IATP Study: How big meat and dairy are heating up the planet

IATP Study: How big meat and dairy are heating up the planet

„The world’s biggest meat and dairy companies could surpass ExxonMobil, Shell and BP as the world’s biggest climate polluters within the next few decades. At a time when the planet must dramatically reduce its greenhouse gas emissions, these global animal protein giants are driving consumption by ramping up production and exports. GRAIN and IATP examined the world’s largest 35 companies and found that most are not reporting their GHG emissions data and few have set targets that could reduce their overall emissions. We need to urgently build food systems that meet the needs of farmers, consumers and the planet. But to do so, we must break the power of the big meat and dairy conglomerates and hold them to account for their supersized climate footprint.

New research from GRAIN and IATP shows that:
• Together, the world’s top five meat and dairy corporations are now responsible for more annual greenhouse gas emissions than ExxonMobil, Shell or BP.
• By 2050, we must reduce global emissions by 38 billion tons to limit global warming to 1.5 degrees Celsius. If all other sectors follow that path while the meat and dairy industry’s growth continues as projected, the livestock sector could eat up 80% of the allowable GHG budget in just 32 years.
• Most of the top 35 global meat and dairy giants either do not report or underreport their emissions. Only four of them provide complete, credible emissions estimates.
• Fourteen of the 35 companies have announced some form of emission reduction targets. Of these, only six have targets that include supply chain emissions, yet these emissions can account for up to 90% of total emissions. The six companies that do pledge cuts in supply chain emissions are
simultaneously pushing for growth in production and exports, driving their overall emissions up regardless of their intention to reduce emissions per kilo of milk or meat produced.

To avert climate catastrophe, we must reduce production and consumption of meat and dairy in overproducing and overconsuming countries and in affluent populations globally, while supporting a transition to agroecology.

More information here. Download PDF of IATP study „Emissions impossible: How big meat and dairy are heating up the planet“ (July 2018) here.

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WFP: 10 Mythen über den Welthunger

WFP: 10 Mythen über den Welthunger

Das UN World Food Programme, das als größte humanitäre Organisation der Welt den Hunger weltweit bekämpft, hat eine Liste mit den 10 häufigsten Mythen über den Welthunger erstellt und mit den Fakten verglichen. Die Liste umfasst folgende Mythen: „Hunger bedeutet, nicht genug zu essen zu haben“; „Alle Hungernden der Welt leben in Afrika“; „Es wird nie genug Nahrung geben, um die ganze Welt zu ernähren“; „Hunger wird allein von Dürren und anderen Naturphänomenen verursacht“; „Hunger ist nur eine Gesundheitsfrage“; „Es gibt genug Probleme auf der Welt. Warum soll ich mich mit Hunger in anderen Ländern beschäftigen?“; „Hunger und Hungersnöte sind schwer vorauszusagen. Man kann sich nicht auf sie vorbereiten“; „Menschen leiden nur in Notsituationen Hunger“; „Es gibt dringendere globale Probleme als Hunger. Was ist mit Armut, bewaffneten Konflikten und der Benachteiligung von Frauen?“; „Wir können nichts tun, um den Hungernden zu helfen“.

Lesen Sie den kompletten Beitrag „10 Mythen über den Welthunger “ hier.

Foto: WFP Delivers Food to North Darfur IDP Camps, United Nations Photo / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

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Naturbewusstseinsstudie: Deutsche wollen besseren Meeresschutz und keine Genpflanzen

Naturbewusstseinsstudie: Deutsche wollen besseren Meeresschutz und keine Genpflanzen

