Civil Society Report: On the Use and Implementation of the Right to Food Guidelines

Civil Society Report: On the Use and Implementation of the Right to Food Guidelines

Executive Summary:

The right to food is a fundamental pillar to the right to life. Yet it is also arguably the most violated human right globally. Today, hundreds of millions of individuals – some 821 million – remain food insecure. They lack consistent physical and economic access to sufficient, safe and nutritious food to meet their dietary needs. They face obstacles to securing an adequate income to purchase the food needed to feed their families in a dignified manner, and to acquiring rights and access to the resources – water, land, seeds, biodiversity – necessary to produce food. Many laws and policies support industrial, mono-culture modes of agricultural and food production that feed corporate supply chains and harm the environment, while rates of malnutrition continue to soar with massive impacts on the health and wellbeing of populations across the globe. Many who seek to defend their own right to food, and that of their communities and peoples, face retaliation, criminalization, persecution and – all too often – death. These and many other violations of the right to food occur daily, in all corners of the planet, most often in the absence of any possibility of recourse, of access to justice, or of enforcing state accountability.

Although these violations occur, there is a deepening awareness that the realization of the right to food is foundational for achieving food security, poverty eradication, sustainable livelihoods, social stability, peace and security, economic growth, and rural and social development. Right to food realization will also be necessary to meet the ambitious targets set forth in the Sustainable Development Goals (SDGs) for 2030. Just as the importance of the right to food is acknowledged, there is also growing normative consensus on the scope and content of the human right to food, of states’ corresponding obligations to ensure its realization, and of the steps states can take to meet these obligations.

The Voluntary Guidelines to support the Progressive Realization of the Right to Adequate Food in the Context of National Food Security (the RTF Guidelines) have played a critical role in establishing consensus on how to implement the right to food. Spurred by a determined alliance of governments, civil society organizations (CSOs) and UN offices, the RTF Guidelines were negotiated through a participatory process in the Committee on World Food Security (CFS) and adopted unanimously by all member states of the United Nations Food and Agriculture Organization (FAO) in 2004. Since their adoption, the RTF Guidelines have been used to create tool kits and policy guidance to assist states with national implementation. They have also been used, particularly by the Right to Food Unit, now Team, at the FAO, to assist governments in adopting national strategies and legislation aimed at right to food realization.

The RTF Guidelines remain a foundational and ever relevant text, providing critical guidance on right to food implementation. Over the last decade, however, the international community has expanded and deepened its understanding of the steps states should take to realize the right to food, enhancing the recommendations laid out in the Guidelines. The challenge that remains is to translate this understanding into concrete actions on the ground. This synthesis report summarizes the results of broad consultation amongst social movements, Indigenous peoples, small-scale food producers, non-governmental organizations (NGOs), and other CSOs on the use and implementation of the RTF Guidelines, as well as the main challenges that negatively impact the realization of the right to food and nutrition. It is a contribution from the Civil Society Mechanism (CSM) to the Global Thematic Event on the RTF Guidelines to be held during the 45th session of the CFS in October 2018. As such, it aims to contribute to promoting learning from experience and accountability in the CFS, the foremost inclusive international and intergovernmental platform on food security and nutrition, and to reinforcing the important role of monitoring at the CFS.

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Filmkritik: Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

Filmkritik: Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

Eine Filmkritik von Ines Meier
DAVID GEGEN GOLIATH

Bei der Rettung des Saatguts ginge es um Sex, Menschen seien besessen von Sex, selbst wenn es nur Steckrüben-Sex sei. Will Bonsall, Gründer des Scatterseed Projekts, wirkt wie ein hippiesker Weihnachtsmann und schwadroniert schmunzelnd vor seinem Holzschuppen. Diese einigermaßen schräge Szene ist der Beginn des Trailers zu Taggart Siegels und Jon Betz’ Dokumentarfilm „Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen“. Der erste Eindruck also: Hier wird ein Film darauf aus sein, mit  den Mitteln des Boulevards eine Zielgruppe zu kapern, die Saatgut sonst in etwa so spannend und relevant wie Briefmarkensammeln findet. Von dem kleinen Fehltritt darf man sich glücklicherweise nicht irritieren lassen: Dieser Dokumentarfilm geht uns alle an.

Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung – und diese zentrale Ressource ist extrem bedroht. Mehr als 90% Prozent aller Saatgutsorten sind im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft bereits verschwunden. Seit der Übernahme von Monsanto durch Bayer in diesem Jahr beherrschen nur noch drei Konzerne mehr als 60% des weltweiten Saatgut-Marktes. Eine immer größer werdende Bewegung aus Bauern, Gärtnern, Umweltaktivisten, Wissenschaftlern und Bürgern stemmt sich gegen diese Entwicklung. Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen ist nach Queen of the Sun: What Are the Bees Telling Us? über das Bienensterben die zweite Zusammenarbeit der US-amerikanischen Dokumentarfilmer Taggart Siegel und Jon Betz, die auch die gemeinnützige Filmproduktion Collective Eye Films betreiben. Sie machen kein Geheimnis daraus, auf welcher Seite sie im Kampf von David gegen Goliath stehen.

