Buchkritik: „Blauer Mais und rote Kartoffel“ von Andreas Volz

Buchkritik: „Blauer Mais und rote Kartoffel“ von Andreas Volz

Buchkritik zu Andreas Volz„Blauer Mais und rote Kartoffel – Eine kleine Kulturgeschichte bekannter und weniger bekannter Nahrungspflanzen“ von IWE-Vorstand Wilfried Bommert.

Was hat die Maya bewegt, den Gott des Mais zu ihrem wichtigsten Gott zu erklären? Warum wurde der Mensch aus Mais geschaffen? Wieso schützt ein Maiskolben einsame Kinder davor, dass jemand ihre Seele stiehlt? Warum konnte sich der Mais über die ganze Welt verbreiten und ist heute eine der wichtigsten Pflanzen für die Ernährung von Mensch und Vieh? Wer die Kultur des Maisanbaus bis in seine Anfänge vor etwa 7000 Jahren verfolgt, kann viele Geschichten entdecken, die einem Körner und Kolben, so wie sie heute kultiviert werden, nicht mehr verraten.

Der Ethnologe Andreas Volz erzählt diese und andere Geschichten über unsere Nutzpflanzen in seinem Buch „Blauer Mais und rote Kartoffel – Eine kleine Kulturgeschichte bekannter und weniger bekannter Nahrungspflanzen„. Er geht der Spur der Kartoffeln nach, verfolgt die Wege von Amaranth und Quinoa. Fragt nach den dem Ursprung von Sesam, Reis und Sojabohnen. Erfreut den Leser und die Leserin mit der Geschichte von Datteln, Bananen, Erdnüssen und Süßkartoffeln.

Auch Exotisches wie  Pfeilwurz und Tigernuss finden im Kompendium, das Andreas Volz unterhaltsam und lehrreich verfasst hat, ihren Platz. Mit einer Fülle von Abbildungen und Karten, mit traditionellen Rezepten – nicht nur kulinarischen, sondern auch solchen, die der Heilung und Gesundheit dienen-, ist ihm auf mehr als 550 Seiten eine vielfältige Kulturgeschichte ausgewählter Nahrungspflanzen gelungen, die ihresgleichen sucht. Eine Empfehlung für alle, die mehr über die Ursprünge unserer Ernährung wissen wollen.

Andreas Volz, Blauer Mais und rote Kartoffel, Natur+Text 2019, ISBN: 978-3-942062-34-3, 49,90 € inkl. MwSt.

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Superluminar-Folge: Zerstört unser Fleischkonsum das Klima?

Superluminar-Folge: Zerstört unser Fleischkonsum das Klima?

In der 11. Folge der Sendung Superluminar des Stern geht es um die Frage „Zerstört unser Fleischkonsum das Klima?“ Wie weit sind wir von einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion entfernt? Welches Fleisch ist besonders klimaschädlich? Und wie viele Lebensmittel landen im Müll? Redakteur Hannes Holtermann sprach darüber mit unserem IWE-Vorstand Wilfried Bommert und Alexander Schrode, Vorstand des Vereins NAHhaft.

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Symposium: Bilder machen für die Zukunft

Symposium: Bilder machen für die Zukunft

MOSAiC-Expedition; Photo: Esther Horvath

Das IWE unterstützt das Projekt „Biodiversität & Landwirtschaft“ der Neuen Schule für Fotografie. Im Rahmen des Projekts findet am Samstag, 31. Oktober das Symposium „Bilder machen für die Zukunft. Positionen der Umweltfotografie“ statt, zu dem wir Sie und Euch herzlich einladen.

Wann: 31. Oktober, 10–18 Uhr
Wo: Neue Schule für Fotografie (ausgebucht)
Live-Stream: Bitte melden Sie sich per Email bis 28. Oktober unter info@neue-schule-fotografie.berlin an.

