Dürre, guter Boden

Dürre, guter Boden

Der Gastbeitrag von IWE-Sprecher Wilfried Bommert erschien in Der Freitag, Ausgabe 29/2018

Mit jedem Tag ohne Regen schwindet auf den Feldern die Zuversicht: Eine Missernte steht bevor. Beginnen die mageren Zeiten? Oder handelt es sich um einen Ausrutscher der Natur, ein ganz normales Risiko, das die Landwirtschaft schon immer tragen musste? Für den Bauernverband ist es genau das: ein Betriebsunfall, der sich durch Versicherungen und Steuernachlass schultern lässt. Für die Klimawissenschaft ist es Folge des neuen Klimas, mit dem wir in Zukunft rechnen müssen. Ein Klima, auf das die Landwirtschaft ganz besonders im Osten der Republik nicht vorbereitet ist.

Die Risiken der gängigen Agrarmethoden werden übersehen. Dabei liegen sie auf der Hand: Es sind die riesigen Felder, die mit immer gleichen Pflanzen bestellt werden. Es sind die Hochleistungspflanzen, die für ihre Höchstleistung viel Wasser brauchen – für ein Kilo Getreide mehr als 1.500 Liter. Es ist die Unbedachtheit, mit der der nackte Boden in Herbst und Winter Sturm und Regen ausgesetzt wird. Die Folge: Bodenerosion, der fruchtbare Humus verschwindet vom Acker, und damit seine Speicherfähigkeit für Regenwasser.

Dabei wäre Anpassung an die kommenden Extreme möglich. Sie verlangt eine grundsätzlich andere Zielsetzung: nicht kurzfristige Höchsterträge, sondern langfristige Stabilität. Und die beginnt beim Boden, der mehr ist als der Halt für Pflanzenwurzeln. In einer Hand voll Boden leben mehr Lebewesen als Menschen auf der gesamten Erde. Sie bilden eine höchst produktive Allianz für alles, was auf dem Acker wächst. Das ist die Grundlage für stabile Ernten. Doch Bodenleben braucht organische Nahrung, Mist und Kompost aus Pflanzenresten. Daraus entsteht der Humus, der den Regen speichern kann. Das Rezept der Industrielandwirtschaft – Kunstdünger, synthetischer Stickstoff und Pestizide – ist für dieses Leben Gift.

Der zweite Schritt zur Stabilität gegenüber Klimaextremen ist das, was auf den Feldern ausgesät und angebaut wird. Keine Monokulturen! Wichtig ist Vielfalt, ein Gemisch von Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sich Jahr um Jahr gegenseitig stützen. Solche Fruchtfolgen bilden strategische Allianzen zwischen Pflanzen und Boden und sorgen dafür, dass Dürren abgefedert werden können. Schließlich braucht es Schatten durch Hecken und Zwischenfrüchte, die den Acker bedecken und verhindern, dass die Sonne schon im März die Äcker aufheizt und austrocknet und damit schon im Frühling die Ernte in Frage stellt.

Doch wer heute durch die Dürreregionen zwischen Leipzig und Rostock fährt, sieht: Es fehlt an Stabilität. Die Botschaft, dass klimaverträgliche Landwirtschaft andere Wirtschaftsweisen verlangt, ist dort nicht angekommen. Wird sie überhaupt ankommen? Sie erfordert eine grundsätzliche Kehrtwende vor allem in den Köpfen der Bewirtschafter, die begreifen müssten, dass Agrikultur nicht Ausbeutung, sondern Bewahren heißt. Dass nur Vielfalt die kommenden Wetterextreme abpuffern kann. Dass zukunftsfähige Landwirtschaft eine Frage des biologischen Wissens und ökologischen Verstehens ist und nicht von Megatechnik, Höchstleistungssorten, Chemie.

Ein „Weiter-wie-bisher“ ist keine Option, das hat der Weltagrarrat schon 2008 der Agrarpolitik ins Stammbuch geschrieben. Die Dürre 2018 lässt uns erahnen, was der Klimawandel für uns bedeuten wird. Eine Botschaft, die von der Landwirtschaft verstanden werden muss. Wenn nicht, gehen wir mageren Zeiten entgegen.

