Streitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“

Streitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“

Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Missernte des Sommers 2018 zeigt, dass die industrielle Landwirtschaft dem Klimawandel nicht gewachsen ist. Im Gegenteil: Sie feuert ihn weiter an. Sie zerstört die Bodenfruchtbarkeit, erschöpft die Wasservorräte und beschleunigt den Artenschwund. Die Ernährung zukünftiger Generationen steht auf dem Spiel.

Die Untätigkeit der Politik darf nicht länger hingenommen werden. In dieser Überzeugung fordert ein breites Bündnis der deutschen Zivilgesellschaft eine öffentliche Debatte über die Zukunft unserer Ernährung. Dazu stellt es heute in Berlin die Streitschrift „Landwirtschaft am Scheideweg – Nur eine ökologische Landwirtschaft kann zehn Milliarden Menschen ernähren“ vor.

Im Vorfeld des Welternährungstags am 16. Oktober 2018 fordert das Bündnis aus Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V., NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. , Naturfreunde Deutschland e.V., Slow Food Deutschland e.V., Slow Food Europe und Institut für Welternährung – World Food Institute e.V. eine ökologische Wende: „Jetzt geht es um eine grundlegende Veränderung, um ein innovatives Agrar- und Ernährungssystem, das sich in biologische Kreisläufe und ökologische Netzwerke einpasst, das auf soziale Beziehungen und ökonomischen Ausgleich setzt und damit die Ernährung auf Generationen hinaus sichert, ohne die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten.“

Die Mitunterzeichner setzen vor allem auf die Zivilgesellschaft. Sie rufen dazu auf, die gegenwärtige politische Blockade einer Ernährungswende durch zivilgesellschaftliche Aktionen zu durchbrechen:

• Die Zivilgesellschaft setzt Signale der Veränderung durch Desinvestment aus den Aktien der Agrar- und Ernährungsindustrie.

• Sie schafft Vorbilder, indem sie darauf dringt, dass Kommunen und Kirchen für ihren großen Grundbesitz nur noch Pachtverträge abschließen, die ökologisches Wirtschaften fördern.

• Sie verlangt, dass öffentliche Mittel der Bundesrepublik wie der Europäischen Union nur für gesellschaftlich geforderte Leistungen der Landwirtschaft vergeben werden, die vom Markt nicht ausreichend vergütet werden.

• Sie unterstützt die neue Ernährungsbewegung in Deutschland, die ökologische Ernährungskonzepte als Teil lokaler und regionaler Politik entwickelt.

• Sie fordert, dass chemisch-synthetische Pestizide aus der Produktion verbannt werden, ebenso wie Antibiotika aus der Tierhaltung.

Für die Initiatoren der Streitschrift ist die ökologische Transformation der Landwirtschaft eine globale Herausforderung. Sie startet als ein europäisches Projekt, das in den Regionen beginnt und von einer wachen Zivilgesellschaft getragen wird.

Die Streitschrift „Landwirtschaft am Scheideweg – Nur eine ökologische Landwirtschaft kann zehn Milliarden Menschen ernähren“ steht in verschiedenen Versionen als PDF zum Download zur Verfügung: Kurzversion (DE), Langversion (DE), Short Version (EN), Long Version (EN)

Foto: Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

IWEStreitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“
Bundesweites Netzwerk von Ernährungsräten gegründet

Bundesweites Netzwerk von Ernährungsräten gegründet

Erster Kongress der Ernährungsräte will urbane Ernährungspolitik auf die kommunale Agenda bringen

Unter dem Motto „Ernährungsdemokratie jetzt!“ wurde heute ein Netzwerk von mehr als 40 Ernährungsräten und Ernährungsrats-Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum gegründet. Auf dem ersten Kongress der Ernährungsräte trafen sich am Wochenende in Essen Engagierte aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Ihr Ziel: Sie wollen demokratische Ernährungssysteme in den Kommunen aufbauen.

