Dokumentarfilm: Hexenküche Lebensmittelindustrie

Dokumentarfilm: Hexenküche Lebensmittelindustrie

Der Dokumentarfilm „Hexenküche Lebensmittelindustrie“ von Martin Blanchard und Maud Gangler ist noch bis zum 02. April 2021 in der Arte-Mediathek zu sehen.

Immer mehr Menschen sterben an den Folgen von Krankheiten, die durch Ernährung ausgelöst oder verstärkt werden: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Die Lebensmittelindustrie agiert intransparent und hält sich bedeckt. ARTE hat in Deutschland und Frankreich, aber auch in Irland und der Schweiz recherchiert und hinter die Kulissen der Fertiggerichtproduktion geblickt.

Industriell verarbeitete Lebensmittel sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Palette an Fertiggerichten wird immer größer, ihr Preis immer geringer. Fettleibigkeit und Diabetes nehmen zu, die Angaben auf der Verpackung werden immer unverständlicher. Zum Glück wehren sich Konsumenten, Verbraucherorganisationen und auch einzelne Unternehmen zunehmend gegen den ungesunden „Fertigfraß“.

Um hinter die Kulissen der Lebensmittelindustrie zu blicken, nehmen die Dokumentarfilmer die Perspektive eines Lebensmittelchemikers ein und stellen ein klassisches Fertigprodukt her: ein Cordon bleu. Warum brauchen wir für das panierte Kalbsschnitzel an die 30 Zutaten, obwohl eigentlich nur fünf nötig wären? Kann man beim Fleisch, das in der Industrieversion steckt, wirklich noch von Fleisch sprechen? Und was hat die mit jeder Menge Zusatzstoffen versehene Schmelzmasse mit Käse zu tun? An einem konkreten Beispiel entschlüsselt der Dokumentarfilm, was genau da in unseren Magen wandert und fragt, ob dies noch gesund sein kann.

ARTE hat in Deutschland und Frankreich, aber auch in Irland und der Schweiz nachgefragt, wie die Rezepturen klassischer Fertiggerichte aussehen. Schnell hat sich gezeigt, dass man für die Zubereitung keine Küche, sondern ein Chemielabor und jede Menge Pulver und Granulate braucht. Die hochgradig verarbeiteten Lebensmittel besitzen keinen nennenswerten Nährwert, können aber das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Die nationalen und europäischen Lebensmittelbehörden geben an, überlastet zu sein und zögern damit, gesundheitsgefährdende Zutaten, die sie selbst zugelassen haben, wieder zu verbieten.

Doch unter dem Druck von Konsumenten und Apps zum Scannen von Barcodes auf Produkten wie „Yuka“ haben einige Unternehmen damit begonnen, nachzubessern. Sie beschränken die Liste der Zutaten, setzen weniger Zusatzstoffe ein und verwenden pflanzliche Proteine. Das Vorgehen ist zu begrüßen, auch wenn es eine echte Herausforderung darstellt und sogar kontraproduktiv sein kann, wenn etwa ein veganes Gericht in Verdacht gerät, der Gesundheit zu schaden. Letztendlich geht es um die Frage, ob die Gesellschaft bereit ist, einen höheren Preis für gesunde Ernährung zu bezahlen. (Programmtext)

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Übernehmen Bioreaktoren unsere Ernährung?

Übernehmen Bioreaktoren unsere Ernährung?

„Aussichten der Bioreaktornahrung – Ein Überblick von Manfred Linz“

Die industrielle Landwirtschaft gerät immer stärker unter Druck. Zunehmende ökologische Schäden, das Leiden der Nutztiere und die negative Klimabilanz sprechen immer stärker gegen den industriellen Weg. Nicht wenige Vordenker sagen deshalb biotechnologischen Verfahren, Bioreaktoren und Mikroorganismen eine große Zukunft voraus, insbesondere bei Milch und Fleisch, weil sie ohne ökologische Verwüstung und zu weit günstigeren Preisen die Welt ernähren könnten. Auf viele Flächen, die heute noch intensiv bearbeitet werden, könnten die Biotechnologien verzichten und damit die Klimagasbelastung der Lebensmittelproduktion erheblich verringern.