Foto: Rockin’Rita / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

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Brandheiß: Fleisch- und Milchkonzerne zündeln am Weltklima

Brandheiß: Fleisch- und Milchkonzerne zündeln am Weltklima

Kommentar von Wilfried Bommert

Wie schön hätte die Grillsaison werden können, ohne diese Nachricht aus dem Institute for Agriculture and Trade Policy. Aber nun ist es raus, die Ölkonzerne Exxon, Shell und BP sind nicht mehr die größten Brandstifter am Weltklima, in aller Stille haben drei Fleisch- und Milchkonzerne ihren Spitzenplatz als Klimakiller übernommen. Der größte unter ihnen – JBS – mästet seine Herden in Brasilien, danach kommen die USA mit Tyson Foods, Cargill und Dairy Farmers. Sie sind Wohlstandsgewinner, denn mit dem Wohlstand steigt weltweit auch der Konsum von Fleisch und Milch. Und sie sind dabei, ihre Position weiter auszubauen.

Dass sie gleichzeitig das Weltklima in den Abgrund stürzen, davon war bisher nicht die Rede. Aber jetzt kann keiner mehr sagen, er habe es nicht gewusst. Und nun? Schluss mit den Grillorgien, weg mit den Käseburgern? Vielleicht hilft es, einmal genauer hinzusehen. Denn Fleisch ist nicht Fleisch und Milch nicht Milch, entscheidend ist, wo und wie sie hergestellt werden. Schuld am schlechten Klima ist das industrielle Mast- und Milchrezept. Rinder, die eigentlich Grasfresser sind, werden mit Mais und Soja vollgestopft, damit sie möglichst Viel in möglichst wenig Zeit erzeugen, Treibhausgase inklusive.

Für diese Art der Fütterung werden nach wie vor Urwälder gerodet, Wagonladungen von synthetischem Stickstoff verstreut, es werden Pestizide von Flugzeugflotten versprüht und eine gigantische Armada an Lastwagen und Schiffen in Bewegung gehalten. Es ist diese Methode, die die Gase hinterlässt, die das Weltklima unerträglich machen. Und deshalb muss sie ein Ende finden. Auch wenn die deutsche Agrarministerin davon nichts wissen will, wir wissen es spätestens jetzt. Und nun?

Wir könnten Abschied nehmen von Fleisch und Milch, Vegetarier oder Veganer werden, aber wir müssen es nicht. Die gute Nachricht heißt, es gibt noch Rinder, die auf Wiesen und Weiden grasen, die das wiederkäuen, was ihnen gut bekommt: Gras. Und die daraus auch Fleisch und Milch herstellen, nach den Regeln der Natur und nicht nach denen der Fleisch- und Milchkonzerne. Bäuerliche Betriebe, die unsere Landschaft erhalten, unsere Bienen, unser Wasser und unsere Luft, die ökologisch wirtschaften und die Kosten tragen, die die anderen abwälzen, die leben das Gegenmodell zur globalen Fleisch- und Milchindustrie.

Allerdings, das hat seinen Preis und auch die Menge ist nicht die, die aus den industriellen Fleisch- und Milchfabriken quillt. Wir werden also zurückfinden zum Weniger, zum Sonntagsbraten, zum Sonntagskuchen. Wir werden die Fleisch- und Käseberge hinter uns lassen, weil wir wissen, weniger ist mehr.

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Interview mit Bauern in Brandenburg: „Das hier wird bald Wüste“

Interview mit Bauern in Brandenburg: „Das hier wird bald Wüste“

Jan Grossarth hat für die FAZ mit dem Biobauern Benedikt Bösel gesprochen, der in Ostbrandenburg 1100 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet. In dem Interview, das am 14.7.2018 in der Online-Ausgabe erschien, fragt er nach den Ernteverlusten durch die anhaltende Trockenheit.

Der erste Regen seit 9 Wochen käme zu spät, erklärt Bösel, „Wir haben 40 Prozent weniger Dinkel und 35 Prozent weniger Roggen und Wintergerste“. Längere Trockenperioden kämen heute häufiger vor als früher, die Verteilung der Niederschläge habe sich geändert. Nach langer Trockenheit regne es dann so viel, dass der Boden das Wasser nicht aufnehmen kann.

