How EU milk is sinking Africa’s farmers

How EU milk is sinking Africa’s farmers

In his feature for Politico, Emmet Livingstone describes how European milk is pouring into Africa and examines the disastrous effects for local herders and farmers.

„Multibillion-euro dairy multinationals are exploiting rock-bottom European milk prices to expand aggressively into West Africa. Over five years, they have nearly tripled their exports to the region, shipping milk powder produced by heavily subsidized European farmers to be transformed into liquid milk for the region’s booming middle class.

This milk rush is ratcheting up long-standing accusations that poor countries pay the price for EU farm policies crafted in Brussels. For years, the EU has been in the crosshairs of critics such as former U.N. Secretary-General Kofi Annan(himself a Ghanaian) for its massive financial handouts to farmers. They argue that Europe’s largesse toward its farmers punishes poor countries and is at odds with the EU’s stated goals of promoting development in Africa, reducing migration flows and combating radicalization.

European pressure on Africa’s dairy producers intensified in 2015, when the EU lifted its milk quotas. Coinciding with a Russian embargo on European food, it left the Continent awash in milk. With prices at historic lows, EU dairy companies desperately needed new markets to rid themselves of their glut.“

Read the full article here.

Picture Credit: Screenshot Politico

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Wie der Urwald für deutsches Fleisch gerodet wird

Wie der Urwald für deutsches Fleisch gerodet wird

In seinem Artikel für Spiegel Online „Wie der Urwald für deutsches Fleisch gerodet wird“ schreibt Nicolai Kwasniewski über die von der US-Umweltschutzorganisation Mighty Earth mithilfe von Drohnen gemachten Aufnahmen. Sie zeigen die zunehmende Zerstörung des einzigartigen Ökosystems in der Region Gran Chaco, das sich über den Norden Argentiniens, den Westen Paraguays und den Südosten Boliviens erstreckt. Dort schaffen Unternehmen riesige Flächen für den Anbau von Sojabohnen. Die Ernte der größtenteils gentechnisch veränderten Sojabohnen landet zum größten Teil als Futter für die Tiermast in Deutschland, dem größten Sojaimporteur Europas. Zu den Geschädigten des deutschen Billigfleischs gehören nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch die Menschen.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

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Interview mit Ursula Hudson und Wilfried Bommert

Interview mit Ursula Hudson und Wilfried Bommert

Zivilgesellschaftliches Engagement und politische Verantwortung

Demo: „Wir haben es satt!“ 2018 / Foto: Christian Mang, Campact

Zum Tischgespräch über eine zukunftsfähige Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik trafen sich am 28. November 2017 Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, und Umweltjournalist und IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert. Kurz davor war der Glyphosat-Alleingang von Landwirtschaftsminister Schmidt öffentlich geworden.Das Interview erschien in der Januar-Ausgabe des Slow Food Magazins.

Unten stehend finden Sie das komplette Interview zum Download.

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Ende der Globalisierung, wie der Klimawandel unseren Teller erreicht?

Ende der Globalisierung, wie der Klimawandel unseren Teller erreicht?

Podiumsdiskussion am 14. Februar auf dem BIOFACH/VIVANESS Kongress in Nürnberg

Der Klimawandel wird unsere Welt grundlegend verändern, auch die auf unseren Tellern. Die globalisierte Nahrungskette wird Kettenbrüche erleben, weil die dahinter stehende Landwirtschaft mit Monokulturen und Hochleistungspflanzen unter Extremwetter-bedingungen kaum eine Chance hat. Vielfalt, Regionalität und ökologische Konzepte werden die notwendige Anpassung möglich machen. Das zeigt die IWE-Studie „Verbrannte Mandeln, wie der Klimawandel unseren Teller erreicht“ (DTV 2017). Welche Konsequenzen muss die Bio-Branche aus den globalen Klimaveränderungen ziehen?