Siegel und Betz führen uns in Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen durch die Geschichte des Saatguts, das über Jahrtausende in der Hand der Bauern lag. Bis vor einigen Jahrzehnten war allen Kulturen quer über den Globus freier Zugang zu Saatgut selbstverständlich, Saatgut war Gemeingut bevor es zum Handelsgut verkam. Für ihre komplexe Bestandsaufnahme mit Fokus auf den amerikanischen Kontinent interviewen Siegel und Betz eine ganze Reihe an Saatgut-Aktivisten – darunter viele indigene Bäuerinnen und Bauern, die Physikerin Vandana Shiva, die Umweltjuristin Claire Hope Cummings, die Primatologin Jane Goodall sowie NGOs und Projekte, die sich dem Aufbau und Erhalt von Saatgutbanken widmen.

Die Geschichte des Saatguts ist letztendlich eine Geschichte des globalen Kapitalismus.  Großindustrielle entwickeln da unter dem Deckmantel des Versprechens auf höhere und bessere Erträge hybrides und genmanipuliertes Saatgut, das vor allem ihrer eigenen Profitmaximierung dient. Da es patentiert ist und nicht mehr von den Bauern vermehrt werden darf, müssen sie es jedes Jahr neu kaufen. Die Saatbanken und Saatgutpraktiken der Bauern werden zerstört, die Bauern und in ihrer Folge die Verbraucher zu Geiseln der Konzerne. Es sind Pflanzen, die nicht von ungefähr auf einen hohen Chemieverbrauch gezüchtet sind, so wie es kein Zufall ist, dass die Konzerne, die den Saatgutmarkt beherrschen, Chemie- und Pharmaunternehmen sind.

Der Film erzählt die Geschichte einer Industrie, die einst Kriegschemikalien verkaufte und sich mit der Landwirtschaft einen neuen Absatzmarkt erschlossen hat. Die Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität sind immens. Der Regen der Pestizide geht direkt neben Siedlungen oder gar Schulen nieder. Auffällig sind in diesen Gegenden erhöhte Raten an Missbildungen, Fehlgeburten und Krebserkrankungen. Massiv drängen die Konzerne in die Länder des Südens, die Kleinbauern dort nehmen Kredite auf, verschulden sich. Die genmanipulierte Saat ist nicht an die regionalen Klimabedingungen angepasst und schädlingsanfällig. Allein in Indien haben sich in den letzten zwanzig Jahren 300.000 Bauern das Leben genommen. Oft, indem sie Pestizide trinken. Die Konzerne stecken riesige Summen in politische Kampagnen und Lobbyismus, sie reagieren auf Klagen mit Gegenklagen, besetzen Regierungspositionen und manipulieren wissenschaftliche Daten.

Man könnte nun vor der Summe dieses Grauens direkt das Handtuch werfen, aber diesem Impuls stemmt sich Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen schon allein stilistisch mit einem gewaltigen Potpourri entgegen. Die eher klassischen Interviewaufnahmen werden flankiert von Nachrichten- und Archivmaterial, Privatfotos, Stock-Footage von umherfliegendem, wasserbeperltem Gemüse und allerlei animierten Sequenzen, bei denen kein Stil dem anderen gleicht. Man reibt sich da eine Weile ungläubig die Augen, bis einem aufgeht: Das stilistische Chaos ist kein Versehen, sondern die Vielfalt der visuellen Stile soll die Forderung nach Vielfalt im Saatgut spiegeln. Was ja wiederum auch eine Art Stringenz ist – und die ist so dermaßen frech verspielt, dass man sich ihrem Charme nach anfänglichem Widerstand schmunzelnd ergibt.

Die passionierten Aktivistinnen und Aktivisten in Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen sind ansteckend. Immerhin steht und fällt mit dem Saatgut nicht nur das Angebot auf unseren Tellern, sondern auch das Überleben zukünftiger Generationen. Nur mit vielfältigem Saatgut werden wir uns den Folgen des Klimawandels anpassen können. Mit dem einher geht eine Landwirtschaft, die künftig nachhaltig wirtschaften muss, statt den Klimawandel weiter voranzutreiben. Man muss Jane Goodall hören, wie sie mit leuchtenden Augen vom Reichtum des Saatguts schwärmt. Den Molekularbiologen Ignacio Chapela, der die Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen als Tanz beschreibt, der eine Kultur überhaupt erst ermöglicht. Die zwei botanischen Entdecker, die über in Tütchen abgepacktes Saatgut in eine dermaßen große Aufregung geraten, dass man sich ein paar Sekunden lang fragt, ob da nicht doch eher Marihuana drin ist. Oder eben Emigdio Ballon aus dem Tesuque Pueblo in New Mexico, der erzählt, wie sein Großvater ihm kurz vor seinem Tod eine Handvoll Samen gab, mit den schlichten Worten: „Dies ist Leben.“