Das Symposium stellt verschiedene Aspekte des noch jungen und fototheoretisch wenig erforschten Gebiets der Umweltfotografie vor. Wie wird die Umweltkrise in dokumentarischen und künstlerischen Positionen dargestellt? Welche historischen und zeitgenössischen Strategien gibt es in der Umweltfotografie, welche fototheoretischen Positionen? Welche Fotos haben tatsächlich Veränderungen angestoßen? Diese Fragen werden Referent*innen in ihren Vorträgen für das Symposium untersuchen.

Programm

10.15 Uhr: Begrüßung und Einführung – Dr. Susanne Holschbach und Ines Meier, Neue Schule für Fotografie

10.30 Uhr: PD Dr. Gisela Parak, Deutsches Schifffahrtsmuseum / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte Bremerhaven, „Protokoll einer verpassten Chance: Umweltschutz im Ausstellungsnarrativ der 1970er Jahre“

Mit „Project Documerica“ rief die amerikanische Umweltschutzbehörde 1971 eine Fotoagentur ins Leben, deren Bilder die Öffentlichkeit für aktuelle Themen sensibilisieren sollte. Eine besondere Funktion kam hierbei der 1974 eröffneten Ausstellung „Our Only World“ zu. Der Vortrag erörtert Programmatik und Umsetzung dieser Ausstellung und kontrastiert sie mit der 1969 im American Museum of National History präsentierten Schau „Can Man Survive?“

11.30 Uhr: Esther Horvath, Fotografin Alfred-Wegener-Institut, „Polarnight 25/24“

Als Dokumentarfotografin begleitete Esther Horvath 2019/20 Arbeit und Leben der Wissenschaftler*innen der MOSAiC-Expedition an Bord des Eisbrechers Polarstern sowie auf dem Meereis des Arktischen Ozeans. Während der monatelangen Polarnächte waren die Stirnlampen des Teams und die Scheinwerfer des Eisbrechers die einzigen Lichtquellen. Der ohrenbetäubende Wind und die tiefschwarze Dunkelheit sorgten für eine surreale Szenerie. In ihrem Vortrag nimmt Esther Horvath das Publikum mit auf eine Eisscholle und in die absolute Finsternis der Polarnächte und zeigt, wie Expeditionsteilnehmer*innen am entlegensten Ort unseres Planeten leben und arbeiten.

12.30–14 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr: Dr. Anna-Katharina Wöbse, Umwelthistorikerin, „Help! Umweltengagement und Fotografie im Anthropozän“

In den 1920er-Jahren erschüttert ein verstörendes Fotomotiv die Öffentlichkeit: Bilder von verölten Vögeln werden zu einem Topoi der internationalen Naturschutzbewegung. Sie bringen eine komplizierte Angelegenheit – die chronische Verschmutzung der Weltmeere – auf einen einfachen visuellen Punkt. Aus der Dokumentation entwickeln sich politische Aktionen – ein idealtypischer Prozess, der aber weder selbstverständlich noch einfach berechenbar ist. Der Beitrag wirft einen Blick auf Wechselwirkungen zwischen fotografischer Erzählung und Umweltengagement im 20. Jahrhundert.

15.00 Uhr: Claudius Schulze, Fotograf und Forscher, „Biosphere X“

Der Werkzyklus „Biosphere X“ führt zwei epochenprägende Entwicklungen zusammen: Das Verschwinden von Fauna einerseits und die Entstehung neuer Spezies durch künstliche Intelligenz, Bionik und Gentechnik andererseits. Während die Welt für Maschinen verständlich wird, verschwindet sie gleichzeitig für immer. Während das Physische in Bits und Bytes übersetzt wird, sterben Arten, weil deren Lebensgrundlage verloren geht. Werden Drohnen und Roboter die Tier- und Pflanzenwelt ersetzen? Können künstliche Intelligenz und Bionik dazu beitragen, Umweltprobleme zu lösen? Oder werden die Vorbilder aus der Natur verschwunden sein, bevor Ingenieure von ihnen lernen konnten? Welche Arten hätten sich entwickeln können, wäre die Evolution nicht gestört worden? Im Rahmen eines intensiven Forschungsprozesses bearbeitet Claudius Schulze mit großformatigen Fotografien, 3D-Scans, Animationen und seiner eigenen künstlichen Intelligenz diese Fragen.