BIOFACH/VIVANESS Kongress 2018
Mittwoch, 14.02.18, 15.00 Uhr – 16.30 Uhr
Raum: Kiew, NCC Ost der NürnbergMesse GmbH
Vortragsprache: Deutsch

Zu den TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion gehören Dr. Ursula Hudson (Bundesvorsitzende, Slow Food Deutschland e.V.), Dr. Wilfried Bommert (Sprecher des Vorstands, Institut für Welternährung – World-Food-Institute e.V.), Dieter Overath (Vorstandsvorsitzender, Fair Trade e.V.), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein (Vorsitzender, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) und Reto Ingold (Berater, Demeter).

Die Diskussion wird moderiert von Sabine Jacobs (Journalistenbüro FACTUM).

Mehr Informationen hier.

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Glyphosat fördert Resistenz gegen Antibiotika

Glyphosat fördert Resistenz gegen Antibiotika

Institut für Welternährung fordert neue Glyphosat-Debatte

Global 2000/Flickr (CC BY-ND 2.0)

Ein schlimmer Verdacht: Der Einsatz von Glyphosat führt zu Antibiotika-Resistenzen bei Menschen. Das ist die Konsequenz der Studie eines internationalen Forscherteams an der Universität von Florida. Unter dem Titel „Environmental and health effects of the herbicide glyphosate“ veröffentlichte das Team Erkenntnisse, die bisher in der Diskussion über Glyphosat unberücksichtigt geblieben sind.

Die Forscher um A.H.C. Van Bruggen stellen fest, dass Glyphosat, so wie es heute eingesetzt wird, im Boden zu einer Selektion von Bakterien führt. Es überleben diejenigen, die gegen Glyphosat resistent sind. Damit einher geht aber auch eine Antibiotikaresistenz. Diese sogenannte Kreuz-Resistenz ist seit 2015 bekannt. Sie wurde seither in immer mehr Ackerböden, auf denen Glyphosat eingesetzt wird, festgestellt.

Die Forscher warnen jetzt davor, dass diese Antibiotika-Resistenz über den Boden, die Pflanzen, die damit gefütterten Tiere und schließlich über die Nahrung auch auf die Menschen überspringen könne. Dieser Pfad vom Acker bis zum Menschen sei bisher unberücksichtigt geblieben, könne aber erklären, warum es immer mehr Resistenzen gegen Antibiotika in der Tierhaltung ebenso wie bei Menschen gibt. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte Ende 2017 vor dieser Entwicklung, in der sie eine der größten Bedrohung für die globale Gesundheit und die Ernährungssicherheit sieht.

Die Forscher der Universität von Florida fürchten, dass der weltweit steigende Einsatz von Glyphosat zu einer steigenden Unwirksamkeit von Antibiotika führen könnte. Diese fatale Dimension des Herbizid-Einsatzes, so die Forscher, spiele bisher in der Debatte um die Zulassung keine Rolle.

Diese Ignoranz der Zulassungsbehörden könne sich jedoch als großer Fehler erweisen, erklärt der Sprecher des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert zu Jahresbeginn in Berlin. Der Verdacht, dass Glyphosat Antibiotika-Resistenzen fördere, sei ein weiteres Warnsignal an die Regierung, eine grundsätzliche und ökologische Wende ihrer Agrarpolitik einzuleiten. Glyphosat müsse im Lichte dieser Erkenntnisse neu bewertet werden.

Die Studie „Environmental and health effects of the herbicide glyphosate“ finden Sie hier.

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Agrikulturprogramm für Hannover

Agrikulturprogramm für Hannover

Offene Veranstaltung am 16. Januar 2018

Jaime Silva/Flickt

Der Rat der Stadt Hannover hat im April 2017 das Agrikulturprogramm für Hannover beschlossen. Zu den Kernpunkten gehören die Sicherung von Flächen für landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzungen, die Förderung der umweltschonenden und ökologischen Bewirtschaftung sowie eine regionale Vermarktung.

Am 16. Januar ab 18 Uhr sind alle, die sich für für eine nachhaltige Land- und Gartenwirtschaft, und eine regional-ökologische Lebensmittelversorgung in der Stadt und Region interessieren, zur Veranstaltung in der Schwanenburg eingeladen.
Dort wird Anne Pfeiffer vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün das Programm vorstellen und über den Stand der Umsetzung berichten.
Die Veranstaltung soll der Auftakt für ein „Netzwerk Agrikulturprogramm“ sein, für eine dauerhafte aktive Mitwirkung an der Verwirklichung der Programmziele.

Ort: Restaurant „Essenszeit“, Zur Schwanenburg 11, 30453 Hannover
Zeit: 18 Uhr – 22 Uhr
Kosten: Verzehr nach Wahl im Restaurant.

Bitte anmelden bei Dr. Antje Brink, Tel. 05034 2214996 oder online bei Slow Food Hannover.

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Der Glyphosat-Retter

Der Glyphosat-Retter

Kommentar von Wilfried Bommert

Wenn es ans Ende geht, denkt, wer sich zu den Großen rechnet, an die historische Dimension. Woraus besteht der Nachlass, was wird in den Geschichtsbüchern stehen? Der deutsche Landwirtschaftsminister hat entschieden: Sein Vermächtnis heißt Glyphosat.

Nur: Wem will er sich damit empfehlen? Der Mehrheit der deutschen Konsument_innen nicht. Den Wähler_innen der CSU für die kommende Landtagswahl? Oder bereitet hier einer etwas ganz anderes vor – seinen politischen Ab- und Übergang?

Wem kann sich ein Minister empfehlen, in dessen Amtzeit drei Viertel der Insekten von deutschen Feldern verschwanden? In der immer neue Trinkwasserreserven mit Nitrat aus den Mastfabriken verseucht wurden? In dessen Amtszeit Antibiotika in die Mastställe Einzug gehalten haben, die eigentlich nur als letzte Waffe im Kampf gegen Bakterien beim Menschen gedacht waren, sogenannte Reserve-Antibiotika? Wem empfiehlt sich einer, der in seiner Amtszeit die Klimalast von synthetischem Stickstoffdünger und intensiver Fleischproduktion unter den Teppich kehrte und die ökologische Landwirtschaft in ein 20 Prozent-Getto einsperren wollte?

Wenn nicht den Wähler_innen, wem dann? Wen sollte die Geste der Entschlossenheit beeindrucken, die er vor den Kameras der Tagesschau in Brüssel demonstrierte, als er klammheimlich und gegen seine Kabinettskollegin Glyphosat durchwinkte? Es ist ernüchternd zu erkennen, wem sich da ein noch amtierender Minister anbiedert. Sein Vermächtnis gilt den Industrien, die er während seiner Amtszeit unterstützt hat. Glyphosat ist nun der letzte Ausweis, dass er sich zu ihnen zählt, dass er für höchste Berater- und Chefposten qualifiziert ist, frei von Skrupeln, frei von Interessenkollisionen, frei von Verantwortung für ein enkeltaugliches Ernährungssystem. Einzig sich selbst verpflichtet und Glyphosat.

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Klimawandel und Ernährung: „Der Druck im Kessel steigt“

Klimawandel und Ernährung: „Der Druck im Kessel steigt“

Wilfried Bommert im Gespräch mit Friedhelm Mühleib

Das folgende Interview wurde am 21.11.2017 auf dem Blog tellerrand veröffentlicht:

Alle reden vom Wetter, kaum einer denkt an die Ernährung. Der Bonner Weltklimagipfel war für die Medien ein willkommener Anlass, wieder einmal über die Folgen des Klimawandels zu berichten.

In (zu Recht) finsteren Szenarien wurde in zahllosen Beiträgen dargestellt, was uns an Katastrophen bevorstehen könnte. Tatsächlich kündigen extreme Wetterlagen wie Überschwemmungen, Stürme, Dürren und Hitzekatastrophen weltweit den realen Klimawandel an. Dass die derzeitige globale Agrarwirtschaft erheblich zum Klimawandel beiträgt und andererseits die Gefährdung unserer Versorgung mit Nahrung zu den gravierendsten Folgen dieses Wandels gehören wird, spielte in den Diskussionen während des Klimagipfels kaum eine Rolle.
Der Agrarwissenschaftler Dr. Wilfried Bommert, während vieler Jahre Leiter der Umweltredaktion des WDR und Mitbegründer des Instituts für Welternährung in Berlin, sieht darin im Interview mit tellerrand ein fatales Versäumnis.

tellerrand: Hat der Fokus der Konferenz auf den Ausstieg aus Kohle und Verbrennungsmotor den Blick der Teilnehmer auf die Rolle der weltweiten Lebensmittelproduktion und die Folgen des Klimawandels für die Ernährungssicherheit verstellt?
Bommert:  Das Thema stand tatsächlich im Hintergrund, was wirklich fatal ist. Wir wissen, dass das Klima zu etwa einem Viertel vom Ernährungssystem beeinflusst wird. Konkret heißt das: Das Ernährungssystem trägt wesentlich zum Klimawandel bei, und ohne die Veränderung des Ernährungssystems ist das Klimasystem nicht zu retten. Wenn das Thema auf der Weltklimakonferenz nicht auf den Tisch kam, hat das natürlich seine Gründe. Die großen Industrienationen sabotieren diese Diskussion, weil sie ihre Landwirtschaften in der herkömmlichen Weise weiter betreiben wollen. Da steckt enorm viel Geld drin, und man möchte die Renditen nach Möglichkeit nicht gefährden.
tellerrand: Optimistische Prognosen gehen davon aus, dass die Erde bis zu 10 Milliarden Menschen ernähren kann. Ist diese Prognose auch angesichts eines bevorstehenden Klimawandels noch haltbar?
Bommert: Sie ist dann haltbar, wenn man die großen Puffer verwertet, die in unserem heutigen Ernährungssystem stecken. Dreißig bis fünfzig Prozent unserer Lebensmittel werden weggeworfen bzw. landen im Abfall. Lebensmittelabfall und Lebensmittelverschwendung stellen riesige Puffer dar! Auch die Überernährung ist eine Art von Verschwendung. Der Ansatz, aus Nahrungsmitteln Brennstoffe für Autos zu machen, gehört ebenfalls zu den Wegen, die für eine vernünftige Welternährung nicht zielführend sind. Bei konsequenter Verwertung dieser Puffer würde das, was wir heute haben, auch dann noch reichen, wenn sich die gegenwärtige Weltbevölkerung verdoppelt.

Was die Menge der für die Versorgung nötigen Nahrung betrifft, wäre zunächst also kein Anlass zur Sorge – selbst wenn Klimaveränderungen kommen. Es geht vielmehr um die Frage, wen die beginnenden Veränderungen am härtesten treffen werden. Die klare Antwort darauf lautet: Am meisten wird es die Menschen im globalen Süden treffen. Die haben schon heute nichts zu nagen und zu beißen und werden am Ende die Klimaveränderung am stärksten spüren. Die Folge werden neue Migrationsströme sein: Wo es nichts mehr zu essen gibt, werden sich die Menschen in Bewegung setzen. Sie werden in Massen ihr Bündel und in Richtung Norden marschieren, denn der Norden wird erstmal am wenigsten betroffen sein.
tellerrand: Erstmals seit drei Jahren verzeichnet der Forscherverbund Global Carbon Project wieder einen Anstieg der globalen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie. Mit der Zunahme der CO2-Emissionen auf geschätzte 41 Milliarden Tonnen in diesem Jahr seien die Klimaziele von Paris nur noch schwer zu erreichen. Was wird passieren, wenn sich diese Entwicklung nicht stoppen lässt und das Zwei-Grad-Ziel verfehlt wird?

Bommert: Dann wird es kritisch: Die Hochleistungspflanzen, die wir zur Zeit anbauen, sind nur für eine bestimmte Temperaturspanne ausgelegt. Temperaturen, die während der Vegetationsperiode unserer hochgezüchteten Nahrungspflanzen dauerhaft über 27 Grad liegen, führen zwangsläufig zu Ertragsminderungen. Sollte die globale Durchschnittstemperatur um mehr als 2 Grad und mehr steigen, dann werden Hitzewellen in bisher nicht gekanntem Ausmaß um die Welt ziehen. Das wiederum wird die Ernten einbrechen lassen.
tellerrand: Wie schnell wird sich das auf die weltweiten Ernährungssysteme auswirken?
Bommert: Schneller als wir denken! Je schneller und höher die Temperatur steigt, desto weniger kann unser Biosystem die Umstellung abfedern. Dann sind wir in richtig großen Schwierigkeiten. In der Zeit, die uns dann bleibt, lassen sich keine neuen, angepassten Pflanzen oder Tiere selektieren oder züchten. Je mehr Zeit wir haben, desto größer unsere Chancen. Es wird insbesondere in den Ländern des Südens sehr schnell gehen, die werden die Konsequenzen am stärksten spüren. Die haben zudem den Nachteil, auf der internationalen Bühne mit ihren Anliegen kaum politisches Gehör zu finden, obwohl es für sie um die Existenz geht. Die laufen in den ökonomischen Ruin. Zum einen, weil der Klimawandel dort Arbeitsplätze und ganze Wirtschaftszweige vernichtet.

Zum anderen, weil er die Ernährungssicherheit gefährdet. Nehmen sie zum Beispiel Brasilien – ein Land, das noch immer von den Erträgen seiner Agrarwirtschaft abhängig ist. Kaffee, Soja und Zitrusfrüchte – insbesondere Orangen – gehören dort zu den wichtigsten Kulturen, von denen die Agrarwirtschaft lebt. Alle drei sind massiv vom Klimawandel bedroht. Schätzungen zufolge wird die Anbaufläche für Kaffee um 80% zurückgehen, weil es einfach zu warm für die Pflanze wird. Tausende von Menschen werden ihre Jobs und ihr Einkommen verlieren. Am Ende werden auch wir es merken – wenn der Kaffee zum teuren Luxus wird.
tellerrand: Ist nicht gerade Brasilien ein Beispiel dafür, wie ohnmächtig die Regierungen dieser Länder selbst im eigenen Land sind? Im Oktober wurde ein Viertel des brasilianischen Nationalparks Chapada dos Veadeiros durch Brände zerstört – insgesamt mehr als 10.000 Quadratkilometer. Das entspricht etwa einem Drittel der Fläche Belgiens oder der zwölffachen Fläche Berlins. Die Brände wurden vermutlich von Großgrundbesitzern gelegt aus Wut über die Naturschutzpolitik der Regierung.
Bommert: Aus diversen Recherchereisen nach Brasilien weiß ich, dass es dort genug kriminelle Banden gibt, für die der persönliche Profit an erster Stelle steht, und die auch vor einer Erpressung von Politikern und der Regierung nicht zurückschrecken. Brasilien ist von Korruption durchzogen. Das hat nach der Diktatur nie aufgehört: Dort feiern Illegalität und Gewinnsucht noch immer freudige Urständ. Das Land wird regiert von einer kleinen Clique von Reichen und Mächtigen, die jenseits der demokratischen Spielregeln machen, was sie wollen. Die Bevölkerung hat leider noch einen langen Weg vor sich, bis ihre junge Demokratie diesen Namen verdient.
tellerrand: Brasilien ist kein Einzelfall – schon gar nicht, wenn es um Umweltzerstörung und Klimafrevel geht – man denke nur an die riesigen Brandrodungen auf den Philippinen. Sind angesichts solcher Umweltzerstörung und Freisetzung von CO2 in gigantischem Ausmaß die hiesigen klimapolitischen Streitereien – etwa derzeit bei den Jamaika-Sondierungen – nicht reine Symbolpolitik?  
Bommert: Natürlich kann man sich fragen, warum wir uns hier bemühen ein paar Gramm CO2 mehr einzusparen, während dort die Urwälder brennen. Ich würde die Gleichung stattdessen so aufmachen: Es ist wichtig, dass wir hier anfangen, denn Deutschland war und ist Vorbild. Wenn man weltweit umherreist, merkt man, dass es die Welt interessiert, was die Deutschen machen. Überall fragen Dich die Leute, warum man in Deutschland bestimmte Dinge macht und andere Dinge nicht macht.

Was wir machen – so meine feste Erfahrung und Überzeugung – wirkt am Ende auch stimulierend auf Veränderungen in anderen Ländern. Das ist die eigentliche Bedeutung unseres relativ kleinen Landes in der globalen Klimapolitik. Wir spielen weltweit eine wichtige Rolle als politischer Katalysator für Veränderungen.
tellerrand: Kritiker der Bonner Konferenz monieren die mageren Ergebnisse des Klimamarathons. Für wie hoch ist die Chance, dass es in absehbarer Zeit zu wirksamen Veränderungen und Maßnahmen kommt?  
Bommert: Der Druck im Kessel steigt. Die Frage wird am Ende nicht mehr sein, was wir machen wollen, sondern was wir machen müssen. Da wird es dann nicht mehr um freiwillige Vereinbarungen gehen. Spätestens dann wird die Politik begreifen, dass tiefgreifende Einschnitte und Veränderungen der einzige Ausweg sind, um der ganz großen Katastrophen noch aus eigener Kraft zu entgehen. Das wird nicht auf freiwilliger Basis laufen – ohne administrative Einschränkungen wird das nicht abgehen. Die Verhältnisse werden die Politik zum Handeln zwingen, und dann muss die Politik reagieren.

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Die Welt isst Bio oder gar nichts!

Die Welt isst Bio oder gar nichts!

Kommentar von Wilfried Bommert

Christina von Poser/Flickr

So drastisch wollen wir es nicht hören. Doch was Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlichen, stellt die Systemfrage: Wer ernährt die Welt im 21. Jahrhundert? Das System Bio oder das System Intensivlandwirtschaft?

Ich sag’s vorweg: Ja, es stimmt, die Biobauern ernten weniger. Aber mit dem Argument des Ertragsabstandes zwischen beiden Systemen lässt sich hier nichts entscheiden. Wenn schon Vergleich, dann Systemvergleich.

Wo Höchsterträge fließen, fließt auch die meiste Gülle, die größten Mengen an synthetischem Stickstoff, an Pestiziden jeder Art, an fossiler Energie, werden die Wasservorräte ebenso wie die Bodenfruchtbarkeit geplündert und die Hälfte der Weltbevölkerung sitzt vor leeren Schüssel oder klagt über Mangel- und Fehlernährung.

Mit diesem System lässt sich keine Zukunft bauen, schon gar nicht, wenn man weiß, dass es zu einem Viertel an der Aufheizung des Planeten beteiligt ist. Es geht hier nicht mehr um Reparaturen, es geht um einen Systemwechsel. Wir brauchen ein System, das die Grenzen unseres Planeten wieder ernst nimmt, das in den Kreisläufen der Natur denkt, die Kreatur – ob Pflanzen, Tiere oder Insekten – achtet und auch die Bauern, die in der Tretmühle des Wachsen und Weichens ihre Würde verloren haben.

Auch wir werden uns ändern. Es gibt kein Menschenrecht auf Fleischkonsum und auch keins darauf, Lebensmittel mutwillig in den Müll zu werfen. Und wir werden gern verzichten. Weil wir einen gutes Gewissen dafür haben werden, beim Essen, beim Trinken und beim Gang durch die Natur. Ein Ablasshandel zugegeben, aber doch eine Selbstbefreiung! Wissenschaftlich untermauert wissen wir nun, was uns die Zeichen an der Wand schon länger sagen: Die Welt isst Bio oder gar nichts!

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Bundesweites Netzwerk von Ernährungsräten gegründet

Bundesweites Netzwerk von Ernährungsräten gegründet

Erster Kongress der Ernährungsräte will urbane Ernährungspolitik auf die kommunale Agenda bringen

Manuel/Flickr Commons

Unter dem Motto „Ernährungsdemokratie jetzt!“ wurde ein Netzwerk von mehr als 40 Ernährungsräten und Ernährungsrats-Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum gegründet. Auf dem ersten Kongress der Ernährungsräte trafen sich am 12. November in Essen Engagierte aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Ihr Ziel: Sie wollen demokratische Ernährungssysteme in den Kommunen aufbauen.

