Aufruf zur „Wir haben es satt!“ Demo am 19.1. in Berlin

Aufruf zur „Wir haben es satt!“ Demo am 19.1. in Berlin

Am 19. Januar gehen wieder Zehntausende bei der „Wir haben es satt!“-Demonstration in Berlin für eine ambitionierte Agrarreform auf die Straße. 

Die „Wir haben Agrarindustrie satt!“-Demonstration wird von Tausenden Bäuerinnen und Bauern – konventionell und bio – getragen, von denen etliche mit ihren Traktoren aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen. Zusammen mit rund 100 Organisationen aus der Zivilgesellschaft treten sie für eine Landwirtschaft und Lebensmittelpolitik ein, in der Bauern fair entlohnt werden und sich alle Menschen gesund ernähren können.

Gemeinsam fordern wir, dass der Agrarindustrie endlich der Geldhahn abgedreht wird. Die 60 Milliarden Euro an jährlichen EU-Agrargeldern müssen künftig Höfesterben, Klimaüberhitzung und Artensterben stoppen, anstatt diese Effekte der industriellen Landwirtschaft zu beschleunigen. Besonders in der Verantwortung steht dabei Agrarministerin Julia Klöckner. Sie darf die wichtigen Zukunftsthemen nicht weiter ignorieren und muss dafür sorgen, dass mit Steuergeld nur noch enkeltaugliche Landwirtschaft honoriert wird.

Hintergrund zur EU-Agrarreform:

Mit jährlich 60 Mrd. Euro bestimmt die EU-Agrarpolitik (GAP), welche Landwirtschaft sich in Europa lohnt. Aktuell profitieren dabei vor allem Landbesitzer: In Deutschland erhält das obere, flächenreichste Prozent (3.300 Betriebe) eine Milliarde Euro im Jahr, während die unteren 62 Prozent (200.000 Betriebe) sich 700 Millionen Euro teilen. Das Ergebnis der verfehlten Agrarpolitik: Bauernhöfe müssen schließen, Artenvielfalt schrumpft und es ist zu viel Nitrat im Wasser. Selbst der Wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums dringt auf einen raschen Kurswechsel.

Alle sieben Jahre wird die GAP reformiert, derzeit verhandeln Mitgliedsstaaten und EU-Parlament über die Agrarförderung nach 2020. Für nächste Förderperiode muss das Prinzip ‚öffentliches Geld für öffentliche Leistungen‘ gelten: Bauern sollten für besondere gesellschaftliche Leistungen auf dem Acker und im Stall Gelder erhalten. Hierzu zählen u.a. Schutz des Wassers, Erhalt fruchtbarer Böden, Sicherung der Artenvielfalt und artgerechte Tierhaltung.

Die Demonstration am 19.1. beginnt um 12 Uhr am Brandenburger Tor und zieht zum Agrarministergipfel, wo die Teilnehmer mit einem unüberhörbaren Kochtopf-Konzert eine gerechte EU-Agrarreform und mehr Mut für die Agrarwende fordern. Alle Menschen, die sich für gute Landwirtschaft und gesundes Essen einsetzen, sind herzlich willkommen teilzunehmen!
Weitere Informationen: www.wir-haben-es-satt.de

Foto: Alexander Puell / www.wir-haben-es-satt.de

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Preise für Agrarland in Deutschland explodieren

Preise für Agrarland in Deutschland explodieren

In den vergangenen zehnn Jahren sind die Preise für Agrarland im Bundesdurchschnitt um 161% gestiegen.

„Die Preise für Agrarland in Deutschland explodieren förmlich“, schreibt der Weltagrarbericht in seiner Meldung vom 3.1.2019.

Der Deutsche Bauernverband hat im Dezember vergangenen Jahres den Situationsbericht 2018/19 veröffentlicht, der sich auf die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu Kaufwerten für landwirtschaftliche Grundstücke stützt. Aus diesem Bericht geht hervor, dass die Preise für Agrarland zwischen 2010 und 2017 um 103% gestiegen sind. 2010 kostete ein Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche noch 11.854 Euro, 2017 lag der Preis im Bundesdurchschnitt bereits bei 24.064 Euro.