16.00–16.30 Uhr: Kaffeepause

16.30–17.30 Uhr: Kurzpräsentationen Teilnehmer*innen Projekt „Biodiversität und Landwirtschaft“, Neue Schule für Fotografie

Die industrielle Landwirtschaft gehört zu den Hauptverursachern von Artensterben und Klimakrise, leidet aber gleichzeitig massiv unter den Folgen. Mit welchen Bildern können wir als Fotograf*innen die Öffentlichkeit auf dieses drängende Thema aufmerksam machen und positive Veränderungen bewirken? Eine Auswahl Studierender und Alumni der Neuen Schule für Fotografie, die an dem Projekt „Biodiversität & Landwirtschaft“ teilnehmen, stellen ihre fotografischen Arbeiten vor.

Das Symposium „Bilder für die Zukunft. Positionen der Umweltfotografie“ findet im Rahmen des European Month of Photography Berlin statt und ist Teil des Projekts „Biodiversität & Landwirtschaft“ der Neuen Schule für Fotografie Berlin, das durch die Heinrich-Böll-Stiftung, die Firma Hahnemühle, die GLS Bank, die Berliner Landeszentrale für politische Bildung, das Institut für Welternährung und das Ökodorf Brodowin gefördert wird.

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Systemwechsel und Meilensteine – Wording statt Politik

Systemwechsel und Meilensteine – Wording statt Politik

Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilfried Bommert zur EU-Agrarreform

Es sind die Worte, die Realitäten schaffen. Was politisch nicht zu erreichen ist, wird wenigstens verbal hochgehalten, um zu Hause nicht ganz das Gesicht zu verlieren.

Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner steht unter Druck von vielen Seiten. Von der Agrarlobby, die ein „weiter so“ mit ihren Traktoren erzwingen will. Von der Ernährungsindustrie, die die Ministerin als willfähriges Aushängeschild für ihre kalorienreiche aber gesundheitsarme Massenproduktion nutzt. Von den Umweltverbänden, die versuchen, ihr eine Ernährungswende abzuringen. Mit der deutschen Präsidentschaft hat sie nun auch noch die unwilligen Staaten Europas am Hals, die in ihrer Mehrheit alles wollen außer Bewegung und schon gar keine ökologische. Wer vor dieser Szenerie nicht verzweifelt, muss ein dickes Fell haben oder ein strategisches Sprachvermögen. Und das kann man der Ministerin nicht absprechen, als sie nach durchgesessener Nacht an die Öffentlichkeit trat und ein Ergebnis verkünden musste, dass keinerlei Taten in Richtung einer klimaverträglichen Landwirtschaft enthält. Was ihr und ihren Berater*innen blieb, um wenigstens die eigene Haut zu retten, war Wording. Die richtige Wortwahl, die verschleiert und beschönigt, was nicht zu beschönigen ist.

Der Kompromiss um die Zukunft der europäischen Agrarpolitik gibt vor, ein Meilenstein in Richtung Umweltverträglichkeit zu sein. Zwanzig Prozent der Mittel, die bisher wahllos verteilt wurden, sollen in Eco-Schemes fließen – Umweltprogramme, die sich die Nationalstaaten selbst ausdenken können. Und wenn die Bauern da nicht anbeißen, fällt das Geld zurück in die alte Gießkannenförderung. Meilenstein, super!

Dieser Mogelpackung auch noch der Titel „Systemwechsel“ umzuhängen, zeigt die Not, in der die Ministerin steht. Sie muss mit einem vorzeigbaren Ergebnis zurück in ein Deutschland kommen, in dem die Grünen immer mehr Land gewinnen. Und wenn das der Kompromiss nicht hergibt, dann zumindest das Wording, mit dem er nun verkauft werden soll. Wer Geschichten kennt, der denkt hier an „Des Kaisers neue Kleider“. Sie sollten die peinliche Nacktheit einer Majestät kaschieren, die längst den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat.