Das BMU hat die mittlerweile fünfte Naturbewusstseinsstudie vorgelegt, der eine bundesweite Befragung zugrunde liegt. Eine große Mehrheit der Deutschen sieht die Vermüllung der Meere durch Plastik als Gefahr für den Naturschutz und unterstützt die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Die große Mehrheit der mehr als 2.000 Befragten der aktuellen Naturbewusstseinsstudie wünscht sich auch strengere Regeln und Gesetze, damit die Fischerei mehr für den Schutz der Meeresumwelt tut. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen sich zudem darauf verlassen können, dass der Handel keine Produkte von bedrohten Fischarten anbietet. Ein Großteil der Bevölkerung spricht sich außerdem für eine Kennzeichnungspflicht von tierischen Produkten aus, die mit gentechnisch manipulierter Nahrung gefüttert wurden. Das sind einige Ergebnisse der alle zwei Jahre erscheinenden Naturbewusstseinsstudie.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Im Kampf gegen den Plastikmüll in unseren Meeren unterstützt uns fast die gesamte Bevölkerung. Die Vermüllung gefährdet Ökosysteme auf dem ganzen Planeten. Wir müssen daher weltweit überflüssiges Plastik vermeiden und den Rest im Kreislauf
halten und recyceln. Eine große Mehrheit der Befragten unterstützt zudem Meeresschutzgebiete und strengere Regelungen für die Fischerei zum Schutz der Natur. Auch die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gentechnik nehme ich sehr ernst. Wir brauchen endlich bundesweit einheitliche Regelungen, um den Anbau von Genpflanzen zu verbieten.“

Gegenüber dem Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft vertritt eine große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland eine skeptische Position:
So sprechen sich 79 Prozent der Befragten für ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. 93 Prozent sind der Meinung, dass mögliche Auswirkungen auf die Natur immer untersucht werden sollten, wenn Pflanzen gezielt gentechnisch verändert werden. Ebenso sprechen sich 93 Prozent der Befragten dafür aus, Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden, im Handel zu kennzeichnen.

Der aktuellen Naturbewusstseinsstudie liegt eine bundesweite Befragung zugrunde, die zum Jahresende 2017 durchgeführt wurde. Insgesamt 2.065 zufällig ausgewählte Personen aus der deutschsprachigen Wohnbevölkerung im Alter ab 18 Jahren nahmen an der Studie teil. Die Naturbewusstseinsstudie erfasst die gesellschaftlichen Einstellungen zur Natur und biologischen Vielfalt in Deutschland. Sie stellt aktuelle und empirisch abgesicherte Daten bereit, die für die Naturschutzpolitik, den öffentlichen Diskurs und die Bildungsarbeit wertvolle Grundlagen sind. Die Naturbewusstseinsstudien werden im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz seit 2009 alle zwei Jahre veröffentlicht.

Die Naturbewusstseinsstudie 2017 sowie ein Informationspapier mit wesentlichen Aussagen der Studie stehen hier zum Download bereit.

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Peer Review 2018: „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“

Peer Review 2018: „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“

Die Peer Review 2018 zur „Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie“ wurde vom Bundeskanzleramt in Auftrag gegeben, Herausgeber ist der Rat für nachhaltige Entwicklung. Sie wurde auf der 18. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) Anfang Juni in Berlin vorgestellt
 
In diesem Bericht wird die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie bewertet – darauf basierend wurden Empfehlungen formuliert. Unter anderem richtet sich eine Empfehlung an alle beteiligten Akteure in Deutschland, ihre Bestrebungen zu verstärken für „eine Trendumkehr beim Verlust der biologischen Vielfalt und die Realisierung grundlegender Veränderungen, die für unsere Milch- und Fleischindustrie sowie unsere Ernährung insgesamt notwendig sind, in ähnlichem Ausmaß wie bei der Energiewende“.
Sie können die Peer Review (ab S. 43 auf Deutsch) hier herunterladen
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Urban policy for food sovereignty

Urban policy for food sovereignty

The third issue „Urban policy for food sovereignty“ of the „Think Piece Series Food for Thought“ comes out exploring what booming cities and urban processes mean for the future of food systems. After looking into the potential of public policies, this issue analyzes how urban policy processes might be leveraged to contribute to the realization of food sovereignty, understood as “the right of peoples to define their own food and agricultural systems”.

More particularly, it elaborates how rights-based social movements and community-based organizations have negotiated space, within urban policy processes in European cities, and what lessons might be drawn for social movements and activists working on food and agriculture-related issues.

“Think Piece Series Food for Thought” comes under the initiative of Transnational Institute, FIAN International, Hands on the Land and Terra Nuova.

Download „Urban policy for food sovereignty“ here.