Ernährungsräte sind meist aus der Zivilgesellschaft gegründete, beratende Gremien der Städte. Sie stellen den Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Landwirten, Händlern, Verbrauchern und Gastronomen her, um die Lebensmittelversorgung in den Städten zukunftsfähig und gerecht zu gestalten. Die ersten Ernährungsräte in Deutschland wurden 2016 in Berlin und Köln gegründet. Dieses Jahr kamen Frankfurt am Main, das Saarland, Dresden und Oldenburg dazu. Auch in Oberösterreich, Zürich und Südtirol gibt es Ernährungsräte, viele weitere stehen in Gründung.

„Über unsere Ernährung bestimmen heute vor allem große Lebensmittelkonzerne, die auf den Weltmarkt ausgerichtet sind. Doch immer mehr Menschen wollen mitentscheiden, wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wurde“, sagte der Gründer des Ernährungsrates in Köln und Filmemacher Valentin Thurn. „Die Ernährungsräte sind dafür ein perfektes Forum, das Konzept breitet sich in Deutschland rasend schnell aus. Mit dem neu gegründeten Netzwerk wollen wir diese Bewegung weiter stärken.“ Kommunen und Länder sollten das hohe Engagement der meist ehrenamtlichen Initiativen unterstützen. Die Ernährungswende von unten sei eine riesige Chance für Städte, sich klimafreundlicher und gesünder zu versorgen. „Essen kann eine Brücke zwischen sozialen und ethnischen Gruppen sein. Nicht zuletzt können wir so das Thema Nachhaltigkeit mit Spaß verbinden“, so Thurn weiter.

Ziel der Ernährungsräte ist es, die Lebensmittelversorgung in den Städten transparent zu machen, lokale Erzeuger zu stärken und Lebensmittel aus dem Umland direkt in die Städte zu bringen. Kleinbäuerliche Betriebe sollen tragfähige Einkommensperspektiven erhalten und faire, vielfältigere Marktstrukturen aufgebaut werden. Zudem müssen nachhaltig erzeugte Lebensmittel für einkommensschwache Haushalte zugänglicher werden. Die Idee der Ernährungsräte stammt aus Nordamerika, wo sich die ersten „Food Policy Councils“ vor 30 Jahren gründeten und inzwischen weit verbreitet sind. Auf dem Essener Kongress tauschten sich Ernährungsrats-Experten aus den USA, Kanada, Brasilien und Großbritannien mit der jungen Gründerszene im deutschsprachigem Raum darüber aus, wie Ernährungsräte erfolgreich gegründet werden und arbeiten können.

„Urbane Ernährung wird bisher als politisches Handlungsfeld weitgehend vernachlässigt. Aber wir brauchen Ernährungspolitik in den Städten, denn hier müssen die Veränderungen beginnen“, erklärte Christine Pohl vom Ernährungsrat Berlin. „Ernährungsräte sind die lokale Antwort auf viele Probleme, die durch unser derzeit globalisiertes Ernährungssystem verursacht wurden. Die Frage: ‚Wie ernährt sich meine Stadt?’ ist so einfach wie wichtig. Jetzt kommen endlich die unterschiedlichsten Menschen zusammen, um gemeinsam die Bestimmungsmacht über ihre Teller zurückzugewinnen.“

„Das neu gegründete Netzwerk der Ernährungsräte in Deutschland ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Ernährungssystem.“ stellte Dr. Wilfried Bommert, Vorstand und Sprecher des Instituts für Welternährung e.V., Berlin, fest. „Die Zivilgesellschaft gibt hier Richtung und Takt vor.“ Die neue Koalition in Berlin sei gut beraten, wenn sie diese Bewegung ernst nimmt und ihr durch ein „Bundesprogramm zur Förderung zukunftsfähiger regionaler Ernährungssysteme“  politischen Rückhalt verschafft.

Mehr Informationen zu Ernährungsräten unter: www.ernaehrungsraete.de

 

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