlich im Sommer auf Schloss Kirchberg, um den Lern- und Erfahrungstausch zur Schaffung einer zukunftsfähigen Welt im Rahmen der SDGs voranzubringen. Somit ist das Forum impulsgebender Ausgangsort, um die 17 Nachhaltigkeitsziele weltweit regional zu erreichen und mit Leben zu füllen – im Norden wie im Süden, im Westen wie Osten.

Beim VI. World Organic Forum 2023 werden in Verknüpfung mit den 17 Zielen die Themen Klimaresilienz sowie neue, auf Ressourcenschutz, Biodiversität und ganzheitlichen wirtschaftlichen Wohlstand für Bäuerinnen und Bauern ausgelegte Modelle regionaler Wertschöpfung und Fragen globaler Gerechtigkeit eine besondere Rolle spielen. Wir werden begleitet von renommierten ExpertInnen und ProtagonistInnen des Wandels aus der globalen Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik, AktvistInnen sowie Bäuerinnen und Bauern aus den Regionen der Welt. Gemeinsam wollen wir Best-Practice-Beispiele kennenlernen, neue Lösungsansätze entwickeln und uns gegenseitig für ein neues Bewusstsein inspirieren, um die notwendigen lokalen Transformationen für eine nachhaltige Welt von Morgen kraftvoll voranzubringen! Das Forum bietet ein Spektrum verschiedener Formate wie Key Note Speeches, Podiumsgespräche, Workshops und Exkursionen. Das Programm wird von professionellen DolmetscherInnen übersetzt und kann auch digital über einen Online-Livestream verfolgt werden.

Das Konferenzprogramm des VI. World Organic Forum können Sie hier herunterladen. Zur Anmeldung geht es hier.

Foto: Seine Majestät Osagyefuo Nana Amoatia Ofori Panin Okyenhene mit seiner Reisegruppe auf dem Sonnenhof von Cristina und Rudolf Bühler © Akademie Schloss Kirchberg

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Bundestag beschließt Bürgerrat – Gesundes Essen für einen gesunden Planeten

Bundestag beschließt Bürgerrat – Gesundes Essen für einen gesunden Planeten

Der Bundestagsbeschluss vom 10. Mai für einen Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ könnte frischen Wind in die Debatte um die Zukunft unserer Ernährung bringen, wenn dem Rat genügend Mitsprache und Entscheidungsfreiheit im Prozess seiner Beratungen eröffnet wird. Hieran mangelt es nach Ansicht des Instituts für Welternährung (IWE) noch im Beschluss des Bundestages. Hier muss nachgebessert werden, um dem Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ den Raum für ein freies und unabhängiges Urteil zu geben, erklärt Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V. Berlin.

Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass unsere Art der Ernährung und Landwirtschaft global massive Konsequenzen hat. Sie verschärft die Klimakrise, schädigt die Artenvielfalt, wie auch die Wasservorräte der Erde. Sie treibt die Preise bei Nahrungsmitteln und forciert Hunger und Unterernährung vor allem im globalen Süden. Der beschlossene Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“, so Bommert, müsse Maßstäbe setzen für gesundes Essen auf einem gesunden Planeten – bei uns und überall.  

Gemeinsam mit dem Netzwerk der Ernährungsräte Deutschland begrüßt das Institut für Welternährung (IWE) den Beschluss, einen Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“ ins Leben zu rufen als wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Ernährungsdemokratie. Das in Deutschland noch recht neue Beteiligungsformat Bürgerrat könne dazu beitragen, neues Vertrauen in die Kraft der Demokratie zu begründen. Es stelle durch die direkte Bürgerbeteiligung eine basisdemokratische Ergänzung der repräsentativen Parteiendemokratie dar. 

Valentin Thurn, Netzwerkvorstand, erwartet vom ersten Bürgerrat zur „Ernährung im Wandel“, dass die Teilnehmenden am Bürgerrat den nötigen Freiraum erhalten und nutzen werden, insbesondere wenn es um die Marktmacht von Handelsketten und großen Lebensmittelkonzernen gehe, und Wege zu einem am Gemeinwohl orientierten Agrar- und Ernährungssystem finden werden. Bürgerräte könnten die gesellschaftliche Debatte über die großen Fragen unserer Zeit wie den nachhaltigen Wandel unseres Landwirtschafts- und Ernährungssystems bei uns und auf globaler Ebene voranbringen. 

