Für einen globalen Ökohumanismus

Für einen globalen Ökohumanismus

Die kommenden gesellschaftlichen Großkonflikte werden ganz erheblich von ökologischen Faktoren beeinflusst. Dennoch wird die ökologische Frage nicht im Zentrum stehen, da kurz- und mittelfristig soziale Spannungen in den Vordergrund drängen. Wie kann sie dennoch die nötige Berücksichtigung erfahren? 

Durch eine Weiterentwicklung ökologischen Denkens zu einem radikalen und globalen Ökohumanismus – sagen Pierre L. Ibisch und Jörg Sommer. Die beiden Mitherausgeber des  JAHRBUCH ÖKOLOGIE laden zu einer offenen Debatte ein: Wie muss sich unser Denken im Anthropozän verändern, damit wir eine ökologisch verträgliche und sozial gerechte Zukunft gestalten können.

Dieses ePaper von Pierre L. Ibisch und Jörg Sommer ist als Abschlusskapitel des JAHRBUCH ÖKOLOGIE 2021 „Ökologie und Heimat“ erschienen und steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Pierre L. Ibisch ist Biologe und Professor für Nature Conservation und Direktor des Centre for Econics and Ecosystem Management an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde; Forschungsprofessur für Ökosystembasierte nachhaltige Entwicklung; stv. Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung; Mitherausgeber des JAHRBUCH ÖKOLOGIE.

Jörg Sommer arbeitet als Sozialwissenschaftler und Publizist. Er ist u.a. Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung, Direktor des Berlin Institut für Partizipation, Vorsitzender der Gesellschaft für Jugend und Sozialforschung, Koordinator der Allianz Vielfältige Demokratie und geschäftsführender Herausgeber des JAHRBUCH ÖKOLOGIE. 

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Food system impacts on biodiversity loss

Food system impacts on biodiversity loss

The paper „Food system impacts on biodiversity loss“, published by the independent policy institute Chatham House, explores the role of the global food system as the principal driver of accelerating biodiversity loss. It explains how food production is degrading or destroying natural habitats and contributing to species extinction. The paper outlines the challenges and trade-offs involved in redesigning food systems to restore biodiversity and/or prevent further biodiversity loss, and presents recommendations for action.

The paper introduces three ‘levers’ for reducing pressures on land and creating a more sustainable food system. The first is to change dietary patterns to reduce food demand and encourage more plant-based diets. The second is to protect and set aside land for nature, whether through re-establishing native ecosystems on spared farmland or integrating pockets of natural habitat into farmland. The third is to shift to more sustainable farming. All three levers will be needed for food system redesign to succeed.

Download the paper „Food system impacts on biodiversity loss“ as PDF here.

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Übernehmen Bioreaktoren unsere Ernährung?

Übernehmen Bioreaktoren unsere Ernährung?

„Aussichten der Bioreaktornahrung – Ein Überblick von Manfred Linz“

Die industrielle Landwirtschaft gerät immer stärker unter Druck. Zunehmende ökologische Schäden, das Leiden der Nutztiere und die negative Klimabilanz sprechen immer stärker gegen den industriellen Weg. Nicht wenige Vordenker sagen deshalb biotechnologischen Verfahren, Bioreaktoren und Mikroorganismen eine große Zukunft voraus, insbesondere bei Milch und Fleisch, weil sie ohne ökologische Verwüstung und zu weit günstigeren Preisen die Welt ernähren könnten. Auf viele Flächen, die heute noch intensiv bearbeitet werden, könnten die Biotechnologien verzichten und damit die Klimagasbelastung der Lebensmittelproduktion erheblich verringern.

Doch wie tragfähig sind diese Botschaften?

Manfred Linz vom Institut für Welternährung hat in einer Literaturrecherche die Prognosen auf den Prüfstand gestellt und kommt zu einem ernüchternden Schluss. Bisher habe mit einer winzigen Ausnahme kein Produkt das Probestadium überwunden; alle Versprechen baldiger Marktfähigkeit blieben damit offen. Auch die große Verheißung, mit Bioreaktornahrung eine wachsende Weltbevölkerung gesund und preiswert zu ernähren, habe in den heute erkennbaren Realitäten keinen Anhalt. Das Narrativ, Bioreaktoren und Mikroorganismen könnten zu einer wesentlichen Stütze der Welternährung werden, diene gegenwärtig vor allem dem Zweck, Investoren von Risikokapital anzuziehen.

