
JBS*, das größte Fleischunternehmen der Welt mit Sitz in Brasilien investiert 2,5 Milliarden US-Dollar in Nigeria. Für die Kleinbauern des Landes bedeutet das nichts Gutes.
Ein Kommentar von IWE-Vorstand Wilhelm Wallefeld
Im November 2024 unterzeichnete das weltweit größte Fleischunternehmen JBS ein ‘Memorandum of Understanding’, einen ‘Vor-Vertrag’ mit der nigerianischen Regierung. Im Mai 2026 wurde die Vereinbarung offiziell besiegelt. Das Investitionsvolumen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar fließt in sechs neue Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe.
Nigeria produziert nur knapp die Hälfte seines Proteinbedarfs im eigenen Land. Einfuhren sind zum Teil mit hohen Zöllen belastet oder ganz verboten.
Die Frage ist: wie will JBS seine Anlagen auslasten? Es gibt (öffentlich) keinen konkreten Plan, nur Absichtserklärungen für eine Lieferkettenentwicklung. Dazu gehören vage Zusagen, kleine Erzeuger und nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken ‘zu unterstützen’. Mit diesem „Plan“ werden diese Schlacht- und Verarbeitungsanlagen jedoch nicht ausgelastet sein.
Schlacht- und Zerlegebetriebe arbeiten nur mit niedrigen Margen und brauchen deshalb hohen Durchsatz. Außerdem unterliegen sie in der Regel zyklischen Schwankungen. Es sei denn, das Unternehmen ist vertikal integriert, d.h. es produziert die Schlachttiere und u.U. das Futter für die Tiere in eigener Regie.
Es bleibt die Frage: was bedeutet das für die Kleinbauern?
In der Regel läuft das auf drei Möglichkeiten hinaus:
1. Die Kleinbauern bekommen Kredite, um ihre Landwirtschaft zu vergrößern und zu rationalisieren.
2. Die Kleinbauern bekommen die Inputs vom Fleischbetrieb gestellt und arbeiten unter Vertrag für das Unternehmen.
3. Die Firma kollaboriert mit der zuständigen Regierung (oder deren ‘Vertreter’) und verdrängt die Kleinbauern von ihren Flächen. In der Regel ist das Eigentum an diesen Flächen von den Kleinbauern nicht einklagbar. Für das Unternehmen ist dies die attraktivste Form.
Eine wahrscheinliche Folge ist Landflucht in die Städte, in denen schon hohe Arbeitslosigkeit herrscht und Migration.
* JBS S. A. (José Batista Sobrinho Sociedade Anônima) ist eine brasilianische Aktiengesellschaft. Sie ist der größte Fleischproduzent der Welt und das größte Fleischverarbeitungsunternehmen in Südamerika. Die heutige JBS entstand 2007 aus einer Übernahme des US-amerikanischen Fleischkonzerns Swift & Company durch die brasilianische JBS S.A. Sitz der Gruppe ist São Paulo (Brasilien) und Dallas (Texas, USA). CEO des Mutterkonzerns JBS S.A. ist Joesley Mendonça Batista, sein Sohn Wesley Mendonça Batista ist CEO von JBS USA Inc. JBS ist an der brasilianischen Börse Bovespa notiert. Mehrheitsaktionär der JBS S.A. ist J&F Participações (J&F).
Foto: Ökolandwirtschaftsflächen in Nigeria, Shutterstock/Tayvay