Doch wie tragfähig sind diese Botschaften?

Manfred Linz vom Institut für Welternährung hat in einer Literaturrecherche die Prognosen auf den Prüfstand gestellt und kommt zu einem ernüchternden Schluss. Bisher habe mit einer winzigen Ausnahme kein Produkt das Probestadium überwunden; alle Versprechen baldiger Marktfähigkeit blieben damit offen. Auch die große Verheißung, mit Bioreaktornahrung eine wachsende Weltbevölkerung gesund und preiswert zu ernähren, habe in den heute erkennbaren Realitäten keinen Anhalt. Das Narrativ, Bioreaktoren und Mikroorganismen könnten zu einer wesentlichen Stütze der Welternährung werden, diene gegenwärtig vor allem dem Zweck, Investoren von Risikokapital anzuziehen.

Die Ergebnisse der Studie können Sie unten stehend als PDF downloaden.

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Societal Transformation Scenario

Societal Transformation Scenario

Das Konzeptwerk Neue Ökonomie und die Heinrich-Böll-Stiftung haben mit dem „Societal Transformation Scenario“ (STS) einen risikoarmen und sozial gerechten Klimaschutzpfad zur Einhaltung der 1,5°C-Grenze veröffentlicht. Das Szenario modelliert erstmals, wie die globale Erderwärmung ohne den Einsatz risikoreicher Technologien wie Geo-Engineering oder neue Investitionen in Atomkraft durch eine sozial-ökologische Transformation auf 1,5°C begrenzt werden kann. Die Autor*innen berechnen für verschiedene Sektoren wie Transport, Ernährung und Wohnen konkrete, jährliche Emissionsreduktionsziele und skizzieren Vorschläge für einen sozial-ökologisch verträglichen Umbau. Damit können die globalen Emissionen von 2020 bis 2030 um 50 Prozent und von dort bis 2050 um weitere 22 Prozent reduziert werden.

Die Ergebnisse des STS zeigen beispielsweise für den Transportsektor in Industrieländern eine Entwicklung die zu 3% weniger Endenergieverbrauch pro Jahr führt, während – zum Vergleich – in den Corona-Lockdowns der Rückgang im Transportsektor bis zu 50 Prozent betrug. Auch im Gebäudebereich kann durch bessere Technik, geringere Geräteausstattungen und Wohnraumflächen pro Person (im statistischen Mittel) bis 2050 zwei Drittel des Energieverbrauchs eingespart werden.

Zudem könnten aufgrund von Ernährungsumstellungen wie einem Rückgang des Fleischkonsums in Industrieländern um rund 60 Prozent große landwirtschaftliche Gebiete in natürliche Ökosysteme zurückgeführt oder so nachhaltig bewirtschaftet werden. Die Ergebnisse der Modellberechnung zeigen aufgrund eines Kaskadeneffektes durch die erstgenannten Sektoren auch in der Industrie einen starken Rückgang der Energienachfrage im globalen Norden um bis zu 50 Prozent.

Berechnet wurden die Treibhausgasreduktionen des STS mit dem Global Calculator. Dieser erlaubt es die Auswirkungen verschiedenster Produktions- und Konsumniveaus auf den globalen Treibhausgasausstoß zu berechnen. Um die historischen Verantwortung des Globalen Nordens abbildbar zu machen, haben die Autor*innen das Modell angepasst.

Die Publikation „Societal Transformation Scenario“ können Sie hier als PDF herunterladen.  


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Europe Sustainable Development Report 2020

Europe Sustainable Development Report 2020

Europe faces its greatest SDG challenges in the areas of sustainable diets and agriculture, climate and biodiversity – and in strengthening the convergence of living standards across its countries and regions. Even before the onset of the pandemic, no European country was on track to achieve all 17 SDGs by 2030.