Am teuersten ist Agrarland in Bayern, dort kostet ein Hektar durchschnittlich 60.864 Euro. Platz zwei belegt Nordrhein Westfalen mit 48.085 Euro, auf Platz drei folgt Niedersachsen mit 33.497 Euro. Zum Vergleich: mit 9.676 Euro pro Hektar kostet Agrarland im Saarland am wenigsten, gefolgt von Thüringen mit 10.522 Euro pro Hektar und Brandenburg mit 11.372 pro Hektar.

Wie stark die Preise gestiegen sind, zeigt sich, wenn man die Preisentwicklungen der letzten zehn Jahre betrachtet. Im Bundesdurchschnitt stiegen die Preise in diesem Zeitraum um 161%. Da in den alten Bundesländern die Preise bereits auf einem hohen Niveau waren, fiel der Anstieg dort mit 116% geringer aus. In den neuen Bundesländern stiegen die Agrarlandpreise aufgrund niedrigerer Ausgangswerte um 278%. 

Zum vollständigen Artikel des Weltagrarberichts geht es hier.

Foto: Lutz Koch/ Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

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Agrar-Atlas: Daten und Fakten zur europäischen Landwirtschaft

Agrar-Atlas: Daten und Fakten zur europäischen Landwirtschaft

Der von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Zeitung Le Monde Diplomatique gemeinsam herausgegebene Agrar-Atlas 2019 versammelt Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft.

Er zeigt, dass kaum etwas von den fast 60 Milliarden Euro, die die EU jährlich für die europäische Landwirtschaft ausgibt, für gesunde Lebensmittel, den Schutz von Umwelt, Klima und Biodiversität oder den Erhalt von kleinen und mittleren Betrieben verwendet wird.

Im Gegenteil, von 80 Prozent der Gelder profitieren nur 20 Prozent der Betriebe. Aber der Atlas beweist auch, dass es falsch wäre, die Förderung der Agrarpolitik einfach abzuschaffen. Denn der Umbau zu einer nachhaltigen und global gerechten Landwirtschaft ist nicht umsonst.

Den Agrar-Atlas 2019 finden Sie hier zum Download.

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Humus in landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands

Humus in landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands

Mit der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft des Thünen-Instituts wurde erstmalig eine umfassende und repräsentative Inventur der organischen Kohlenstoffvorräte in den landwirtschaftlich genutzten Böden durchgeführt. Dafür sind in enger Zusammenarbeit mit über 3.100 Landwirten in den Jahren von 2012 bis 2018 mehr als 120.000 Bodenproben genommen und analysiert worden.

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Ernährungsräte verabschieden Frankfurter Erklärung für gute Ernährung und Produktion

Ernährungsräte verabschieden Frankfurter Erklärung für gute Ernährung und Produktion

Ramón Goeden (websenat)/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Ramón Goeden (websenat)/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Unter dem Motto „Wege zur Ernährungsdemokratie“ kamen in Frankfurt vom 23. bis zum 25. November mehr als 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und den Niederlanden beim zweiten Kongress der deutschsprachigen Ernährungsräte zusammen. Das Netzwerktreffen schloss am Sonntag mit der Verabschiedung einer Frankfurter Erklärung.

Die Ernährungsräte fordern darin geschlossen eine radikale Änderung der Art und Weise wie wir Lebensmittel produzieren, konsumieren und wertschätzen.

  • Alle Menschen sollen Zugang zu gutem und gesunden Essen bekommen.
  • Wir brauchen transparente Preise, die Umweltschäden durch Produktion mit einbeziehen
  • Verbraucher sind nicht allein verantwortlich, das heißt wir brauchen neue politische Rahmenbedingungen z.B. Subventionierung nach öko-sozialen Kriterien und nicht nach Fläche.

Die Frankfurter Erklärung soll als Leitlinie für die Arbeit der Ernährungsräte dienen. Ernährungsräte sind Zusammenschlüsse von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Kommunen. Allein in Deutschland gibt es bisher über 40 bestehende und in Gründung befindliche Initiativen.

Die Frankfurter Erklärung der Ernährungsräte: „Ernährungsdemokratie jetzt!“

Weltweit organisieren sich Bürger*innen in Ernährungsräten, um als Bündnis zivilgesellschaftliche Positionen und Forderungen für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem öffentlich zu vertreten und ihnen zu politischer Geltung zu verhelfen.