Das liege aber auch an den Böden, so Bösel weiter. „Viele Jahrzehnte wurden sie extrem intensiv bewirtschaftet. Kurzfristig höhere Erträge wurden so mit einem Verlust an Bodenleben erkauft. Es gibt weniger Mikroorganismen, Würmer, Wurzeln, die Böden versanden. Sie halten weniger Wasser. Wenn wir unsere Landwirtschaft nicht ändern, ist hier in 15 Jahren Wüste.“

Lesen Sie das komplette Interview hier.

Foto: Flickr (CC BY-ND 2.0)

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Fleischkonzerne schaden dem Klima mehr als die Ölindustrie

Fleischkonzerne schaden dem Klima mehr als die Ölindustrie

Der Artikel „Fleischkonzerne schaden dem Klima mehr als die Ölindustrie“ Silvia Liebrich erschien am 18. Juli 2018 in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Liebrich nimmt darin Bezug auf eine neue Studie „Emissions impossible: How big meat and dairy are heating up the planet“ des IATP und Grain.

Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die fünf weltgrößten Fleisch- und Molkereikonzerne für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind als die großen Ölkonzerne. Sie schaden dem Klima damit deutlich mehr als bislang angenommen. Ein Großteil der Unternehmen setzt in seinen CO₂-Bilanzen viel zu niedrige Werte an. Um den globalen Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, müsste der jährliche Fleischkonsum bis 2030 auf 22 Kilo pro Person sinken.

Die Länder hatten sich vor drei Jahren beim Klimagipfel in Paris auf die Reduzierung der Emissionen im Nahrungssektor geeinigt. „Genaue Ziele und verpflichtende Vorgaben für Unternehmen und Landwirtschaft gibt es aber bis heute nicht. In der Realität stehen die Wachstumsziele vieler Firmen in krassem Widerspruch zu den Klimaschutzzielen,“ so Liebrich.

Lesen Sie den kompletten Artikel hier.

Foto: Matthias Ripp / Flickr (CC BY 2.0)

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„Wollen Sie in einer essbaren Stadt leben?“ Food Revolution 5.0

„Wollen Sie in einer essbaren Stadt leben?“ Food Revolution 5.0

Im Rahmen der Ausstellung „Food Revolution 5.0“ fand im Kunstgewerbemuseum in Berlin unter der Moderation von IWE-Sprecher Wilfried Bommert ein Fishbowl-Talk zum Thema „Essbare Stadt“ statt. Als Expertinnen eingeladen waren dazu Svenja Nette von den Prinzessinnengärten, Kai Gildhorn von Mundraub, Bernhard Watzl vom ernährungswissenschaftlichen Max Rubner-Institut in Karlsruhe, die Landschaftsarchitektin Katrin Bohn, Hendrik Monsees vom Leibniz-Institut für Binnenfischerei und Gewässerökologie sowie Volkmar Keuter vom Fraunhofer-Institut UMSICHT.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Leila Kemmer war bei dem Gespräch dabei und hat dazu einen Artikel im Blog der Staatlichen Museen zu Berlin „Museum and the City“ veröffentlicht. Ihren Beitrag können Sie hier lesen.

Foto: Marco Clausen, Prinzessinnengarten / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

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Kommunen auf dem Weg zur Pestizidfreiheit

Kommunen auf dem Weg zur Pestizidfreiheit

Über 200 Städte in Deutschland haben sich mittlerweile entschieden, zunehmend auf Glyphosat und andere Pestizide zu verzichten. Dazu zählt auch die bayerische Stadt Dachau. Die Kommune hatte im vergangenen Jahr einen Stadtratsbeschluss gefasst, wonach Landwirte auf städtischen Pachtflächen auf Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat und auf Neonikotinoide, eine Gruppe hochwirksamer Insektizide, verzichten zu müssen. Dies gilt jedoch nur für Neuverpachtungen. Bestehende Pachtverträge sind von dem Stadtratsbeschluss nicht betroffen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Florian Pronold hat die Stadt besucht.

„Die weitgehend pestizidfreie Kommune ist möglich. Dies setzt ein verändertes Denken hinsichtlich des Schönheitsideals einer Stadt, die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen und politischen Veränderungswillen voraus. Dachau ist dafür ein gutes Beispiel,“ so Florian Pronold.