The EU and partner countries were performing especially poorly on SDG 2 (No Hunger), due to unsustainable diets, high and rising obesity rates, and unsustainable agricultural and farming practices. Major performance gaps are seen for SDG 12 (Responsible Consumption and Production), SDG 13 (Climate Action), SDG 14 (Life Below Water), and SDG 15 (Life on Land).

Education and innovation capacities must be strengthened to accelerate the convergence in living standards across EU Member States, and to equip EU citizens with the skills they need to thrive in a digital economy. That is the Summary of the Europe Sustainable Development Report 2020, which was issued in Paris and Brussel. 

„Europe Sustainable Development Report 2020 – Meeting the Sustainable Development Goals in the face of the COVID-19 pandemic“ was prepared by teams of independent experts at the Sustainable Development Solutions Network (SDSN) and the Institute for European Environmental Policy (IEEP).

Download the full report as PDF here.

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Online-Screening: Der Bauer mit den Regenwürmern

Online-Screening: Der Bauer mit den Regenwürmern

Den 45-minütigen Dokumentarfilm „Der Bauer mit den Regenwürmern“ von Bertram Verhaag gibt es am Sonntag, den 6. Dezember 2020 ab 16.30 Uhr im Live-Stream zu sehen. Zur Anmeldung geht es hier.

Sepp und Irene Braun sind seit 1984 Biobauern. Auf ihrem Hof in der Nähe von Freising betreiben sie neben biologischem Ackerbau auch biologische Viehzucht. Der Ökolandbau ist für die beiden eine Antwort auf die Frage des Klimawandels. Während sich auf konventionell bewirtschafteten Äckern durchschnittlich 16 Regenwürmer pro m2 finden lassen, tummelt sich bei Sepp und Irene Braun ungefähr die 25-fache Menge. Dass sie die Lebensbedingungen der fleißigen Helfer berücksichtigen, versteht sich von selbst: ihre „Wohnungen“ werden nicht durch schwere Maschinen platt gewalzt und eine eigens gesäte Kleekräutermischung dient als Winterfutter für die kleinen Helfer. Regenwurmkot liefert wertvollen Humus bis zu 2cm pro Jahr und 2m tiefe Regenwurmröhren, die pro Stunde bis zu 150 Liter Wasser aufnehmen und im Boden speichern können. Durch die erhöhte Bodenfruchtbarkeit erwirtschaften Sepp und Irene Braun weit mehr als ihre auf chemische Düngung setzenden Nachbarn. Das spricht sich herum: selbst die Frau des senegalesischen Präsidenten kündigt überraschend ihren Besuch an.

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Buchkritik: Blauer Mais und rote Kartoffel

Buchkritik: Blauer Mais und rote Kartoffel

Buchrezension zu Andreas Volz„Blauer Mais und rote Kartoffel – Eine kleine Kulturgeschichte bekannter und weniger bekannter Nahrungspflanzen“ von IWE-Vorstand Wilfried Bommert

Was hat die Maya bewegt, den Gott des Mais zu ihrem wichtigsten Gott zu erklären? Warum wurde der Mensch aus Mais geschaffen? Wieso schützt ein Maiskolben einsame Kinder davor, dass jemand ihre Seele stiehlt? Warum konnte sich der Mais über die ganze Welt verbreiten und ist heute eine der wichtigsten Pflanzen für die Ernährung von Mensch und Vieh? Wer die Kultur des Maisanbaus bis in seine Anfänge vor etwa 7000 Jahren verfolgt, kann viele Geschichten entdecken, die einem Körner und Kolben, so wie sie heute kultiviert werden, nicht mehr verraten.

Der Ethnologe Andreas Volz erzählt diese und andere Geschichten über unsere Nutzpflanzen in seinem Buch „Blauer Mais und rote Kartoffel – Eine kleine Kulturgeschichte bekannter und weniger bekannter Nahrungspflanzen„. Er geht der Spur der Kartoffeln nach, verfolgt die Wege von Amaranth und Quinoa. Fragt nach den dem Ursprung von Sesam, Reis und Sojabohnen. Erfreut den Leser und die Leserin mit der Geschichte von Datteln, Bananen, Erdnüssen und Süßkartoffeln.