Titelbild: Clayton Brascoupe mit Ähren vom einheimischen Mais der Pueblo in New Mexico © W-film / Collective Eye Films

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Filmkritik: Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

Filmkritik: Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

Eine Filmkritik von Ines Meier
DAVID GEGEN GOLIATH

Bei der Rettung des Saatguts ginge es um Sex, Menschen seien besessen von Sex, selbst wenn es nur Steckrüben-Sex sei. Will Bonsall, Gründer des Scatterseed Projekts, wirkt wie ein hippiesker Weihnachtsmann und schwadroniert schmunzelnd vor seinem Holzschuppen. Diese einigermaßen schräge Szene ist der Beginn des Trailers zu Taggart Siegels und Jon Betz’ Dokumentarfilm „Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen“. Der erste Eindruck also: Hier wird ein Film darauf aus sein, mit  den Mitteln des Boulevards eine Zielgruppe zu kapern, die Saatgut sonst in etwa so spannend und relevant wie Briefmarkensammeln findet. Von dem kleinen Fehltritt darf man sich glücklicherweise nicht irritieren lassen: Dieser Dokumentarfilm geht uns alle an.

Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung – und diese zentrale Ressource ist extrem bedroht. Mehr als 90% Prozent aller Saatgutsorten sind im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft bereits verschwunden. Seit der Übernahme von Monsanto durch Bayer in diesem Jahr beherrschen nur noch drei Konzerne mehr als 60% des weltweiten Saatgut-Marktes. Eine immer größer werdende Bewegung aus Bauern, Gärtnern, Umweltaktivisten, Wissenschaftlern und Bürgern stemmt sich gegen diese Entwicklung. Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen ist nach Queen of the Sun: What Are the Bees Telling Us? über das Bienensterben die zweite Zusammenarbeit der US-amerikanischen Dokumentarfilmer Taggart Siegel und Jon Betz, die auch die gemeinnützige Filmproduktion Collective Eye Films betreiben. Sie machen kein Geheimnis daraus, auf welcher Seite sie im Kampf von David gegen Goliath stehen.

Siegel und Betz führen uns in Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen durch die Geschichte des Saatguts, das über Jahrtausende in der Hand der Bauern lag. Bis vor einigen Jahrzehnten war allen Kulturen quer über den Globus freier Zugang zu Saatgut selbstverständlich, Saatgut war Gemeingut bevor es zum Handelsgut verkam. Für ihre komplexe Bestandsaufnahme mit Fokus auf den amerikanischen Kontinent interviewen Siegel und Betz eine ganze Reihe an Saatgut-Aktivisten – darunter viele indigene Bäuerinnen und Bauern, die Physikerin Vandana Shiva, die Umweltjuristin Claire Hope Cummings, die Primatologin Jane Goodall sowie NGOs und Projekte, die sich dem Aufbau und Erhalt von Saatgutbanken widmen.

Die Geschichte des Saatguts ist letztendlich eine Geschichte des globalen Kapitalismus.  Großindustrielle entwickeln da unter dem Deckmantel des Versprechens auf höhere und bessere Erträge hybrides und genmanipuliertes Saatgut, das vor allem ihrer eigenen Profitmaximierung dient. Da es patentiert ist und nicht mehr von den Bauern vermehrt werden darf, müssen sie es jedes Jahr neu kaufen. Die Saatbanken und Saatgutpraktiken der Bauern werden zerstört, die Bauern und in ihrer Folge die Verbraucher zu Geiseln der Konzerne. Es sind Pflanzen, die nicht von ungefähr auf einen hohen Chemieverbrauch gezüchtet sind, so wie es kein Zufall ist, dass die Konzerne, die den Saatgutmarkt beherrschen, Chemie- und Pharmaunternehmen sind.

Der Film erzählt die Geschichte einer Industrie, die einst Kriegschemikalien verkaufte und sich mit der Landwirtschaft einen neuen Absatzmarkt erschlossen hat. Die Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität sind immens. Der Regen der Pestizide geht direkt neben Siedlungen oder gar Schulen nieder. Auffällig sind in diesen Gegenden erhöhte Raten an Missbildungen, Fehlgeburten und Krebserkrankungen. Massiv drängen die Konzerne in die Länder des Südens, die Kleinbauern dort nehmen Kredite auf, verschulden sich. Die genmanipulierte Saat ist nicht an die regionalen Klimabedingungen angepasst und schädlingsanfällig. Allein in Indien haben sich in den letzten zwanzig Jahren 300.000 Bauern das Leben genommen. Oft, indem sie Pestizide trinken. Die Konzerne stecken riesige Summen in politische Kampagnen und Lobbyismus, sie reagieren auf Klagen mit Gegenklagen, besetzen Regierungspositionen und manipulieren wissenschaftliche Daten.