Das Verfahren macht klar, das nach wie vor Einsteins Lehrsatz gilt: Die, die mit ihrer Strategie den Karren in den Dreck gefahren haben, werden ihn mit der gleichen Strategie nicht heraus bekommen. Da braucht es andere Kräfte. Und die sitzen nicht in Brüssel oder Straßburg am Verhandlungstisch, sondern in Köln und Hamburg, in Berlin und München – in mehr als 50 deutschen Städten. Sie sitzen als Bürger*innen in Ernährungsräten, die sich vorgenommen haben, das verfahrene Ernährungssystem politisch von unten neu aufzustellen, in der Region, für die Region, fair und klimaverträglich. Für sie ist das Signal aus Brüssel ein Meilenstein, der ihnen klar macht, dass es für ihre Arbeit an einer Ernährungswende von unten keine Alternative gibt. Und es ist ein Aufruf zum Systemwechsel, nicht als rhetorische Hülse, wie die deutsche Agrarministerin ihn nutzt, sondern als Vision, die Realität werden kann, wenn man ehrlich und engagiert daran arbeitet. Politik statt Wording und nicht Wording statt Politik.

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Bio kein Exportschlager

Bio kein Exportschlager

Der folgende Beitrag von IWE-Vorstand Wilfried Bommert wurde in der Zeitschrift Ökologie & Landbau veröffentlicht.

Das Ökokonzept der Industrieländer baut auf funktionierende Institutionen, Wohlstand und Wissen auf – wo Korruption und Armut zum Alltag gehören, ist es keine Option. Eine ökologisierte Landwirtschaft hingegen schon.

Hinderlich für einen „Exportschla­ger Bio“ ist nicht nur die erfor­derliche Zertifizierung und die damit verbundene stete Prüfung und Etikettie­rung, die der Expertise bedarf und viel Geld verschlingt. Hinderlich ist auch, dass die meisten Bäuerinnen und Bauern im Globalen Süden arm sind und die landwirtschaftlichen Organisationen ebenso desolat wie die staatliche Verwal­tung. Hinzu kommt das fehlende Ver­ trauen in öffentliche Kontrolle, wo Vetternwirtschaft und Bestechung zum Alltag gehören. Das Biokonzept der Industrieländer setzt auf Vertrauen, Wohlstand und Expertise, deshalb kann es kein Exportmodell werden.

Die Mehrheit der Menschen im Globalen Süden lebt in Armut. Die Kundschaft auf den Märkten kann nur mit Kleingeld be­zahlen. Auch wenn sie rasend schnell wachsen, in den Megastädten des Südens entstehen keine Wohlstandsblasen. Ihr Wachstum ist die Folge von Landflucht, von bewaffneten Konflikten, von Hunger und Unterdrückung. Was hier nottut, ist nicht EU­Öko, sondern ein robustes ökologisches System, das sichere und preiswerte Ernährung vor Ort schafft. Urbane Gärten, die in Form von Genos­senschaften und ohne Pestizide und Kunstdünger bewirtschaftet werden, so wie sie in den Städten Kubas und auch in Argentinien anzutreffen sind.

Oder auch eine stadtnahe ökologische Kleinlandwirtschaft, wie sie unter der Regierung Lula in Brasilien propagiert wurde und auch heute noch über lokale Märkte und ein Netz von „Restaurante Popular“ die Armen Brasiliens speist. Dazu gehören auch die Haus-­ und Bauerngärten, die mit ihrer Vielfalt an Gemüse und Obst die Märkte in Afrika versorgen. Das „System of Rice Intensification“ gehört ebenfalls zu den ökologischen Vorbil­dern. Es verzichtet auf synthetischen Stickstoff und Pestizide, lässt die Nass­phase des Reisanbaus ausfallen, verzichtet auf die Hälfte des sonst üblichen Was­sers sowie auf den klimaschädlichen Methanausstoß.