Ernährungsräte sind meist aus der Zivilgesellschaft gegründete, beratende Gremien der Städte. Sie stellen den Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Landwirten, Händlern, Verbrauchern und Gastronomen her, um die Lebensmittelversorgung in den Städten zukunftsfähig und gerecht zu gestalten. Die ersten Ernährungsräte in Deutschland wurden 2016 in Berlin und Köln gegründet. Dieses Jahr kamen Frankfurt am Main, das Saarland, Dresden und Oldenburg dazu. Auch in Oberösterreich, Zürich und Südtirol gibt es Ernährungsräte, viele weitere stehen in Gründung.

Valentin Thurn, Gründer des Ernährungsrates in Köln und Filmemacher: „Über unsere Ernährung bestimmen heute vor allem große Lebensmittelkonzerne, die auf den Weltmarkt ausgerichtet sind. Doch immer mehr Menschen wollen mitentscheiden, wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wurde. Die Ernährungsräte sind dafür ein perfektes Forum, das Konzept breitet sich in Deutschland rasend schnell aus. Mit dem neu gegründeten Netzwerk wollen wir diese Bewegung weiter stärken.“ Kommunen und Länder sollten das hohe Engagement der meist ehrenamtlichen Initiativen unterstützen. Die Ernährungswende von unten sei eine riesige Chance für Städte, sich klimafreundlicher und gesünder zu versorgen. „Essen kann eine Brücke zwischen sozialen und ethnischen Gruppen sein. Nicht zuletzt können wir so das Thema Nachhaltigkeit mit Spaß verbinden“, sagte Thurn.

Ziel der Ernährungsräte ist es, die Lebensmittelversorgung in den Städten transparent zu machen, lokale Erzeuger zu stärken und Lebensmittel aus dem Umland direkt in die Städte zu bringen. Kleinbäuerliche Betriebe sollen tragfähige Einkommensperspektiven erhalten und faire, vielfältigere Marktstrukturen aufgebaut werden. Zudem müssen nachhaltig erzeugte Lebensmittel für einkommensschwache Haushalte zugänglicher werden. Die Idee der Ernährungsräte stammt aus Nordamerika, wo sich die ersten „Food Policy Councils“ vor 30 Jahren gründeten und inzwischen weit verbreitet sind. Auf dem Essener Kongress tauschten sich Ernährungsrats-Experten aus den USA, Kanada, Brasilien und Großbritannien mit der jungen Gründerszene im deutschsprachigem Raum darüber aus, wie Ernährungsräte erfolgreich gegründet werden und arbeiten können.

Christine Pohl vom Ernährungsrat Berlin: „Urbane Ernährung wird bisher als politisches Handlungsfeld weitgehend vernachlässigt. Aber wir brauchen Ernährungspolitik in den Städten, denn hier müssen die Veränderungen beginnen. Ernährungsräte sind die lokale Antwort auf viele Probleme, die durch unser derzeit globalisiertes Ernährungssystem verursacht wurden. Die Frage: ‚Wie ernährt sich meine Stadt?’ ist so einfach wie wichtig. Jetzt kommen endlich die unterschiedlichsten Menschen zusammen, um gemeinsam die Bestimmungsmacht über ihre Teller zurückzugewinnen.“

Essen, 12.11.2017

Mehr Informationen zu Ernährungsräten auch unter: www.ernaehrungsraete.de

IWEBundesweites Netzwerk von Ernährungsräten gegründet
Es geht voran – gemeinsam stark!

Es geht voran – gemeinsam stark!

Bericht über die Veranstaltung "München auf dem Weg zur Ernährungswende"

v.l.: Maurice Attenberger (Regionalleiter GLS Bank München), Valentin Thurn (Ernährungsrat Köln), Anja Salewski (Moderation), Jürgen Müller (Kartoffelkombinat e.V.), Michael Böhm (Ecozept), Angela Hartmann (Kinderleicht e.V.), Agnes Streber (Projektleitun

„Wo steht München auf dem Weg zur Ernährungswende? Darüber diskutierten rund 80 Teilnehmer/innen, darunter Vertreter/innen von über 20 lokalen Umwelt- und Ernährungsinitiativen bei der Veranstaltung „Lokal statt  global- gutes Essen als lokale Politik“, zu der das Institut für Welternährung (IWE) am Donnerstag (30.03.2017) in München in die Räume der GLS-Bank geladen hatte.