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Netzwerk der Ernährungsräte in Deutschland gegründet

Netzwerk der Ernährungsräte in Deutschland gegründet

Die Ernährungsräte in Deutschland haben sich auf Bundesebene im Netzwerk der Ernährungsräte zusammengeschlossen. „Das ist ein großer Fortschritt auf dem Weg zu einer Ernährungswende,“ kommentiert der Sprecher des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert die Neugründung. „Die Zivilgesellschaft hat damit eine Organisation geschaffen, die mit der Bundesregierung auf Augenhöhe diskutieren kann.“

Ein Schritt, der dringend notwendig sei, um die Weichen für eine deutsche Ernährungsstrategie zu stellen. Darin müssten die Ernährungsräte nicht nur einen Platz finden, betont Bommert, sondern auch eine Finanzierung. Die Zivilgesellschaft stelle nach Auffassung des Instituts für Welternährung eine zentrale Kraft bei der ökologischen Transformation unseres Ernährungssystems dar. Das müsse von der Regierung anerkannt und durch ein entsprechendes Förderungsprogramm für Regionale Ernährungskreisläufe gewürdigt werden. 

Inzwischen arbeiten mehr als 60 Ernährungsräte allein in Deutschland. „Über unsere Ernährung bestimmen heute vor allem große Agrar- und Lebensmittelkonzerne, die auf den Weltmarkt ausgerichtet sind. Doch immer mehr Menschen wollen mitentscheiden, wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wird,“ so Valentin Thurn, Gründer des Kölner Ernährungsrats und Mitglied im neuen Netzwerkvorstand.

„Höchste Zeit also, dass das Netzwerk der Ernährungsräte lokale ernährungspolitische Impulse bündelt und dafür sorgt, dass die nachhaltige Transformation auch hierbei als dringliche „Chefsache“ behandelt wird!,“ sagt Gundula Oertel, die den Berliner Ernährungsrat mitgründete und jetzt ebenfalls Mitglied im neuen Netzwerkvorstand ist. Ophelia Nick, grüne Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft begrüßt die Initiative, „denn ohne Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft schaffen wir die Ernährungswende nicht.“ 

Neben Valentin Thurn und Gundula Oertel wurden fünf weiter Vorstandskolleg:innen gewählt: Anna Sophie Feigl (München), Judith Busch (Oldenburg), Julia Marx(Oberfranken), Anna Wissmann (Bonn) und Karen Schewina (Frankfurt a.M.).

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Ausschreibung Ursula Hudson Preis 2023

Ausschreibung Ursula Hudson Preis 2023

Ursula Hudson, Foto: Jürgen Binder

Mit dem Ursula Hudson Preis honoriert Slow Food Deutschland Menschen, die sich um die Ernährungswende verdient machen und Vorbildcharakter für Akteur*innen der Ernährungswelt haben. Engagierte können sich selbst bewerben oder nominiert werden. Ein unabhängiges fünfköpfiges Kuratorium wählt die Nominierten und Preisträger*innen aus. Bewerbungen für 2023 können bis zum 14. Mai eingereicht werden.

Mit dem Ursula Hudson Preis möchte Slow Food die öffentliche Aufmerksamkeit
auf engagierte und tragfähige Beispiele der Ernährungswende lenken. Ausgeschrieben ist er für Einzelpersonen, Initiativen oder Gruppierungen, die im Ernährungsbereich bzw. der Ernährungspolitik und -bildung aktiv sind. Akteur*innen können sich entweder selbst bewerben oder durch den Vorschlag Dritter nominiert werden. 2023 wird der Preis bereits zum dritten Mal verliehen. Er ist nach Dr. Ursula Hudson benannt, der langjährigen, im Sommer 2020 verstorbenen Vorsitzenden von Slow Food Deutschland. 

Die gewählten Akteur*innen setzen sich auf beispielhafte Art und Weise für eine nachhaltige und faire Weise, Lebensmittel zu erzeugen, zu verarbeiten, zu handeln und zu genießen, ein. Dies tun sie in Theorie oder Praxis. Sie verleihen der Ernährungswende ein Gesicht. Die Ausschreibung des Preises steht verschiedenen Menschen offen – Engagierten aller Altersgruppen und diverser Disziplinen. Das Preisgeld von 1.500€ soll die Preisträger*in bei der Wissensvermittlung unterstützen. 

SFD-Vorsitzende Nina Wolff freut sich auf die diesjährigen Einreichungen: „Ebenso wie die Mitglieder des Kuratoriums sind auch wir im Vorstand von Slow Food Deutschland auf die Kreativität, die Energie und die Entschlossenheit der Teilnehmenden gespannt. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre haben uns nachhaltig beeindruckt. Dazu zählt auch, dass nicht nur der Preisträger oder die Preisträgerin am Ende des Tages als Gewinner*in nach Hause geht. Alle Nominierten werden in ihrem Wirken und Schaffen für ein gutes, sauberes und faires Ernährungssystem bekräftigt. Und das Zusammenkommen bei der Preisverleihung stärkt das Miteinander. Gerade in diesen anhaltend herausfordernden Zeiten schöpfen Engagierte daraus Zuversicht.“ 

Seit 2022 wird der Ursula Hudson Preis auch auf internationaler Ebene von Slow Food verliehen – im Zwei-Jahres-Turnus im Rahmen von Terra Madre Salone del Gusto. 