„Push and Pull“ heißt ein anderes agrarökologisches System, das erfolgreich auf den Maisfeldern die Fressfeinde fernhält. Und schließlich Agroforstwirtschaft, das ökologische Zu­sammenwirken von Bäumen und Land­wirtschaft. Es ist im indischen Hochland zu Hause und sorgt dort für sichere Er­träge. Das alles ist ökologische Landwirt­schaft in ihrer globalen Vielfalt, aber ohne Zertifikat. Und sie steht für das, was der Weltagrarbericht bereits 2008 forder­te: eine agrarökologische Evolution.

Das Konzept der Agrarökologie wird die Zukunft der Welternährung bestimmen. Es umfasst nicht nur die Ökologie der Bewirtschaftung und ihrer Umwelt­folgen, sondern auch das Zusammenwir­ken mit der Natur, den Menschen und ihren Kulturen. Auch wenn die Ertrags­kraft der agrarökologischen Systeme ger­ne von der konventionellen Seite herab­ gesetzt wird, besitzen sie mehr Potenzial als bisher angenommen. Das Internatio­nal Panel of Experts on Sustainable Food Systems (IPES­-Food) stellte 2016 fest, dass durch agrarökologische Evolution eine Steigerung der Erträge um bis zu 80 Prozent möglich sei. Olivier De Schut­ter, der UN­Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, kam schon 2011 zu dem Ergebnis, dass agrarökologische Methoden die Ernten besonders in afrikanischen Staaten verdoppeln könnten.

Unberücksichtigt dabei sind Forschung und Ausbildung, die zusätzliches Poten­zial erschließen könnten, denn die öko­logische Agrarforschung liegt in den Ländern des Südens ebenso danieder wie die landwirtschaftliche Fachausbildung. Was fehlt, ist Geld, vor allem das des Glo­balen Nordens. Das fließt noch immer vor allem in agroindustrielle Großkon­zepte. Wenn Europa im Globalen Süden ökologisch ins Spiel kommen will, dann nicht mit seinem EU­Ökomodell, son­dern mit einer grundlegenden Ökologi­sierung seiner Agrarwirtschaft als Vor­bild für die Welt. Darin liegt die europäische Herausforderung und die der deutschen Präsidentschaft.

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Wilfried Bommert bei detektor.fm: Die Zukunft der Ernährung

Wilfried Bommert bei detektor.fm: Die Zukunft der Ernährung

Wie kann eine klimaverträgliche Ernährung in Zukunft aussehen? Im Podcast „Mission Energiewende“ von detektor.fm diskutierten diese Frage Wilfried Bommert vom IWE, Gunther Hirschfelder, Sozial- und Kulturanthropologe an der Universität Regensburg und Ulrike Johannsen, Professorin für Ernährung, Gesundheit und Konsum an der Europäischen Universität Flensburg.

Die Sendung gibt es hier zum Nachhören.

IWEWilfried Bommert bei detektor.fm: Die Zukunft der Ernährung
„Future-Food“-Sommerakademie 2020 des IWE

„Future-Food“-Sommerakademie 2020 des IWE

„Bio oder Bioreaktor, Meer oder Land, Fabrik oder Feld, wie wird sich die Welt in Zukunft ernähren?“ das war das Thema unserer diesjährigen (virtuellen) IWE-Sommerakademie, zu der Prof. Thomas A. Vilgis vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz den Einführungsvortrag gehalten hat. Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, nach welchen Maßstäben wir die neuartigen Produkte, die auf den Markt drängen, bewerten sollten. Was macht ein Nahrungsmittel aus, das für uns Lebensmittel sein kann? Und was unterscheidet solche Lebensmittel von den hochverarbeiteten Produkten, mit denen die Ernährungsindustrie in Zukunft ihre Rendite erwirtschaften will?

Fleischersatz aus Zellkulturen?

Feststeht: Corona-Pandemie und Klimakrise setzen unser Ernährungssystem unter Stress, und wir erkennen klarer denn je, dass es diesem Stress nicht gewachsen ist. Wir als IWE haben uns in unserer Streitschrift festgelegt: „Nur eine ökologische Landwirtschaft kann 10 Milliarden Menschen ernähren“. Mittlerweile betreten aber weitere Akteure die Bühne und preisen neue Rohstoffquellen und Herstellungsverfahren für unsere Ernährung: Neben Algen, Insekten und Bakterien geht es beispielsweise auch um Züchtung von Zellkulturen als Fleischersatz.