Die Gründe für eine Ernährungswende sind offensichtlich:
Die industrielle Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion befördern den Klimawandel, die Abholzung der Wälder, die Zerstörung der Böden, Wasserknappheit sowie -verschmutzung und den Verlust von Biodiversität mit Auswirkungen in Deutschland, der Europäischen Union und überall in der Welt. Wenige große Unternehmen der Agrarwirtschaft profitieren, während viele bäuerliche Betriebe und handwerkliche Verarbeiter aufgeben müssen. 800 Millionen Hungernde, mehr als eine Milliarde fehlernährte Menschen – und parallel dazu zwei Milliarden Übergewichtige – weltweit zeigen, dass das globale Ernährungssystem aus dem Ruder gelaufen ist.

Ein Systemwandel ist möglich, denn immer mehr Bürger*innen schätzen gutes Essen und Klarheit darüber, wo und wie es erzeugt wird. Sie kaufen ökologische, saisonale und regionale Produkte. Das zeigt uns, dass gutes Essen und gute Landwirtschaft möglich sind – jetzt und in Zukunft, hier in Deutschland und überall.

Zentral ist dabei, dass die Verantwortung für eine zukunftsfähige Ernährungsweise nicht auf Akteure wie Lebensmittelproduzent*innen und Konsument*innen abgewälzt werden darf. Vielmehr ist es Aufgabe der Politik, für die Rahmenbedingungen zu sorgen, die ein zukunftsfähiges, relokalisiertes Ernährungssystem ermöglichen. Die Politik ist gefordert Formen des nachhaltigen Wirtschaftens zu fördern.

Eine demokratische, gerechte, freie und weltoffene Gesellschaft ist für das Gelingen der Ernährungswende dabei unabdingbar!

Die Ernährungsräte im deutschsprachigen Raum sind in den Städten und Gemeinden vor Ort aktiv, um die Ernährungswende auf lokaler Ebene mit zu gestalten.
Mit den nachfolgenden Forderungen treten wir an die Öffentlichkeit:

Veränderte Rahmenbedingungen durch politische Verantwortung:

Der Zugang zu gesunden Lebensmitteln muss auch als Ausdruck des Vorsorgeprinzips Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge sein. Städte und angrenzende Regionen spielen eine zentrale Rolle bei der Schaffung einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung. Die aktuell bestehenden planerischen und entwicklungspolitischen Instrumente sollen auch die Belange der Lebensmittelerzeugung und Verteilung berücksichtigen – und zwar weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Wahre Preise und Transparenz im wirtschaftlichen System:

Die aktuellen Wirtschaftsstrukturen mindern die Wettbewerbsfähigkeit einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung. Wir brauchen eine korrekte Einpreisung externer Kosten (d.h. direkt und indirekt verursachte ökologische und soziale Probleme) bei Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung

Macht der Verbraucher*innen und Verantwortung der Politik:

Die Verantwortung kann nicht allein auf die Verbraucher*innen abgewälzt werden, während echte Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung fehlen. Appelle zu nachhaltigem Konsum scheitern unter anderem an fehlenden attraktiven Alternativen.

Wertschöpfungsketten zu Wertschöpfungskreisläufen:

Regionale Lebensmittelversorgung erfordert funktionierende, (lokale) Wertschöpfungskreisläufe und Infrastrukturen. Eine Ernährungswende gelingt dabei nur zusammen mit einer Agrarwende unter Beteiligung aller Stufen der Wertschöpfung.

Voneinander Lernen und existierende Lösungen übertragen:

In vielen Regionen gibt es bereits zahlreiche Erfolgsbeispiele nachhaltiger Lebensmittelversorgung. Diese gilt es zu fördern und zu multiplizieren. Hierbei kommt vor allem den Politiker*innen in Städten und Gemeinden eine größere Verantwortung zu, die sie wahrnehmen müssen.

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The battle for the future of farming: what you need to know

The battle for the future of farming: what you need to know

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Kletr/Shutterstock.com

Michel Pimbert, Coventry University and Colin Anderson, Coventry University

It is widely agreed that today’s global agriculture system is a social and environmental failure. Business as usual is no longer an option: biodiversity loss and nitrogen pollution are exceeding planetary limits, and catastrophic risks of climate change demand immediate action.

Most concede that there is an urgent need to radically transform our food systems. But the proposed innovations for more sustainable food systems are drastically different. Which we choose will have long-lasting effects on human society and the planet.