Vorräte für maximal drei Tage
Dass eine Ernährungswende unumgänglich sei, daran ließ der Sprecher des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert keinen Zweifel. Großstädte wie München besitzen kaum Ernährungssicherheit, ihre Vorräte reichen für maximal drei Tage. Hinzu kommt der Klimawandel, die Vernichtung von Boden, das Schrumpfen der Grundwasservorräte durch industrielle Landwirtschaft und weite Transporte der globalen Nahrungskette. Sein Fazit: „Unsere Ernährung ist nicht mehr sicher. Neue Ernährungskonzepte müssen her. Die Ernährung wird sich in Zukunft aus der Region speisen, bio und fair.“

München aus der Region ernähren – das wäre möglich
Dem stimmte auch der Michael Böhm von Ecozept zu. Der Agrarmarktforscher hat schon mal berechnet, wie viel Fläche es bedarf, um die Bevölkerung von München aus der Region zu ernähren: genau 342.600 Hektar, das entspräche der 12fachen Fläche des Münchener Stadtgebiets. Zur Zeit gehen allerdings durch Bebauung ca. 13 ha pro Tag verloren.  Dies müsse sich ändern. Die Voraussetzungen für ein regionales Ernährungskonzept stünden in München gar nicht so schlecht, befand Jürgen Müller vom Münchener Verein Kartoffelkombinat e.V. Schließlich habe die „Biostadt“ München schon einiges auf den Weg gebracht, etwa die weitgehende Umstellung  auf Bio in Kitas und städtischen Kantinen. Doch die bisherigen Bemühungen der Verwaltung allein reichen nicht aus. Erforderlich sei eine „Weitung der Perspektive“. Voraussetzung dafür sei ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis.

Einfluss auf lokale Politik verstärken
Tatsächlich gibt es in München bereits eine Vielzahl von Initiativen und Bündnissen in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit. Dies zeigte auch der Blick auf die Teilnehmer der Konferenz. Die Liste reichte von Uschi Glas mit ihrer Initiative brotZeit e.V. über Tollwood, Veranstalter des Tollwoodfestivals und Slowfood München bis zu Green City e.V. und der Schweisfurth Stiftung. Die Stärke dieser Bewegung ist ihre Vielfalt, ihre Schwäche allerdings der Mangel an gemeinschaftlicher Organisation. Doch genau darum gehe es, erklärte Jürgen Müller. Für ihn ist klar: Zur Bündelung der Kräfte braucht München einen „kommunalen Ernährungsrat“.

„Transmissionsriemen zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft“
Wie das konkret aussehen kann, erläuterte der Filmemacher Valentin Thurn, Mitbegründer des Kölner Ernährungsrates, der zeitgleich mit Berlin im Frühjahr 2016 als erster Ernährungsrat bundesweit ins Leben gerufen wurde. Nach dem Vorbild der amerikanischen Food Policy Councils setzen sich darin engagierte Bürger, Verwaltung und Politik zusammen, um gemeinsam ein „regionales Ernährungskonzept“ auf die Beine zu stellen.

Viele Stellschrauben in der lokalen Politik
Stellschrauben dafür gibt viele – auch in München, wie die anschließende Diskussion zeigte:  Das beginnt bei der Ernährung in Kitas, Schulen und öffentlichen Kantinen, geht weiter über Ernährungsbildung und Stadtplanung, z.B. die Ausweisung landwirtschaftlicher Flächen zugunsten eines ökologischen Anbaus und artgerechter Tierhaltung, bis hin zum Aufbau und Förderung von Stadt-Landpartnerschaften und regionalen Vermarktungsinitiativen.