Man könnte nun vor der Summe dieses Grauens direkt das Handtuch werfen, aber diesem Impuls stemmt sich Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen schon allein stilistisch mit einem gewaltigen Potpourri entgegen. Die eher klassischen Interviewaufnahmen werden flankiert von Nachrichten- und Archivmaterial, Privatfotos, Stock-Footage von umherfliegendem, wasserbeperltem Gemüse und allerlei animierten Sequenzen, bei denen kein Stil dem anderen gleicht. Man reibt sich da eine Weile ungläubig die Augen, bis einem aufgeht: Das stilistische Chaos ist kein Versehen, sondern die Vielfalt der visuellen Stile soll die Forderung nach Vielfalt im Saatgut spiegeln. Was ja wiederum auch eine Art Stringenz ist – und die ist so dermaßen frech verspielt, dass man sich ihrem Charme nach anfänglichem Widerstand schmunzelnd ergibt.

Die passionierten Aktivistinnen und Aktivisten in Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen sind ansteckend. Immerhin steht und fällt mit dem Saatgut nicht nur das Angebot auf unseren Tellern, sondern auch das Überleben zukünftiger Generationen. Nur mit vielfältigem Saatgut werden wir uns den Folgen des Klimawandels anpassen können. Mit dem einher geht eine Landwirtschaft, die künftig nachhaltig wirtschaften muss, statt den Klimawandel weiter voranzutreiben. Man muss Jane Goodall hören, wie sie mit leuchtenden Augen vom Reichtum des Saatguts schwärmt. Den Molekularbiologen Ignacio Chapela, der die Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen als Tanz beschreibt, der eine Kultur überhaupt erst ermöglicht. Die zwei botanischen Entdecker, die über in Tütchen abgepacktes Saatgut in eine dermaßen große Aufregung geraten, dass man sich ein paar Sekunden lang fragt, ob da nicht doch eher Marihuana drin ist. Oder eben Emigdio Ballon aus dem Tesuque Pueblo in New Mexico, der erzählt, wie sein Großvater ihm kurz vor seinem Tod eine Handvoll Samen gab, mit den schlichten Worten: „Dies ist Leben.“

Titelbild: Clayton Brascoupe mit Ähren vom einheimischen Mais der Pueblo in New Mexico © W-film / Collective Eye Films

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Streitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“

Streitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“

Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Missernte des Sommers 2018 zeigt, dass die industrielle Landwirtschaft dem Klimawandel nicht gewachsen ist. Im Gegenteil: Sie feuert ihn weiter an. Sie zerstört die Bodenfruchtbarkeit, erschöpft die Wasservorräte und beschleunigt den Artenschwund. Die Ernährung zukünftiger Generationen steht auf dem Spiel.

Die Untätigkeit der Politik darf nicht länger hingenommen werden. In dieser Überzeugung fordert ein breites Bündnis der deutschen Zivilgesellschaft eine öffentliche Debatte über die Zukunft unserer Ernährung. Dazu stellt es heute in Berlin die Streitschrift „Landwirtschaft am Scheideweg – Nur eine ökologische Landwirtschaft kann zehn Milliarden Menschen ernähren“ vor.

Im Vorfeld des Welternährungstags am 16. Oktober 2018 fordert das Bündnis aus Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V., NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. , Naturfreunde Deutschland e.V., Slow Food Deutschland e.V. und Institut für Welternährung – World Food Institute e.V. eine ökologische Wende: „Jetzt geht es um eine grundlegende Veränderung, um ein innovatives Agrar- und Ernährungssystem, das sich in biologische Kreisläufe und ökologische Netzwerke einpasst, das auf soziale Beziehungen und ökonomischen Ausgleich setzt und damit die Ernährung auf Generationen hinaus sichert, ohne die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten.“

Die Mitunterzeichner setzen vor allem auf die Zivilgesellschaft. Sie rufen dazu auf, die gegenwärtige politische Blockade einer Ernährungswende durch zivilgesellschaftliche Aktionen zu durchbrechen:

• Die Zivilgesellschaft setzt Signale der Veränderung durch Desinvestment aus den Aktien der Agrar- und Ernährungsindustrie.

• Sie schafft Vorbilder, indem sie darauf dringt, dass Kommunen und Kirchen für ihren großen Grundbesitz nur noch Pachtverträge abschließen, die ökologisches Wirtschaften fördern.

• Sie verlangt, dass öffentliche Mittel der Bundesrepublik wie der Europäischen Union nur für gesellschaftlich geforderte Leistungen der Landwirtschaft vergeben werden, die vom Markt nicht ausreichend vergütet werden.

• Sie unterstützt die neue Ernährungsbewegung in Deutschland, die ökologische Ernährungskonzepte als Teil lokaler und regionaler Politik entwickelt.

• Sie fordert, dass chemisch-synthetische Pestizide aus der Produktion verbannt werden, ebenso wie Antibiotika aus der Tierhaltung.

Für die Initiatoren der Streitschrift ist die ökologische Transformation der Landwirtschaft eine globale Herausforderung. Sie startet als ein europäisches Projekt, das in den Regionen beginnt und von einer wachen Zivilgesellschaft getragen wird.