Noch steht die Forschung am Anfang

Noch steht die Forschung ganz am Anfang. Doch das wirtschaftliche Interesse an der synthetischen Erzeugung von Nahrungsmitteln ist groß. Hinter den Kulissen und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, wird die Entwicklung deshalb mit Macht vorangetrieben. Wohin geht die Reise? Sind hochverarbeitete synthetisch erzeugte Lebensmittel ein probates Mittel im Kampf gegen den Hunger in der Welt? Prof. Dr. Thomas A. Vilgis bezweifelt das.

Lebensmittel sind mehr als die Summe ihrer Einzelteile

Die zentrale These seines Vortrags: Lebensmittel sind mehr als die Summe ihrer Einzelteile. Was ein Lebensmittel zur Lebensqualität beitragen kann, hängt davon ab, wie und ob es sich an unsere achttausend-jährige kulinarische Erfahrung anschließen kann, in der wir als Sammler, Jäger, Ackerbauer und Viehhalter, als Pflanzen- und Fleischesser unterwegs waren. Hochverarbeitete synthetisch erzeugte Nahrungsmittel besitzen diese Anschlussfähigkeit möglicherweise nicht. 

Hier geht’s zum kompletten Vortrag von Prof. Thomas A. Vilgis mit einer Einführung von IWE-Vorstand Wilfried Bommert:

IWE„Future-Food“-Sommerakademie 2020 des IWE
Biodiversität & Corona

Biodiversität & Corona

Ein Beitrag von IWE-Mitglied Marie-Luise Dörffel

Wussten Sie schon… dass globale Gesundheitsrisiken wachsen, wenn Tropenwälder abgeholzt werden?

Ein Zusammenhang, der auf den ersten Blick verblüfft: Wie schützen Wälder vor neuen Krankheiten, neuen Pandemien?

Waldrodungen zerstören das Gleichgewicht in der Natur und Krankheiten von Tieren, sogenannte Zoonosen, können leichter von Tieren auf Menschen überspringen. Malariaausbrüche in Brasilien stehen beispielsweise im direkten Zusammenhang mit Waldrodungen und der WWF warnt, dass eine Pandemie wie Covid-19 nur ein Vorgeschmack auf Kommendes sein könnte.

Wie das UN-Umweltprogramm (UNEP) und das International Livestock Research Institute (ILRI) so zeigt auch der WWF in seiner neusten Studie, dass fortschreitender Umweltraubbau das Gleichgewicht der Natur zerstört und sich Krankheiten erfolgreich ausbreiten werden. Je mehr der Mensch natürliche Lebensräume und Räuber-Beute-Zusammenhänge vernichtet, desto mehr werden Tiere versuchen, sich neue Lebensräume zu erschließen. Und umso größer werden die Chancen, dass Krankheiten von Tieren auf Menschen überspringen können und sich Viren und Bakterien entsprechend ihres neuen Wirtes auch verändern.

Als Beispiel führt der WWF unter anderem Afrika an. Dort reduzierte sich durch den Bau von Staudämmen die Zahl der wandernden Süßwassershrimps dramatisch. In der Folge vermehrte sich eine bestimmte Schneckenart, die üblicherweise zur Beute der Shrimps gehörte. Diese Schnecken wiederum sind Zwischenwirt für den Bilharziose-Erreger, der sich seinerseits gut entwickeln konnte, was bei den Menschen zu einer Zunahme an Krankheitsfällen führte.

An diesem, sowie an vielen anderen Beispielen wird deutlich: Die Gesundheit des Menschen steht in direkter Abhängigkeit zu einer intakten Natur. Erkenntnisse aus dieser sowie aus anderen Studien sollten zukünftig die Entscheidungen beeinflussen, wenn es z.B. um die weitere Ausdehnung von Anbauflächen, z. B. für Soja oder Weizen in Brasilien und anderen Ländern geht.