Die Ergebnisse der Studie können Sie unten stehend als PDF downloaden.

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Societal Transformation Scenario

Societal Transformation Scenario

Das Konzeptwerk Neue Ökonomie und die Heinrich-Böll-Stiftung haben mit dem „Societal Transformation Scenario“ (STS) einen risikoarmen und sozial gerechten Klimaschutzpfad zur Einhaltung der 1,5°C-Grenze veröffentlicht. Das Szenario modelliert erstmals, wie die globale Erderwärmung ohne den Einsatz risikoreicher Technologien wie Geo-Engineering oder neue Investitionen in Atomkraft durch eine sozial-ökologische Transformation auf 1,5°C begrenzt werden kann. Die Autor*innen berechnen für verschiedene Sektoren wie Transport, Ernährung und Wohnen konkrete, jährliche Emissionsreduktionsziele und skizzieren Vorschläge für einen sozial-ökologisch verträglichen Umbau. Damit können die globalen Emissionen von 2020 bis 2030 um 50 Prozent und von dort bis 2050 um weitere 22 Prozent reduziert werden.

Die Ergebnisse des STS zeigen beispielsweise für den Transportsektor in Industrieländern eine Entwicklung die zu 3% weniger Endenergieverbrauch pro Jahr führt, während – zum Vergleich – in den Corona-Lockdowns der Rückgang im Transportsektor bis zu 50 Prozent betrug. Auch im Gebäudebereich kann durch bessere Technik, geringere Geräteausstattungen und Wohnraumflächen pro Person (im statistischen Mittel) bis 2050 zwei Drittel des Energieverbrauchs eingespart werden.

Zudem könnten aufgrund von Ernährungsumstellungen wie einem Rückgang des Fleischkonsums in Industrieländern um rund 60 Prozent große landwirtschaftliche Gebiete in natürliche Ökosysteme zurückgeführt oder so nachhaltig bewirtschaftet werden. Die Ergebnisse der Modellberechnung zeigen aufgrund eines Kaskadeneffektes durch die erstgenannten Sektoren auch in der Industrie einen starken Rückgang der Energienachfrage im globalen Norden um bis zu 50 Prozent.

Berechnet wurden die Treibhausgasreduktionen des STS mit dem Global Calculator. Dieser erlaubt es die Auswirkungen verschiedenster Produktions- und Konsumniveaus auf den globalen Treibhausgasausstoß zu berechnen. Um die historischen Verantwortung des Globalen Nordens abbildbar zu machen, haben die Autor*innen das Modell angepasst.

Die Publikation „Societal Transformation Scenario“ können Sie hier als PDF herunterladen.  


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Europe Sustainable Development Report 2020

Europe Sustainable Development Report 2020

Europe faces its greatest SDG challenges in the areas of sustainable diets and agriculture, climate and biodiversity – and in strengthening the convergence of living standards across its countries and regions. Even before the onset of the pandemic, no European country was on track to achieve all 17 SDGs by 2030.

The EU and partner countries were performing especially poorly on SDG 2 (No Hunger), due to unsustainable diets, high and rising obesity rates, and unsustainable agricultural and farming practices. Major performance gaps are seen for SDG 12 (Responsible Consumption and Production), SDG 13 (Climate Action), SDG 14 (Life Below Water), and SDG 15 (Life on Land).

Education and innovation capacities must be strengthened to accelerate the convergence in living standards across EU Member States, and to equip EU citizens with the skills they need to thrive in a digital economy. That is the Summary of the Europe Sustainable Development Report 2020, which was issued in Paris and Brussel. 

„Europe Sustainable Development Report 2020 – Meeting the Sustainable Development Goals in the face of the COVID-19 pandemic“ was prepared by teams of independent experts at the Sustainable Development Solutions Network (SDSN) and the Institute for European Environmental Policy (IEEP).

Download the full report as PDF here.

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Buchkritik: Blauer Mais und rote Kartoffel

Buchkritik: Blauer Mais und rote Kartoffel

Buchrezension zu Andreas Volz„Blauer Mais und rote Kartoffel – Eine kleine Kulturgeschichte bekannter und weniger bekannter Nahrungspflanzen“ von IWE-Vorstand Wilfried Bommert

Was hat die Maya bewegt, den Gott des Mais zu ihrem wichtigsten Gott zu erklären? Warum wurde der Mensch aus Mais geschaffen? Wieso schützt ein Maiskolben einsame Kinder davor, dass jemand ihre Seele stiehlt? Warum konnte sich der Mais über die ganze Welt verbreiten und ist heute eine der wichtigsten Pflanzen für die Ernährung von Mensch und Vieh? Wer die Kultur des Maisanbaus bis in seine Anfänge vor etwa 7000 Jahren verfolgt, kann viele Geschichten entdecken, die einem Körner und Kolben, so wie sie heute kultiviert werden, nicht mehr verraten.

Der Ethnologe Andreas Volz erzählt diese und andere Geschichten über unsere Nutzpflanzen in seinem Buch „Blauer Mais und rote Kartoffel – Eine kleine Kulturgeschichte bekannter und weniger bekannter Nahrungspflanzen„. Er geht der Spur der Kartoffeln nach, verfolgt die Wege von Amaranth und Quinoa. Fragt nach den dem Ursprung von Sesam, Reis und Sojabohnen. Erfreut den Leser und die Leserin mit der Geschichte von Datteln, Bananen, Erdnüssen und Süßkartoffeln.

Auch Exotisches wie  Pfeilwurz und Tigernuss finden im Kompendium, das Andreas Volz unterhaltsam und lehrreich verfasst hat, ihren Platz. Mit einer Fülle von Abbildungen und Karten, mit traditionellen Rezepten – nicht nur kulinarischen, sondern auch solchen, die der Heilung und Gesundheit dienen-, ist ihm auf mehr als 550 Seiten eine vielfältige Kulturgeschichte ausgewählter Nahrungspflanzen gelungen, die ihresgleichen sucht. Eine Empfehlung für alle, die mehr über die Ursprünge unserer Ernährung wissen wollen.

Andreas Volz, Blauer Mais und rote Kartoffel, Natur+Text 2019, ISBN: 978-3-942062-34-3, 49,90 € inkl. MwSt.

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PIK-Studie: Übergewichtig, Unterernährt, Vergeudet

PIK-Studie: Übergewichtig, Unterernährt, Vergeudet

Credit: Jan von Holleben (2019), CC BY-NC-ND

Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) unterstreicht die zwingende Notwendigkeit von industrieller Landwirtschaft ebenso Abschied zu nehmen wie von den Ernährungsgewohnheiten der Industrieländer.

Während die einen mit Pizza Hawaii, Eiscreme und Cola oder Limo stetig weiter zunehmen, leben die anderen nur von einer Handvoll Reis und Bohnen und hungern. Diese Kluft wird sich voraussichtlich vergrößern, und der Druck auf die Umwelt wird zunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des PIK. Die Ergebnisse alarmieren: Bis 2050 könnten 45 Prozent der Weltbevölkerung übergewichtig und davon 16 Prozent fettleibig sein – im Vergleich zu etwa 29 und 9 Prozent im Jahr 2010. Gleichzeitig würden weiterhin 500 Millionen Menschen an Untergewicht leiden und das Ökosystem weit über seine Grenzen belastet sein.

Der Anstieg von Übergewicht und Fettleibigkeit ist u.a. auf den Trend zu unausgewogenen, hochverarbeiteten Speisen mit viel Zucker und Fett zurückzuführen, während Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte aus den Mahlzeiten verdrängt werden. Zunehmende Verschwendung von Nahrungsmitteln und der steigende Konsum von Fleisch und Milchprodukten führen dazu, dass die Umweltfolgen des Agrarsystems nicht mehr zu beherrschen sind. Der Schluss der Forscher: „Wir gehen an die Belastungsgrenzen unseres Planeten – und darüber hinaus.“

„Ungesunde Ernährung ist das weltweit größte Gesundheitsrisiko“, erklärt Ko-Autorin Sabine Gabrysch, Leiterin der Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK. „Viele Länder in Asien und Afrika kämpfen derzeit noch mit Unterernährung und den damit verbundenen Gesundheitsproblemen. Gleichzeitig sind sie zunehmend auch mit Übergewicht und in der Folge mit einer steigenden Belastung durch Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs konfrontiert“, so Gabrysch. Die neue Studie biete hier wertvolle Orientierung über den möglichen Entwicklungspfad verschiedener Länder und Regionen. Sie könne auch die dringend benötigte proaktive Politik hin zu einer nachhaltigen und gesunden Ernährung befördern.

Die Studie des PIK können Sie hier lesen.

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Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten

Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten

Kommunen, Städte, Kirchen und öffentliche Institutionen sind häufig Eigentümer*innen von Agrarflächen. Das öffentliche Land bietet eine riesige Chance für eine zukunftsfähige Landnutzung. Dafür muss die lokale Agrarpolitik neu gestaltet werden. Das Handbuch „Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten“ ist für alle geschrieben, die einen konkreten Wandel im Umgang mit öffentlichem Land anstoßen wollen.

Es soll Inspiration bieten, um selbst aktiv zu werden und Wege aufzeigen, die Agrarwende vor Ort einzuleiten. Die gemeinnützige Organisation FINC will damit ihre Erfahrungen teilen, die sie in der Diskussion um die Verpachtung der öffentlichen Agrarflächen der Stadt Greifswald sammeln konnten. Und vor allem will FINC dazu motivieren, die Agrarwende in die eigenen Hände zu nehmen und sich für eine naturverträgliche und faire Verpachtung öffentlicher Agrarflächen einzusetzen.

Lesen Sie hier unser Interview mit dem Autor des Handbuchs und Mitinitiator des Aktionsbündnisses „Unser Land schafft Wandel“ Björn Pasemann.

Das Handbuch „Agrarwende konkret – Wie wir die Landnutzung lokal umgestalten“ können Sie hier als PDF herunterladen.

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Warum die Preise im Supermarkt lügen – Die wirklichen Kosten von Lebensmitteln

Warum die Preise im Supermarkt lügen – Die wirklichen Kosten von Lebensmitteln

Angesichts der Klimakrise, der fortschreitenden Degradierung von Böden und jüngster Nachrichten zu unhaltbaren Zuständen in der Fleischbranche fordert  MISEREOR gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und Unternehmer*innen ein neues, integriertes Bilanzierungsverfahren für Unternehmen. Anders als bislang üblich sollten in diese Bilanz entlang der Wertschöpfungskette die Auswirkungen auf die Umwelt mit aufgenommen werden. Ebenso müssen Leistungen zugunsten des ökologischen Gleichgewichts, für Gesundheit und soziale Kosten mit bilanziert sein. 

„Viele Preise im Supermarkt spiegeln nicht die ökologischen und sozialen Folgekosten wider“, erklärt MISEREOR-Geschäftsführer Thomas Antkowiak. „Derzeit bildet der Preis nicht ab, ob Lebensmittel zum Beispiel durch Kinderarbeit hergestellt, unfaire Löhne gezahlt oder unter welchen Umständen die Produkte hergestellt werden.“ Die scheinbar günstigen Preise hätten zur Folge, dass immer mehr Produkte erzeugt werden, die für das Gemeinwohl und die Umwelt schädlich sind. Das Bekanntwerden der Probleme in Schlachthöfen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sei nur ein Beispiel, das zeige, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

„Umgekehrt haben biologisch und fair produzierte Waren, die viel weniger Folgekosten mit sich bringen, einen höheren Preis. Das ist ein Fall von Marktverzerrung, der uns alle letztlich teuer zu stehen kommt“, so Antkowiak. „Wir alle zahlen die Rechnung für diese Art des Wirtschaftens. Vor allem jedoch Menschen, die unter den Folgen des Klimawandels, wie Dürren oder Überschwemmungen leiden oder Bäuerinnen und Bauern weltweit, deren Trinkwasser mit Pestiziden belastet ist. Und: Die künftigen Generationen!“

Die GLS-Bank hat in einer Studie die Erfolgsrechnung von drei Bio-Höfen mit drei konventionellen Betrieben verglichen. Das Besondere: Hier wurden die  sozialen und ökologischen Kosten mit eingerechnet und die Erträge miteinander verglichen. Das Ergebnis: Die konventionelle Produktion verursacht Schäden in Höhe von durchschnittlich über 3.500 Euro pro Hektar und Jahr. Hochgerechnet auf die Zahl der Höfe und genutzten Fläche der derzeit vorherrschenden konventionellen Landwirtschaft in Deutschland entspricht dies Kosten in Höhe von rund 61 Milliarden Euro pro Jahr. Hingegen erzeugt die Bio-Landwirtschaft einen Nettogewinn in Höhe von durchschnittlich 885 Euro pro Hektar und Jahr, weil sie unter anderem die Artenvielfalt sichert, die Bodenfruchtbarkeit erhöht und CO2-Emissionen verringert. 

Ökologisch unbedenkliche Produkte könnten günstiger werden

„Es gilt also, Folgekosten aus der Produktion von Lebensmitteln nach dem Verursacherprinzip zu errechnen und auf deren Preis aufzuschlagen“, erläutert Dr. Tobias Gaugler von der Universität Augsburg: Das bedeutet, dass Lebensmittel, die dem Klima, der Biodiversität und der Gesundheit schaden, aktuell zu billig sind. Ökologisch unbedenkliche Produkte hingegen könnten in einer solchen „fairen“ Bilanz sogar günstiger werden, weil ihre Leistungen vergünstigend wirken wie zum Beispiel der Humusaufbau oder der Schutz der Artenvielfalt. Erst wenn Kostenwahrheit herrscht, ist ein fairer Wettbewerb möglich“, so Gaugler.

„Nur wenn vergleichbare Akteure am Markt mit gleichem Maßstab gemessen werden, erreichen wir hinsichtlich der Preisgestaltung eine gerechtere Basis“, erklärt auch der Gesellschafter der HiPP Gruppe, Stefan Hipp: „Derzeit tragen die Gesellschaft und wenige Unternehmen die Kosten für Schäden, die sie nicht verursacht haben. Über den Ansatz der wirklichen Kostenberechnung („True Cost Accounting„) würden nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Investitionen gefördert und belohnt.“ 

MISEREOR ist Gesellschafter des Fair Handelshaus Gepa und Mitglied bei der „True Cost Initiative“, zu der auch Unternehmen wie HiPP, der Bio-Teehersteller Lebensbaum und die GLS-Bank gehören. Die Initiative wird koordiniert vom Beratungsunternehmen Soil&More. Gemeinsam fordern die Mitglieder der „True Cost Initiative“, dass die Bilanzierung der wirklichen Kosten künftig nicht nur in der Lebensmittelwirtschaft, sondern in allen Wirtschaftsbereichen verbindlich angewandt werden. Nur so könne eine grundlegende Transformation unseres Wirtschaftssystems zu mehr Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit erzielt werden. 

Zum Thema „Die wirklichen Kosten unserer Lebensmittel – Eine zukunftstaugliche Bilanz“ hat MISEREOR aktuell ein Dossier mit Zahlen, Fakten, Meinungen und Hintergründen zum Thema herausgegeben. 
Es steht hier zum Download zur Verfügung.

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Food security in Africa and Covid 19

Food security in Africa and Covid 19

Christoph Kohlmeyer, Bonn, 15th May 2020

1.             Medium- and long-term perspectives

Food insecurity in Africa has a long-term historic dimension that reaches back to at least post-colonial times and subsequently neo-liberal paradigms in the 90ths together with tremendous global market distortions particularly in the agricultural markets and consequently the overall neglect of the agricultural sector by most African governments. In this context, The AU Maputo Declaration 0f 2003 that committed all African Governments to invest by 2008 at least 10% of their budget into the agricultural sector was a important wake up call. As of today, only few African countries have reached that target and even less countries have reached complete food security. The so-called world food crisis of 2007/2008 (which was in reality a global food price crisis) was another alarm call that the African continent has to invest in its food production.

While the in rich countries in the North about 30% of the food produced ends up in the dustbin, in Africa between 30 and 50 per cent of the crops produced are already destroyed in the field or on the way to the final consumer. If post-harvest losses could be controlled, Africa would be self-sufficient in food production. This is where massive investment is required. It is strategic and at the same time the fastest way to generate stable incomes to farmer families, provide jobs for rural youth and help saving foreign exchange of national economies.

What was true in the end of the 20th century, has nowadays become even more relevant: price volatility in the international markets has been significantly increasing over the last 20 years; climate change has started to have significant negative impacts on agricultural production in the continent; regional outbreaks of plant and animal diseases, pests and recently locust attacks have become more frequent and spread wider; and urbanization going along with changing patterns of food consumption generates additional pressure on existing agricultural resources (already today 50 % of all agricultural land in the North is used for meat production)

In the light of the latter, even more investment is required, above all to make agriculture more resilient against the direct and indirect effects of climate change.