Auch Exotisches wie  Pfeilwurz und Tigernuss finden im Kompendium, das Andreas Volz unterhaltsam und lehrreich verfasst hat, ihren Platz. Mit einer Fülle von Abbildungen und Karten, mit traditionellen Rezepten – nicht nur kulinarischen, sondern auch solchen, die der Heilung und Gesundheit dienen-, ist ihm auf mehr als 550 Seiten eine vielfältige Kulturgeschichte ausgewählter Nahrungspflanzen gelungen, die ihresgleichen sucht. Eine Empfehlung für alle, die mehr über die Ursprünge unserer Ernährung wissen wollen.

Andreas Volz, Blauer Mais und rote Kartoffel, Natur+Text 2019, ISBN: 978-3-942062-34-3, 49,90 € inkl. MwSt.

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PIK-Studie: Übergewichtig, Unterernährt, Vergeudet

PIK-Studie: Übergewichtig, Unterernährt, Vergeudet

Credit: Jan von Holleben (2019), CC BY-NC-ND

Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) unterstreicht die zwingende Notwendigkeit von industrieller Landwirtschaft ebenso Abschied zu nehmen wie von den Ernährungsgewohnheiten der Industrieländer.

Während die einen mit Pizza Hawaii, Eiscreme und Cola oder Limo stetig weiter zunehmen, leben die anderen nur von einer Handvoll Reis und Bohnen und hungern. Diese Kluft wird sich voraussichtlich vergrößern, und der Druck auf die Umwelt wird zunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des PIK. Die Ergebnisse alarmieren: Bis 2050 könnten 45 Prozent der Weltbevölkerung übergewichtig und davon 16 Prozent fettleibig sein – im Vergleich zu etwa 29 und 9 Prozent im Jahr 2010. Gleichzeitig würden weiterhin 500 Millionen Menschen an Untergewicht leiden und das Ökosystem weit über seine Grenzen belastet sein.

Der Anstieg von Übergewicht und Fettleibigkeit ist u.a. auf den Trend zu unausgewogenen, hochverarbeiteten Speisen mit viel Zucker und Fett zurückzuführen, während Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte aus den Mahlzeiten verdrängt werden. Zunehmende Verschwendung von Nahrungsmitteln und der steigende Konsum von Fleisch und Milchprodukten führen dazu, dass die Umweltfolgen des Agrarsystems nicht mehr zu beherrschen sind. Der Schluss der Forscher: „Wir gehen an die Belastungsgrenzen unseres Planeten – und darüber hinaus.“

„Ungesunde Ernährung ist das weltweit größte Gesundheitsrisiko“, erklärt Ko-Autorin Sabine Gabrysch, Leiterin der Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK. „Viele Länder in Asien und Afrika kämpfen derzeit noch mit Unterernährung und den damit verbundenen Gesundheitsproblemen. Gleichzeitig sind sie zunehmend auch mit Übergewicht und in der Folge mit einer steigenden Belastung durch Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs konfrontiert“, so Gabrysch. Die neue Studie biete hier wertvolle Orientierung über den möglichen Entwicklungspfad verschiedener Länder und Regionen. Sie könne auch die dringend benötigte proaktive Politik hin zu einer nachhaltigen und gesunden Ernährung befördern.

Die Studie des PIK können Sie hier lesen.

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Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten

Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten

Kommunen, Städte, Kirchen und öffentliche Institutionen sind häufig Eigentümer*innen von Agrarflächen. Das öffentliche Land bietet eine riesige Chance für eine zukunftsfähige Landnutzung. Dafür muss die lokale Agrarpolitik neu gestaltet werden. Das Handbuch „Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten“ ist für alle geschrieben, die einen konkreten Wandel im Umgang mit öffentlichem Land anstoßen wollen.