Alle unter einen Hut
Alle Einzelinteressen zu bündeln ist nicht einfach, aber machbar, wie die Beispiele von Köln und Berlin zeigen. Auch die Münchener machen sich nun auf den Weg.  Auf der Agenda steht als nächstes die Gründung einer Lenkungsgruppe, die weitere Schritte in Richtung Ernährungsrat und Ernährungswende für München planen soll.

Weitere Presseinformationen, darunter ein Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München zur Frage, warum die Biostadt München einen Ernährungsrat braucht, finden Sie in der unten stehenden Pressemitteilung „München auf dem Weg zur Ernährungswende: Lokal statt Global – Gutes Essen als lokale Politik!“

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

IWEEs geht voran – gemeinsam stark!
München auf dem Weg zur Ernährungswende

München auf dem Weg zur Ernährungswende

Veranstaltung am 30. März 2017, 15 - 18 Uhr, GLS Bank Filiale München

Veranstaltung: München auf dem Weg zur Ernährungswende: Lokal statt Global – Gutes Essen als lokale Politik!
Wann: Donnerstag, 30.03.2017, 15 Uhr bis 18 Uhr
Wo: GLS Bank Filiale München, Bruderstr. 5a, 80538 München

Wer bestimmt eigentlich, was auf unsere Teller kommt? Bislang werden die Weichen dafür in Berlin, Brüssel oder anderswo gestellt. Unter den Argusaugen globaler Konzerne und im Spannungsfeld der internationalen Agrarpolitik. Das soll sich in Zukunft ändern. Der Trend zu Regional, Bio und Fair ist unübersehbar, vor allem in der “Biostadt“ München. Auch in der Bürgergesellschaft gibt es schon viele Initiativen, die sich eine nachhaltige Versorgung auf die Fahnen geschrieben haben. Doch eine gemeinsame Plattform gibt es noch nicht.

Die Vielfalt dieser Initiativen sichtbar zu machen und regionale Netzwerke zu fördern, damit diese ihren Einfluss auf die lokale Politik verstärken können, das ist das Ziel des Projekts Ernährungswende, das vom Berliner Institut für Welternährung (IWE) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt auf den Weg gebracht wurde.

– Was bedeutet für München eine Ernährungswende?
– Wer engagiert sich bereits für gutes Essen aus der Region?
– Wie kann ein zukunftsfähiges Ernährungskonzept für München aussehen?
– Wie lassen sich Brücken zwischen Bürgern und Politik schlagen?
– Braucht die „Biostadt“ München überhaupt einen Ernährungsrat?
– Wie kann ich mich persönlich einbringen?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieser öffentlichen Veranstaltung, zu der Vertreter/innen von Verbänden, Handel, Landwirtschaft, Gastronomie, Politik und Forschung sowie alle an einer Ernährungswende Interessierten eingeladen sind.

Zu den Gästen zählt u.a. der Dokumentarfilmer („Taste the Waste“ und „10 Milliarden“) und Mitinitiator des Kölner Ernährungsrates Valentin Thurn, der über seine Erfahrungen berichten wird.

Informationen zum genauen Programmablauf sowie das Anmeldeformular finden Sie nachstehend zum Download:

Weitere Presse-Informationen – ein Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München, Hintergrundinformationen zum Projekt Ernährungswende sowie das IWE Metropolenprojekt Dossier – finden Sie nachstehend zum Download:

Die Teilnahme an der Veranstaltung „München auf dem Weg zur Ernährungswende“ ist kostenfrei. Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung per Email an: ernaehrungswende@institut-fuer-welternaehung.org

Kontakt:
Agnes Streber
Email: agnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org
Telefon: 089716775030, Fax: 089716775031

Dieses Projekt wird gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

IWEMünchen auf dem Weg zur Ernährungswende
Übergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung

Übergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die von der Bundesregierung Anfang Januar 2017 beschlossen wurde, läuft ins Leere, wenn sie keine solide Basis in der deutschen Forschungslandschaft erhält. Dies stellt das „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ fest, das heute von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen der Bundesregierung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft übergeben wird.