Mehr Informationen und Details zum Ursula Hudson Preis finden Sie hier.

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Ausstellung: „GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität“ beim EMOP Berlin

Ausstellung: „GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität“ beim EMOP Berlin

(c) Sabrina Radeck

GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität

Vernissage im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography in der Heinrich-Böll-Stiftung

Dienstag, 7. März, 18 bis 20 Uhr

Studierende und Alumni der Neuen Schule für Fotografie Berlin zeigen in ihrer Ausstellung „GIFT – Feldversuche zu Landwirtschaft und Biodiversität“ in der Heinrich-Böll-Stiftung vom 3. bis 31. März 2023 vielschichtige und überraschende Blickwinkel auf den Themenkomplex.

Teilnehmende Fotograf:innen: Eun Sun Cho, Johann Karl, Linda Kerstein, Caro Lenhart, Thilo Mokros, Sabrina Radeck, Jakob Wierzba 

Eröffnung: Dienstag, 7. März von 18 bis 20 Uhr
Begrüßung: Inka Dewitz (Referentin Internationale Ernährungspolitik, Heinrich-Böll-Stiftung), Eva Bertram (Künstlerische Betreuung, Neue Schule für Fotografie Berlin), Ines Meier (Projektleitung, Neue Schule für Fotografie Berlin)
Im Anschluss führen die Künstler*innen durch die Ausstellung.

Geöffnet: 3.-31. März, werktags von 10 bis 19 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin

„Gift“ meinte althochdeutsch ursprünglich „das Gegebene“ oder „die Gabe“, bevor sich die Bedeutung hin zur „tödlichen Gabe“ veränderte. Der Titel der Ausstellung, die sich künstlerisch und dokumentarisch mit dem Themenkomplex Landwirtschaft und Biodiversität auseinandersetzt, verweist auf biologische Vielfalt als Geschenk, das von Generation zu Generation vererbt wird – und gleichzeitig auch auf die akute Gefährdung unserer Lebensgrundlage.

(c) Johann Karl

Der Mensch ist im Zeitalter der Anthropozäns zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden. Doch die Vielzahl der weltweit durch Medien transportierten Bilder, die die Themen Landwirtschaft und Biodiversität vermitteln sollen, kreisen um wenige einfache und naheliegende Motive, die in Varianten wiederholt werden und inzwischen klischeehaft und abgenutzt erscheinen. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des im Frühjahr 2020 begonnenen Ausstellungsprojekts „GIFT – Field Experiments in Agriculture and Biodiversity“, diesen Bildkreislauf durch eine intensive inhaltliche und visuelle Auseinandersetzung mit dem Thema zu durchbrechen und neue, überraschende Blickwinkel zu zeigen.

Die Wanderausstellung der Neuen Schule für Fotografie wird unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Institut für WelternährungGrün BerlinGLS Treuhand und Hahnemühle.

Nächste Ausstellungsstation: Umweltbundesamt Dessau, Mai-Juni 2023

Pressekontakt und Ausstellungsanfragen: 
Ines Meier, Projektkoordination NSFB
Tel.: 01573 49 59 851
E-Mail: ines.meier@neue-schule-fotografie.berlin

Wir freuen uns auf Ihren und Euren Besuch!

Die Ausstellung ist Teil des EMOP Berlin und findet in Kooperation mit Kulturprojekte Berlin statt.

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<strong>Schluss mit Werbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder </strong>

Schluss mit Werbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder 

Bundesernährungsminister Cem Özdemir hat seine Pläne für eine Beschränkung von Werbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder bekannt gegeben. Darin gereift der Minister die Initiative der Zivilgesellschaft auf, die eine Verbot fordert für

  • Werbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder in öffentliche Medien (Fernsehen und Internet) zwischen 6 und 23 Uhr,
  • eine Bannmeile von 100 Meter um Schulen und Kindergärten, Spielplätzen und Freizeiteinrichtungen, die vor allem von Kindern besucht werden.
  • und von an Kinder gerichtetes Sponsoring für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt. 

Das Institut für Welternährung, das diese Initiative mit einer eigenen Studie untermauerte und sie im Netzwerk #ErnährungswendeJetzt mit auf den Weg gebracht hat, sieht darin einen Meilenstein im Kampf gegen Fehlernährung.

Der Entwurf des Ministers ist der Beginn einer neuen Politik, die gesunder Ernährung Vorrang einräumt gegenüber wirtschaftlichen Interessen der Ernährungsindustrie, kommentiert der Sprecher des Instituts für Welternährung Dr. Wilfried Bommert, den Gesetzesentwurf von Bundesernährungsminister Cem Özdemir. „Wir sehen darin einen Erfolg der Zivilgesellschaft bei der Umsetzung einer Ernährungswende und eine gute Grundlage für die weitere Zusammenarbeit an einer deutschen Ernährungsstrategie in 2023.“

IWESchluss mit Werbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder