Es ist die Dürre, mit der wir umgehen müssen. Wir brauchen Ernährungslandschaften

Ein Kommentar von Peter Wogenstein

Es ist angekommen in Presse und Öffentlichkeit. Wir sprechen endlich darüber: uns fehlt Wasser in der Landschaft. Der Grundwasserspiegel ist vielerorts bedenklich gesunken. Das kostbare Gut, das wir als Trinkwasser zum Leben brauchen und das die Pflanzen auf den Feldern benötigen. Eine extreme Dürre ist zurzeit erlebbar. Dürre und Starkregen sind nicht weit voneinander entfernt. Wir und die Landwirtschaft werden lernen müssen, damit umzugehen und unser Leben und unsere Landschaft lebenswert zu gestalten.

Lassen wir uns nicht täuschen. Der Regen, der zurzeit in einigen Landstrichen fällt, ist der Tropfen auf den heißen Stein. Mancherorts war er direkt so heftig, dass er Höfe und Ernten massiv geschädigt hat. Aber er füllt so schnell noch keine Bäche, Flüsse und Talsperren, auch nicht unser Grundwasser. Das braucht Zeit, und wir müssen uns überlegen, wie wir in Zukunft mit Wassermangel und Dürreperioden umgehen.

„Gegen Hitze, Dürre und leere Flüsse gibt es kein Sofortrezept“, so Prof. Grießhammer, Vorstand der Stiftung Zukunftserbe[1]. Wie reagiert der Deutsche Bauernverband in Hinblick auf die Dürre und verminderte Ernteerträge 2026 (im Vergleich zu einem sehr erfolgreichen Jahr 2025)? Er fordert reflexartig mehr Subventionen, so für Diesel, Dünger und Pestizide für alle Betriebe. Das ist Symptombekämpfung ähnlich der Forderung nach Vertiefung der Fahrrinne von Flüssen. Jeder weiß, das Wasser wird dadurch nicht mehr und Dünger bleibt wirkungslos. Das sehen wir an den geringeren Ernten insbesondere im Süden, denen kein Dünger, aber Wasser fehlt.  Und was fordert der Bauernverband bei den nächsten Dürreperioden? Ich prophezeie: das Gleiche, ein weiter so wie bisher, so als hätten die Offiziellen des großen Lobbyvereins (auch für Grundbesitzer) nichts gelernt.

Landwirtschaftliche Betriebe sind Wirtschaftsunternehmen. Landwirte sind Unternehmer. Sie verantworten die Zukunftsfähigkeit ihrer Betriebe. Sie müssen sich mit den veränderten klimatischen Rahmenbedingungen auseinandersetzen, planen und ihren Betrieb den Veränderungen anpassen. „Neben kurzfristiger Hilfe braucht es Investition in langfristige Prävention“, fordert Bernd Schmitz, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. (AbL) und Milchbauer. Betriebe müssen sich „klimaresilient“ aufstellen können.[2] Das wissen sie seit langem, auch dass Trockenheit und Starkregen ihnen die Ernte immer wieder verhageln kann. Privatpersonen versichern sich gegen Schäden. Das müsste auch für Landwirtschaftliche Betriebe gelten, so Miriam Staudte, Niedersächsische Landwirtschaftsministerin. Sie appelliert deshalb an Landwirte, sich gegen Dürreschäden, Starkregen und Überschwemmung zu versichern.[3] Aber zu Bedingungen, die auch für kleinere Betriebe passen, sollte man hinzufügen.

Zurzeit profitieren die großen Betriebe von den EU-Agrarsubventionen. Wer viel Fläche hat, bekommt viel Geld aus dem EU-Topf ohne großen Anspruch. Hier gilt es umzusteuern hin zu einem „Umbau“ der Landwirtschaft, die besser mit dem Klimawandel umgehen kann. Dauerhafte Bodenbedeckung und reduzierte Bodenbearbeitung sind das Mindeste. Es muss eine regenerative und ökologischere Landwirtschaft sein mit humusreichen Böden und eine Landschaftsgestaltung, die Wasser speichern und zurückhalten kann. „Unsere Bioböden wirken wie ein hoch funktionstüchtiger Schwamm. Sie nehmen den spärlichen Regen optimal auf“, so Frank Stieldorf, Geschäftsführer des Bio-Mineralwasser-Verbands, im Interview. Und er fügt hinzu: „Wer das Grundwasser von morgen sichern will, muss den Ökolandbau jetzt konsequent und flächendeckend fördern.“[4]

Wann endlich übernimmt der große Bauernverband die Verantwortung für die Gestaltung einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft, die genug Wasser für Pflanzen und Tiere hat, die Bodenleben und Grundwasser fördern, besser mit dem sich verändernden Klima zurechtkommt und uns Menschen genügend sauberes Grundwasser sichert. Das braucht Zeit für tiefgreifende Maßnahmen. Man wünscht dem großen Lobbyverband für Landwirte und Grundbesitzer: geht voran die Gestaltung einer nachhaltigen Ernährungslandschaft.


[1] Prof. Dr. Rainer Grießhammer. Wie die Bundesregierung den Klima***** totschweigt. FR. 14.08.2026. Er ist Vorstand der Stiftung Zukunftserbe.

[2] Dürreschäden mit höheren Flächenprämien bekämpfen ist der falsche Weg. AbL- Pressemitteilung. 18.08.2026

[3] Dürre Ernte: Trockenheit macht auch Niedersachsens Landwirten Probleme. HAZ 19.08.2026

[4] Frank- Thomas Wenzel, Ökoäcker helfen bei der Versorgung mit Trinkwasser. HAZ. 18.08.2026 Vgl. auch: Alina Reichardt. Die lange Durststrecke – wem gehört das Wasser, wenn es knapp wird? Focus 34 / 2026

Foto: Dürre in Deutschland, 2026 / Shutterstock, cc-images

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