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Praxisleitfaden Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung

Praxisleitfaden Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung

Ab sofort ist der Praxisleitfaden „Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung: Biodiversität als Element neuer Produktions- und Vermarktungskonzepte“ beim Bundesverband der Regionalbewegung erhältlich. Der Leitfaden bietet auf 28 Seiten eine erste Orientierung und praktische Anleitung für Regionalvermarktungsinitiativen, die Biodiversität in ihrer Zielsetzung verankern möchten. Neben der anschaulichen Vermittlung von Hintergrundwissen werden in Praxisbeispielen Initiativen vorgestellt, die sich bereits erfolgreich in diesem Themenbereich bewegen. Im Fokus stehen dabei die Aufstellung von Kriterien mit einem unmittelbaren Bezug zu Naturschutzleistungen sowie die Weitergabe der praktischen Erfahrungen, die die Akteure in der Umsetzung gemacht haben.

Inhalt:

  • Traumpaar Biodiversität und Regionalvermarktung
  • Auszeichnung REGIONAL PLUS – nachhaltige Regionalvermarktung fördern
  • Lernen aus der Praxis
  • Naturschutzleistungen kommunizieren – wie ein Zitronenfalter zur Herzensangelegenheit wird
  • Handlungsempfehlungen für die Praxis
  • Tipps zum Weiterlesen

Hier erhalten Sie eine Leseprobe

Hier geht es zum Bestellformular

Die Regionalbewegung setzt sich für eine Förderung glaubwürdiger Regionalvermarktung ein. Sie unterstützt dabei insbesondere den Aufbau und die Entwicklung von Regionalvermarktungsinitiativen, die gentechnikfrei, natur-, umwelt- und klimabewusst produzieren und somit einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten.

Der Leitfaden bildet ein Ergänzungsmodul zum Handbuch Regionalvermarktung, das einen Überblick über alle wichtigen Themen der Regionalvermarktung mit praktischem Bezug gibt. Er ist im Rahmen des Projektes REGIONAL PLUS mit Unterstützung der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW entstanden.

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Weltkarte der Fluchtursachen

Aus der Mitteilung von Ska Keller, Mitglied des Europäischen Parlaments, Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

„Anstatt Flüchtlinge zu bekämpfen, müssen wir konsequent die Ursachen von Flucht und unfreiwilliger Migration angehen. Fluchtursachen bekämpfen bedeutet für uns, die Bedingungen zu schaffen, die es Menschen ermöglicht, in ihrem Land zu bleiben, weil sie es wollen. Fluchtursachenbekämpfung richtet sich nicht gegen Flüchtlinge, sondern verfolgt eine Politik, die niemanden dazu zwingt zu fliehen.

Um zu veranschaulichen, warum Menschen in die Flucht getrieben werden, gibt es jetzt von mir die Weltkarte der Fluchtursachen. Hier wird anhand der Beispiele Krieg, Klimawandel, Menschenrechte, Ungleichheit und Armut veranschaulicht, warum Menschen fliehen müssen. Gleichzeitig zeigt die Karte auch, wo wir anpacken müssen und was verändert werden muss, damit niemand mehr fliehen muss.“

Die Weltkarte der Fluchtursachen kann von Bildungseinrichtungen, politischen Gruppen, Jugendzentren, Vereinen und allen, die sie für ihre politische Bildungsarbeit nutzen wollen, per E-Mail unter ska.keller@ep.europa.eu bestellt werden. Die Karte gibt es auch als pdf zum Selbstausdrucken hier.

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Bergische Klimagespräche

Bergische Klimagespräche

Die Schriftenreihe „Bergische Impulse“ greift wichtige Ergebnisse der Bergischen Klimagespräche auf. Die dritte Ausgabe erscheint unter dem Titel „Für eine neue, regionale Landwirtschafts- und Ernährungskultur. Auf der Suche nach lebendigen und gleichberechtigten Versorgungsbeziehungen zwischen Stadt und Land“ mit Beiträgen von Rainer Lucas, Hubertus Ahlers, Wilfried Bommert, Harald Kegler und Uta von Winterfeld. Die Impulse dienen als Inspiration für Akteure, politische Prozesse und gesellschaftliche Debatten.

Städtische Quartiere sind in Bezug auf die Versorgung mit Energie, Wasser, Materialien und Lebensmitteln keine selbstversorgenden Einheiten. Über vielfältige Beziehungen und Wertschöpfungsketten sind die Quartiere abhängig von externen Versorgungsleistungen. Die räumlichen Bezüge in den genannten Bereichen sind dabei sehr unterschiedlich. Ansätze einer nachhaltigen Regional- und Stadtentwicklung verfolgen u.a. das Ziel, diese Beziehungen kleinräumiger zu gestalten. Mögliche Ansatzpunkte sind u.a. eine Dezentralität von Versorgungsleistungen zur Verringerung des Transportaufkommens, Schließung von Stoff- und Wirtschaftskreisläufen, direkte Beziehungen zwischen Produzentinnen und Produzenten und Verbraucherinnen und Verbrauchern und räumliche Nähe als Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Auf den Bergischen Klimagesprächen wurde diskutiert, wie diese Ansätze im Bereich der Ernährung gestärkt und verbreitert werden können, um letztlich in den Quartieren eine neue Landwirtschafts- und Ernährungskultur zu entwickeln. Dies wurde mit der Vorstellung von fairen und gleichberechtigten Austauschbeziehungen zwischen Stadt/Quartier und Umland verbunden. Für die Umsetzung dieser Vision sind selbsttragende, transformative Strukturen notwendig, die von den Menschen in den städtischen Quartieren und den Produzentinnen und Produzenten der Lebensmittel getragen werden. Die hiermit verbundenen Ziele bedürfen einer politischen Rahmung, Fragen der Versorgung mit gesunden Lebensmitteln gehören auf die Agenda der kommunalen Politik.

Der Diskussionsprozess um diese Fragen ist nicht abgeschlossen. Es wurde verabredet, zunächst im Rahmen eines Impulspapiers einen analytischen und konzeptionellen Rahmen zu schaffen, auf dessen Grundlage weitere Aktivitäten möglich sind. Nachfolgend werden erste Ideen entwickelt für eine Neugestaltung der raumstrukturellen Beziehungen im Bereich Landwirtschaft/Ernährung. Hierbei werden zunächst einige konzeptionelle und analytische Ausgangspunkte umrissen und Transformationsperspektiven entwickelt, die eine Agrar- und Ernährungswende integriert behandeln. Eine solche Zielsetzung muss sich auch mit möglichen Hemmnissen auseinandersetzen. Deshalb verweisen die Autoren auf das Spannungsfeld von Stadtkultur und Landnatur und die Flächenverluste der landwirtschaftlichen Produktion. Bei der Perspektiventwicklung greifen sie Ansätze auf, wie sie bereits in vielen Großstädten im Kontext einer Ernährungswende existieren. Abschließend werden vier Schritte entwickelt, die für den Aufbau selbsttragender Strukturen einer neuen Landwirtschafts- und Ernährungskultur als wichtig erachtet werden.

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Stärkere Belege für Abschwächung des Golfstromsystems

Stärkere Belege für Abschwächung des Golfstromsystems

Die als Golfstromsystem bekannte Umwälzströmung im Atlantik – eines der wichtigsten Wärmetransportsysteme der Erde, das warmes Wasser nach Norden und kaltes Wasser nach Süden pumpt – ist heute schwächer als je zuvor in den vergangenen 1000 Jahren. Temperaturdaten von der Meeresoberfläche liefern neue Belege dafür, dass sich diese große Ozeanzirkulation seit Mitte des 20. Jahrhunderts um etwa 15 Prozent verlangsamt hat. Das zeigt eine Studie, die jetzt von einem internationalen Wissenschaftlerteam in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist der Hauptverdächtige für diese beunruhigenden Beobachtungen.

„Wir haben ein spezielles Muster entdeckt – eine Abkühlung des Ozeans südlich von Grönland und eine ungewöhnliche Erwärmung vor der US-Küste“, sagt die Leit-Autorin Levke Caesar vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Dieses Muster ist sehr charakteristisch für eine Verlangsamung der Umwälzung der Wassermassen im Atlantik. Es ist praktisch wie ein Fingerabdruck einer Abschwächung dieser Meeresströmungen.“ Wenn sich die Strömungen verlangsamen, bringen sie weniger Wärme nach Norden, was zu einer Abkühlung des Nordatlantiks führt – tatsächlich ist dies weltweit die einzige Meeresregion, die sich trotz der globalen Erwärmung abgekühlt hat. Gleichzeitig verlagert sich der Golfstrom in der Nähe der USA nach Norden und Richtung Land, dabei erwärmt er die Gewässer entlang der nördlichen Hälfte der US-Atlantikküste.

„Diese Region hat sich in den letzten Jahrzehnten schneller erwärmt als fast alle anderen Teile der Weltmeere“, sagt Ko-Autor Vincent Saba vom National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) Laboratory in Princeton, USA. „Ein solches Muster der Ozeantemperaturen wurde von Computersimulationen vorhergesagt als Reaktion auf den zunehmenden Ausstoß von Treibhausgasen – jetzt wurde diese Vorhersage durch Messungen bestätigt.“





Messungen der Meerestemperaturen bestätigen Computersimulationen



Seit Jahrzehnten untersuchen Wissenschaftler die Veränderungen der großen atlantischen Umwälzströmung. Computersimulationen sagen voraus, dass diese als Golfstromsystem bekannte Zirkulation sich als Reaktion auf die vom Menschen verursachte globale Erwärmung abschwächen wird. Ob dies aber bereits geschieht, war bisher unklar, da es keine langfristigen direkten Messreihen zu der Strömung gibt. „Die Belege, die wir jetzt haben, sind die bisher robustesten“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut, der die Studie konzipiert hat. „Wir haben alle verfügbaren Daten über die Temperatur der Meeresoberfläche analysiert, vom späten 19. Jahrhundert bis heute.“

„Das spezifische Trendmuster, das wir in den Messungen gefunden haben, sieht genauso aus, wie es von Computersimulationen als Folge einer Verlangsamung des Golfstromsystems vorhergesagt wird, und ich sehe keine andere plausible Erklärung dafür“, sagt Rahmstorf. Tatsächlich ist es nicht nur das räumliche Muster, das zwischen Computersimulation und Beobachtungen übereinstimmt, sondern auch der Wechsel im Jahreszyklus.

Globale Erwärmung als wahrscheinliche Ursache – Auswirkungen sind weitreichend

Die Abschwächung wird durch eine Reihe von Faktoren verursacht, die mit der durch Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen verursachten globalen Erwärmung in Zusammenhang gebracht werden können. Die Umwälzströmung des Atlantik wird durch die Dichte-Unterschiede des Meerwassers angetrieben: Wenn das warme und damit leichtere Wasser von Süden nach Norden fließt, wird es kälter und damit dichter und schwerer – es sinkt in tiefere Meeresschichten und fließt zurück in den Süden. „Aber mit der globalen Erwärmung, verstärkten Regenfällen sowie Schmelzwasser aus dem arktischen Meereis und Grönlandeis wird das Wasser des Nordatlantiks verdünnt, sein Salzgehalt sinkt. Weniger salzhaltiges Wasser ist weniger dicht und damit weniger schwer – was es für das Wasser schwieriger macht, von der Oberfläche in die Tiefe zu sinken“, erklärt Alexander Robinson von der Universität Madrid, der die Studie mitverfasst hat.

Seit Jahrzehnten wird diskutiert, ob die Umwälzströmung des Atlantiks als Kippelement im Erdsystem völlig versiegen könnte. Die vorliegende Studie betrachtet aber nicht das zukünftige Schicksal dieser Zirkulation, sondern untersucht, wie sie sich in den letzten hundert Jahren verändert hat. Dennoch warnt Robinson: „Wenn wir die globale Erwärmung nicht rasch stoppen, müssen wir mit einer weiteren langfristigen Verlangsamung der Atlantikströmung rechnen. Wir fangen erst an, die Folgen dieses beispiellosen Prozesses zu verstehen – aber sie dürften weitreichend sein.

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Mehrere Studien haben beispielsweise gezeigt, dass eine Verlangsamung des Golfstromsystems den Anstieg des Meeresspiegels an der US-Küste für Städte wie New York und Boston verschärft. Andere zeigen, dass die damit verbundene Veränderung der atlantischen Meeresoberflächentemperaturen das Wetter in Europa beeinflusst, etwa die Zugbahnen von Stürmen, die vom Atlantik kommen. Konkret wurde die europäische Hitzewelle des Sommers 2015 mit der Rekordkälte im Nordatlantik in diesem Jahr in Verbindung gebracht – dieser scheinbar paradoxe Effekt entsteht, weil ein kalter Nordatlantik ein Luftdruckmuster begünstigt, das warme Luft aus dem Süden nach Europa leitet.

Studie zur Erdgeschichte in derselben Ausgabe von Nature stützt die Ergebnisse



Die Ergebnisse werden durch eine zweite Studie eines Teams um David Thornalley vom University College London, die in der gleichen Ausgabe von Nature veröffentlicht wurde, im Wesentlichen gestützt und in einen längerfristigen Zusammenhang gestellt. Diese wichtige Analyse untersucht das Klima der Erde in der Vergangenheit – mit Hilfe von Informationen, die zum Beispiel in der Zusammensetzung von Ablagerungen auf dem Meeresboden zu finden sind –, um Veränderungen in der atlantischen Umwälzströmung in den letzten 1600 Jahren zu rekonstruieren. Diese so genannten paläoklimatischen Proxydaten liefern eine unabhängige Bestätigung für frühere Schlussfolgerungen, wonach die jüngste Abschwächung des Golfstromsystems seit mindestens tausend Jahren beispiellos ist. Die Entwicklung der atlantischen Umwälzströmung im vergangenen Jahrtausend, die sich aus indirekten Belegen für die Temperaturen unterhalb der Meeresoberfläche ableitet, entspricht dabei fast genau derjenigen, die Rahmstorf und Kollegen 2015 in einer Studie ermittelt haben – was bemerkenswert ist, weil die neue Studie auf Sedimenten aus der Tiefe des Ozeans basiert, während die frühere Studie so genannte Klima-Archive an Land nutzte, wie Daten aus Eisbohrkernen und Baumringen.

„Jetzt kommen mehrere unabhängige Belege zusammen und ergeben ein schlüssiges Bild der Abschwächung der atlantischen Umwälzströmung seit den 1950er Jahren“, so Rahmstorf. „Die subpolare atlantische Abkühlung, die Erwärmung in der Golfstromregion, die Proxydaten von Thornalley für die Temperaturen des Ozeans unterhalb der Oberfläche  und frühere Proxydaten aus Tiefseekorallen über Veränderungen der Wassermassen im Golf von Maine.

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Die Thornalley-Studie deutet auch darauf hin, dass ein Teil der atlantischen Umwälzströmung – die Tiefenströmung aus der Labradorsee – vor 150 Jahren durch Erwärmung und Eisschmelze am Ende der „Kleinen Eiszeit“ abgeschwächt wurde. Dies verdeutlicht die Empfindlichkeit der Umwälzströmung gegenüber Erwärmung und Süßwassereintrag – etwas, das nun mit der vom Menschen verursachten Erwärmung und Beschleunigung der Grönland-Schmelze wieder geschieht. Nach den Temperaturen unterhalb der Meeresoberfläche in der Erdvergangenheit zu urteilen, war dieses Ereignis vor 150 Jahren jedoch nicht mit einer so tiefgreifenden Verringerung des Wärmetransports im Atlantik verbunden, wie es heute durch die Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen der Fall ist. Also aufgrund einer globalen Erwärmung, die größer ist als jemals zuvor in der Geschichte der menschlichen Zivilisation.

Artikel: Levke Caesar, Stefan Rahmstorf, Alexander Robinson, Georg Feulner, Vincent Saba (2018): Observed fingerprint of a weakening Atlantic Ocean overturning circulation. Nature [DOI: 10.1038/s41586-018-0006-5]

 

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Unser täglich Gift

Unser täglich Gift

Sind Fipronil und Glyphosat nur die Spitze des Eisbergs? Ob beim Essen oder auf Reisen – es ist unmöglich, nicht mit Pestiziden in Kontakt zu kommen.

Wussten Sie, dass ein Apfel durchschnittlich 31-mal mit Pestiziden behandelt wird? Dass man auch im Flugzeug mit den Giften in Kontakt kommen kann und dass neben der Landwirtschaft der zweitgrößte Verbraucher von Herbiziden in Deutschland die Deutsche Bahn ist? Pestizide werden umfassend eingesetzt, über ihre Zusammensetzung wissen wir jedoch wenig. Etwa vierzig Chemikalien, die von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wurden, sind nach wie vor erlaubt. Ein Viertel der Pestizide auf dem Markt sind Fälschungen mit ungewissem Inhalt. Johann G. Zaller, Ökologie-Experte an der Wiener Universität für Bodenkultur, erforscht seit Jahren Chemikalien und ihre Nebenwirkungen für unsere Gesundheit und Umwelt.

Das Sachbuch „Unser täglich Gift“ von Johann Zaller ist beim Hanser Literaturverlag erschienen. Eine Leseprobe finden Sie hier. Zum Interview mit Johann Zaller, das bei GEO erschien, geht es hier

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