Pflanzenschutzmittel werden neben der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau auch auf öffentlichen Flächen der Kommunen eingesetzt. Der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann und die Mitarbeiter der Abteilung Stadtgrün und Umwelt informierten Pronold anlässlich einer Ortsbegehung über die verschiedenen Möglichkeiten einer pestizidfreien Bewirtschaftung der städtischen Grünflächen. Die Stadt ist schon seit den 80er-Jahren aktiv dabei, auf bestimmten Flächen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden bzw. zu minimieren. So werden störende Pflanzen zum Beispiel auf Gehwegen oder öffentlichen Eingangsbereichen abgeflammt, mechanisch oder mit Kehrmaschinen beseitigt. Des Weiteren hat die Stadt Ackerflächen, die sie 2014 erworben hat, an einen Biobauern verpachtet.

„Das Verbot von Glyphosat auf städtischen Flächen ist ein erster Schritt hin zu einer umweltfreundlichen Bewirtschaftung,“ sagte Oberbürgermeister Hartmann. „Andere Kommunen, so zum Bespiel jüngst auch der Landkreis Dachau, ziehen nun mit ähnlichen Beschlüssen nach. Zum Erhalt der Artenvielfalt in Flora und Fauna in Deutschland sind aber bundesweite gesetzliche Regelungen notwendig.“

Pronold erklärte, das Bundesumweltministerium setze sich für einen grundsätzlichen Ausstieg aus Glyphosat bis zum Ende dieser Legislaturperiode ein. „Daher sind uns die Erfahrungen der Landwirte und Kommunen, die sie beim Vermeiden von Pestiziden machen sehr wichtig. Denn letztlich dürfen wir nicht bei Glyphosat stehenbleiben, wenn wir eine insgesamt umwelt- und naturverträglichen Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln erreichen wollen.“

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln trägt wesentlich zum Verlust der biologischen Vielfalt bei – durch die unmittelbare Schädigung von
Wildpflanzen und –tieren einerseits, durch die Schädigung der Nahrungsnetze und den Entzug der Nahrungsgrundlage von Wildtieren
andererseits. Zudem beeinträchtigt ein übermäßiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auch die Qualität von Böden und Gewässern. All diese Beeinträchtigungen wirken sich auch auf die Lebensgrundlagen des Menschen aus. Vor diesem Hintergrund gilt es, die Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln und ihre Auswirkungen auf den Naturhaushalt soweit wie möglich zu reduzieren.

Quelle: Pressemitteilung BMU, 9. Juli 2018

Foto: „Kreuzungen“, Thomas Schlosser/Flickr (CC BY 2.0)

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Missernte, Klimawandel, das Ende der fetten Jahre? Kommentar von Wilfried Bommert

Missernte, Klimawandel, das Ende der fetten Jahre? Kommentar von Wilfried Bommert

Eine Missernte steht uns bevor, mit jedem Tag ohne Regen schwindet die Zuversicht, vor allem im Osten der Republik. Beginnen so die mageren Zeiten? Oder ist es nur ein Ausrutscher der Natur, das ganz normale Risiko, wie es die Landwirtschaft schon immer tragen musste? Für den Bauernverband ist es letzteres, ein Betriebsunfall, der sich durch Versicherungen und Steuernachlass schultern lässt. Für die Klimawissenschaft ist es ein Teil des neuen Klimas, mit dem wir in Zukunft rechnen müssen. Ein Klima, auf das unsere Landwirtschaft bisher noch nicht einmal in Ansätzen vorbereitet ist. Die Risiken der gängigen Methode werden schlichtweg übersehen.

Dabei liegen sie auf der Hand: Es sind die Hochleistungspflanzen, die für ihre Höchstleistung vor allem eines brauchen: Wasser. Für eine Kilo Getreide 1500 Liter. Es ist die Einfalt auf den Feldern, die keinen Puffer bieten, um Klimarisiken abzufedern. Und es sind die gestressten Böden, die ihre Kraft verloren haben, den natürlichen Niederschlag, den Regen zu speichern.

Die Missernte in Ostdeutschland ist ein Alarmsignal. Das System der intensiven Landwirtschaft hat seine Grenzen erreicht. Es ist Zeit für einen grundlegenden Wandel. Landwirtschaft muss wieder auf sichere Ernten setzen. Resilienz statt Höchstertrag. Auf lebendige, fruchtbare Böden, die Niederschläge wieder speichern können. Auf robuste Vielfalt statt empfindlicher Monokulturen. Sie muss sich wieder auf die Kreisläufe der Natur einstellen, sich einpassen, ohne sie zu zerstören. Das sind die Herausforderungen, vor denen wir stehen.