Das Hintergrundpapier „Umweltzerstörung und Gesundheit“ des WWF können Sie hier als PFD herunterladen.

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Wir trauern um Ursula Hudson

Wir trauern um Ursula Hudson

Ursula Hudson, Foto: Jürgen Binder

Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland und Vorstandsmitglied von Slow Food International, ist am 10. Juli nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

Ursula Hudson gehörte zu den ersten Mitgliedern des Instituts für Welternährung. Kurz nach seiner Gründung 2012 ist sie unserem Institut beigetreten. Sie war davon überzeugt, dass unser Ernährungssystem zutiefst renovierungsbedürftig und eine Ernährungswende dringend notwendig sei, aber dass dies nur als gemeinsames Projekt durchzusetzen wäre.

Uns verbinden nicht nur viele gemeinsame Aktionen, zuletzt der offene Brief an die Bundeslandwirtschaftsministerin, die deutsche Präsidentschaft für eine grundsätzliche Neuausrichtung unserer Landwirtschaft und Ernährungspolitik zu nutzen. Sie gab uns Rat und Unterstützung bei unserer Streitschrift „Landwirtschaft am Scheideweg. Nur eine ökologische Landwirtschaft kann 12 Milliarden Menschen ernähren“. Sie hat unseren Ideen immer wieder Raum geschaffen auf den Veranstaltungen von Slow Food Deutschland und ihrer Youth Akademie.

Wir haben sie sehr geschätzt für ihren scharfen Intellekt, ihren kritischen Geist, ihre emotionale Wärme, ihren Witz und Charme, ihre Wertschätzung. Sie wollte in aller Bescheidenheit „die (Ernährungs-)Welt ein klein wenig besser machen“. Darin hätte wir sie gerne noch lange begleitet. Wir hatten noch viel vor, ihre Kräfte haben sie zu früh verlassen.
Wir trauern um Ursula Hudson.

IWEWir trauern um Ursula Hudson
Wettbewerb: Euer Beitrag für den Ernährungswandel

Wettbewerb: Euer Beitrag für den Ernährungswandel

Ihr engagiert Euch für ein nachhaltiges Ernährungssystem? Ihr kennt jemanden, der das macht? Eure Forschung ermöglicht es, Ernährung nachhaltiger zu gestalten? Ihr setzt euch mit Eurem Projekt, Eurem Unternehmen für den Ernährungswandel ein?

Dann ist dieser Wettbewerb Euer Wettbewerb!

Schreibt einen packende Geschichte, sendet Fotos, Bilder, Videos oder Filme, die Ernährungswandel greifbar, machbar und attraktiv machen. Nehmt teil, erzählt Eure Geschichte. Und gewinnt den Hauptpreise in Höhe von 1000 und 700 Euro sowie zwei weitere Preise zu 300 und zwei zu 100 Euro.

Reicht Eure Projektvorstellungen, Personenporträts* und Artikel auf ernaehrungswandel.org/wettbewerb ein.

Einsendeschluss: 15.10.2020

Fragen? redaktion@ernaehrungswandel.org

* Der Preis für Fremdporträts wird zu gleichen Teilen an die porträtierte Person und die Autor*in ausgezahlt.

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Personen ab 18 Jahren können teilnehmen. Mit der Einreichung der Beiträge erteilt Ihr uns die Rechte für die Veröffentlichung. Hilfestellung für die Einreichung, eine ausführliche Beschreibung des Wettbewerbs sowie die vollständigen Teilnahmebedingungen findet Ihr auf ernaehrungswandel.org/wettbewerb. Veranstalter des Wettbewerbs ist NAHhaft e.V. in Kooperation mit dem Institut für Welternährung e.V. Ermöglicht wird der Wettbewerb durch private Spender*innen und die BKK ProVita. V.i.S.d.P.: NAHhaft e.V., Louisenstr. 89, 01099 Dresden.

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