Es soll Inspiration bieten, um selbst aktiv zu werden und Wege aufzeigen, die Agrarwende vor Ort einzuleiten. Die gemeinnützige Organisation FINC will damit ihre Erfahrungen teilen, die sie in der Diskussion um die Verpachtung der öffentlichen Agrarflächen der Stadt Greifswald sammeln konnten. Und vor allem will FINC dazu motivieren, die Agrarwende in die eigenen Hände zu nehmen und sich für eine naturverträgliche und faire Verpachtung öffentlicher Agrarflächen einzusetzen.

Lesen Sie hier unser Interview mit dem Autor des Handbuchs und Mitinitiator des Aktionsbündnisses „Unser Land schafft Wandel“ Björn Pasemann.

Das Handbuch „Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten“ können Sie hier als PDF herunterladen.

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Dokumentarfilm: Unser Boden, unser Erbe

Dokumentarfilm: Unser Boden, unser Erbe

W-film / Tisda Media

Die dünne Humusschicht des Bodens versorgt alle Menschen auf der Welt mit Lebensmitteln, sauberem Trinkwasser und sauberer Luft. Und sie kann das Klima retten. Denn gesunde Böden sind nach den Ozeanen der größte Speicher für Treibhausgase und tragen wesentlich zur Senkung von CO2 bei.

Aber um zehn Zentimeter fruchtbare Erde zu bilden, braucht unser Planet mehr als 2.000 Jahre. Und dennoch nutzen wir unsere Böden, als wären sie unerschöpflich. Damit gefährden wir unsere Lebensmittelquelle. Was bedeutet das für die Zukunft? Wie muss sich die Landwirtschaft, die Gesellschaft ändern, damit wir unseren Kindern eine lebendige Welt mit lebendigen Böden weitergeben können?

Marc Uhlig zeigt in seinem Dokumentarfilm „Unser Boden, unser Erbe“, wie wichtig und zugleich extrem bedroht diese kostbare Ressource ist. Ob als Landwirt*in, Gärtner*in oder Konsument*in im Supermarkt – wir alle können zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit beitragen. Das inspirierende Plädoyer für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und nachhaltige Ernährung ist aktuell im Kino zu sehen.

Hier geht’s zur Filmkritik „Unser Boden, unser Erbe“ von Kino-Zeit, hier finden Sie ein Kino in Ihrer Nähe, in dem der Dokumentarfilm zu sehen ist.

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Warum die Preise im Supermarkt lügen – Die wirklichen Kosten von Lebensmitteln

Warum die Preise im Supermarkt lügen – Die wirklichen Kosten von Lebensmitteln

Angesichts der Klimakrise, der fortschreitenden Degradierung von Böden und jüngster Nachrichten zu unhaltbaren Zuständen in der Fleischbranche fordert  MISEREOR gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und Unternehmer*innen ein neues, integriertes Bilanzierungsverfahren für Unternehmen. Anders als bislang üblich sollten in diese Bilanz entlang der Wertschöpfungskette die Auswirkungen auf die Umwelt mit aufgenommen werden. Ebenso müssen Leistungen zugunsten des ökologischen Gleichgewichts, für Gesundheit und soziale Kosten mit bilanziert sein. 

„Viele Preise im Supermarkt spiegeln nicht die ökologischen und sozialen Folgekosten wider“, erklärt MISEREOR-Geschäftsführer Thomas Antkowiak. „Derzeit bildet der Preis nicht ab, ob Lebensmittel zum Beispiel durch Kinderarbeit hergestellt, unfaire Löhne gezahlt oder unter welchen Umständen die Produkte hergestellt werden.“ Die scheinbar günstigen Preise hätten zur Folge, dass immer mehr Produkte erzeugt werden, die für das Gemeinwohl und die Umwelt schädlich sind. Das Bekanntwerden der Probleme in Schlachthöfen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sei nur ein Beispiel, das zeige, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