Ein „Weiter wie bisher“ darf es nicht geben. „Business as usual is not an Option“, warnte der Weltagrarrat schon 2008. Die Dürre im Osten der Republik führt uns vor Augen, wie recht er damit hat. Nicht nur bei uns und nicht nur im Sommer 2018. Wenn es uns jetzt nicht gelingt, die Wende einzuleiten, werden wir mageren Zeiten entgegen gehen. Die fetten Jahre sind vorbei.

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Landwirtschaft: Der Preis für unseren Geiz

Landwirtschaft: Der Preis für unseren Geiz

Der Artikel „Der Preis für unseren Geiz“ von Christiane Grefe erschien am 27. Juni 2018 bei ZEIT Online. Die Journalistin berichtet darin über einen neuen UN-Bericht, der auch die in der Landwirtschaft entstehenden Kosten für Umwelt und Gesundheit mit berechnen wird.

„Manchmal kommen die mutigen Lösungen von unerwarteter Seite. Die Regierung des indischen Bundesstaats Andhra Pradesh hat angekündigt, chemischen Dünger und Pestizide abzuschaffen. Schon im Jahr 2024 sollen die Bauern nur noch mit biologischen Methoden ihren Boden fruchtbar machen und Schädlinge bekämpfen. Sechs Millionen Farmer müssen bis dahin Zero Budget Natural Farming erlernen.

Pavan Sukhdev war gerade in Andhra Pradesh, und was dort geschieht, hat den langjährigen Berater des UN-Umweltprogramms (Unep) und neuen Präsidenten des World Wild Fund for Nature (WWF) begeistert, es ist eine Revolution in der Landwirtschaft. Sukhdev weiß aber auch: Es wird ein Kraftakt. Ob der gelingt, hängt von der Unterstützung ab, die er bekommt – „und Wertschätzung erfährt nur, was auch bewertet wird“, sagt Sukhdev.

Biologische Anbaupraktiken sparen Wasser, bauen Humus auf, mindern den Klimawandel und helfen den Ärmsten, sich vielseitig zu ernähren. Doch in den Agrarstatistiken und den Gewinn- und Verlustrechnungen kommen solche Leistungen kaum vor. Warum? „Weil sie weder berechnet werden noch einen Preis haben“, sagt Sukhdev. Die Politik aber orientiert sich an dem, was Ökonomen vorrechnen. Damit sich etwas ändert, hat Sukhdev, einst Manager bei der Deutschen Bank, zusammen mit 150 Experten aus 33 Ländern einen grundlegend neuen Bewertungsrahmen für die globale Land- und Lebensmittelwirtschaft erarbeitet. Der Titel trägt ihre Kernbotschaft: „Messen, was wirklich zählt.““

Den vollständigen Artikel können Sie hier lesen.

Foto: Terrace farms at Sanasar, Jammu, India; Credit: sandeepachetan.com/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

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Tiere essen: Interview mit Jonathan Safran Foer

Tiere essen: Interview mit Jonathan Safran Foer

Der US-amerikanischer Schriftsteller Jonathan Safran Foer („Alles ist erleuchtet“, „Extrem laut und unglaublich nah“) veröffentlichte 2009 sein erstes Sachbuch. „Tiere essen“ setzt sich kritisch mit den Folgen der Massentierhaltung auseinander und wurde ein Bestseller. Das Buch wurde als Dokumentarfilm mit Natalie Portman verfilmt und startet in diesem Jahr in den US-amerikanischen Kinos. Im Interview mit dem Magazin Mother Jones erzählt er, warum er „Tiere essen“ schrieb, wie seine Kinder mit dem Thema umgehen und ob die Auseinandersetzung über die Folgen der Massentierhaltung unter Trump schwieriger geworden ist.

Das komplette Interview (Englisch) finden Sie hier.