Suggested innovations in food systems can be broadly understood as either seeking to conform with – or to transform – the status quo.

The future of farming is ours to decide.
Raggedstone/Shutterstock.com

A technological future

Some want to keep the agriculture industry as close to existing practices as possible. This is true of the increasing number of corporate and financial actors who seek to solve the food crisis by developing new technologies. These technologies are envisaged as being part of what is being called the “fourth industrial revolution” (4IR). The “answer” here is thought to lie in a fusion of technologies that blurs the lines between physical, digital and biological domains.

For example, the World Economic Forum is currently supporting agricultural transitions in 21 countries through its “New Vision for Agriculture” initiative. This initiative supports “innovation ecosystems” to re-engineer food systems based on “12 transforming technologies”. In this imagined future, next generation biotechnologies will re-engineer plants and animals. Precision farming will optimise use of water and pesticides. Global food systems will rely on smart robots, blockchain and the internet of things to manufacture synthetic foods for personalised nutrition.

Like previous green revolution technologies in agriculture, this effort is designed by and for powerful agricultural giants. These technological innovations reinforce the concentration of political and economic power in the hands of a small number of corporations. Indeed, the latter have a growing monopoly control over the “12 transforming technologies” protected by patents.

Who needs humans?
Kung_tom/Shutterstock.com

Most notably, the spread of these technologies will expand the technosphere at the expense of the biosphere. Flying robots will pollinate crops instead of living bees. Automated machines will replace farmers’ work on soil preparation, seeding, weeding, fertility, pest control and harvesting of crops.

These hi-tech innovations radically depart from most farming practices. They are moving us towards an increasingly people-less food system. Yet they show a remarkable continuity with the logic of capitalist accumulation – hence their staying power despite their significant risks.

The spread of automated, de-localised and digitalised production and commercialisation of food is part of the “financialisation” of the global food system. Financial markets play an increasing role in controlling food systems from a distance. This generates huge social and human risks. For example, the significant growth in the sale and purchase of financial products linked to food commodities was one of the determining factors in the 2008 world food crisis.

We could be seeing an extension of the megafarms we know today.
Igorstevanovic/Shutterstock.com

Another option

But there is an alternative to this future. Agroecology involves the application of ecological principles for the design and management of sustainable agroecosystems. Our research on agroecology focuses on how it can contribute to food sovereignty, which emphasises the democratisation of food systems. Agroecology’s contribution to the Sustainable Development Goals is now recognised.

In contrast to the technological vision described above, agroecological innovations promote circular systems that involve recycling, reuse and combining resources to reduce dependency on external inputs, in particular fossil fuels. They mimic natural cycles and the functional diversity of natural ecosystems.

An organic coffee plantation in Ecuador.
Dr Morley Read/Shutterstock.com

Farming systems are designed in a way that is based on beneficial interactions between plants, animals and environments. Trees and shrubs might be planted amongst or around crops, say. Or two or more crops might be grown in proximity. Agroecology reduces the dependence of food producers on expensive external inputs, distant commodity markets and patented technologies. This is achieved by relying on appropriate biodiversity to ward off pests and increase farm yields.

At broader scales, agroecology involves circular systems that combine food and energy production with water and waste management. Pollution is minimised and synergies achieved by carefully clustering industries into functional wholes. The re-localisation of production and consumption within territories enhances local economic regeneration and sustainability.

Agroecological innovations in transitions to sustainable food systems are being driven largely from the bottom up by civil society, social movements and allied researchers. In this context, priorities for innovations are ones that increase citizen control for food sovereignty and decentralise power. This is in direct contrast to the monopoly control enabled by 4IR technologies.

Growing multiple crops at once.
Katarzyna Mazurowska/Shutterstock.com

A democratic debate

Government, civil society and private sector representatives will soon meet in Rome at the United Nations Food and Agriculture Organization to discuss the future of farming. Who controls the global governance of innovation will be a hotly debated topic.

But given these highly contested views on innovations for food and agriculture, it is vital that everyone is able to exercise their right to have a say on the future of their food supply. Deliberative and inclusive processes such as citizens’ juries, peoples’ assemblies and community-led participatory processes are urgently needed to decide priorities for food and agricultural innovations. This is all the more important in today’s context of rapid global change and uncertainty.

