Unternehmen zeichnen ein Bild von der Zukunft der Landwirtschaft – Minister Rainer scheinbar nicht

Kritischer Blick auf die „Agrar & Ernährung 2026“
Ein Kommentar von IWE-Vorstand Peter Wogenstein

Was kann man von der Konferenz „Agrar & Ernährung 2026“ in Berlin mitnehmen? Eines auf jeden Fall: neben den Klagen von Landwirtschaftsminister Rainer über die Krisen und die Notwendigkeit für mehr Krisenmanagement wurde deutlich, er hat kein Bild von der Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland. Sie soll – so Rainer – „stark und resilient“ sein. „Wir brauchen eine Landwirtschaft in ihrer Vielfalt“, so Rainer. Was er damit meint, bleibt dem Zuhörer verschlossen. Er wolle „Vertrauen“ aufbauen, doch der Zuhörer fragt sich: in was und in wen in der jetzigen Legislaturperiode? Klimaschutz steht wohl nicht im Fokus, immerhin wurde der Klimawandel endlich wahrgenommen.
 
Anders präsentieren sich Unternehmen und geben zumindest für sich, Erzeuger und ihre Kunden eine Richtung vor. „Wir wollen eine Transformation des Ernährungssystems“, ein starker Aufschlag durch Miriam Schroer, Leiterin CSR & Nachhaltigkeit bei Lidl. „Wir setzen auf Planetary Health Diet“. Es gehe darum, dem Kunden das Warenangebot im Sinne der Planetary Health näher zu bringen und zu bieten. Bioland ist an Bord, aber man sei „noch am Anfang“, es sei „ein Prozess“. So unterliegt das Sortiment für eine Planetary Health Diet mit überwiegend pflanzlichen Produkten, Nüssen und Hülsenfrüchten dem Einfluss der Kunden und deren Nachfrage und Lieferanten, insbesondere bei größeren Mengen. Aber, so Lidl, das wolle der Konzern weiterverfolgen. Dass Lidl im Wettbewerb der großen Händler Geld verdienen will, steht außer Frage. Ob der Discounter die Fahne der „Nachhaltigkeit“ weiter hochhalten wird, muss in Zukunft überprüft werden.
 
Nestlé wirbt für einen Weg Richtung „Regenerativer Landwirtschaft“. Nestlé verpflichtet ihre Erzeuger von Grundnahrungsmitteln zu „gesundem Boden, Wassermanagement und Biodiversität“, so Andrea Schwalber, Sustainability Managerin, Nestlé Deutschland, und fördert die Umstellung der Betriebe über „3 bis 5 Jahre“. Das klingt vielversprechend für die, die weniger agrarindustrielle Landwirtschaft wollen. Es geht Nestlé dabei um ihre eigene Versorgungssicherheit durch die Erzeuger, somit um die Absicherung ihrer Lieferketten in Zukunft.  Blickt man hinter die Kulissen, so wird deutlich: Kunstdünger und Pestizide sind kein Tabu.  Das hänge sehr vom „jeweiligen Betrieb und dem Land“ ab, da Nestlé international unterwegs sei. Vertragsbedingungen und Konditionen waren nicht zu erfahren.
 
Was bleibt? Immerhin Beispiele aus Lebensmittelhandel und Lebensmittelindustrie, die auch auf Druck der Öffentlichkeit und der Kunden mehr tun müssen für eine nachhaltige Landwirtschaft. Kritiker nennen das Greenwashing. Sie weisen darauf hin, dass Abhängigkeiten geschaffen werden zwischen Erzeuger und Handel bzw. Industrie, eben nicht das notwendige Entgelt für den Erzeuger, sondern der Profit der Großen im Vordergrund steht. Die Marktmacht der Großen bestimmt die Erzeugerpreise, die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe hängt aber im Wesentlichen von Preisen ab.
 
Positiv darauf geschaut sind es kleine Zeichen an die Verbraucher, dass wir alle auf einen Wandel des Ernährungssystem und die Art unserer Landwirtschaft Einfluss nehmen können. Es darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Erzeuger den geringsten Anteil am Preis hat, den wir für Lebensmittel an der Ladenkasse zahlen. Und es muss deutlich gemacht werden, dass die landwirtschaftlichen Betriebe unter einem erheblichen Kostendruck stehen: so durch die in den letzten Monaten erheblich gestiegenen Energiekosten. Hilfe könnte von einem energischen, gestaltenden Bundeslandwirtschaftsminister kommen. Aktuelle Beihilfen für Dünger und Diesel sind aber kein Zukunftskonzept! Dazu hörte man wenig vom Minister auf der „Agrar & Ernährung 2026“: traurig und bedrohend für viele landwirtschaftlichen Betriebe.

Foto: Shutterstock/Olivier Tabary

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