Die Regierung fordere in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zwar den Ausbau der Ökologischen Landwirtschaft und eines gesunden Ernährungssystems. Bisher jedoch fließt der weitaus größte Teil der Forschungsförderung in Deutschland noch immer in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie.

„Die ist eine Fehlallokation von Steuergeldern und trägt nicht dazu bei, die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Sie werden vielmehr gefährdet“, erklärt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V., Berlin.

Hier müssen die Weichen der Forschungsförderung neu gestellt werden, fordert das Memorandum, das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Naturfreunde Deutschland, Slow Food Deutschland und dem Institut für Welternährung – World Food Institute e.V. (IWE) getragen wird. Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen sei nur durch eine grundlegende Wende des Agrar- und Ernährungssystems und seiner Wissenschaften zu gewährleisten.

„Wenn die Bundesregierung ernsthaft Hunger und Fluchtursachen bekämpfen will“, betont der Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V., „dann muss sie eine Neuverteilung der öffentlichen Fördermittel zur Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung auf den Weg bringen.“

Das Memorandum wird neben der Bundesregierung auch der Deutschen Forschungsgemeinschaft und an die Bundesländer übergeben.

Memorandum-122016.pdf
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IWEÜbergabe „Memorandum“ an Organisationen der Bundesregierung
Zivilgesellschaft fordert Paradigmenwechsel in der Forschungsförderung

Zivilgesellschaft fordert Paradigmenwechsel in der Forschungsförderung

Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung

Forschungswende zur Sicherung der Welternährung

Sind die öffentlichen Gelder, die in die Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung investiert werden, richtig investiert? Sie könnten sich als Fehlinvestitionen mit schwer wiegenden Konsequenzen erweisen. Darauf weist ein Bündnis von fünf zivilgesellschaftlichen Organisationen hin. Gemeinsam legen sie heute in Berlin ein „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ vor. Getragen wird das Memorandum vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Institut für Welternährung – World Food Institute (IWE), Naturfreunde Deutschland und Slow Food Deutschland.

Das Memorandum stellt fest: „Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen erfordert eine grundlegende Wende des Agrar- und Ernährungssystems und seiner Wissenschaften.“

Die Bundesregierung habe im Rahmen der Agenda 2030 gemeinsam mit der Staatengemeinschaft beschlossen, den Hunger auf der Welt bis 2030 zu beenden, eine gesunde  Ernährung der Weltbevölkerung zu gewährleisten und dies durch Förderung einer nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft zu unterstützen. Bisher jedoch fließe der weitaus größte Teil der Forschungsmittel immer noch in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie, die dieses Ziel nicht erreichen können, es vielmehr gefährden. Hier müssten die Weichen neu gestellt werden.

„Wenn die Bundesregierung ernsthaft Fluchtursachen bekämpfen will“, betont Dr. Wilfried Bommert, Sprecher des Institut für Welternährung – World Food Institute e.V., „dann muss sie eine Neuverteilung der öffentlichen Fördermittel zur Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung auf den Weg bringen. Nur so ist Hunger als Fluchtursache zu überwinden.“

Die Initiatoren verstehen das Memorandum als einen Anstoß zur notwendigen Veränderung von Förderungszielen und Auswahlprozessen. Sie erklären sich bereit, die Umorientierung in Forschung und Lehre zur Sicherung der Welternährung zu unterstützen.

IWEZivilgesellschaft fordert Paradigmenwechsel in der Forschungsförderung
IWE-Dossier: Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

IWE-Dossier: Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

Das Weltklima wird ohne eine drastische Veränderung der Landwirtschaft nicht zu retten sein. Das ist das Ergebnis des Dossiers: „Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt“, das das Institut für Welternährung – World Food Institute e.V., Berlin, IWE, anlässlich der Klimakonferenz in Marrakesch vorlegt.

Die Landwirtschaft trägt global zu einem Viertel zur Klimabelastung bei. Zu den stärksten Treibern im System der modernen Agrarwirtschaft zählt der synthetische Stickstoffdünger. „Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung wird sein Gebrauch in Zukunft weiter massiv steigen,“stellt der Sprecher des IWE Dr. Wilfried Bommert fest. Bisher gebe es für diesen Bereich jedoch weder klare Reduktionsziele noch eine wirksame Begrenzungsstrategie. Auch in ihrem Klimaschutzplan für Marrakesch habe sich die Bundesregierung nicht dazu durchringen können, den synthetischen Stickstoff als Klimaproblem anzusprechen.

„Es ist zwingend notwendig, die synthetische Düngung grundlegend zu überdenken und an ihre Stelle organische Quellen der Stickstoffversorgung zu setzen,“ erklärt Bommert, der auch Mitautor des Dossiers ist. „Aus Klimasicht empfiehlt sich bis 2050 eine Doppelstrategie: Zum einen Ausstieg aus der mineralischen Stickstoffdüngung und zum anderen der zügige Einstieg in eine flächendeckende agrarökologische Bewirtschaftung.“

Wenn die Landwirtschaft nicht stärker in die Bemühungen zur Verringerung der Treibhausgase einbezogen wird, sieht das Institut für Welternährung die Ziele der Bundesregierung bei Klimaschutz und Welternährung in Gefahr, In einem Brief an die Bundeskanzlerin fordert das IWE von der Bundesregierung, den gegenwärtig favorisierten Weg einer vom synthetischen Stickstoff getriebenen Landwirtschaft zu verlassen und durch Gesetzgebung wie auch durch Forschungsförderung die Agrarökologie ins Zentrum ihrer Bemühungen zu rücken.

IWEIWE-Dossier: Zerstört die Landwirtschaft das Klima?
Ernährungswende: Berlin, Köln, München und Hamburg gehen voran

Ernährungswende: Berlin, Köln, München und Hamburg gehen voran

Institut für Welternährung fordert kommunalen Masterplan für nachhaltige Ernährung
Umweltbundesamt fördert das außergewöhnliche bundesweite Projekt

Wer bestimmt eigentlich, was auf unsere Teller kommt? Bislang werden die Weichen dafür in Brüssel gestellt. Unter den Argusaugen globaler Konzerne und im Spannungsfeld der internationalen Agrarpolitik. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Die Frage, wie wir uns ernähren, woher unser Essen kommt und wie es erzeugt wird, soll künftig Bestandteil kommunaler Politik werden. Regionale Ernährungskreisläufe sollen den ökologischen Rucksack unserer Ernährung verringern und helfen, die Last an Klimagasen, die von Land- und Ernährungswirtschaft ausgehen, zu reduzieren. Das ist das Ziel des „Projektes Ernährungswende“, das das Berliner Institut für Welternährung (IWE) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt jetzt auf den Weg gebracht hat.

Bislang sind Lokalpolitiker hierzulande noch weit davon entfernt, sich Gedanken über die Ernährung ihrer Bürger zu machen. Es gibt regionale Bebauungspläne, Sozialpläne, Finanzpläne – regionale Ernährungspläne gibt es bislang noch nicht.

Dabei ist der Trend zu Regional, Bio und Fair unübersehbar. Immer mehr Menschen möchten wissen, woher ihr Essen kommt. Verbraucher beginnen, sich selbst zu organisieren. In den vergangenen Jahren sind so viele Initiativen entstanden. Urban-Gardening-Projekte zählen dazu, ebenso wie Lebensmittelretter, Erzeuger-Verbraucher-Zusammenschlüsse, die Solidarische Landwirtschaft oder die Grünen Kisten.

„Die Stärke dieser Bewegung ist ihre Vielfalt, die Schwäche ihre Unübersichtlichkeit und der Mangel an gemeinschaftlicher Organisation“, sagt Wilfried Bommert, Sprecher des IWE.

Doch genau das ist wichtig, wenn die Bewegung politische Durchschlagskraft entfalten soll. Ziel des Projektes ist es deshalb, „die Vielfalt der Initiativen sichtbar zu machen und regionale Netzwerke zu fördern, damit diese ihren Einfluss auf die lokale Politik verstärken können“.

Wie das aussehen kann, haben die Städte Köln und Berlin schon vorgemacht. Hier gibt es seit Frühjahr 2016 die ersten „Kommunalen Ernährungsräte“ bundesweit.

Nach dem Vorbild der amerikanischen Food Policy Councils haben sich darin Vertreter aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik zusammengetan, um gemeinsam ein regionales Ernährungskonzept auf die Beine zu stellen. Ein solcher „Kommunaler Masterplan“ sichert nicht nur die urbane Ernährung, sondern trägt darüber hinaus auch zur Klimaentlastung bei.

Tatsächlich gibt es viele kommunale Stellschrauben, wie eine nachhaltige Ernährung vor Ort gefördert werden kann. Das beginnt bei der Ernährung in Kitas und Schulen, geht über die Großküchen von Verwaltungen, Heimen, Krankenhäusern und Hochschulen, bis hin zum Abschluss von Lieferverträgen mit regionalen Landwirten. Dabei geht es auch um politisch höchst brisante Themen wie die Ausweisung von neuen Standorten für lokales Ernährungsgewerbe oder die kommunale Flächenplanung, in der in Zukunft neben lukrativen Wohn-  und Gewerbeimmobilien auch neue Anbauflächen für das Obst, Gemüse und Getreide ihren Platz finden sollen.

Im Rahmen des „Projektes Ernährungswende“ fördert und dokumentiert das Institut für Welternährung solche Bestrebungen in insgesamt vier Städten. Neben Köln und Berlin stehen Hamburg und München auf der Agenda. Für Projektleiterin Agnes Streber, Ernährungsinstitut KinderLeicht, haben diese Städte aufgrund ihrer Größe eine besondere Vorreiterfunktion. „Was hier auf die Beine gestellt wird, soll ausstrahlen auf andere Städte und Gemeinden. Nachhaltige Ernährung mithilfe regionaler Ernährungskonzepte in der lokalen Politik verankern, das ist unser erklärtes Ziel!“

Vorgestellt werden die Ergebnisse dann im Oktober 2017 anlässlich des Welternährungstages im Rahmen einer nationalen Tagung, auf der alle Stakeholder Gelegenheit haben werden, über ihre Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen.

Das Projekt wird vom Umweltbundesamt gefördert und läuft bis Dezember 2017.

Kontakt:
Agnes Streber, Projektleitung
Ernährungsinstitut KinderLeicht
Pasinger Bahnhofsplatz 3
81241 München
Tel. 089 / 716 77 50 – 30
Email: agnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org

IWEErnährungswende: Berlin, Köln, München und Hamburg gehen voran
IWE fordert Bundesprogramm „Regionale Ernährungskreisläufe“

IWE fordert Bundesprogramm „Regionale Ernährungskreisläufe“

Ernährungsräte in Köln und bald auch Berlin

Die Zivilgesellschaft holt ihre Ernährung zurück in ihre Kommunen. Sie will lokale Ernährungskreisläufe statt globaler Rohstoffautobahnen. Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung, Berlin: „Die globalen Nahrungsketten bedeuten wachsende Abhängigkeiten und Risiken, weltweit. Klimawandel und internationale Konflikte gefährden zunehmend die Ernährungssicherheit.“

Große Städte wie Berlin und London verfügen heute nur über Nahrungsmittel-Reserven für 3 Tage. Deshalb sei der Aufbau einer lokalen Versorgungsstruktur in der Region, von so großer Bedeutung.

Hier handele es sich um eine essentielle Vorsorgeaufgabe des Staates, so Bommert, die auch durch öffentliche Mittel gestützt werden müsse. Das IWE empfahl deshalb beim Kongress der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen „Stadt und Land – Hand in Hand“ ein Bundesprogramm „Regionale Ernährungskreisläufe“ einzurichten, in dem diese Mittel für die zivilgesellschaftlichen Initiativen zeitnah bereitgestellt werden.

IWEIWE fordert Bundesprogramm „Regionale Ernährungskreisläufe“
Bioökonomie schafft neue Fluchtursachen

Bioökonomie schafft neue Fluchtursachen

IWE-Studie: Welternährung kann nicht nachhaltig durch Bioökonomie gesichert werden

Anlässlich des „Global Bioeconomy Summit“, der vom 24. bis 26. November unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung in Berlin stattfindet, stellt das Institut für Welternährung – World Food Institute (IWE) die Versprechen und Folgen der Bioökonomie auf den Prüfstand. Die Studie, die mit Unterstützung der Schweisfurth-Stiftung erstellt wurde, trägt den Titel „Mit Bioökonomie die Welt ernähren?“. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss: Bioökonomie leistet keinen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Welternährung. Im Gegenteil, sie droht weltweit den Kampf um biologische Rohstoffe und Ackerflächen anzutreiben, die Lebensmittelpreise zu erhöhen, und damit das Risiko von Hunger, Armut und Flucht zu vergrößern.

Im Konzept der Bioökonomie wird die Natur, egal ob wild oder kultiviert, egal ob Getreide, Öl-, Eiweiß-, Faserpflanzen, Holz oder Zucker, zum Rohstofflager einer globalen Industrie erklärt. Biotechnologische Verfahren, von der Gentechnik bis zur synthetischen Biologie, mit deren Hilfe die Schöpfung neu programmiert werden soll, gehören zu ihren Werkzeugen. Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Mitautor der IWE Studie, sieht darin Hochrisikotechnologien ohne Rückfahrkarte. Und er stellt fest: „Die Wunderwaffen der Bioökonomie können nach hinten losgehen“.

Hinzu kommt: Bioökonomie setzt auf Großtechnik. Auf Bioraffinerien, die nur von kapitalkräftigen Unternehmen betrieben werden können. Mittel- und Kleinbetriebe haben in dieser Wirtschaftsform keine Chance. Dies auch, weil Bioökonomie nur großflächig funktioniert. Als Folge zeichnet sich eine wachsende Konkurrenz um Land ab, wie heute schon in Afrika und Asien zu beobachten ist. Landgrabbing, das Aneignen von Bauernland durch Großkonzerne, ist in vielen Ländern Afrikas und Asiens bereits zerstörerische Praxis. Kleinbauern und Bäuerinnen, die mehr als zwei Drittel der Arbeitsplätze in Afrika stellen, werden verdrängt. Nach Schätzungen des IWE läuft das Modell der Bioökonomie darauf hinaus, dass in den kommenden Jahren mehrere 100 Millionen Kleinbauern in Afrika und Asien entwurzelt und in die Slums der großen Städte abgedrängt werden.

Die Absicht, Bioökonomie weltweit zur industriellen Leitkultur zu machen, droht auch die Nahrungsmittelmärkte zu erfassen. Die Konkurrenz um Ackerland und damit die Konkurrenz zwischen Tank und Teller wird massive Preissteigerungen zur Folge haben. Zu fürchten ist, dass sich dieses Wirtschaftsmodell auf mittlere Sicht als Brandbeschleuniger für die Flüchtlingsströme nach Europa erweisen wird und nicht als Hilfe gegen Hunger und Armut, wie es selbst verspricht, warnt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung. Angesichts der Flucht von 100 Tausenden sei es höchste Zeit, die Versprechen der Bioökonomie und ihre Risiken erneut kritisch zu prüfen. Milliarden, die heute in die Förderung der Bioökonomie gesteckt werden, wären in der Entwicklung nachhaltiger Ernährungskonzepte besser angelegt, so die Studie, insbesondere, wenn es darum geht, Armut und Hunger als Fluchtursachen wirkungsvoll zu bekämpfen.

Die Studie „Mit Bioökonomie die Welt ernähren?“ von Franz-Theo Gottwald und Joachim Budde wurde mit Unterstützung der Schweisfurth- Stiftung erstellt.

IWEBioökonomie schafft neue Fluchtursachen