„Umgekehrt haben biologisch und fair produzierte Waren, die viel weniger Folgekosten mit sich bringen, einen höheren Preis. Das ist ein Fall von Marktverzerrung, der uns alle letztlich teuer zu stehen kommt“, so Antkowiak. „Wir alle zahlen die Rechnung für diese Art des Wirtschaftens. Vor allem jedoch Menschen, die unter den Folgen des Klimawandels, wie Dürren oder Überschwemmungen leiden oder Bäuerinnen und Bauern weltweit, deren Trinkwasser mit Pestiziden belastet ist. Und: Die künftigen Generationen!“

Die GLS-Bank hat in einer Studie die Erfolgsrechnung von drei Bio-Höfen mit drei konventionellen Betrieben verglichen. Das Besondere: Hier wurden die  sozialen und ökologischen Kosten mit eingerechnet und die Erträge miteinander verglichen. Das Ergebnis: Die konventionelle Produktion verursacht Schäden in Höhe von durchschnittlich über 3.500 Euro pro Hektar und Jahr. Hochgerechnet auf die Zahl der Höfe und genutzten Fläche der derzeit vorherrschenden konventionellen Landwirtschaft in Deutschland entspricht dies Kosten in Höhe von rund 61 Milliarden Euro pro Jahr. Hingegen erzeugt die Bio-Landwirtschaft einen Nettogewinn in Höhe von durchschnittlich 885 Euro pro Hektar und Jahr, weil sie unter anderem die Artenvielfalt sichert, die Bodenfruchtbarkeit erhöht und CO2-Emissionen verringert. 

Ökologisch unbedenkliche Produkte könnten günstiger werden

„Es gilt also, Folgekosten aus der Produktion von Lebensmitteln nach dem Verursacherprinzip zu errechnen und auf deren Preis aufzuschlagen“, erläutert Dr. Tobias Gaugler von der Universität Augsburg: Das bedeutet, dass Lebensmittel, die dem Klima, der Biodiversität und der Gesundheit schaden, aktuell zu billig sind. Ökologisch unbedenkliche Produkte hingegen könnten in einer solchen „fairen“ Bilanz sogar günstiger werden, weil ihre Leistungen vergünstigend wirken wie zum Beispiel der Humusaufbau oder der Schutz der Artenvielfalt. Erst wenn Kostenwahrheit herrscht, ist ein fairer Wettbewerb möglich“, so Gaugler.

„Nur wenn vergleichbare Akteure am Markt mit gleichem Maßstab gemessen werden, erreichen wir hinsichtlich der Preisgestaltung eine gerechtere Basis“, erklärt auch der Gesellschafter der HiPP Gruppe, Stefan Hipp: „Derzeit tragen die Gesellschaft und wenige Unternehmen die Kosten für Schäden, die sie nicht verursacht haben. Über den Ansatz der wirklichen Kostenberechnung („True Cost Accounting„) würden nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Investitionen gefördert und belohnt.“ 

MISEREOR ist Gesellschafter des Fair Handelshaus Gepa und Mitglied bei der „True Cost Initiative“, zu der auch Unternehmen wie HiPP, der Bio-Teehersteller Lebensbaum und die GLS-Bank gehören. Die Initiative wird koordiniert vom Beratungsunternehmen Soil&More. Gemeinsam fordern die Mitglieder der „True Cost Initiative“, dass die Bilanzierung der wirklichen Kosten künftig nicht nur in der Lebensmittelwirtschaft, sondern in allen Wirtschaftsbereichen verbindlich angewandt werden. Nur so könne eine grundlegende Transformation unseres Wirtschaftssystems zu mehr Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit erzielt werden. 

Zum Thema „Die wirklichen Kosten unserer Lebensmittel – Eine zukunftstaugliche Bilanz“ hat MISEREOR aktuell ein Dossier mit Zahlen, Fakten, Meinungen und Hintergründen zum Thema herausgegeben. 
Es steht hier zum Download zur Verfügung.

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