Die Streitschrift „Landwirtschaft am Scheideweg – Nur eine ökologische Landwirtschaft kann zehn Milliarden Menschen ernähren“ steht in verschiedenen Versionen als PDF zum Download zur Verfügung: Kurzversion (DE), Langversion (DE), Short Version (EN), Long Version (EN)

Foto: Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

IWEStreitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“
Streitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“

Streitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“

Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Missernte des Sommers 2018 zeigt, dass die industrielle Landwirtschaft dem Klimawandel nicht gewachsen ist. Im Gegenteil: Sie feuert ihn weiter an. Sie zerstört die Bodenfruchtbarkeit, erschöpft die Wasservorräte und beschleunigt den Artenschwund. Die Ernährung zukünftiger Generationen steht auf dem Spiel.

Die Untätigkeit der Politik darf nicht länger hingenommen werden. In dieser Überzeugung fordert ein breites Bündnis der deutschen Zivilgesellschaft eine öffentliche Debatte über die Zukunft unserer Ernährung. Dazu stellt es heute in Berlin die Streitschrift „Landwirtschaft am Scheideweg – Nur eine ökologische Landwirtschaft kann zehn Milliarden Menschen ernähren“ vor.

Im Vorfeld des Welternährungstags am 16. Oktober 2018 fordert das Bündnis aus Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V., NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. , Naturfreunde Deutschland e.V., Slow Food Deutschland e.V. und Institut für Welternährung – World Food Institute e.V. eine ökologische Wende: „Jetzt geht es um eine grundlegende Veränderung, um ein innovatives Agrar- und Ernährungssystem, das sich in biologische Kreisläufe und ökologische Netzwerke einpasst, das auf soziale Beziehungen und ökonomischen Ausgleich setzt und damit die Ernährung auf Generationen hinaus sichert, ohne die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten.“

Die Mitunterzeichner setzen vor allem auf die Zivilgesellschaft. Sie rufen dazu auf, die gegenwärtige politische Blockade einer Ernährungswende durch zivilgesellschaftliche Aktionen zu durchbrechen:

• Die Zivilgesellschaft setzt Signale der Veränderung durch Desinvestment aus den Aktien der Agrar- und Ernährungsindustrie.

• Sie schafft Vorbilder, indem sie darauf dringt, dass Kommunen und Kirchen für ihren großen Grundbesitz nur noch Pachtverträge abschließen, die ökologisches Wirtschaften fördern.

• Sie verlangt, dass öffentliche Mittel der Bundesrepublik wie der Europäischen Union nur für gesellschaftlich geforderte Leistungen der Landwirtschaft vergeben werden, die vom Markt nicht ausreichend vergütet werden.

• Sie unterstützt die neue Ernährungsbewegung in Deutschland, die ökologische Ernährungskonzepte als Teil lokaler und regionaler Politik entwickelt.

• Sie fordert, dass chemisch-synthetische Pestizide aus der Produktion verbannt werden, ebenso wie Antibiotika aus der Tierhaltung.

Für die Initiatoren der Streitschrift ist die ökologische Transformation der Landwirtschaft eine globale Herausforderung. Sie startet als ein europäisches Projekt, das in den Regionen beginnt und von einer wachen Zivilgesellschaft getragen wird.

Die Streitschrift „Landwirtschaft am Scheideweg – Nur eine ökologische Landwirtschaft kann zehn Milliarden Menschen ernähren“ steht in verschiedenen Versionen als PDF zum Download zur Verfügung: Kurzversion (DE), Langversion (DE), Short Version (EN), Long Version (EN)

Foto: Rubén Díaz Caviedes/Flickr (CC BY-SA 2.0)

IWEStreitschrift zur Zukunft unserer Ernährung: „Landwirtschaft am Scheideweg“
SWR-Reportage: Unser Fleisch – Bio oder Masse?

SWR-Reportage: Unser Fleisch – Bio oder Masse?

Maria Schaefer/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Maria Schaefer/Flickr

Aus der Programmankündigung des SWR: „Fragt man deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher, sagen die meisten, sie würden nicht nur bei Obst und Gemüse, sondern auch bei Fleisch zu Bioprodukten greifen. Die Entscheidung an der Kasse sieht jedoch meist anders aus. Deutsche Supermärkte und Discounter überbieten sich gegenseitig mit Kampfpreisen für Fleisch aus konventioneller Haltung. Viele Kunden können nicht widerstehen und greifen bei billigen Preisen zu. Für viele Fleischerzeuger ist dieser Wettbewerb ruinös. Wie sieht die Alternative aus? Ist es die Umstellung auf Bio?