So. Do you want to live in a world in which artificial food is produced by intelligent robots and corporations that put profits before people? Or one where agroecological innovations ensure we can nourish ourselves and our communities in a fair, ecologically regenerative, and culturally rich way?The Conversation

Michel Pimbert, Professor and Director, Centre for Agroecology, Water and Resilience, Coventry University and Colin Anderson, Senior Research Fellow, Coventry University

This article is republished from The Conversation under a Creative Commons license. Read the original article.

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„Ökologischer Landbau in der Region muss vorangetrieben werden“: Interview mit Wilfried Bommert bei HR-Info

„Ökologischer Landbau in der Region muss vorangetrieben werden“: Interview mit Wilfried Bommert bei HR-Info

hanna/Flickr (CC BY-ND 2.0)

Sind Solidarische Landwirtschaft und Ökologischer Landbau zukunftsweisende Konzept, von denen das ganze Land – oder gar die ganze Welt ernährt werden könnte? HR-Info sprach dazu mit Dr. Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung in Berlin.

Den Beitrag können Sie hier hören.

 

 

 

 

IWE„Ökologischer Landbau in der Region muss vorangetrieben werden“: Interview mit Wilfried Bommert bei HR-Info
Mehr Extremwetter durch die Störung gigantischer Luftströme in der Atmosphäre

Mehr Extremwetter durch die Störung gigantischer Luftströme in der Atmosphäre

Jestream, Foto: NASA

Jestream, Foto: NASA

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

 

 

 

 

 

  • Computersimulationen zeigen einen starken Anstieg von Ereignissen, bei denen die Wellenbewegung des Jetstreams in der Atmosphäre aufhören, sich weiter vorwärts zu bewegen.
  • Dadurch könnten Wetterextreme am Boden häufiger werden.
  • Eine starke arktische Erwärmung reduziert den Temperaturunterschied zwischen dem Nordpol und den Subtropen, und dieser Unterschied ist ein wesentlicher Treiber des Jetstreams.
  • Eine Verringerung der Luftverschmutzung in den Industrieländern könnte einen Teil der natürlichen Temperaturdifferenz zwischen den mittleren Breiten und der Arktis wiederherstellen.

Computersimulationen zeigen einen starken Anstieg von Ereignissen, bei denen die Wellenbewegungen des Jetstreams in der Atmosphäre aufhören sich weiter voran zu bewegen. Dadurch könnten Wetterextreme am Boden häufiger werden: Wenn die Westwinde aufhören, Wettersysteme voranzutreiben, halten diese länger an – aus ein paar sonnigen Tagen kann eine Hitzewelle werden, anhaltender Regen kann zu Überschwemmungen führen. Ein internationales Team von Wissenschaftlern führt das auf die vom Menschen verursachte Erwärmung speziell in der Arktis zurück.

„Wir erwarten, dass solche atmosphärischen Bedingungen um etwa 50 Prozent ansteigen, die einen langsamen, sich breit schlängelnden Jetstream und festgefahrene Wetterextreme begünstigen“, sagt Michael Mann von der Pennsylvania State University in den USA, Hauptautor der in Science Advances veröffentlichten Studie. „Wir sprechen dabei von quasi-resonanter Verstärkung planetarer Wellen, aber was das bedeutet, ist ziemlich einfach: Menschen werden wahrscheinlich häufiger extreme und potenziell gefährliche Wetterereignisse erleben.“ Solche planetarischen Wellenereignisse waren auch Ursache der verheerenden Waldbrände in Kanada 2016, der Überschwemmungen in Europa 2013 und der Hitzewelle in Russland 2010.

Erstmals wurde das zukünftige Auftreten solcher Bedingungen, die zu Wachstum und Stillstand planetarer Wellen führen, jetzt in einer Vielzahl von modernen Klimasimulationen (CMIP5) durchgerechnet. Während der Zusammenhang zwischen der Störung atmosphärischer Wellen und Extremwetter bereits in früheren Studien und für vergangene Ereignisse nachgewiesen wurde, überraschte der Blick in eine mögliche Zukunft bei ungemindertem Treibhausgasanstieg. „Bei der Betrachtung einer großen Anzahl verschiedener Computermodelle haben wir interessante Unterschiede festgestellt“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Ko-Autor der Studie. „Verschiedene Klimamodelle liefern teils deutlich unterschiedliche Zukunftsprognosen für Resonanzereignisse des Klimas. Im Mittel zeigen sie allerdings eine deutliche Zunahme. Zwei Faktoren scheinen die Häufigkeit solcher Resonanzereignisse zu bestimmen: Die Erwärmung der Arktis und die Luftverschmutzung.“