2.             Lessons learned from the 2007/2008 global food price crisis

With regard to the actual crisis, three major lessons are to be taken. First, sustainable, cost efficient and resilient food systems are regional and only seldomly respect national borders. Secondly, foods producers need regular and sufficient income including the legal/political security that this is protected from extreme price volatilities. Thirdly, instruments and policies that are put in place to fulfill the right to food for the vulnerable population, need to be timely and should not interfere in the food markets.

Therefore, borders need to be open, to allow trade to freely move agricultural products from surplus areas to deficiency areas (against closed borders “starving your neighbor”). However, policy has to make sure that the major share of the value addition flows into the income of the farming population. Compared to intelligent regional trade, national buffer stocks are expensive to hold and difficult to manage. Buffer stocks are not obsolete (see actual locust crisis in East Africa), but they should be organized on regional level and preferably supplied from regional sources. As for policies to guarantee food security for the vulnerable, instruments like school feeding, cash for labor and voucher systems have been proven to be the most cost efficient with the least distorting impact in the markets.

3.             What is different in Covid 19 – times?

There are two major relevant observations:

First, (and in contradiction to the statement in Point 3 on page 4 of the concept note), the prices for important food crops in the world market have rapidly and significantly dropped to another historical low level. This is particularly true for maize, wheat, palm oil and sugar (the latter not been important for human nutrition), all crops that are also used to produce “bio”-fuels. They follow the rapid decline of prices for fossil energy sources. (The exception is rice due to the fact that the two biggest rice exporting countries in Asia have (as in 2008) closed their borders for export of rice.) In the case of the East African food crisis due to the locust plague, the deterioration of those prices could be – exceptionally – used to quickly acquire sufficient food supplies in the world market for very reasonable costs. However, this should not be an invitation for African governments to reduce again (as in the 80’s and the 90’s) their own efforts in investing in sustainable local agriculture.

Secondly, lock down policies make the implementation of best practice in terms of transfer policies. School feeding becomes impossible when schools are closed, the administration of vouchers and cash-for-work becomes impossible, when public administration is confined. This requires in close cooperation with epidemiologists the development specific intelligent innovative alternatives in order to fulfill the right to food for the vulnerable. As for the lock down of national borders, this will probably in the short term have less negative effects. De facto, most borders can already be considered as technically and even sometimes politically closed. Most likely, existing informal systems and practices are going to persist.

4.             Food security and resilience: some reminders of what really matters

Finally, irrespective of the present crisis, there will be more and perhaps heavier challenges to be mastered while we strive to sustain agricultural production and improve food security in Africa.

Investing in the infrastructure gap and in the abolishment of post-harvest losses remains undebatable.

Today and in the medium term there will be relatively little employment opportunities for the majority of rural youth and women outside the agricultural sector including the production of basic inputs and services for the sector as well as processing and transformation of agricultural products for local, national and regional markets. In addition to that, more than anywhere else in the world, African farmers are price takers including all constraints and disadvantages that this implies. Many farming families still live under more or less precarious subsistence conditions confronted with an increasing economic concentration in all segments upstream and downstream along the value chain.

The AU, RECs, African governments, and in support by the AfDB have to intensify their policy work to protect African farmers from the negative effects of market concentration in global and domestic markets. This requires 1) a regulative framework at the pan African level to protect producers and local economies from capital drain due to globally acting oligo- and monopolies as well as 2)  sound regional integration policies including 3) a conducive and supportive infrastructure up to 4) focused financing tools for young (innovative) entrepreneurs and women entrepreneurs in rural areas. These priorities are directly and indirectly anchored in the High 5s of the Bank and should be maintained and intensified.

Another domain of growing importance is the field of adapted agricultural research to cope with the impact of climate change, develop more sustainable and natural resource friendly agricultural production systems including the potential of indigenous crops and animal species.

Important priorities for the improvement of the institutional side are 1) pro-active land policies that legally secure the access to land, in particular for women, 2) creation of legal frameworks and promotion of agricultural  and rural cooperatives, 3) investment in client-oriented extension systems that closely link research and rural practice, 4) develop curricular at all levels of primary and higher education that support the professionalization of rural métiers and reflect the needs of modern agricultural production and of an evolving rural economy, and 5) provide “affirmative” rural finance for youth and women entrepreneurs.

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