Es gibt zwei Alternativen aus diesem Dilemma: entweder die Betriebe noch weiter zu vergrößern, um rentabler zu produzieren oder den Wechsel zur Biohaltung, bei der größere Gewinnspannen winken und die Umwelt geschont wird. Beide bergen jedoch Risiken. Noch intensivere Massentierhaltung schädigt die Umwelt und zieht viele Probleme nach sich, vom Tierwohl ganz zu schweigen. Die Umstellung auf Bio ist für die Landwirte ein großes finanzielles Risiko. Das „betrifft“-Team begleitet Bauern, die sich für eine der beiden Alternativen entschieden haben und verfolgt, ob und zu welchem Preis die Umstellung gelingt. Die Autorinnen Tatjana Mischke und Monika Kovacsics haben auch Landwirte getroffen, die versuchen, einen Mittelweg zu gehen: mit konventioneller, aber trotzdem ökologischer und nachhaltiger Fleischproduktion.“

Die Sendung „Unser Fleisch – Bio oder Masse?“ können Sie hier ansehen. 

IWESWR-Reportage: Unser Fleisch – Bio oder Masse?
Studie Universität Augsburg: „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“

Studie Universität Augsburg: „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“

Die Studie der Universität Augsburg  „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“ evaluiert die „versteckten Kosten“ der deutschen Landwirtschaft, die durch drei maßgebliche Umweltbelastungen – Stickstoff, Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch – bei der Produktion von Lebensmitteln entstehen. Diese werden derzeit nicht in die Marktpreise für Lebensmittel einbezogen. Die Studie wurde von der Tollwood GmbH für Kultur- und Umweltaktivitäten gemeinsam mit der Schweisfurth Stiftung in Auftrag gegeben.

Sie offenbart eine erhebliche Fehlbepreisung und damit Marktverzerrung durch die Preisdifferenz, die zwischen den aktuellen Erzeugerpreisen und den wahren Kosten liegt. Die höchsten externen Folgekosten und damit größten Fehlbepreisungen gehen mit der Produktion konventionell hergestellter Produkte tierischen Ursprungs einher. Diese müssten auf Erzeugerebene dreimal so teuer sein, als derzeit bepreist (196 % Aufschlag auf die Erzeugerpreise). Die zweithöchsten Aufschläge müssten für konventionell hergestellte Milchprodukte (96 %) und die niedrigsten für Bio-Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs (6 %) erfolgen.

Bei tierischen Produkten ist die Höhe der externen Kosten und Preisaufschläge insbesondere durch die energieintensive Aufzucht der Nutztiere zu erklären. Dazu zählen Futtermittelanbau, Beheizung und Belüftung der Ställe sowie der Metabolismus der Tiere. Diese Faktoren führen unter anderem zu einer bedeutend höheren Austragung von reaktivem Stickstoff und Treibhausgasen sowie einem höheren Energiebedarf als bei pflanzlichen Produkten. Demnach ist der größte Anteil der Preisaufschläge jeweils auf den Treiber Stickstoff zurückzuführen, gefolgt von Treibhausgasen und Energie.

Am Beispiel von Milcherzeugnissen kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass konventionelle Milcherzeugnisse etwa 30 % teurer sein müssten, der Ladenpreis von biologischen vergleichsweise etwa 10 %. Im aktuellen Ladenpreis sind der Ausstoß von Treibhaus-Emissionen, der Energieverbrauch und der Einsatz von Stickstoffdünger nicht einberechnet.

Im Vergleich konventioneller mit ökologischen Produktionspraktiken führen vor allem der Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger beim Pflanzenanbau sowie ein geringerer Einsatz von industriell produziertem Kraftfutter bei der Nutztierhaltung in allen untersuchten Lebensmittelkategorien zu geringeren externen Kosten und Preisaufschlägen für ökologische Produkte.

„Für viele negative Klima-, Umwelt- und Gesundheitsfolgen, die sich aus der Produktion von Lebensmitteln ergeben, kommen aktuell weder die Landwirtschaft noch die Konsumenten auf“, erklärt Dr. Tobias Gaugler von der Universität Augsburg. „Die hiermit verbundene Preis- und Marktverzerrung stellt – ökonomisch gesprochen – eine Form von Marktversagen dar, der es mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu begegnen gilt. Ausgehend von unseren Ergebnissen und dem ‚polluter pays principle‘ der UN folgend müssten insbesondere Produkte aus konventioneller Nutztierhaltung deutlich mehr kosten, also dies aktuell in Deutschland der Fall ist.“

Die Studie leistet einen Beitrag zur Kostenwahrheit und ist bislang die erste Studie, die für Deutschland diese Umweltbelastungen errechnet hat. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die tatsächliche Preisdifferenz erheblich größer ist. Denn die Datenlage zu gravierenden weiteren Umweltfolgen, wie beispielsweise den gesellschaftlich-sozialen Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen oder den ökologischen Auswirkungen durch den Einsatz von Pestiziden, ist so unzureichend, dass keine Aussagen in der Studie darüber getroffen werden konnten.