Foto: Marcus Müller / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

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Crowdfunding: „Genial lokal. So kommt die Ernährungswende in Bewegung“

Crowdfunding: „Genial lokal. So kommt die Ernährungswende in Bewegung“

Eine neue soziale Bewegung entsteht. Eine Bewegung, die die Ernährungswende „von unten“ vorantreibt. Vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen und in umfassend recherchierten Beiträgen diskutiert „Genial lokal“ die aussichtsreichsten Strategien für die zukunftsfähige Transformation lokaler Ernährungssysteme. Es lässt sich zudem als vielseitige Handreichung zur Gründung von Ernährungsräten nutzen. Unterstützen Sie die Kampagne zum Buch und die Ernährungswende von unten bis zum 31. Juli hier!

Das Buch
Die Zeit ist reif für eine zukunftsfähige Ernährungswende! Die Politik zeigt bisher jedoch wenig Neigung, sie umzusetzen. Deshalb machen jetzt zivilgesellschaftliche Initiativen den Wandel zu ihrer Sache. Food policy councils liefern das Vorbild, an dem sich die bei uns meist „Ernährungsrat“ genannten Bürgerbündnisse orientieren.

Valentin Thurn, Gundula Oertel und Christine Pohl zeigen anhand internationaler und lokaler Beispiele, wie entschlossen und erfolgreich diese die Ernährungswende von unten in Gang bringen. Das Buch vertieft die Fragen, die sich dabei stellen. Etwa, wie die Chancen für eine relokalisierte Versorgung und Nahrungssicherheit der Städte und Kommunen aus wissenschaftlicher Perspektive stehen; wie ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in einer zukunftsfähigen Ernährungsstrategie vereint werden; oder wie Bürger*innen die Bestimmungsmacht über ihre Teller tatsächlich zurückerobern können.

Dazu stellt das Buch praxisorientiertes Rüstzeug bereit. Es hilft dabei, regional angepasste Strategien zu entwerfen. So werden lokale Ernährungsräte zu einem politisch wirkungsmächtigen und strukturell gut handhabbaren Instrument der Durchsetzung der Ernährungswende!

Ihre Unterstützung
Wir wollen die Idee der Ernährungswende möglichst weit verbreiten und zeigen, wie Ernährungsräte vor Ort gegründet werden können. Deshalb wollen wir nicht nur das Buch über Vorbestellungen teilfinanzieren, sondern Unterstützer*innen auch die Möglichkeit geben, selbst aktiv zu werden! Bei diesem Projekt führt Ihre Unterstützung dabei sicher zum Ziel: Die Summe muss  nicht unbedingt vollständig zusammenkommen – jeder Kauf wird abgewickelt und jeder Euro fließt direkt in das Projekt. Denn mit jeder Unterstützung helfen Sie uns, das ökonomische Risiko zu minimieren.

Die Autor*innen
Valentin Thurn wurde als Regisseur von „Taste the Waste – die globale Lebensmittelverschwendung“ und „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ international bekannt. Er schrieb er die Bücher „Die Essensvernichter“ und „Harte Kost“, und realisierte über 40 Dokumentationen für ARD, ZDF und ARTE. Darüber hinaus gründete er 2012 den Foodsharing e.V. und 2014 den Taste of Heimat e.V. Er ist Vorsitzender des Kölner Ernährungsrates und hilft derzeit mit, ein Netzwerk der Ernährungsräte im deutschsprachigen Raum aufzubauen.

Gundula Oertel ist freie Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, Umwelt, Ernährungspolitik und Transformation. Seit 2015 engagiert sie sich auch unmittelbar in der Berliner Stadternährungspolitik, war an der Gründungsinitiative für einen Berliner Ernährungsrat beteiligt und gehört seinem Sprecher*innenkreis an. Ihr erstes Buch „Taste the Waste – Rezepte und Ideen für Essensretter“, veröffentlichte sie gemeinsam mit Valentin Thurn im Jahr 2011.

Christine Pohl befasst sich seit vielen Jahren mit den Themen Ernährung und Landwirtschaft und der Frage nach einer sozial und global gerechten Ernährungswende. Sie hat die Gründung des Berliner Ernährungsrat mit angestoßen, fungiert als seine Koordinatorin und gehört seinem Sprecher*innenkreis an. Bei INKOTA, Oxfam, Friends of the Earth und als freiberufliche Autorin hat sie sich mit globalen Ernährungssystemen, Konzernmacht und -verantwortung sowie Handels- und Entwicklungspolitik beschäftigt.

Die Crowdfunding Page finden Sie hier.

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