Arktische Erwärmung und Luftverschmutzung

Die Arktis erwärmt sich schneller als der Rest des Planeten. Computersimulationen, die das berücksichtigen, zeigen einen stärkeren Anstieg der Ereignisse, bei denen die plantearen Wellen in ihrer Vorwärtsbewegung stocken. Gleiches gilt für Simulationen, die die Auswirkungen der Luftverschmutzung mit winzigen Partikeln – sogenannten Aerosolen – beinhalten. Eine starke arktische Erwärmung reduziert den Temperaturunterschied zwischen dem Nordpol und den Subtropen, und dieser Unterschied ist ein wesentlicher Treiber des Jetstreams. Die Arktis ist deshalb für die gigantischen Luftströme, die unsere Wettersysteme antreiben, von besonderer Bedeutung. Die Luftverschmutzung wiederum blockiert einen Teil der Sonnenstrahlung, etwa in Regionen mit vielen Kohlekraftwerken, und führt so zu einer leichten temporären lokalen Kühlung. Dadurch wird ebenfalls die Temperaturdifferenz zwischen mittleren Breiten und Nordpol reduziert.

„Unsere Ergebnisse weisen also auch darauf hin, dass eine Verringerung der Luftverschmutzung in den Industrieländern tatsächlich einen Teil der natürlichen Temperaturdifferenz zwischen den mittleren Breiten und der Arktis wiederherstellen könnte – was wiederum dazu beitragen würde, zukünftige Störungen der planetaren Wellen und die damit verbundenen Wetterextreme zu vermindern“, sagt Stefan Rahmstorf. „Es ist interessant, dass die Stilllegung von Kohlekraftwerken in zweierlei Hinsicht zur Vermeidung von Klima-Destabilisierung beitragen kann: durch die Reduktion von Treibhausgasemissionen, die die globale und arktische Erwärmung vorantreiben, und durch die Verringerung der Luftverschmutzung. Wenn wir also den Anstieg gefährlicher Wetterextreme begrenzen wollen, scheint ein schneller Ausstieg aus der Kohle eine ziemlich gute Idee zu sein.“

„Die Klimamodelle sind noch zu grob, um diese Art von extremen Wetterepisoden für bestimmte Zeiten oder Orte vorherzusagen“, sagt Ko-Autor Dim Coumou, der sowohl am PIK als auch an der Vrije Universiteit Amsterdam arbeitet. „Die Modelle sind jedoch in der Lage, große Muster von Temperaturänderungen realistisch darzustellen“, so Kai Kornhuber vom PIK, der ebenfalls Ko-Autor der Studie ist. „In Kombination mit früheren Forschungsarbeiten zu diesem Thema sehen wir in unseren Simulationen einen ziemlich besorgniserregenden Trend: Wetterextreme nehmen im Zusammenhang mit unserem Ausstoß an Treibhausgasemissionen zu, und ein häufigeres Stocken der gigantischen Luftströme hoch in der Atmosphäre scheint hier ein wichtiger Faktor zu sein.“

Artikel: Michael E. Mann, Stefan Rahmstorf, Kai Kornhuber, Byron A. Steinman, Sonya K. Miller, Stefan Petri, Dim Coumou (2018): Projected changes in persistent extreme summer weather events: The role of quasi-resonant amplification. Science Advances, Vol. 4, no. 10 [DOI: 10.1126/sciadv.aat3272]

Link zum Artikel hier. Link zur Mitteilung der Pennsylvania State University hier

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Bundesregierung muss 1,5-Grad-Ziel entschlossen anpacken – alles andere ist unverantwortlich

Bundesregierung muss 1,5-Grad-Ziel entschlossen anpacken – alles andere ist unverantwortlich

BUND Bundesverband/Flickr (CC BY-NC 2.0)

BUND Bundesverband/Flickr (CC BY-NC 2.0)

Vor der bevorstehenden UN-Klimakonferenz in Katowice rufen die Arbeits­gemein­schaft bäuer­liche Landwirtschaft, Bioland, Demeter und Naturland mit dem „Bäuerlichen Klimaappell“ die Bundesregierung zur Einhaltung ihrer Klimaziele auf.