„Die gesellschaftlichen Folgekosten durch den immensen Einsatz von Pestiziden sind komplex und sicher hoch“, so der Pestizid-Experte der GRÜNEN LIGA Tomas Brückmann. Hier besteht Forschungsbedarf, um diese Zahlen den gesellschaftlichen Entscheidungsträgern alsbald zur Verfügung zu stellen.“
Dr. Niels Kohlschütter, Geschäftsführer der Schweisfurth Stiftung, kommentiert: „Die Preise sagen uns nicht die Wahrheit. Ökologische und soziale Kosten zahlt die Gemeinschaft und nicht der Konsument. Um Anreize für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und nachhaltigen Konsum gestalten zu können, die auf dem Respekt vor dem Lebendigen beruhen, brauchen wir die Transparenz über die wahren Kosten, die bei der Erzeugung für die Allgemeinheit entstehen. Für ein zweites Preisschild am Produkt benötigen wir die Wissenschaft, die ermittelt, was es wirklich kosten müsste.“

Stephanie Weigel, Bereichsleitung Mensch und Umwelt der Tollwood GmbH, ergänzt: „Die Politik muss umgehend Maßnahmen ergreifen und diese extreme Preis- und Marktverzerrung abstellen, die vor allem die Bio-Lebensmittel am Markt benachteiligt. Es kann nicht angehen, dass die Kosten für ökologische Schäden bei der Lebensmittelproduktion nicht eingepreist sind und stattdessen von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen. So werden die Verbraucher an der Nase herumgeführt. Wenn die Lebensmittel im Supermarkt mit dem wahren Preis ausgezeichnet wären, würden viel mehr Menschen zu Bio-Produkten greifen, die dann kaum mehr teurer wären als konventionell erzeugte.“

Die Studie „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“ finden Sie hier als PDF-Download. 

IWEStudie Universität Augsburg: „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“
Genial lokal. So kommt die Ernährungswende in Bewegung

Genial lokal. So kommt die Ernährungswende in Bewegung

Vielerorts wird versucht, wieder ein lokales, umweltfreundliches und gerechtes Ernährungssystem aufzubauen – angetrieben von den Bürgerinnen und Bürgern. Ernährungsräte sollen hierbei zu einem wichtigen Instrument einer modernen Kommunalpolitik werden, denn: „Essen ist politisch.“ Ein neues Buch zeigt die Energie dieser Vernetzung auf und will dazu beitragen, dass sich Städte wieder aus der Region ernähren.

Billig-Tomaten aus Spanien, Äpfel aus Neuseeland – unsere Lebensmittel haben eine weite Reise hinter sich, ehe sie bei uns landen; Ausbeutung der Beschäftigten vor Ort und Schadstoffe gibt es nicht selten gratis dazu. Unser globalisiertes Ernährungssystem „funktioniert“, doch immer mehr Menschen sind sich der negativen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen bewusst, wollen Veränderungen – und wollen vor allem wieder wissen, woher ihr Essen kommt.

Mit ihrem am 1. Oktober 2018 erscheinenden Buch „Genial lokal. So kommt die Ernährungswende in Bewegung“ möchten der bekannte Filmemacher Valentin Thurn sowie Gundula Oertel und Christine Pohl den Bürgerinnen und Bürgern die Entscheidungsmöglichkeiten über ihr Essen zurückgeben – und dazu motivieren, die Ernährungswende selbst in die Hand zu nehmen. Dabei zieht das Autorentrio Bilanz, deckt Schwächen auf und zeigt vor allem wie es – anders – geht.

Im Zentrum stehen sogenannte Ernährungsräte, zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse, die sich ausgehend von den USA stark ausbreiten. Was sind und wie funktionieren Ernährungsräte? Wo ist der nächste ansässig, was ist bei der Gründung zu beachten? Das Buch gibt Antworten und präsentiert Tipps: von A wie Arbeitsteilung bis Z wie Ziviler Ungehorsam und zeigt auf, wie lokal agierende Ernährungsräte zu einem politisch wirkungsmächtigen und bestens geeigneten Instrument zur Durchsetzung der Ernährungswende werden.

Veranstaltungen

Samstag, 6. Oktober, 13 Uhr (Berlin) 
“Stadt Land Food“
Lesung und Buchvorstellung mit Valentin Thurn, Gundula Oertel und Christine Pohl
Veranstaltungsort: Markthalle Neun/Eisenbahnstraße 42/43, 10997 Berlin.

Donnerstag, 8. November, 19:30 Uhr (Krefeld)
„10 Milliarden. Wie werden wir alle satt?“ 
Filmvorführung und Regisseurgespräch mit Valentin Thurn
Veranstaltungsort: Südbahnhof Krefeld / Werkhaus e.V.

Donnerstag, 4. April 2019, 18 Uhr (Bochum)
„Wie die Ernährungswende in Schwung kommt“ 
Vortrag von Valentin Thurn
Veranstaltungsort: Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Valentin Thurn, Gundula Oertel, Christine Pohl, »Genial lokal. So kommt die Ernährungswende in Bewegung«, 288 Seiten, Klappenbroschur, ISBN 978-3-96238-055-7, 20 Euro / 20,60 Euro (A). Auch als E-Book erhältlich.