Sie erklären: „Der Klimawandel gefährdet zunehmend die Existenz landwirtschaft­li­cher Betrie­be hier bei uns und weltweit. Der verheerende Dürresommer 2018 muss eine Zeiten­wende in der Klimafrage einläuten. Die Bundesregierung muss ihre eige­nen Klimaziele zu 100% einhalten und eine CO2 Steuer einführen. Bäuerinnen und Bauern brauchen Klima­schutz. Durch umweltschonenden Ackerbau und artgerechte Tierhaltung nehmen wir unsere Verantwortung auf den Höfen für eine enkeltaugliche Zukunft wahr. Wir fordern die Bundes­regierung auf, entschlossen das 1,5-Grad-Ziel anzupacken – alles andere ist unverantwortlich.“

Alle vier Verbände rufen dazu auf, am 1. Dezember auf den Demonstrationen „Tempo machen beim Kohleausstieg“ in Köln und Berlin sowie auf der „Wir haben es satt“-Agrar-Demon­stra­tion am 19. Januar 2019 in Berlin auch für eine klimaschonende Landwirtschaft auf die Straße zu gehen und die Bundesregierung an das 1,5-Grad Ziel zu erinnern.

Bäuerlicher Klimaappell: Bauernverbände fordern Klimaschutz und Kohleausstieg – jetzt!

Im verheerenden Dürresommer 2018 erleben wir erneut die zerstörerischen Folgen des Klima­wan­dels. Tausende Höfe in Europa und Deutschland – und viele Millionen weltweit – sind davon betrof­fen. Die Fruchtbarkeit unserer Böden, die Existenz unserer Betriebe und unsere Wälder sind massiv durch die Klimakrise bedroht. Seit langem warnen Klimaforscher, doch die Politik handelt nicht. Die Auswirkungen des Klimawandels sind ökologisch, sozial und ökono­misch unverantwortbar. Es ist Zeit, eine Wende in der Klimapolitik einzuläuten. Zeit zu handeln!

Wir fordern von der Politik: Die zugesagten deutschen Klimaziele müssen zu 100% um­ge­setzt und notfalls nachgeschärft werden, um das Klimaabkommen von Paris einzuhalten. Das heißt: Reduzieren der CO2-Emissionen mindestens um 40% bis 2020 und um 55% bis 2030. Ein weiteres Aufschieben verschärft die Auswirkungen der Klimakrise und verteuert mögliche Gegenmaßnahmen extrem.

Daher fordern wir die Bundesregierung auf:

  • Eine CO2-Besteuerung als wirksamstes Mittel für den Klimaschutz kurzfristig auf den Weg zu bringen.

Die Politik darf vor den Profitinteressen von klimazerstörenden Konzernen (Kohle, Flug­ver­kehr, Autoindustrie, Agrarindustrie etc.) nicht einknicken. Politik hat die Aufgabe, die Wirt­schaft so zu regulieren, dass sie nicht zulasten des Klimas geht. Auch die Land- und Lebensmittelwirtschaft muss klimaschonende Wege weiter beschreiten und ausbauen – im Ackerbau und in der Tierhaltung. Wir fordern von Bundesland­wirtschafts­ministerin Klöckner, auch hier deutliche Schritte einzuleiten:

  • Emissionen aus der Tierhaltung zu reduzieren durch die Rückbesinnung auf eine flächengebundene Tierhaltung
  • Förderung eines nachhaltigen Konsums und Stoppen der Lebensmittelverschwendung
  • Etablieren einer Stickstoffstrategie zur Reduzierung der Lachgasemissionen,
  • Förderung der CO2-Bindung durch Humusaufbau in den landwirtschaftlichen Böden,
  • Schutz, beziehungsweise nachhaltige wirtschaftliche Nutzung, von Mooren, Grünland und Wald sicher stellen,
  • Ausrichten der gesamten EU-Agrarzahlungen auf eine klimaschonende, umweltschonende und tiergerechte Landwirtschaft,
  • Ausweitung des Ökolandbaus als bewährtes und zertifiziertes Verfahren für eine umweltfreundliche Landwirtschaft,
  • Weitere Erforschung sowie Etablieren in der Praxis von besonders klimafreundlichen Verfahren wie Agroforstwirtschaft, reduzierte Bodenbearbeitung ohne Einsatz von Totalherbiziden, optimierte Fruchtfolgen und Nährstoffrecycling.