IWEGenial lokal. So kommt die Ernährungswende in Bewegung
Soil bacterial networks are less stable under drought than fungal networks

Soil bacterial networks are less stable under drought than fungal networks

Source: ashleigh290 / Flickr (CC BY 2.0)

Abstract:
Soil microbial communities play a crucial role in ecosystem functioning, but it is unknown how co-occurrence networks within these communities respond to disturbances such as climate extremes. This represents an important knowledge gap because changes in microbial networks could have implications for their functioning and vulnerability to future disturbances. Here, we show in grassland mesocosms that drought promotes destabilising properties in soil bacterial, but not fungal, co-occurrence networks, and that changes in bacterial communities link more strongly to soil functioning during recovery than do changes in fungal communities. Moreover, we reveal that drought has a prolonged effect on bacterial communities and their co-occurrence networks via changes in vegetation composition and resultant reductions in soil moisture. Our results provide new insight in the mechanisms through which drought alters soil microbial communities with potential long-term consequences, including future plant community composition and the ability of aboveground and belowground communities to withstand future disturbances.

Read or download full study here.

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Hitzewellen verändern Böden nachhaltig

Hitzewellen verändern Böden nachhaltig

Quelle: Mimikry11/ CC-by-sa 3.0

Quelle: Mimikry11/ CC-by-sa 3.0

Der Artikel „Hitzewellen verändern Böden nachhaltig“ erschien bei dem Wissensmagazin scinexx.de. und nimmt Bezug auf die u.a. von der University of Manchester veröffentlichten Studie „Soil bacterial networks are less stable under drought than fungal networks“.

Auszug:
„Die aktuelle Hitzewelle könnte unsere Böden länger beeinträchtigen als bisher angenommen. Denn wie ein Experiment enthüllt, schadet die Trockenheit besonders den Bodenbakterien und ihren ökologisch wichtigen Netzwerken – und dies nicht nur während der Dürre, sondern noch Monate danach. Weil sich auf Wiesen und Wiesen zudem die Graszusammensetzung verschiebt, könnten Hitzewellen sogar dauerhafte Spuren hinterlassen, so die Forscher.

Böden sind nicht nur ein ökologisch wichtiger Lebensraum, sie gehören auch zu den wichtigsten Akteuren im Klimasystem. Denn in ihnen finden die Abbauprozesse statt, die Pflanzen ihre Nährstoffe bereitstellen und je nach Zustand entweder Kohlenstoff einlagern oder CO2 freisetzen. Entscheidend für diese Funktionen des Bodens sind Bodenbakterien und Pilze, deren Netzwerke die Böden durchziehen.

Wie aber reagieren diese so wichtigen Bodenbewohner auf Dürren und Hitzewellen? Angesichts der Tatsache, dass solche Wetterextreme durch den Klimawandel immer häufiger werden, ist dies eine für die Ökologie, aber auch die Landwirtschaft entscheidende Frage. „Viele Studien haben bereits demonstriert, dass solche Klimaextreme erhebliche Auswirkungen auf die mikrobiellen Gemeinschaften des Bodens haben können“, berichten Franciska de Vries von der University of Manchester und ihre Kollegen.

Doch wie sich die Mikroben-Netzwerke im Boden durch eine Dürre wie in diesem Sommer genau verändern und wer dabei Gewinner oder Verlierer sind, war kaum bekannt. Um das zu klären, haben die Forscher ein Langzeit-Experiment im Gewächshaus durchgeführt. Dafür säten sie typische Gräser in aus Wiesen entnommene Erde und ließen diese zwei Jahre lang wachsen. Im zweiten Jahr setzten sie die Hälfte der Grasflächen einer Jahrhundert-Dürre aus – ähnlich wie sie in diesem Jahr in vielen Teilen Europas herrscht.

Es zeigte sich: Während die Pilze im Boden die Dürre überraschend gut überstanden und sogar davon profitierten, war dies bei den Bodenbakterien nicht der Fall: Ihre Artenvielfalt und Menge sank während der Trockenperiode rapide ab, wie die Forscher berichten. Gleichzeitig veränderte sich die Struktur der bakteriellen Netzwerke in den Böden erheblich. „Sie entwickelten Merkmale, die auf eine geringe Stabilität bei Störungen hindeuten“, so die Wissenschaftler.

Das Entscheidende jedoch: Auch nachdem die Böden wieder genügend Wasser bekamen, erholten sich die Bakteriengemeinschaften nicht – im Gegenteil. Noch zwei Monate später waren die Mikrobenanzahl und deren Aktivität deutlich verringert. Dadurch waren auch ökologische Funktionen der Böden wie die Stickstoffbindung und die Bodenatmung noch lange nach der Dürre messbar verändert und beeinträchtigt, wie die Forscher berichten.

Ein weiterer, nachhaltiger Effekt der Dürre war eine veränderte Artenzusammensetzung der Vegetation: Schnellwachsende Grasarten wie das Wiesen-Knäuelgras (Dactylis glomerata) vertrugen die Trockenheit besser. Sie breiteten sich daher stärker aus und verdrängten im Laufe der Zeit das langsamer wachsende Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), wie de Vries und ihre Kollegen beobachteten.“

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IWEHitzewellen verändern Böden nachhaltig