Wir Bäuerinnen und Bauern erklären uns solidarisch mit dem peruanischen Kleinbauern Saúl Luciano Lliuya, denn sein Fall ist ein warnendes Beispiel für die globale Gefährdung unserer Lebensgrund­lagen. Wir erklären uns auch solidarisch mit der Europäischen Klimaklage, bei der Bäuerinnen und Bauern aus europäischen und afrikanischen Ländern beim Europäischen Gerichtshof vom Rat der EU-Regie­rungen und vom Europäischen Parlament eine konsequente Klimapolitik einfordern. Wir sind solidarisch mit den Familien Backsen, Bohm und Lütke-Schwienhorst, die die Existenz ihrer Höfe durch den Klimawandel bedroht sehen und deshalb die Bundesregierung auf Einhaltung der Klimaziele verklagen. Zusammen mit der Zivilgesell­schaft werden wir der Klimazerstörung und der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen aktiv entgegentreten.

Berlin, 19.11.2018. Gemeinsame Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bioland e.V., Demeter e.V., Naturland Verband für ökologischen Landbau e.V.

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Klimawandel nur durch sofortige Maßnahmen auch in der Landwirtschaft einzudämmen

Klimawandel nur durch sofortige Maßnahmen auch in der Landwirtschaft einzudämmen

Kevin/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Kevin/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Für die Vermeidung von gefährlichen Klima-Kipppunkten müssen verstärkt kurzlebige Klimaschadstoffe wie Methan reduziert werden, schreibt ein Team von Forschern der ETH Zürich und des gemeinnützigen NAHhaft-Instituts für nachhaltige Ernährungsstrategien in der Fachzeitschrift Nature Climate Change. Die Landwirtschaft ist die größte Quelle von Methan weltweit. Die Minderung von Methan ist zentral, um der derzeitigen Beschleunigung des Klimawandels entgegen zu wirken.

Der bereits stattfindende Klimawandel könnte in den nächsten 20 Jahren gefährliche Klima-Kipppunkte auslösen und sich damit selbst beschleunigen. Lukas Fesenfeld, Mitautor des Beitrags in Nature Climate Change und Forscher an der ETH Zürich, führt dazu aus: „Wenn wir die Klimaziele ernsthaft erreichen wollen, dann führt kein Weg daran vorbei, neben CO2 auch möglichst rasch deutlich weniger kurzlebige und besonders schädliche Klimaschadstoffe, wie Methan und Rußpartikel, auszustoßen. Wie der letzte Hitzesommer und derzeitige Wassermangel eindrücklich zeigen, ist der Klimawandel kein Zukunftsthema mehr, sondern er hat bereits heute ernsthafte und kostenintensive Auswirkungen.“

Nach den Analysen des Autorenteams verursacht die Landwirtschaft 19 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen, wenn man das Treibhausgaspotenzial der Klimaschadstoffe auf 20 Jahre betrachtet. Würde die gesamte Wertschöpfungskette des Ernährungssystems einbezogen, wäre der Anteil an den globalen Gesamtemissionen sogar noch höher. Alexander Schrode, Mitautor und Co-Geschäftsführer des NAHhaft-Instituts, hebt hervor: „Vor allem die Produktion und der Konsum von Fleisch und Milchprodukten müssen deutlich sinken, um den Ausstoß des besonders schädlichen Methans zu reduzieren. Zudem sollten innovative und klimaschützende Ansätze, wie die regenerative Landwirtschaft sowie klimafreundliche Fleischalternativen, unterstützt werden. Nur so können die immer größeren und realen Klimarisiken in Schach gehalten werden. Um die internationalen Klimaziele zu erreichen, sollte Deutschland auf nationaler Ebene deutlich aktiver den Wandel des Ernährungssystems an- gehen. Dafür kann auf zahlreiche Ansätze und Initiativen in Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aufgebaut werden.”

Quelle des Beitrags bei Nature Climate Change:
Fesenfeld, L.P., Schmidt, T.S., Schrode, A.F. (2018): Climate policy for short- and long-lived pollutants, Nature Climate Change. Online verfügbar hier.

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